Klinische Magenuntersuchungen im Überblick

Innerhalb des Magens herrscht ein extremes Milieu, wie man es sonst kaum im Körper findet. Ätzende Magensäure sorgt für pH-Werte um eins und ist hoch aggressiv.

Daher führen Störungen des Systems schnell zu Beeinträchtigungen der empfindlichen Magenschleimhaut, von Entzündungen und Blutungen bis hin zum Magendurchbruch oder Magenkrebs.

Die Diagnostik all dieser Erkrankungen setzt eine klinische Untersuchung des Magens voraus.

Magenuntersuchung
Magenuntersuchung, Magenspiegelung (Gastroskopie) Copyright: Kzenon bigstockphoto

Klinische Untersuchungen des Magens – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Am Anfang jeder Untersuchung des Magens steht eine körperliche Untersuchung.
  2. Für eine Beurteilung der Schleimhautoberfläche ist eine Magenspiegelung am besten geeignet.
  3. Weitere bildgebende Verfahren für die Untersuchung des Magens sind Abdomen-Sonographie, -CT und -MRT.
  4. Bei Magengeschwüren ist ein Atemtest angebracht, der das häufig daran beteiligte Bakterium Helicobacter pylori nachweist.
  5. Laboruntersuchungen erfassen Entzündungswerte und Blutungen des Magens.

Untersuchungen des Magens: Körperliche Untersuchung

Wie bei vielen anderen Untersuchungen steht auch bei der des Magens die Anamnese an erster Stelle. Dazu fragt Ihr Arzt nach Ihren aktuellen Beschwerden, ob Sie also an Schmerzen im Oberbauch leiden, ob diese brennend oder krampfartig sind und wie sie sich mit der Nahrungsaufnahme verändern.

Ebenso wichtig sind Übelkeit, Erbrechen und Verdauungsstörungen mit Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Verstopfungen und Durchfällen, die ihren Ausgang vom Magen oder nahegelegenen Zwölffingerdarm nehmen können.

Die typischen körperlichen Untersuchungsmethoden sind auch beim Magen

  • Inspektion, also die reine Betrachtung des Oberbauches zur Erkennung von Veränderungen,
  • Palpation, eine Abtastung des Oberbauches, die der Arzt mit den Fingern vornimmt, um beispielsweise eine Abwehrspannung zu erfassen,
  • Perkussion, das Abklopfen mit den Fingern, um wasser- oder luftgefüllte Hohlräume zu erkennen, und die
  • Auskultation, das Abhören mittels eines Stethoskopes, mit dem man charakteristische Geräusche wie Gluckern und Glucksen wahrnehmen kann.

Untersuchungen des Magens: Magenspiegelung (Gastroskopie)

Zu den wichtigsten Untersuchungen des Magen gehört die Magenspielgelung. Eine Gastroskopie führt der Gastroenterologe durch, wenn ein Patient über Sodbrennen und Magenschmerzen klagt.

Meistens steckt eine Magenschleimhautentzündung dahinter, die sich schnell auf den Zwölffingerdarm ausbreitet und zu Magengeschwüren und Zwölffingerdarmgeschwüren ausweitet. Diese gelten zudem als Risikofaktor von tumorigen Entartungen und können Magen- und Zwölffingerdarmkrebs auslösen.

Oftmals steckt ein Zwerchfellbruch dahinter, eine Schwäche des Gewebes dort, wo der oberste Teil des Magens durch das Zwerchfell hindurchgeht, ähnlich wie bei einem Nabelbruch. Da solche Entzündungen und ihre weitere Entwicklung zunächst oberlächlich beginnen, bietet sich eine endoskopische Untersuchung der Schleimhäute an.

Dafür führt der Arzt ein spezielles Endoskop, ein Gastroskop, über Mund und Speiseröhre bis in den Magen und Zwölffingerdarm ein. Dementsprechend spricht man von einer Speiseröhrenspiegelung (Ösophagoskopie), Magenspiegelung (Gastroskopie) oder Zwölffingerdarmspiegelung (Duodenoskopie).

