Blutbild: Thrombozyten – zu niedrige und erhöhte Werte

Blutbild: Thrombozyten im Überblick

Blutplättchen spielen eine wichtige Rolle bei der Blutstillung. Bei Verletzungen heften sich die Thrombozyten an das umliegende Gewebe an, stillen die Blutung und verschließen die Wunde. Ebenso sind sie verantwortlich für die Bildung von Thromben. Diese bezeichnen kleine Blutgerinnsel, die Schlaganfälle und Lungenembolien verursachen.

Sind im Blutbild die Thrombozyten erhöht oder erniedrigt, deutet das auf verschiedene Erkrankungen der Blutbildung im Knochenmark hin. Punktförmige Einblutungen in der Haut sind Hinweise auf eine geringe Thrombozytenzahl sowie für Funktions-Störungen der Blutplättchen.

Blutzellen

Blutbestandteile © dpaelchen – Fotolia.com

Thrombozyten dienen der Blutgerinnung

Die Thrombozyten sind wichtige Bestandteile des Gerinnungssystems. Bei einer Verletzung eines Blutgefäßes heften sie sich an die Gefäßwände, stoppen die Blutung und verschließen die Wunde. Diese Blutgerinnung findet ebenso im Körper statt und verursacht nach Operationen Thrombosen oder eine Lungenembolie. Der Mediziner ermittelt mit dem kleinen Blutbild die Thrombozyten-Anzahl. Vor Operationen testet der Arzt den Blutwert routinemäßig, um Blutungs-Komplikationen zu minimieren. Bei Bedarf therapiert er medikamentös. Bei gesunden Personen liegt der Normwert bei 150.000 bis 350.000 Thrombozyten pro Mikroliter Blut.

 

Was sind Thrombozyten?

Thrombozyten im Blut sind kleine, scheibenförmige Zellkörper. Sie sind zwei bis vier Mikrometer groß und schwimmen frei im Serum. Der Körper bildet sie im Knochenmark. Sie enthalten keinen Zellkern. Thrombozyten spielen eine entscheidende Rolle bei der Blutgerinnung. Verletzt der Patient ein Blutgefäß, lagern sich diese Zellen an der beschädigten Gefäßwand an. Sie vernetzen sich mithilfe bestimmter Gerinnungs-Faktoren und bilden einen Blutpfropf, der die Wunde verschließt. Diesen Prozess bezeichnet der Mediziner als Thrombozyten-Aggregation.

Im Durchschnitt überleben Blutplättchen fünf bis neun Tage. Danach mustern sie Milz, Leber und Lunge aus. Das Blutbild: Thrombozyten unterscheidet sich bezüglich der Normalwerte bei Neugeborenen, Jugendlichen und Erwachsenen.

 

Wann bestimmt der Arzt mittels Blutbild die Thrombozyten-Anzahl?

Mediziner bestimmen die Thrombozyten im Blut bei:

  • unnormal stark blutenden Patienten,
  • bekannten Störungen der Blutgerinnung,
  • häufigem Nasenbluten und Zahnfleischbluten,
  • Neigung zu blauen Flecken,
  • der Routine-Blut-Untersuchung,
  • Patienten mit Thrombose,
  • einer Therapie mit Blut verdünnenden Mitteln,
  • einem Verdacht auf Funktions-Störungen der Thrombozyten,
  • Einnahme von Chemotherapeutika sowie
  • vor und nach Operationen.

 

Normalwerte für die Blutplättchenanzahl

Die Normwerte unterscheiden sich stark bei Neugeborenen, Jugendlichen und Erwachsenen. Bei Neugeborenen liegt der Wert bei 100.000 – 250.000 Thrombozyten/µl Blut. Bei Jugendlichen bis zum siebzehnten Lebensjahr bei 200.000 – 400.000 Blutplättchen/µl Blut und bei Erwachsenen bei 150.000 – 350 000 Thrombozyten/µl Blut.

 

Normalwerte Thrombozyten

pro Mikroliter Blut

Neugeborene100.000 – 150.000
Jugendliche bis 17. Lebensjahr200.000 – 400.000
Erwachsene150.000 – 350.000

Eine Thrombozytopenie äußert sich durch weniger als 150. 000 Thrombozyten/µl Blut eine Thrombozytose durch mehr als 500.000 Blutplättchen/µl Blut.

