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Was ist die Hämatologie? Hämatologie bezeichnet die Lehre vom Blut und seinen Krankheiten. Das Wort leitet sich vom altgriechischen „haima“ (Blut) und „logos“ (Lehre) ab. Die Fachrichtung der inneren Medizin befasst sich mit Störungen der Blutgerinnung und Erkrankungen im Blut. Zu den Hauptursachen hämatologischer Störungen gehören Tumorerkrankungen. Daher ist die Hämatologie eng mit der Onkologie verknüpft. Diese befasst sich mit Tumoren. Fachärzte sind meist Hämatologen und internistische Onkologen zugleich.

Das Wichtigste auf einen Blick

  1. Hämatologie ist die Lehre von den Erkrankungen des Blutes und der blutbildenden Organe.
  2. Sie beschäftigt sich mit der Diagnose und Therapie von Krankheiten der Blutzellen, des Knochenmarks sowie Störungen der Blutgerinnung und des roten Blutfarbstoffes.
  3. Ein für alle anderen medizinischen Fachrichtungen wichtiger Anteil ist die Analyse des Blutes in Form von Blutwerten wie kleines oder großes Blutbild, Leberwerten und Entzündungsparametern.
  4. Die hämatologische Therapie setzt sich vor allem mit den Krebserkrankungen des Blutes und der Lymphknoten auseinander, den Leukämien und Lymphomen.
  5. Bei Kindern ist Blutkrebs die häufigste Krebsart – das hat mit dazu geführt, dass die meisten hämatologischen Stationen in Krankenhäusern gleichzeitig onkologisch orientiert sind.
  6. Symptome und Therapie hämatologischer Störungen sind abhängig von der ursächlichen Erkrankung.
  7. Da Tumorerkrankungen zu den Hauptursachen gehören, sind Hämatologie und Onkologie eng miteinander verknüpft.
  8. Das Blutbild steht im Mittelpunkt der hämatologischen Labordiagnostik.
  9. Einige deutsche Kliniken haben sich auf Hämatologie und Onkologie als Teilbereich der inneren Medizin spezialisiert.

Definition: Hämatologie / hämatologisch

Als Hämatologie bezeichnet man die Lehre vom Blut, den blutbildenden Organen und ihren Erkrankungen; ein entsprechender Facharzt ist ein Hämatologe, der oftmals gleichzeitig ein Spezialist für Krebserkrankungen, ein Onkologe ist.

Hämatologiesystem
Blutproben für Automaten Blutbild im Hämatologiesystem

Was bedeutet hämatologisch?

Der Name kommt aus dem Griechischen, wo αἷμα, haima Blut und λόγος, logos die Lehre von etwas bedeutet. Sie beschäftigt sich mit

  • Ursachen,
  • Diagnose,
  • Behandlung und
  • Prävention

von Erkrankungen des Blutes und der blutbildenden Organe, also von

Blutbild Messung

Was sind die Aufgaben des Blutes?

Die fünf bis sechs Liter Blut im menschlichen Körper erfüllen lebenswichtige Aufgaben wie Transport- und Abwehrfunktion. Außerdem regulieren sie den pH-Wert, die Blutgerinnung und Körperwärme. Für einen ständigen Blutfluss sorgt das Herz.

Welche Bestandteile hat das Blut?

Die Hauptbestandteile des Blutes sind Blutflüssigkeit, das Blutplasma, sowie feste Bestandteile, die Blutzellen. Diese werden im Knochenmark gebildet. In der Blutflüssigkeit befinden sich die Blutzellen. Das Blutplasma transportiert Nährstoffe und Stoffwechselendprodukte.

Weiße Blutkörperchen tragen zur körpereigenen Abwehr bei. Sie sind Teil des Immunsystems und bilden Antikörper. Leukozyten unterteilen sich in Granulozyten, Monozyten und Lymphozyten. Die roten Blutkörperchen ermöglichen den Sauerstofftransport von der Lunge in die Körperzellen und den Rücktransport des Kohlendioxids. Blutplättchen sind zuständig für die Blutgerinnung und Grundlage der Wundheilung.

Welche hämatologischen Störungen gibt es?

Die Hämatologie befasst sich mit Störungen der physiologischen Funktion des Blutes. Die Anzahl der Blutzellen ist entweder pathologisch erhöht oder vermindert. Hämatologische Störungen verursachen Symptome, die abhängig von der ursächlichen Erkrankung sind.

