Bluthochdruck – Symptome, Ursachen und Behandlung der Hypertonie

Bluthochdruck – Wenn das Herz in Hochleistung verfällt

Bluthochdruck, im medizinischen als Hypertonie bezeichnet, ist eine Erkrankung des Herz-Kreislaufsystems, welche sich schleichend entwickelt. Hoher Blutdruck steht bereits länger auf der Top-Ten-Liste der weltweit bedrohlichen Krankheiten. Dies liegt vor allem daran, dass bei einer sehr späten Diagnose das Risiko für Schlaganfall oder Herzinfarkt um ein Vielfaches gesteigert ist. Positiv lässt sich jedoch erwähnen, dass Patienten unter Behandlung zum Großteil wieder normale Blutdruckwerte erreichen.

Bluthochdruck

Bluthochdruck – die Hypertonie Urheber: unkreatives / 123RF

 

Stichproben haben ergeben, dass rund ein Viertel unserer Bevölkerung an Bluthochdruck (arterieller Hypertonie) leidet. Viele Betroffene wissen noch nicht einmal von ihrer Erkrankung. Aber selbst jene, die sich bereits in ärztlicher Behandlung befinden, sind oftmals nur unzureichend medikamentös eingestellt. In Anbetracht der zahlreichen Folgekrankheiten wie Herzinfarkt und Schlaganfall wäre für sie eine rechtzeitige Erkennung und Behandlung absolut notwendig.

 

Was ist überhaupt Blutdruck?

Blutdruck ist Folge der Herztätigkeit und notwendig für die Durchblutung. Ohne Druckaufbau könnte das Blut nicht gegen den Gefäßwiderstand in die Kapillarnetze der Organe und Muskeln fließen und diese mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Das Blut aus dem Körperkreislauf gelangt über die Große Hohlvene (Vena cava) in den rechten Vorhof (Atrium dextrum). Dieser leitet es in die rechte Hauptkammer (Ventriculus dexter), von wo es zunächst in den kleinen Lungenkreislauf gelangt.

Dort wird es mit Sauerstoff angereichert und strömt über den linken Vorhof (Atrium sinistrum) in die linke Hauptkammer (Ventriculus sinister). Diese pumpt das Blut über die Hauptschlagader (Aorta) in den Körperkreislauf zurück. Durch die rhythmische Herztätigkeit gibt es einen maximalen und einen minimalen Blutdruck im Körperkreislauf. Der Wert ist am höchsten, wenn sich das Herz in der Systole zusammenzieht. Daher wird dieser als systolischer (oberer) Wert bezeichnet. Weitet sich das Herz zur Aufnahme des Blutes während der Diastole, ist der Wert am niedrigsten. Dann spricht man vom diastolischen (unteren) Wert.

 

Was geschieht bei einer Blutdruckmessung?

Was der Arzt misst, ist der Blutdruck im Körperkreislauf auf Herzhöhe. Daher wird die Blutdruckmanschette am Oberarm auf der Höhe des Herzens angebracht. Hier verläuft die Armarterie (Arteria brachialis). Pumpt der Arzt die Manschette auf, wird ihr Blutfluss unterbrochen, sobald der Manschettendruck höher ist als der systolische Blutdruck. Im Stethoskop, das der Arzt auf die Armarterie hält, ist dann kein Strömungsgeräusch zu hören. Lässt er die Luft aus der Manschette langsam ab, kann das Blut zeitweise fließen, wenn sein Druck den der Manschette übersteigt. Das äußert sich in einem charakteristischen Klopfen, dem Korotkoff-Geräusch.

Sinkt der Manschettendruck unter den diastolischen Druck, fließt das Blut ungehindert, das Geräusch verschwindet. Der systolische Wert ist der, bei dem das Klopfen gerade hörbar wird, und der diastolische Wert jener, bei dem es gerade verschwindet. Diese Methode der Blutdruckmessung wird nach ihrem Entdecker Scipione Riva-Rocci (1863-1937) benannt. Daher rührt auch die medizinische Abkürzung RR für Blutdruck. Als Einheit verwendet man Torr, ursprünglich die Höhe der Quecksilbersäule in früher üblichen Geräten. Daher auch mm Quecksilbersäule (mmHg). Heute gibt es kompakte Geräte, die mit der gleichen Methode an Oberarm oder Handgelenk messen. Für die Kontrolle des eigenen Blutdruckes sind diese einfacher in der Handhabung. Auch hier ist die Messung auf Herzhöhe wichtig.

