Die Leber ist wichtiger Bestandteil des Magen-Darm-Traktes. Es handelt sich dabei um unser zweitgrößtes Organ – das größte ist die Haut. Die Leber ist eine Drüse und wiegt bis zu zwei Kilogramm und liegt direkt unterhalb des Zwerchfells. Den größten Teil davon findet man im rechten Oberbauch. Sie hat vielfältige Funktionen im Stoffwechsel und dient dem Aufbau, der Speicherung und dem Abbau zahlreicher Substanzen.Leber Aufbau und Funktionen

Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Die Leber ist unsere größte Drüse und wiegt bis zu zwei Kilogramm.
  2. Sie sitzt unterhalb des Zwerchfells größtenteils im rechten Oberbauch.
  3. Anatomisch unterteilt man sie in vier Lappen und acht Segmente.
  4. Die Leberzellen oder Hepatozyten sind kleine Chemiewerke, die ständig Substanzen produzieren oder abbauen.
  5. Daneben ist das Organ wichtig für die Blutbildung und Speicherung oder Unschädlichmachung zahlreicher Stoffe.

Lage: Wo sitzt die Leber im Körper?

Projiziert man die Leber auf die Bauchwand, so reicht sie von der fünften linken Rippe auf der linken Seite bis zur siebten und auf der rechten Seite bis zur zehnten Rippe. Der obere Teil ist von Zwerchfell und Rippen bedeckt, der untere vordere Rand liegt direkt der Bauchwand an.

Lage der Leber Anatomie: Wie sieht das Organ von außen aus?

Die Leber ist keilförmig und hat zwei prominente Seiten: oben, dem Zwerchfell (Diaphragma) zugewandt eine konvexe Zwerchfellseite (Facies diaphragmatica) und unten auf Seite der Eingeweide (Viscera) eine Eingeweideseite (Facies visceralis). Beide Seiten sind durch eine seröse Hülle spiegelglatt, sodass sich das Organ im Bauchraum abhängig von den Atembewegungen und bei Bewegungen des benachbarten Darmes verschieben kann.

Die freie Verschieblichkeit wird auf der Zwerchfellseite durch eine feste Verwachsung mit dem Atemmuskel begrenzt. Für weitere Verankerung sorgt eine Reihe von bindegewebigen Bändern (Ligamenten), die das Organ an Ort und Stelle halten.

Das Video zum Aufbau der Leber (Organ)

Leberlappen und Lebersegmente

Betrachtet man das Organ von unten, erkennt man vier Leberlappen, die etwa in der Form eines H angeordnet sind. Bezeichnet werden sie als

  • rechter Leberlappen (Lobus dexter)
  • linker Leberlappen (Lobus sinister)
  • Quadratlappen (Lobus quadratus)
  • geschwänzter Lappen (Lobus caudatus).

Nach dem Verlauf der Gefäße und Gallengänge unterteilt man die vier Leberlappen in acht Lebersegmente. Die genaue Abgrenzung ist nur mittels Kontrastmittel möglich – wichtig für chirurgische Eingriffe.

Untersuchung der Leber
Copyright: stockdevil bigstockphoto – CT scan der Leber

Ein Haufen Dellen: Abdrücke anderer Organe

Auf der Zwerchfellseite fällt eine kleine Delle auf – sie kommt durch den Abdruck des Herzbeutels und des Herzens zustande und wird daher als Impressio cardiaca bezeichnet.

Wesentlich mehr Organe hinterlassen auf der Eingeweideseite ihre Abdrücke. Dieses sind

  • Speiseröhre (Ösophagus) – Impressio oesophagealis
  • Magen (Gaster) – Impressio gastrica
  • Dickdarm (Colon) – Impressio colica
  • Zwölffingerdarm (Duodenum) – Impressio duodenalis
  • rechte Niere (Ren dexter) – Impressio renalis
  • rechte Nebenniere (Glandula suprarenalis dextra) – Impressio suprarenalis.

Hier geht es rein und raus: Die Leberpforte

In der Mitte des H auf der Unterseite liegt die Leberpforte. Wie der Name bereits andeutet verlaufen hier die beiden großen Blutgefäße: Die Leberarterie (Arteria hepatica propria) bringt Blut hinein, die Pfortader (Vena portae) führt es heraus. Außerdem leitet der Lebergallengang (Ductus hepaticus communis) die produzierte Galle in die Gallenblase. Hinzu kommen Lymphgefäße und Nerven.

Bekannt ist die Leberpforte vom Pfortaderstau – ist der Blutfluss durch die Leber etwa bei Alkoholismus behindert, staut sich das Blut davor und versucht über Umweichstrecken die Leber zu umgehen. Dadurch bilden sich Ösophagusvarizen und das charakteristische Medusenhaupt der oberflächlichen Gefäße der Bauchwand.

Wie sieht die Leber innen aus?

Das Innere kennen die meisten von Ihnen am ehestem von der Auslage beim Metzger – wenn auch in Scheiben geschnitten. Von einer ähnlichen Farbe und Konsistenz ist das Organ auch beim Menschen: außen spiegelglatt von einer dünnen Haut umgeben, im Inneren liegt weiches Parenchymgewebe, das von zahlreichen Adern durchzogen sind.

Was bei der Kalbsleber die Löcher verursacht, sind die Blutgefäße, die für eine gründliche Durchblutung des Organs sorgen. Hinzu kommen Gallengänge. Sie durchziehen ein lockeres, braunes Parenchymgewebe, das von den kleinen Stoffwechselfabriken, den Leberzellen oder Hepatozyten gebildet wird.

