Herzkatheteruntersuchung zur Darstellung der Herzkranzgefäße

Druck auf der Brust, Luftnot, Brustschmerzen- die typischen Zeichen, mit denen das Herz nach Hilfe schreit. Sie deuten darauf hin, dass der Herzmuskel nicht richtig mit Blut versorgt wird, weil die Herzkranzgefäße verengt sind. Um die Engstellen in den Herzgefäßen zu finden und zu beheben, verwendet der Kardiologe die invasive Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiografie).

Wir zeigen wie die Untersuchung abläuft, welche Methoden angewandt werden, welche Risiken bestehen und wie lange die Herzkatheteruntersuchung dauert.

Koronarangiographie
Koronarangiographie – Die Herzkatheteruntersuchung Urheber: stockbroker / 123RF
Die Koronarien oder Herzkranzgefäße sind die Arterien, die das Herz selbst mit Blut versorgen. Es gibt zwei Koronararterien, eine davon zweigt sich jedoch schon kurz nach ihrem Ursprung in zwei Äste auf. Je nachdem, an wie vielen davon Engstellen vorliegen, spricht man von einer koronaren Ein-, Zwei- oder Dreigefäßerkrankung.

Koronarangiographie

Die Koronararterien sind die ersten Gefäße, die von der Aorta, der Hauptschlagader, abgehen. Die rechte Arterie (RCA= right coronary artery) versorgt die Hinterwand des Herzens und zwei wichtige Rhythmuszentren, nämlich den Sinusknoten, der den Takt des Herzens vorgibt und den AV-Knoten, der die elektrische Erregung von den Vorhöfen auf die Herzkammern überleitet.

Die linke Koronararterie hat zuerst einen sogenannten Hauptstamm und zweigt sich dann auf in die Vorderwandarterie (LAD= left anterior descending) und die Seitenwandarterie (RCX= Ramus circumflexus).

Luftnot, Brustschmerz, Herzinfarkt: Gründe für eine Koronarangiographie

Es gibt zwei Hauptgründe für eine Koronarangiographie. Der eine ist die Notfallsituation Herzinfarkt. Bei einem Herzinfarkt liegt ein Verschluss eines Herzkranzgefäßes vor. Das bedeutet, dass ein Teil des Herzmuskels nicht mehr durchblutet wird und dadurch beginnt abzusterben. Deswegen muss in diesem Fall so schnell wie möglich eine Koronarangiographie durchgeführt werden, um das entsprechende Gefäß zu eröffnen und wieder einen Blutfluss zu ermöglichen.

Der zweite typische Grund für eine Koronarangiographie ist, wenn Patienten Beschwerden haben, die darauf hindeuten, dass die Herzkranzgefäße verengt sind. Dann wird der Herzmuskel, wenn er stark arbeiten muss, nicht mehr richtig durchblutet. Die typischen Beschwerden, die dadurch auftreten, sind Brustschmerzen, Druck auf der Brust oder Luftnot bei körperlicher Belastung. In diesem Fall wird die Untersuchung aber nicht als Notfall, sondern geplant durchgeführt.

EKG – Copyright: Korawig, Bigstockphoto

Koronarangiographie Ablauf

Es gibt zwei mögliche Abläufe bzw. Zugangswege für eine Koronarangiographie. In der Regel entscheidet der jeweilige Untersucher, ob er über die Leistenarterie, die Arteria femoralis, oder über die Armarterie, die Arteria radialis, einen Katheter legt.

So wird die Koronarangiographie durchgeführt:

Die Koronarangiographie wird nur unter örtlicher Betäubung der Einstichstelle durchgeführt. Das bedeutet, Sie sind bei der Untersuchung wach und können in der Regel über einen Monitor selbst die Darstellung der Herzkranzgefäße beobachten.

Um das Infektionsrisiko zu minimieren und keine Keime in die Blutbahn zu bringen, wird vor Beginn der Untersuchung der Bereich der Einstichstelle gut desinfiziert. Unter einer örtlichen Betäubung wird dann die Arterie mit einer Kanüle punktiert. Dann wird ein Führungsdraht in das Gefäß geschoben.

Darüber wiederum wird ein kurzer Kunststoffschlauch, die sogenannte Schleuse, in die Arm- oder Leistenarterie gelegt. Die Schleuse bildet dann den Zugang zur Arterie, über den verschiedene Katheter – das sind lange dünne Kunststoffschläuche – eingebracht werden können. Sie ist mit einem Rückschlagventil ausgestattet, sodass beim Wechseln des Katheters kein Blut austritt.

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Der Katheter wird dann bis zum Herzen vorgeschoben. Wenn man nun den Katheter an der richtigen Stelle des Herzkranzgefäßes platziert und dann ein Kontrastmittel hindurch spritzt, kann man damit den Verlauf der Herzkranzgefäße sichtbar machen.

Für jede der Arterien gibt es einen anderen Katheter mit einer speziellen Biegung an der Spitze, mit dem man einen besonders guten Zugang bekommt.