 

Bluthochdruck: Definition

Der Blutdruck unterliegt natürlichen Schwankungen, abhängig von Tageszeit, persönlicher Kondition und körperlicher Betätigung. Morgens vor dem Aufstehen oder in Ruhe ist der Blutdruck niedriger als nach Sport oder unter Stressbedingungen. Einzelne Messungen sind daher niemals aussagekräftig. Will man wissen, wie sich der Blutdruck im Tagesverlauf unter verschiedenen Belastungsbedingungen verhält, sollte man eine Langzeit-Blutdruckmessung vornehmen.

 

Ursachen für Bluthochdruck  (Hypertonie)

primäre Ursachen für den Bluthochdruck

Primäre Ursachene iner Hypertonie definieren sich darüber, dass der Bluthochdruck eigenständig existiert und nicht von einer anderen Grunderkrankung ausgelöst wird.

Als primär angesehene Auslöser werden erachtete:

  •  familiäre Disposition
  •  Bewegungsmangel
  •  Übergewicht
  •  hoher Salzkonsum
  •  hoher Alkoholkonsum
  •  niedrige Zufuhr von Kalium
  •  Rauchen
  •  Stress
  •  fortgeschrittenes Alter (bei Männern >55 Jahre, bei Frauen >65 Jahre)

 

 

Was passiert bei Bluthochdruck? | Video vom SWR

Sekundäre Ursachen für den Bluthochdruck

Hierbei bilden andere Krankheiten die Ursache, der Bluthochdruck selbst ist dabei nur ein Symptom.
Krankheiten die zu Hypertonie führen:

1) Cushing-Syndrom

– Cortisolüberproduktion
– durch die hohe Ausschüttung des Stresshormons wird der Blutdruck chronisch erhöht

2) Conn-Syndrom (primärer Hyperaldosteronismus)

– meist ausgelöst durch (gutartigen( Nierentumor
– Überproduktion Aldosteron

3) Phächromozytom

– meist gutartiger, stresshormonproduzierender Tumor der Nebennierenrinde
– durch Adrenalin, Noradrenalin und Metanephrine ausgelöste Stresssymptomatik führt zur Hypertonie

4) Akromegalie

– meist gutartiger Tumor der Hirnanhangdrüse
– unkontrollierbare Produktion von Wachstumshormonen
– Gendefekt

5) Androgenitales Syndrom

– Erbkrankheit
– gestörte Produktion Aldosteron und Cortisol

6) Hyperthyreose

– Schilddrüsenüberfunktion

 

Bluthochdruck

Bluthochdruck festellen Urheber: andreypopov / 123RF

 

Blutdruck Tabelle:

Welche Blutdruckwerte als normal oder erhöht gelten, wird von Experten ständig diskutiert. Daher findet man allenthalben unterschiedliche Angaben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat folgende Werte bei Erwachsenen als normal oder pathologisch definiert:

Blutdrucksystolisch [mmHg]diastolisch [mmHg]
niedrig< 105< 65
optimal< 120< 80
normal120 – 12980 – 84
hoch-normal130 – 13985 – 89
leichte Hypertonie (Grad 1)140 – 15990 – 99
mäßige Hypertonie (Grad 2)160 – 179100 – 109
schwere Hypertonie (Grad 3)> 179> 109

Die WHO spricht von einer Hypertonie, wenn der systolische Blutdruck dauerhaft über 140 mmHg und/oder der diastolische Wert dauerhaft über 90 mmHg liegt.