Eine Kaltlichtquelle, ein Kamerasystem und eine spezielle Glasfaseroptik im Schaft des Endoskops ermöglichst die direkte Inspektion der Organoberfläche. Ebenso lassen sich über den Arbeitskanal des Gastroskops Instrumente einführen, mit deren Hilfe sich Blutungen stillen, Biopsien entnehmen und kleinere Operationen durchführen lassen.

Untersuchungen des Magens: Bildgebende Verfahren

Mit einer Gastroskopie lässt sich lediglich die Mageninnenseite untersuchen. Will man mehr über das Dahinter erfahren und Beteiligungen von anderen Organen, Blutgefäßen, Nerven oder Tumoren erkennen, bietet sich eine Bildgebung an.

Magen Ultraschalluntersuchung (Abdomen-Sonographie und Endosonographie)

Eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes (Abdomen-Sonographie) kann der Arzt auch für Untersuchungen des Magen verwenden. Allerdings ist oftmals die Aussagefähigkeit beschränkt, da der Magen meist große Mengen Luft enthält und diese die Ultraschallwellen komplett reflektiert. In einigen Fällen bietet die Sonographie trotzdem eine einfache, schnelle und kostengünstige Bildgebung.

In einigen Fällen führt der Gastroenterologe eine Endosonographie (EUS) aus. Dabei setzt er den Ultraschallkopf nicht von außen auf den Oberbauch auf, sondern führt die Sonde mit einem Endoskop in Speiseröhre und Magen ein.

Magen Röntgen – Abdomenübersichtsaufnahme

Bei Beschwerden im Oberbauch macht man meistens eine Bildgebung in Form einer Abdomenübersichtsaufnahme (Abdomenleeraufnahme), bei der der gesamte Bauchraum geröntgt wird. Leeraufnahme bedeutet, dass man dabei zunächst auf die Gabe eines Kontrastmittels verzichtet. Der Strahlengang ist davon a.p., das heißt anterior-posterior, von vorne nach hinten, sodass alle Strukturen im Bauch erfasst werden.

Ist der Innenraum des Verdauungstraktes darzustellen, müssen Sie zuvor ein Kontrastmittel schlucken, dass sich mit dem Nahrungsbrei verteilt. Da seine Bestandteile für die Röntgenstrahlung schlechter zu durchdringen sind, erscheinen die Hohlräume bei einer Röntgenkonstrastmittel-Untersuchung als helle Strukturen.

Untersuchungen des Magens: Computertomographie (Abdomen-CT)

Auch die Computertomographie arbeitet mit Röntgenstrahlung, wobei ein Computer die einzelnen Schnittbilder einer rotierenden Röntgenquelle zu einem dreidimensionalen Bild zusammensetzt.

Hier ist ebenfalls die Gabe eines Kontrastmittels möglich, um Hohlräume oder bestimmte Gewebearten wie Tumoren besser darstellen zu können. Heutzutage ist die Abdomen-CT ein Routineverfahren, das man bei einer Vielzahl von Indikationen einsetzt, vom akuten Abdomen über Entzündungen, Tumoren bis Gefäßuntersuchungen.

Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie, Abdomen-MRT)

Ebenso wie die Abdomen-CT liefert die Abdomen-MRT Schnittbilder und dreidimensionale Darstellungen, sogar ohne schädliche Röntgenstrahlung.

Allerdings ist der apparative Aufwand wesentlich höher, da man hierfür starke Magnetfelder benötigt, sodass die Untersuchung teurer ist als eine CT. Auch ist ein MRT für Patienten mit Metallimplantaten nur bedingt geeignet.

Untersuchungen des Magens: Atemtest auf Helicobacter pylori

Heute weiß man, dass ein großer Teil der Magengeschwüren und Zwölffingerdarmgeschwüre auf das Bakterium Helicobacter pylori (früher Campylobacter pylori) zurückgehen.

Dieses Gram-negative Bakterium ist eigentlich sehr säureempfindlich – ungewöhnlich für einen Bewohner der Magenschleimhaut. Daher haben sie einen Schutzmechanismus entwickelt, um sich vor der ätzenden Salzsäure zu schützen. Sie zerlegen Harnstoff in Kohlendioxid und Ammoniak.

