Abdomen-Sonographie – Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes

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Indikation, Durchführung und Vorteile einer Abdomen-Sonographie

Die Abdomen-Sonographie ist die Ultraschalluntersuchung des Bauches mittels eines bildgebenden diagnostischen Verfahrens, das die nicht-invasive Untersuchung des Bauchraumes erlaubt. Ein spezieller Schallkopf sendet Ultraschallsignale aus, die von den Strukturen im Inneren des Bauches (Abdomens) reflektiert, vom Schallkopf aufgefangen und rechnerisch in ein Graustufenbild umgewandelt werden.

Abdomensonographie
Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes – Abdomensonographie – Copyright: Zinkevych, Bigstockphoto

 

 

Im Gegensatz zum Röntgen und vielen anderen Bildgebungsverfahren ist die Ultraschalluntersuchung vollkommen ungefährlich und lässt sich ohne Risiko beliebig oft anwenden.

Prinzip der Abdomensonographie

Ultraschallwellen sind kurzwelliger als für Menschen hörbare Schallwellen. Sie liegen oberhalb unserer Hörschwelle. Ein Ultraschallgerät ist in der Lage, solche Wellen in einem speziellen Schallkopf zu erzeugen und auszusenden. Es arbeitet mit unterschiedlichen Frequenzen, die verschiedene Eindringtiefen und Auflösungen ermöglichen.

Die unterschiedlichen Dichten der im Bauchraum vorhandenen Strukturen bestimmen das Verhalten der Ultraschallwellen. Sie durchdringen diese, werden absorbiert oder reflektiert. Der Schallkopf fängt das Echo der reflektierten Wellen auf. Ein Computer verstärkt diese Signale und setzt sie zu einem Bild zusammen. Abgestufte Grauwerte geben die Stärke des Echos wieder.

Der Ultraschall kann flüssigkeitsreiche Organe wie die Harnblase oder die Gallenblase leicht durchdringen, sodass diese auf dem Ultraschallbild schwarz erscheinen. Schalldichte Strukturen wie Knochen oder Gasansammlungen führen zu vollständiger Reflexion und werden weiß dargestellt.

Der angeschlossene Monitor gibt diese Bilder verzögerungsfrei wieder. Der Arzt kann so Größe, Struktur und Lage einzelner Organe feststellen. Dabei sieht er, ob Abweichungen von der Norm vorhanden sind.

Abdomen-Sonographie
Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes – Abdomen-Sonographie – Copyright: Zinkevych, Bigstockphoto

 

 

Was muss ein Patient bei einer Abdomen-Sonographie beachten?

Bei einigen Untersuchungen kann es notwendig sein, einige Stunden vorher nichts zu essen. In Ihrer untersuchenden Praxis werden Sie darüber rechtzeitig informiert.
Im Allgemeinen empfiehlt es sich, am Vortag keine größeren Mahlzeiten oder blähende Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Auch kohlensäurehaltige Getränke sollten Sie vermeiden, da die Gase die Sichtbarkeit der Organe beeinträchtigen.

 

Vorteile einer der Abdomensonographie (Ultraschalluntersuchung am Bauch)

Gegenüber anderen bildgebenden Verfahren hat die Sonographie eine Reihe von Vorteilen:

  •  Sie ist außerordentlich schnell. Die Überprüfung dauert nur wenige Minuten.
  •  Durch die «Live-Untersuchung» können auffällige Befunde sofort eingehender befundet werden. Im Vergleich dazu liefert ein Röntgenbild nur eine Momentaufnahme.
  •  Die verwendeten Ultraschallwellen sind vollkommen unschädlich.
  •  Das spezielle Verfahren der 3D-Sonographie ermöglicht sogar eine dreidimensionale Rekonstruktion von Organen oder des ungeborenen Kindes.

 

Das Sonogramm:

Abdomen-Sonographie
Sonogramm nach Abdomen-Sonografie Copyright: Aniphaes.serenity, Bigstockphoto

 

Durchführung einer Abdomen-Sonographie

Für eine Ultraschalluntersuchung am Bauch legen Sie sich mit dem Rücken auf eine Pritsche und machen Ihren Bauch frei. Zur Untersuchung der Nierengegend ist eine leichte Seitenlage optimal.
Das Ultraschallgerät (Sonographiegerät) Ihres Arztes sieht in der Regel aus wie ein großer fahrbarer Computer mit überdimensionaler Tastatur. Ein oder mehrere Schallköpfe sind seitlich über Leitungen mit dem Gerät verbunden.

Zu Beginn der Untersuchung beschmiert der Arzt den Schallkopf und die zu untersuchende Stelle luftblasenfrei mit einem dickflüssigen durchsichtigen Gel, das die Ultraschallwellen weiterleitet. Dann bewegt er ihn in direktem Kontakt zu Ihrem Bauch hin- und her und kippt ihn in verschiedenen Winkeln. Da die Sonde immer nur ein zweidimensionales Bild liefert, kann der Untersuchende so die betreffende Stelle aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten.