 

Bluthochdruck: Formen der Hypertonie

Die gebräuchlichste Einteilung der verschiedenen Formen des Bluthochdrucks erfolgt nach der zugrunde liegenden Ursache:

  • Primäre (essenzielle) Hypertonie. Die Ursache bleibt trotz gründlicher Untersuchung unbekannt. Die Diagnose wird gestellt, wenn Ursachen für eine sekundäre Hypertonie ausgeschlossen werden konnten. Das ist bei 85 % der Bluthochdruckpatienten der Fall. Die Krankheit beginnt um das 40. Lebensjahr und verläuft zunächst weitgehend beschwerdefrei. Die Symptome sind relativ unspezifisch, wie Kopfschmerzen, Herzklopfen und Schwindelgefühl.
  • Sekundäre Hypertonie. Diese betrifft etwa 15 % der Bluthochdruckpatienten. Hier lässt sich der Bluthochdruck auf eine andere Grunderkrankung zurückführen.
    • Endokrin bedingte Hypertonie, ausgelöst durch Überproduktion verschiedener Hormone infolge Tumoren oder Hyperplasien.
      • Conn-Syndrom (primärer Hyperaldosteronismus): Nach neueren Forschungen ist das Conn-Syndrom eine der häufigsten Ursachen für sekundäre Hypertonie. Tumoren oder Hyperplasien der Nebennierenrinde bewirken eine Überproduktion von Aldosteron. Dieses reguliert den Wasser- und Mineralstoffhaushalt, indem es in den Nieren für die Ausscheidung von Kalium und die Rückresorption von Natrium und Wasser sorgt. Ein Überschuss führt zur Erniedrigung des Blutkaliumspiegels (Hypokaliämie) und einer therapieresistenten Hypertonie, die mit Medikamenten kaum einstellbar ist.
      • Cushing-Syndrom: Ursächlich ist eine Überproduktion von Cortisol in der Nebennierenrinde. Meist steckt ein Tumor der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) dahinter, der durch gesteigerte Freisetzung des Steuerungshormons Adrenocorticotropin (ACTH) die Nebennierenrinde stimuliert. Neben Gewichtszunahme, Osteoporose und Myopathien verursacht Cortisolüberschuss Diabetes und Bluthochdruck. Letzteres geschieht durch Beeinflussung der Blutdruckregulation über die Nieren.
      • Androgenitales Syndrom: Auch bei dieser erblichen Stoffwechselkrankheit werden Aldosteron und Cortisol im Überschuss produziert und verursachen Bluthochdruck.
      • Phäochromozytom: Dieser seltene, meist gutartige Tumor des Nebennierenmarks bildet vermehrt die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin. Dadurch steigt der Blutdruck bei der Hälfte der Betroffenen mitunter schlagartig an (hypertensive Krise, paroxymale Hypertonie). Bei der anderen Hälfte kommt es zu chronischem Bluthochdruck.
      • Akromegalie: Hier führt ein Hypophysentumor zu einer krankhaften Größenzunahme der Akren (Gliedmaßen, Ohren, Nase, Kinn). Ursache ist eine Überproduktion des Wachstumshormons Somatotropin (STH), das die Natriumausscheidung über die Niere verhindert. Dadurch steigen Auswurfleistung des Herzens und Blutdruck.
      • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose): Die Schilddrüsenhormone sind wichtige Steuerelemente im Stoffwechsel. Eine Überproduktion kurbelt diesen an und erhöht den Blutdruck.
    • Hypertonie infolge Gefäßerkrankungen.
      • Renale Hypertonie. Ursache ist eine arteriosklerotische oder angeborene Verengung der Nierenarterie (A. renalis; renovaskuläre Hypertonie). Seltener ist das Nierenparenchym betroffen (renal-parenchymatöse Hypertonie). Das trifft auf Nierenzysten, Schrumpfniere oder eine Entzündung der Nierenkörperchen (Glomerulonephritis) zu.
      • Aortenisthmusstenose. Eine Verengung der Aorta nach Abgang der Kopf- und Armarterien führt dort zu Hypertonie. Zugleich werden die Nieren durch die Engstelle schlechter durchblutet, was zum Anstieg des blutdrucksteigernden Hormons Renin führt.
    • Hypertonie durch Schlafapnoe. Eine nächtliche Mangelversorgung mit Sauerstoff bewirkt die Aktivierung des sympathischen Nervensystems und damit Bluthochdruck. Etwa die Hälfte der Schlafapnoe-Patienten leidet an Hypertonus.
    • Hypertonie durch Nahrungsmittel. Lakritz vermag Bluthochdruck auszulösen. Dazu muss man allerdings täglich mehr als 50 Gramm zu sich nehmen. Das enthaltene Glyzyrrhizin verlangsamt den Abbau von Cortisol, das den Blutdruck über die Nieren reguliert.
    • Hypertonie durch Medikamente. Verschiedene Medikamente können Bluthochdruck verursachen. Dazu gehören Verhütungsmittel (Kontrazeptiva), nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Aspirin und die bei Bodybuildern beliebten Steroidhormone.