Letzteres ist stark alkalisch und neutralisiert die Salzsäure. Der Haken daran ist, dass die Bakterien unterhalb der vor Säuren und Laugen schützenden Schleimhautschicht im Gewebe des Magenepithels sitzen und Ammoniak ein starkes Zellgift ist. Dieses zerstört die umliegenden Zellen, löst Entzündungen aus damit letztlich Magengeschwüre und gegebenenfalls sogar Magenkrebs.

Die Zerlegung von Harnstoff macht man sich bei einem Atemtest zunutze, mit dem sich das Bakterium im Magen nachweisen lässt. Dazu erhält der Patient eine harnstoffhaltige Lösung, die eine winzige Menge Radioaktivität enthält. Wird der Harnstoff gespalten, bildet sich schwach radioaktives Kohlendioxid, das mit der Atemluft abgeatmet wird und sich messen lässt. Hat man Helicobacter als Übeltäter identifiziert, kann man ihn mit Antibiotika bekämpfen.

Magen: pH-Wert-Bestimmung

Klagt ein Patient über häufiges saures Aufstoßen, kann der Arzt eine Messung des pH-Wertes in der Speiseröhre vornehmen. Dazu führt er eine spezielle Sonde in die Speiseröhre ein. Innerhalb der Speiseröhre sollte der pH-Wert eher neutral sein, niedrige Werte deuten auf ein Aufsteigen von Magensäure hin. Bisweilen führt man eine solche Messung über 24 Stunden durch, um eine Refluxerkrankung mit aufsteigender Magensäure eindeutig zu diagnostizieren.

Druckmessung (Ösophagusmanometrie)

Die Ösophagusmanometrie setzt man ein, um Bewegungsstörungen der Speiseröhre zu erkennen. Im Gegensatz zum Magenausgang hat der Mageneingang keinen „echten“ Schließmuskel im Sinne eines Ringmuskels. Vielmehr verlaufen hier Stränge glatter Muskulatur zwischen Magen und Speiseröhre schraubenförmig. Je nach Kontraktionszustand der Muskelfasern bilden sie einen sogenannten „funktionellen Sphinkter„. Wie gut dieser funktionelle Verschluss funktioniert lässt sich mithilfe einer Druckmessung feststellen.

Den Magen betreffende Laborwerte

Bei Untersuchungen des Magens sind vor allem die Laborwerte interessant, die mit Entzündungen und Blutungen in Verbindung stehen.

C-reaktives Protein (CRP). Bei allen Entzündungen kommt es zu einer Erhöhung des Blutwertes des C-reaktiven Proteins, so auch bei Entzündungen der Schleimhäute von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm.

  • Normbereich CRP: ≤ 0,5 mg/dl

Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG). Gleiches gilt für die Blutsenkungsgeschwindigkeit, die die Sedimentationszeit der Blutkörperchen angibt. Sie steigt bei allen Entzündungsreaktionen.

  • Normbereich BSG: < 20 mm (in der ersten Stunde)

Hämoglobin-Blutwert (HB, HGB). Sinkende Hb-Blutwerte sind oft ein Zeichen von Blutverlust. Bei Entzündungen, Geschwüren und Tumoren des Magen sinkt der Wert mitunter drastisch.

  • Normbereich Hb: Frauen 12,0 – 16,0, Männer 24,0 – 18,0 g/dl

Okkultes Blut. Kommt es im Magen zu Einblutungen, sind diese im Stuhl kaum noch als rotes Frischblut zu erkennen. Meistens ist der Stuhl durch die Abbauprodukte schwarz verfärbt (Teerstuhl), was jedoch auch andere Ursachen haben kann. Blut lässt sich dann mit einem Stuhltest auf verstecktes Blut (Haemoccult-Test®) nachweisen.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2018: G. Herold Verlag. ISBN-10: 3981466063.
  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.

⏲ Letzte Aktualisierung am von Dr. rer. medic. Harald Stephan

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