Eine verminderte Anzahl der roten Blutkörperchen wird als Erythropenie bezeichnet. Es gibt verschiedene Formen wie die chronische Blutungsanämie und hämolytische Anämien.

Bei der Thrombozytopenie tritt eine verminderte Anzahl der Blutplättchen bei starken Blutungen, Infektionen oder Tumoren auf.

Ist die Anzahl weißer Blutkörperchen verringert, liegt die Ursache der Leukopenie in einer Schädigung des Knochenmarks oder sie entsteht als Medikamentennebenwirkung. Die verminderte Lymphozytenzahl bei einer Lymphozytopenie (Lymphopenie) ist bei Autoimmunerkrankungen, humanem Immundefizienz-Virus (HIV), Morbus Hodgkin oder akuter lymphatischer Leukämie (ALL) nachweisbar.

In der Hämatologie bezeichnet die Granulozytopenie einen Mangel an weißen Blutkörperchen aus der Gruppe der Granulozyten. Granulozytopenie tritt bei geschwächter Immunabwehr als Nebenwirkung von Chemotherapeutika oder bei Schädigungen des Knochenmarks durch Leukämie auf.

Der Mangel an Monozyten, die Monozytopenie, entsteht als Nebenwirkung von Chemotherapeutika oder als Folge von Knochenmarkerkrankungen.

Primäre Erythrozytosen entstehen durch einen genetischen Defekt im Knochenmark, wobei die Produktion der Blutzellen erhöht ist. Die häufigste Ursache ist Polycythaemia vera, bedingt durch eine Genmutation. Die sekundäre Erythrozytose wird auch als Polyglobulie bezeichnet. Sauerstoffmangel löst die übermäßige Produktion roter Blutkörperchen aus, zum Beispiel bei Tumorerkrankungen.

Die Thrombozytose bezeichnet eine vermehrte Anzahl von Blutplättchen. Sie verweist auf Infektionen, chronisch entzündliche Erkrankungen oder myeloproliferative Neoplasien. Bei einer myeloproliferativen Neoplasie sind blutbildende Zellen im Knochenmark bösartig erkrankt.

Eine vermehrte Zahl weißer Blutkörperchen, die Leukozytose, weist auf Infektionen, Sepsis oder Tumorerkrankungen hin. Lymphozyten gehören zu den weißen Blutkörperchen. Sind sie erhöht, liegt eine Lymphozytose vor, zum Beispiel bei chronisch lymphatischer Leukämie, Röteln oder Tuberkulose. Die erhöhte Menge der Granulozyten bei einer Granulozytose entsteht durch Blutkrebs oder als Folge einer Strahlentherapie. Autoimmun- oder Tumorerkrankungen lösen eine Monozytose aus, wobei die Anzahl der Monozyten erhöht ist.

Wie funktioniert die Diagnostik in der Hämatologie?

Nach einer sorgfältigen Anamnese ordnet der Arzt eine Blutuntersuchung an. Im Mittelpunkt der hämatologischen Labordiagnostik steht das Blutbild. Die wichtigsten Parameter sind Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten.

Das kleine Blutbild gehört zum Routinelabor. Die wichtigsten Laborgrößen sind Erythrozyten-, Leukozyten-, Thrombozytenanzahl, Hämoglobinkonzentration (Hb) und Hämatokrit. Der Hb zeigt die Konzentration des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin. Die Höhe des prozentualen Anteils der Blutzellen im Blutplasma ist am Hämatokritwert ersichtlich. Das große Blutbild, auch Differenzialblutbild genannt, gibt entscheidende Hinweise auf Erkrankungen in der Hämatologie, indem es weiße Blutzellen nach Zelltypen unterscheidet.

Eine beschleunigte Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG) weist auf Entzündungen, Tumore oder Veränderungen des Eiweißgehalts im Blut hin. Die Bestimmung des C-reaktiven Protein-Werts (CRP) verdrängt zunehmend die BSG, da er im Labor bestimmt wird und weniger störanfällig ist.

Ein weiteres diagnostisches Mittel ist die Knochenmarkpunktion. Dabei entnimmt der Arzt mit einer Punktionsnadel das mit dem medizinischen Fachbegriff Medulla ossium bezeichnete Knochenmark aus dem Beckenkamm. Die Untersuchung dient der Diagnose von Anämie, Leukämie oder zur Gewinnung von Stammzellen.

Teil der funktionellen Diagnostik sind gerinnungsphysiologische Untersuchungen. Parameter wie der Quick-Wert erfassen Störungen des Gerinnungssystems.