 

Bluthochdruck: Risikofaktoren

Die Framingham-Herzstudie untersucht seit 1948 systematisch den Einfluss kardiovaskulärer Risikofaktoren und ihre Folgen. Nach dieser erhöht sich das Risko an Bluthochdruck erkrankter Männer

  • für die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) um das zweifache,
  • für eine koronare Herzkrankheit (KHK) um das zweieinhalbfache,
  • für eine Linksherzinsuffizienz um das siebenfache,
  • für einen Schlaganfall (Apoplex) um das achtfache.

Diese Risiken steigen noch ganz erheblich, wenn weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren hinzukommen:

  • Übergewicht (Adipositas) und Bewegungsmangel
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Fettstoffwechselstörungen (Hyperlipidämie, Hypercholesterinämie)
  • Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose)
  • Niereninsuffizienz
  • Nikotin- und Alkoholabusus
  • Geschlecht (Männer sind häufiger betroffen)
  • Alter
  • Stress, Depressionen und Angstzustände
  • familiäre Prädisposition und genetische Faktoren
  • Zustand nach Herzinfarkt und Herztransplantation
  • hoher Homocysteinspiegel im Blut (Hyperhomocysteinämie)

 

Bluthochdruck Symptome

Mit erhöhtem Blutdruck geht eine Vielzahl typischer Symptome einher, die je nach Schweregrad auftreten können. Besonders typisch sind Schwindel, Unwohlsein, Kopfschmerzen, Erbrechen und Herzrasen. Doch auch Schweißausbrüche, ein Engegefühl in der Brust, Nasenbluten, Sehstörungen, Konzentrationsstörungen sowie Nervosität, Aggressivität und anhaltende Schlafstörungen oder Funktionsstörungen des Genitals können symptomatisch sein.

Anfangs ist Bluthochdruck asymptomatisch. Die ersten unspezifischen Anzeichen sind

  • Kopfschmerzen
  • Schwindelgefühl
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Atemnot (Dyspnoe) und Schweißausbrüche bei geringen Belastungen
  • Nasenbluten
  • Sehstörungen
  • Angina pectoris
  • Erektionsstörungen

Langfristig haben Hypertoniker mit organspezifischen Folgen zu kämpfen, die vielfach tödlich enden.

  • Herz. Der linke Ventrikel hypertrophiert, da er ständig gegen den erhöhten Druck im Körperkreislauf anpumpen muss. Dadurch reicht die Eigenversorgung über die Herzkranzgefäße nicht mehr aus, es kommt zur koronaren Herzkrankheit (KHK). Zugleich führt die ständige Druckbelastung zur Dilatation und Herzinsuffizienz. Bei rund zwei Dritteln aller Hypertoniker sind koronare Herzkrankheit und Linksherzinsuffizienz die Todesursache.
  • Gehirn. Lang anhaltende hohe Blutdruckwerte verursachen im Gehirn Blutungen (Hämorrhagien) und Gefäßverschlüsse (Ischämien) bis hin zum Schlaganfall (Apoplex). Vorstufen sind transitorische ischämische Attacken (TIA) und vaskuläre Demenz.
  • Nieren. Bluthochdruck begünstigt eine Atherosklerose der Nierenarterien. Die verminderte Durchblutung äußert sich in einer Niereninsuffizienz.
  • Sonstige Gefäße. Hypertonie wirkt sich auch auf andere arterielle Gefäße aus. Die Bauchaorta ist durch Aneurysmen bedroht, im Auge kommt es zu Netzhautinfarkten.

 

Bluthochdruck: Diagnose

Die Diagnose Bluthochdruck erfolgt in der Regel nach wiederholten Blutdruckmessungen oder Langzeit-Blutdruckmessung mit dauerhaft erhöhten Werten. Danach erfolgen körperliche Untersuchung, Kontrolle der Laborwerte sowie weitere Diagnosemaßnahmen.

