Leberzirrhose (Schrumpfleber)

Leberzirrhose – Diagnose, Symptome, Lebenserwartung

Die Leber ist ein großes, auf den ersten Blick aber dennoch eher unscheinbares Organ im rechten Oberbauch. Wie vielfältig ihre Funktionen sind, fällt meistens erst dann auf, wenn sie nicht mehr richtig ausgeführt werden. Die Leberzirrhose ist das Endstadium vieler chronischer Lebererkrankungen, die im Verlauf zu einer vollständigen Zerstörung des Lebergewebes und damit zu einem Funktionsverlust der Leber führt.

Die Leber ist für viele Stoffwechselvorgänge zuständig. Zum Beispiel werden viele giftige Endprodukte des Stoffwechsels über die Leber ausgeschieden. Auch viele Medikamente werden über die Leber abgebaut. Außerdem ist die Leber ist für die Synthese vieler Stoffe zuständig. So werden zum Beispiel Bluteiweiße wie Albumin in der Leber hergestellt. Und auch für die Blutgerinnung spielt die Leber eine wichtige Rolle. Zusätzlich können Glucose und einige Vitamine in der Leber gespeichert werden.

Leberzirrhose

Fortgeschrittene Leberzirrhose Urheber: eranicle / 123RF

 

 

Ursachen der Leberzirrhose

Es gibt verschiedene Erkrankungen, die für eine chronische Entzündung der Leber verantwortlich sein können. Dazu gehört in erster Linie übermäßiger Alkoholkonsum und die Virushepatitis. Es gibt aber auch Autoimmunerkrankungen der Leber wie die Autoimmunhepatitis, bei der der Körper selbst das Lebergewebe angreift.

Auch Stoffwechselerkrankungen wie die Hämochromatose, bei der es zu vermehrten Eisenablagerungen im Körpergewebe kommt oder dem Morbus Wilson, bei dem sich vermehrt Kupfer im Körper einlagert, können die Leber schädigen. Außerdem können Medikamente wie Paracetamol bei übermäßigem Gebrauch einen Leberschaden verursachen. Bei Patienten mit einer chronischen Schwäche des rechten Herzens, bei denen sich Blut vor dem rechten Herzen bis in die Leber zurück staut, kann die Leber sich ebenfalls chronisch entzünden.

Eine lang andauernde chronische Entzündung der Leber geht irgendwann in eine narbige Umbauphase über, bei der das Lebergewebe durch Bindegewebe ersetzt wird. Die Leber wird dadurch verkleinert, höckrig und hart. Außerdem verliert sie zunehmend ihre Funktion, was am Ende in ein tödliches akutes Leberversagen münden kann.

Leberzirrhose

Gesunde Leber – Leberzirrhose Urheber: eranicle / 123RF

 

Diagnose und Symptome der Leberzirrhose

Viele Symptome einer Leberzirrhose sind zunächst unspezifisch. Es kann zu Appetitverlust, Übelkeit und Schmerzen im rechten Oberbauch kommen. Außerdem tritt oft ein ausgeprägtes Schwächegefühl auf. Häufig kommt es auch zu einer Gewichtsabnahme bei gleichzeitiger Zunahme des Bauchumfangs durch Wasseransammlungen in der Bauchhöhle.

Wenn die Leber ihre Funktion verliert, sammeln sich Giftstoffe im Körper an. Einer dieser Stoffe ist zum Beispiel Ammoniak, was in höheren Dosierungen schwere Schäden am Gehirn verursachen kann. Außerdem werden keine oder zu wenig Bluteiweiße hergestellt, sodass ein Eiweißmangel im Blut herrscht. Dadurch tritt vermehrt Flüssigkeit aus den Blutgefäßen aus und sammelt sich im Körper an. Wenn sich das Wasser in der Bauchhöhle ansammelt, nennt man das Aszites oder Bauchwassersucht.

Das kann zu einer extremen Vermehrung des Bauchumfangs und zu Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Luftnot führen. Durch den Leberschaden kann es außerdem zu einem Rückstau von Blut in der Pfortader kommen. Das ist das Gefäß, was das Blut aus dem Magen-Darm-Trakt zur Leber transportiert. Ein Rückstau führt zur Ausbildung von Krampfadern in der Speiseröhre oder im Magen, die im schlimmsten Fall zu massiven, lebensbedrohlichen Blutungen führen können.

Es gibt außerdem verschiedene Zeichen an der Haut, die auf eine Leberzirrhose hindeuten. Das sind zum Beispiel sogenannte Spider naevi als kleine, rote, sternförmige Gefäßzeichnungen. Auch auffällig rote und glänzende Lippen und Zunge, Lacklippen oder Lackzunge genannt, können auf die Erkrankung hindeuten. Wenn die Abbau- und Ausscheidungsfähigkeit der Leber abnimmt, kommt es außerdem zu einer Ansammlung von Bilirubin im Blut. Dieser Stoff entsteht beim Abbau von Blutkörperchen und hat eine gelbe Farbe (Gelbsucht /Ikterus). Reichert er sich im Körper an, führt das zu einer Gelbfärbung der Haut und der Schleimhäute, die man meistens zuerst an den Bindehäuten der Augen bemerkt. Auch ein verstärkter Juckreiz der Haut kann dadurch verursacht werden.