Weitere diagnostische Maßnahmen wie HLA-Typisierung oder Mononukleose-Test dienen dem Nachweis von Erkrankungen des Blutes.

Die therapeutischen Maßnahmen richten sich nach der jeweiligen Ursache. Häufig sind Stammzelltransplantationen wichtiger Bestandteil der Therapie einer hämatologischen Erkrankung. Steht sie in Verbindung mit einer Tumorerkrankung, arbeiten Hämatologie und Onkologie eng zusammen. Einige deutsche Kliniken haben sich auf die Teilbereiche der inneren Medizin spezialisiert.

hämatologisches Labor

Hämatologische Diagnostik und Störung des Blutes

In der hämatologischen Diagnostik steht die Untersuchung dieser Blutparameter im Vordergrund, wie

Was ist die Hämatologie?

Hämatologische Erkrankungen

Die wichtigsten Erkrankungen, mit denen sich ein Hämatologe beschäftigt, sind

Blutbildstörung

Enge Kooperation mit der Onkologie

Die Beschäftigung mit den medizinisch wichtigen und verbreiteten Krebserkrankungen des blutbildenden Systems hat dazu geführt, dass die Fachrichtung mit der Onkologie, also die Lehre von den Krebserkrankungen eng miteinander verquickt sind. Daher sind viele niedergelassene Hämatologen gleichzeitig Onkologen, und in Krankenhäusern gibt es meistens eine eigene Abteilung Hämatologie und Onkologie.

Wichtig ist diese Sparte insbesondere in der Kinder- und Jugendmedizin. Leukämien sind die häufigsten Krebserkrankungen bei Kindern und Heranwachsenden, sodass sich die pädiatrischen hämatologisch-onkologischen Stationen vorwiegend mit Blutkrebs wie der akuten myeloischen Leukämie (AML) und akuten lymphatischen Leukämie (ALL) beschäftigen.

Zusammenfassung:

Hämatologie ist die medizinische Bezeichnung von der Physiologie und den Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe. Sie beschäftigt sich mit Ursachen, Diagnose und Behandlung einer Vielzahl von Krankheiten, die auf Störungen der Blutbildung zurückzuführen sind. Zu den wichtigsten gehören Blutkrebs (Leukämie) und Lymphdrüsenkrebs (Lymphome) – daher sind viele Hämatologen gleichzeitig Onkologen und laufen viele Stationen in Krankenhäusern unter „Hämatologie und Onkologie„.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Hämatologie, Welcher Arzt macht ein großes Blutbild
  • Hämatologische Diagnostik, Kreuzer, Bettelheim, Haferlach, Rosenwald weiter↑
  • Überblick über Erkrankungen des Blutes, MSD Manuel, abgerufen↑
  • Hämatologie – Erkrankungen, ONKODIN, abgerufen↑
  • Bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems, Kliniken Köln, abgerufen↑
  • Kurt Possinger (Hrsg.): Klinikleitfaden Hämatologie Onkologie: Mit Zugang zur Medizinwelt. Auflage München 2018: Urban & Fischer Verlag / Elsevier GmbH. ISBN-10: 9783437242960.
  • Löffler, J. Rastetter, T. Haferlach, L. Heilmeyer, H. Begemann: Atlas der klinischen Hämatologie. 6. Auflage Berlin Heidelberg 2004: Springer Verlag. ISBN-10: 3642621406.
  • Dietmar P. Berger, Roland Mertelsmann: Das Rote Buch: Hämatologie und Internistische Onkologie. Auflage Landsberg am Lech 2017: Ecomed Medizin. ISBN-10: 3609512210.
  • Klaus Dörner: Taschenlehrbuch Klinische Chemie und Hämatologie. Auflage Stuttgart 2013: Georg Thieme Verlag. ISBN-10: 3131297182.
  • Rolf Mahlberg, Annette Gilles, Anita Läsch: Hämatologie: Theorie und Praxis für medizinische Assistenzberufe. Auflage Weinheim 2014: WILEY-VCH Verlag. ISBN-10: 3527334688
Hinweis für die Leser

Diese Inhalte sind zur Information gedacht. Sie sind kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bitte konsultieren Sie dafür immer einen Arzt.

Dr. rer. medic. Harald Stephan, Doktor der Medizinwissenschaften und Naturwissenschaftler mit medizinischer Promotion. Dieser Artikel entspricht aktuellen wisenschaflichen Standards und medizinischen Leitlinien.