  • Eigenanamnese: Hier gilt es zu klären, welche Allgemeinsymptome der Patient aufweist, welche Medikamente er bekommt, und ob er Nikotin, Alkohol und/oder Koffein zu sich nimmt. Ebenso wichtig sind Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz und eine Unterfunktion der Schilddrüse.
  • Familienanamnese: Da Hypertonie familiär gehäuft auftritt, ist es wichtig zu wissen, ob in der Familie bereits Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere relevante Erkrankungen aufgetreten sind.
  • Auskultation: Mit dem Stethoskop horcht der Arzt Herz und große Blutgefäße ab.
  • Laborwerte: Die wichtigsten Basisparameter bei den Blutwerten sind bei Bluthochdruck
    • Natrium
    • Kalium
    • Kreatinin
    • Harnsäure
    • HbA1c (Langzeit-Zucker)
  • Liegt der Verdacht auf eine endokrin bedingte Hypertonie vor, werden die entsprechenden Hormone im Blut untersucht, wie Katecholamine beim Phäochromozytom.
  • Elektrokardiogramm (EKG): Das EKG dient vor allem der Abklärung bereits erfolgter Herzinfarkte, zumal diese symptomfrei verlaufen können (stummer Herzinfarkt).
  • Eine vermutete organische Ursache bei sekundärer Hypertonie bedarf der spezifischen Abklärung, wie Nierensonographie, Schilddrüsenuntersuchungen und bildgebende Verfahren zur Identifizierung von Tumoren.

 

Bluthochdruck vorbeugen:

Bluthochdruck kann durch Umstellung der Lebensweise und gesunde Ernährung vorgebeugt werden.

  • Gewichtsreduktion auf Normalgewicht
  • leichte sportliche Betätigung
  • kochsalzarme Diät
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Verzicht auf Nikotin und Alkohol

Ist eine medikamentöse Behandlung erforderlich, werden meist Arzneien mit unterschiedlicher Wirkungsweise kombiniert:

  • ACE-Hemmer hemmen das Angiotensin Converting Enzyme, das blutdrucksteigernd wirkt. Die Ausscheidung von Wasser und Natrium über die Nieren wird verstärkt, Blutvolumen und Blutdruck sinken.
  • Betablocker blockieren die ß-Rezeptoren an Herz und Gefäßen, sodass die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin dort nicht mehr andocken können. Dadurch werden die Gefäße erweitert und die Herzfrequenz herabgesetzt.
  • Diuretika verstärken die Ausscheidung von Wasser über die Niere und senken so Blutvolumen und Blutdruck.
  • Calciumantagonisten behindern das Einströmen von Calciumionen in die Muskelzellen der Gefäße, die dadurch weiter gestellt werden. Dadurch sinkt der Blutdruck.

Wird der Bluthochdruck frühzeitig festgestellt, muss nicht immer und sofort zu einer medikamentösen Behandlung gegriffen werden. Besonders durch die zahlreichen Einflüsse im Bereich der Ernährung und Lebensweise, lassen sich therapeutische Ansätze finden. So wird dazu geraten, Salz in der Ernährung zu reduzieren. Sollte Alkohol von Relevanz sein wird auch hier zu Verzicht geraten. Gleiches gilt mit Falle von Koffein, wird bemerkt dass der Konsum sich auf den Bluthochdruck negativ auswirkt.
Des weiteren sollte bei bestehendem Übergewicht eine Reduktionskost angestrebt werden. Diese sollte aus einem hohen Anteil von magerem Protein, ballaststoffreichen Getreideerzeugnissen nebst viel Obst und Gemüse sowie überwiegend pflanzlichen Fetten bestehen.

Durch den aktiven Abbau von bestehendem Übergewicht kann der Blutdruck massiv beeinflusst und auf Dauer gesenkt werden. Eine Abnahme von 10kg Übergewicht kann von einer Reduktion des Drucks zwischen 5 und 10mmHg ausgegangen werden. Ebenfalls förderlich für die Annäherung an die Normalwerte ist Sport. Erhöht dieser auch direkt in der aktiven Phase den Druck, senkt dauerhafter Ausdauersport wie Gehen, Joggen, Walken, Radfahren oder Schwimmen effektiv.
Ist Rauchen und oder Stress indiziiert, wird auch hier zur Reduktion geraten. Besonders gegen Stress gibt es in Form diverser Übungen und Techniken ein hohes Potential zur Verbesserung des Lebensgefühls und Senkung des bestehenden Bluthochdrucks.