 

Zu viele Thrombozyten im Blut

Eine erhöhte Zahl an Blutplättchen im Serum nennt der Mediziner Thrombozytose. Sie tritt bei verschiedenen Krankheiten auf. Zu hohe Werte weisen auf eine Erkrankung der blutbildenden Zellen im Knochenmark (Polycythaemia vera) hin. Eine erhöhte Anzahl an Blutplättchen im Serum tritt auf in Verbindung mit Entzündungs-Reaktionen, nach der Entfernung der Milz, nach Operationen, nach großen Blutverlusten sowie bei Erkrankungen des Knochenmarks.

Der Thrombozyten-Spiegel ist gesenkt bei:

  • dem Kawasaki-Syndrom,
  • Infektionen durch Viren und Bakterien,
  • Tumoren,
  • der Eisenmangel-Anämie,
  • schlechter oder sorgloser Ernährung,
  • dem nephrotischem Syndrom,
  • einem Trauma.

 

Zu wenig Thrombozyten im Blut

Eine verminderte Zahl an Blutplättchen hat verschiedene Ursachen. Zum einen produziert der Körper zu wenig Thrombozyten, zum anderen sterben die Zellen vermehrt ab. Mediziner sprechen von einer Thrombozytopenie oder Thrombopenie, so Dr. med. Reiter.

Zu niedrige Werte weisen auf eine gestörte Blutbildung (myelodysplastisches Syndrom), eine Erkrankung der Blutgefäße, Blutzellen und der Nieren (hämolytisch-urämisches Syndrom) sowie eine aplastische Anämie hin.

 

Weitere Ursachen sind:

  • Krebserkrankungen wie Leukämie, die das normale Knochenmark verdrängen,
  • ein Mangel an Vitamin-B12– oder Folsäure (B9),
  • die Einnahme bestimmter Medikamente wie Chemotherapeutika,
  • ein starker Verbrauch von Thrombozyten bei Infekten,
  • Blutverlust,
  • Autoimmun-Krankheiten wie Morbus Werlhof, bei der der Körper Antikörper gegen Blutplättchen bildet.

In Einzelfällen gibt das Blutbild eine verminderte Thrombozyten-Zahl an, obwohl der Wert normal ist. Dies geschieht durch eine Verklumpung der Thrombozyten im Abnahme-Röhrchen, eine sogenannte Pseudo-Thrombozytopenie. Wie diese entsteht, ist nicht geklärt.

 

Was tun, bei einer veränderten Anzahl an Blutplättchen?

Stößt der Arzt beim Blutbild auf eine veränderte Thrombozyten-Anzahl, gilt es, dessen Ursache zu finden. Häufig begleiten Veränderungen der Blutplättchen einen Infekt. Bei dessen Abklingen normalisiert sich deren Anzahl wieder. Selten steckt hinter der Veränderung eine Störung der Thrombozyten-Bildung oder eine schwere Erkrankung. Die Anzahl der Blutplättchen ist allein nicht aussagekräftig. Der Mediziner schließt weitere Blut-Untersuchungen sowie körperliche- und bildgebende Maßnahmen an. Mithilfe einer geeigneten Therapie der Grunderkrankung normalisiert sich das das Gleichgewicht der Zellen.

 

Studie zur Bildung von Thrombozyten

Eine beachtenswerte Studie von Wissenschaftlern der Universität Greifswald um Professor Greinacher zum Thema „New gene functions in megakaryopoiesis and platelet formation“ widmet sich der Frage nach der Entstehung und Funktion der Blutplättchen in genetischer Hinsicht. Im Rahmen der Untersuchung ermittelten sie die verantwortlichen Gene zur Thrombozyten-Bildung.

 

weiterführend:

https://idw-online.de/de/news456889

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22139419


Bewerten Sie jetzt den Artikel:
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (5 rating, 1 votes)
Loading...

Redaktions Tipp:

Elektrophorese Blutwerte

Die Elektrophorese ermittelt die Eiweißwerte im Blut In der Regel beauftragen Ärzte bei einer Blutuntersuchung ein kleines Blutbild in den […]