Der angeschlossene Computer verrechnet die Bilder der reflektierten Ultraschallwellen und stellt sie auf einem Monitor dar. Mithilfe des Rechners kann der Arzt Bilder abspeichern, bestimmte Stellen markieren und mit Kommentaren versehen. Moderne Ultraschallgeräte ermöglichen sogar eine dreidimensionale Rekonstruktion des untersuchten Objektes.

Nach der Untersuchung wischt der Arzt das Spezialgel ab und Sie dürfen sich wieder anziehen.

In der Regel dauert eine eingehende Ultraschalluntersuchung am Bauch 10 – 15 Minuten.

 

 

Mit der Ultraschalluntersuchung am Bauch untersuchbare Objekte

Die Abdominalsonographie erlaubt eine Betrachtung der im Bauch befindlichen Organe.
Dies sind

  •  Leber, Gallenblase und Gallengänge
  • Darm
  • Bauchspeicheldrüse
  • Milz
  • beide Nieren
  • Harnblase (vorzugsweise leicht gefüllt)
  • Prostata beim Mann
  • Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke bei der Frau
  • große Blutgefäße wie Bauchaorta, untere Hohlvene oder Oberschenkelvenen.

Wegen der üblicherweise darin befindlichen Gase ist eine Untersuchung von Magen sowie Dick- und Dünndarm nur begrenzt möglich.

Bei der initialen Erkennung von Tumoren im Bauchraum spielt die Abdomen-Sonographie eine wichtige Rolle.

In der Schwangerschaft kann das Ungeborene auf Lage und Erkrankungen untersucht werden.

 

Indikationen für eine Abdomen-Sonographie

Mit einer Ultraschalluntersuchung am Bauch ist es möglich, die Organe gezielt auf Veränderungen zu untersuchen. Dazu zählen

  1. Vergrößerungen und Verkleinerungen einzelner Bauchorgane
  2. Erkrankungen der Leber wie Leberzirrhose oder Hepatitiden
  3. Steine in Nieren, Blase oder Galle
  4. Beurteilung von Harnstau und Restharn
  5. Feststellung von Zysten und anderen Flüssigkeitsansammlungen
  6. Erkennung innerer Blutungen
  7. Identifizierung von Tumoren
  8. Nachweis von Verwachsungen
  9. Entzündungen des Nierenbeckens (Polynephritis)
  10. Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis)
  11. Stenosen (Verengungen) oder Aneurysmen (Ausbuchtungen) der Bauchaorta
  12. Stenosen der Nierenarterien (häufige Ursache für arterielle Hypertonie)
  13. Atherosklerosen von Blutgefäßen
  14. geschwollene Lymphknoten infolge Infektionen, Krebs oder AIDS

 

 

Spezielle Ultraschalluntersuchungen des Bauches

  •  Die bekannteste sonographische Untersuchung ist die Pränataluntersuchung des ungeborenen Babys.
  •  Beim «akuten Abdomen (akuten, oft lebensbedrohlichen Bauchschmerzen mit Abwehrspannung) ist die Abdomen-Sonographie das erste und wichtigste Mittel zur Differentialdiagnostik.
  •  Mit einer Abdomen-Sonographie lassen sich Verlaufskontrollen bei der Behandlung von Veränderungen der Leber oder der Nieren durchführen.
  •  Auch bei einer chemo- oder strahlentherapeutischen Behandlung sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen von Tumoren wichtig.
  •  Des weiteren kann die Abdomen-Sonographie die gezielte Entnahme von Gewebe- oder Flüssigkeitsproben unterstützen.

 

Mögliche Komplikationen der Abdomen-Sonographie

Komplikationen sind bei dieser Untersuchungsmethode nicht bekannt. Die Schallwellen sind absolut ungefährlich. Daher ist die Abdomen-Sonographie das Verfahren der Wahl für die Untersuchung des Kindes im Mutterleib. Davon abgesehen ist die Untersuchung für den Patienten absolut schmerzfrei und nicht sonderlich unangenehm.

 

An die Abdomen-Sonographie anschließende Untersuchungen

Die Auflösung moderner Ultraschallgeräte ist ausgezeichnet. Dennoch kann es notwendig werden, bei Auffälligkeiten weitere Untersuchungen einzusetzen, um zur Klärung des Befundes beitragen. Dazu gehören

 

Literatur
J. Debus, S. Delorme, K. V. Jenderka: Duale Reihe Sonografie. Dritte, vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage 2012. ISBN: 9783131369536

Redaktion, Autor: Dr. Harald Stephan