Sollte die Umstellung der vorliegenden Ernährungs- und Lebensgewohnheiten keinen ausreichenden Effekt bringen oder sich die Hypertonie weiter verschlechtern, werden Medikamente unverzichtbar, um Komplikationen durch Dauerschädigungen von Nieren, Herz, Hirn und Gefäßen zu vermeiden.

 

Medikamente gegen Hypertonie

1) ACE-Hemmer und AT-1-Rezeptorenantagonisten

Diese Mittel wirken über verschiedene Mechanismen gefäßerweiternd. Dies erfolgt vorwiegend über die Hemmung der Wirkung des Hormons Angiotensin II. Durch die Gabe werden vor allem Organschäden vorgebeugt.

2) Diuretika

Unter Diuretika werden harntreibende Medikamente verstanden. Durch die Steigerung von Salz- und Wasserausscheidung über die Nieren wird die Ansprechbarkeit der gefäßverengenden Reize herabsetzen.
Dabei werden sie meist mit anderen Senkern kombiniert.

3) Betablocker

Diese Medikamente verdanken ihren Namen ihrer Wirkung. Sie blockieren die ß-Rezeptoren und hemmen somit die Wirkung bestimmter Stresshormone. Können die Hormone nicht mehr an den entsprechenden Rezeptoren andocken, erfolgt auch keine Körperreaktion. Neben der Senkung des Blutdrucks wirken sich diese Mittel auch auf das Herz aus. Der Puls- und somit Herzschlag wird etwas herabgesetzt, das Herz dadurch entlastet.

4) Kalziumantagonisten/-kanalblocker

Durch die Blockierung von Kalziumeinströmungen wird der Tonus der Gefäßwände deutlich herabgesetzt. Durch diese Entspannung wird der Blutdruck effektiv herabgesetzt.

Die verschiedenen blutdrucksenkenden Mittel werden häufig in Kombination verabreicht. Dabei besonders wichtig ist eine konsequente und regelmäßige Einnahme, um hypertone Krisen zu vermeiden.

Sind Umweltfaktoren an der Ausprägung des Hypertonus beteiligt und werden diese reduziert oder abgestellt – wie bei Übergewicht, Rauchen, Alkohol und Stress – können die Medikamente später entsprechend reduziert oder gar abgesetzt werden.

 

Komplikationen

Wird eine Hypertonie nicht behandelt kann diese zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Darunter zählen Herzinsuffizienz, Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall, Niereninsuffizienz, Sehbehinderungen bishin zur Erblindung sowie Durchblutungsstörungen der Gliedmaßen (besonders der unteren Extremitäten).

 

Literatur:

  1. Erland Erdmann (Hrsg.) Klinische Kardiologie: Krankheiten des Herzens, des Kreislaufs und der herznahen Gefäße. Stuttgart: Springer-Verlag (2011). ISBN-10: 3642164803.
  2. Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL, Deutsche Hypertonie Gesellschaft. Leitlinien zur Behandlung der Arteriellen Hypertonie.
  3. Deutsche Gesellschaft für Rehabilitation und Prävention. Umsetzungsempfehlung der Leitlinie Arterielle Hypertonie für die kardiologische Rehabilitation.

weitere Quellen:

Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL –Deutsche Hypertonie Gesellschaft
Empfehlungen zur Therapie der arteriellen Hypertonie“ der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AKDÄ), 2004
Hausärztliche Leitlinie Hypertonie der Leitliniengruppe Hessen, 2004

Autoren: Dr. Harald Stephan, Anna Nilsson

 

weiterführend:

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Autorenprofil

Dr. Harald Stephan, Medizinredaktion

Dr. rer. medic. Harald Stephan, Fach-/Wissenschaftsredakteur - Naturwissenschaftler mit medizinischer Promotion. Autor medizinischer Themen im Blutbild & Diagnostik Gesundheitsmagazin "Großes Blutbild".


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