Insgesamt wiegt die Leber drei bis vier Pfund und ist beim Mann etwas größer als bei der Frau. Außen wird sie von einer stabilen Organkapsel, der Leberkapsel umgeben. Sie ist der einzige Teil der Leber, der von sensiblen Nerven durchzogen wird und daher schmerzempfindlich ist. Dagegen empfindet das Organ selbst keine Schmerzen – man muss fast sagen leider. Wäre sie schmerzempfindlich, würden viele Menschen dem sensiblen Organ sicherlich weniger Fett und Alkohol zumuten.

Die Funktionen der Leber

Unsere Leber ist eine regelrechte Chemiefabrik. Die Hepatozyten sind ständig mit der Synthese verschiedenartigster Substanzen beschäftigt; einen Teil hält sie auf Vorrat, andere nicht mehr benötigte oder giftige Stoffe werden abgebaut und in eine Form gebracht, die eine Ausscheidung über Nieren oder Darm erlaubt.

Syntheseleistungen der Leber

Die Leber synthetisiert zahlreiche Metabolite des Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fettstoffwechsels. Wichtig für den Energiestoffwechsel ist vor allem die Glukoneogenese, die Neubildung der Energiewährung Traubenzucker (Glukose) aus Fetten, Eiweißen und Kohlenhydraten.

Im Fettstoffwechsel ist vor allem die Bildung von Cholesterin wichtig, das die Ausgangssubstanz der Steroidhormone darstellt und in allen Zellmembranen des Körpers vorhanden ist. Ebenso werden hier Fettsäuren und Lipoproteine gebildet und umgebaut und die Gallensäuren synthetisiert.

Wichtig ist die Leber als erstes Organ der Blutbildung in der Fetalphase bis zum siebten Schwangerschaftsmonat. Erst danach beginnt das Knochenmark mit der Übernahme dieser Funktion.

Später liefert die Leber weiterhin wichtige Bluteiweiße wie das Albumin, zu dem auch die meisten Globuline, Gerinnungsfaktoren und Akute-Phase-Proteine gehören.

Zu den wichtigen Syntheseleistungen gehört außerdem die Bildung von Vitamin D, dessen Vorstufen in der Haut unter UV-Licht produziert werden.

Die Leber als Speicherorgan

Im Kohlenhydratstoffwechsel ist die Leber das wichtigste Speicherorgan für Glykogen, aus dem bei Bedarf schnell Glukose für die Muskelarbeit freigesetzt wird. Auch Fette werden in dem Organ gespeichert – im Übermaß genossen führt fettreiche Nahrung und Alkohol zur Fettleber.

Nicht zu unterschätzen ist die Kapazität für Blutzellen – neben der Milz dient das Organ als wichtiger Blutspeicher, aus dem Blutzellen je nach Versorgungslage freigesetzt und an die Blutbahn abgegeben werden.

Ebenso gespeichert werden Eisen, Kupfer sowie weitere Mineralstoffe und Vitamine.

Sonographie Ultraschall Untersuchung
Sonographie der Leber Diagnostik beim Arzt, Copyright: cucurudza, Bigstockphoto

Abbau und Entgiftung in der Leber

Alles was im Körper an Giftstoffen und Endprodukten anfällt, so auch die meisten Medikamente, landen früher oder später zur Entgiftung in der Leber.

Zu den prominentesten Abbauprodukten gehören die Reste überalterter roter Blutkörperchen. Sie werden vom Trabelwerk der Milz und den Kupfferschen Sternzellen der Leber, speziellen Makrophagen, abgefangen und zerkleinert.

Das dabei anfallende Häm aus dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin wird zu Bilirubin und verwandten Substanzen abgebaut. Sie sind Hauptbestandteil der Gallenflüssigkeit und emulgieren bei der Verdauung Fette, sodass die kleinen Tröpfchen leichter von Verdauungsenzymen gespalten werden können.

Ganz ähnlich ergeht es Krankheitskeimen, die im Blut herumschwimmen – auch diese filtert die Leber heraus und macht sie unschädlich.

Nicht minder wichtig ist der Harnstoff als Abbauprodukt des Eiweißstoffwechsels, der über die Nieren ausgeschieden wird, und die Beseitigung von Alkohol aus der Blutbahn.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart: Springer-Verlag (2012). ISBN-10: 3642331076.
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln: G. Herold Verlag (2018). ISBN-10: 3981466063.
  • Robert F. Schmidt, Gerhard Thews, Florian Lang: Physiologie des Menschen (Springer-Lehrbuch). Stuttgart 2000: Springer-Verlag. ISBN-10: 3540667334.
  • Rainer Klinge, Stefan Silbernagl: Lehrbuch der Physiologie. Stuttgart 2005: Thieme-Verlag. ISBN-10: 3137960045.
  • Alfred Benninghoff, Detlev Drenckhahn: Anatomie, Makroskopische Anatomie, Embryologie und Histologie des Menschen. Band 1: Zelle, Gewebe, Entwicklung, Skelett- und Muskelsystem, Atemsystem, Verdauungssystem, Harn- und Genitalsystem. 17. Auflage. München 2008: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN-10: 9783437423420.
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Dr. rer. medic. Harald Stephan, Doktor der Medizinwissenschaften und Naturwissenschaftler mit medizinischer Promotion. Dieser Artikel entspricht aktuellen wisenschaflichen Standards und medizinischen Leitlinien.
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