Außerdem werden bei geschädigter Leber weniger Gerinnungsfaktoren produziert, sodass die Blutgerinnung beeinträchtigt und die Gefahr von Blutungen erhöht wird.

Erkennen kann man die Leberzirrhose an den typischen Symptomen in Zusammenhang mit der Anamnese einer vorbekannten chronischen Lebererkrankung. Man kann aber auch im Ultraschall die Veränderungen der Leber sehen, nämlich eine Verkleinerung und eine narbige, höckrige Oberfläche des Organs. Um sicher zu gehen, ist auch eine Punktion der Leber möglich. Dabei wird eine kleine Gewebeprobe entnommen und dann unter dem Mikroskop untersucht. Man kann dort die narbige, bindegewebige Umwandlung der Leberzellen erkennen.

 

Komplikationen der Leberzirrhose im Überblick

  • Flüssigkeitsansammlungen
  • Gelbsucht (Ikterus)
  • Gastrointestinale Blutungen
  • Enzephalopathie
  • Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom

 

Stadien der Leberzirrhose

Die Leberzirrhose wird in drei verschiedene Stadien eingeteilt, die man als Child-Pugh-Score bezeichnet – Child A, B und C .

Es gibt fünf Faktoren, die man zur Berechnung des Child-Stadiums berücksichtigt:

  •  Den sogenannten INR-Wert als Maß für die Blutgerinnung
  •  Den Albuminspiegel als Maß für die Eiweißmenge im Blut
  •  Den Bilirubinspiegel als Maß für den Abbau und die Ausscheidung von Stoffwechselendprodukten
  •  Die Menge des Bauchwassers, Aszites, das entsteht, wenn durch verminderte Synthesefähigkeit der Leber zu wenig Eiweiß im Blut ist
  •  Das Maß der Gehirnschädigung, die durch giftige Stoffwechselendprodukte wie Ammoniak verursacht wird

Je nach Ausprägung dieser fünf Faktoren gibt es eine bestimmte Punktzahl, die zu einem Score addiert wird und eine Einstufung in das jeweilige Stadium ermöglicht.

 

Child-Pugh-Kriterien als Stadien der Leberzirrhose

  Parameter1 Punkt2 Punkte3 Punkte
Albumin in g/dl>3,52,8–3,5<2,8
Bilirubin in mg/dl
(µmol/l)
<2,0
(<35)
2,0–3,0
(35–50)
>3,0
(>50)
Bilirubin bei PBC und PSC in mg/dl
(µmol/l)
<4,0
(<70)
4–10
(70–170)
>10,0
(>170)
Quick (%)>7040–70<40
bzw. INR<1,701,71-2,20>2,20
Aszites in der Sonographiekeinmittelgradigmassiv
Grad der EnzephalopathiekeineI–IIIII–IV

Quelle der Daten der Tabelle:   flexikon.doccheck.com/de/Child-Pugh-Kriterien

 

Prognose und Lebenserwartung der Leberzirrhose

PunkteStadium1-Jahres-Überlebensraten5-Jahres-Überlebensraten10-Jahres-Überlebensratenperioperative Mortalität
5–6A84 %44 %27 %10 %
7–9B62 %20 %10 %30 %
10–15C42 %21 %0 %

Quelle der Daten der Tabelle:  de.wikipedia.org/wiki/Child-Pugh-Score

 

 

Zusammenfassung der Stadien der Leberzirrhose:

Im Stadium Child A funktioniert die Leber noch relativ gut.

Das Stadium Child C steht für eine weit fortgeschrittene Leberzirrhose.

Dieses Stadium hat eine extrem schlechte Prognose. Nur etwa 40 Prozent der Patienten überleben das nächste Jahr, 20 Prozent der Patienten überleben die nächsten fünf Jahre. Im Stadium B ist die Fünfjahresüberlebensrate nur wenig höher, das erste Jahr überleben immerhin etwa 60 Prozent. Im Stadium Child A liegt die Einjahresüberlebensrate bei circa 85 Prozent, fünf Jahre überleben im Schnitt etwa 45 Prozent der Patienten.

Eine Leberzirrhose erhöht außerdem das Risiko von Leberkrebs sehr stark. Deshalb müssen Patienten mit ausgeprägter Leberzirrhose regelmäßig vom Arzt untersucht werden, um das Auftreten von Leberkrebs frühzeitig zu bemerken.

 

Wie wird eine Leberzirrhose behandelt?

Die Leberzirrhose ist nicht heilbar, aber eine konsequente Behandlung kann die Lebenserwartung deutlich erhöhen. Selbst wenn etwa 80 Prozent des Lebergewebes zerstört sind, reicht das in der Regel aus, um die Funktionen der Leber noch aufrecht zu erhalten. Die wichtigste Komponente bei der Therapie ist der Verzicht auf alle Substanzen, die der Leber schaden könnten. Das ist in erster Linie Alkohol. Aber auch verschiedene Medikamente und Nahrungsmittel sollten von Patienten mit Leberzirrhose vermieden werden. Als letzte Option kommt manchmal auch eine Lebertransplantation in Frage.

 

 

Komplikationen der Leberzirrhose: http://www.leberzentrum-wuerzburg.de/…

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Leber

Autorenprofil

Anna Nilsson, Medizinredakteurin

Anna Nilsson, Journalistin und Medizinredakteurin seit 2001 mitwirkende Autorin im Gesundheitsmagazin www.grossesblutbild.de


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