Eine Engstelle der Herzkranzgefäße- und jetzt?

Durch die Darstellung der Herzkranzgefäße mithilfe des Kontrastmittels kann man sehen, wenn an einer Arterie eine Engstelle ist oder das Gefäß sogar ganz verschlossen. Wenn sich der Untersucher vom visuellen Eindruck nicht sicher ist, ob die Engstelle im Gefäß so relevant ist, dass sie den Blutfluss beeinträchtigt, können auch spezielle Druckmessungen durchgeführt werden.

Instabile Angina pectoris
Ballon-Angioplastie und Stents Verfahren zur Behandlung von Ballon-Angioplastie und Stents Verfahren zur Behandlung von Herzkrankheiten. Medizinische Illustration Copyright: Solar22, Bigstockphoto

An Stellen im Gefäß, die eine relevante Engstelle haben oder verschlossen sind, wird dann ein Ballon über den Katheter eingeführt. Dieses Vorgehen nennt man Angioplastik. Der Ballon wird an der engen Stelle aufgeblasen, um das Gefäß dort wieder aufzudehnen. In der Regel wird danach noch eine Gefäßstütze an dieser Stelle eingesetzt.

Diese Stütze heißt „Stent einsetzen“ und ist ein Röhrchen aus einem Drahtgeflecht. Heute werden fast ausschließlich sogenannte „drug-eluting stents“ eingesetzt. Sie sind mit einem Mittel beschichtet, das die Zellteilung hemmt. Das sorgt dafür, dass die Innenhaut des Gefäßes das Innere des Stents nicht wieder so stark zuwächst, dass das Gefäß im Inneren des Stents erneut verstopft wird.

Wenn die Untersuchung beendet ist, werden Katheter und Schleuse wieder entfernt und die Punktionsstelle zunächst für eine Weile gut abgedrückt. Dann wird ein Druckverband über der Einstichstelle am Arm oder in der Leiste angebracht. Das ist wichtig, weil die punktierten Gefäße große Arterien sind, die mit großem Druck durchströmt werden und deshalb auch sehr stark bluten können. In der Regel bleibt der Druckverband für etwa fünf Stunden. Wenn die Untersuchung über die Leiste gemacht wurde, müssen Sie so lange Bettruhe einhalten.

instabiler Angina pectoris
Ein Stent ist ein winziges Rohr, das der Arzt bei instabiler Angina pectoris oder Herzinfarkt in einen verstopften Durchgang einsetzen kann, um ihn offen zu halten. 3D Illustration Copyright: Sciencepics, Bigstockphoto

Wie geht es nach der Koronarangiographie weiter?

Nach der Untersuchung kommt noch eine weitere wichtige Sache auf Sie zu. Mit dem Stent wurde ein Fremdkörper ins Gefäßsystem eingebracht. Wenn das Blut Kontakt mit fremden Oberflächen hat, dann beginnt es zu gerinnen und es bildet sich ein Blutgerinnsel.

Ein Blutgerinnsel im Stent ist aber sehr gefährlich, weil es den Stent und somit das Gefäß verstopfen kann. Deshalb müssen nach einer Stentimplantation zunächst zwei Medikamente eingenommen werden, die die Bildung von Blutgerinnseln hemmen. Das eine Medikament wird in der Regel für sechs Monate genommen, das zweite für den Rest des Lebens.

Welche Komplikationen können bei einer Koronarangiographie auftreten?

Bei jedem medizinischen Eingriff kann es zu Komplikationen kommen. Meistens klingt es sehr erschreckend, wenn man hört, was alles schief gehen kann. Der Arzt ist jedoch verpflichtet, Ihnen alle Komplikationen zu nennen, die potenziell vorkommen können, auch wenn sie dies letztlich nur selten tun. Die wichtigsten Komplikationen einer Koronarangiographie sind Folgende:

  • Da während der Untersuchung blutverdünnende Medikamente gegeben werden, die das Ablagern von Blutgerinnseln am Katheter verhindern sollen, kann es im Rahmen der Untersuchung zu einer Blutung, einer Nachblutung oder einem Bluterguss an der Einstichstelle kommen.
  • Immer wenn man Untersuchungsgeräte in den Körper einbringt, kann alles verletzt werden, woran das Gerät vorbei kommt. Im Fall einer Koronarangiographie sind dies die Gefäße, über die der Katheter vorgeschoben wird, das Herz, die Herzklappen und die Herzkranzgefäße.
  • Zur Darstellung der Herzkranzgefäße wird ein Kontrastmittel benutzt. Darauf kann man, wie bei jedem Medikament, das man einnimmt oder gespritzt bekommt, mit einer Allergie oder Unverträglichkeit reagieren.
  • Seltene, aber gefährliche Komplikationen der Untersuchung sind das Auftreten eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls.

Quellen:

  • Das Herzkatheterbuch, Lapp, H. + Krakau, Georg Thieme Verlag, 2014
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