Medizinisch wissenschaftlicher Beirat

Dr. rer. medic. Harald Stephan

Als wissenschaftlicher Beirat berät Herr Dr. rer. medic. Harald Stephan unsere Redaktion. Als Diplom-Biologe hat er zum Doktor der Medizinwissenschaften promoviert und an den Universitäten Marburg und Bochum sowie am Universitätsklinikum Essen als Wissenschaftler in der medizinischen Forschung und Lehre gearbeitet.

Von seiner wissenschaftlichen Arbeit zeugen zahlreiche Veröffentlichungen in renommierten Fachzeitschriften wie Nature Genetics, JCB und EMBO Journal.

Neben seiner beratenden Tätigkeit arbeitet er redaktionell als wissenschaftlicher Fachautor und federführender Autor medizinischer Themen im Gesundheitsmagazin GrossesBlutbild.de. Sein ständig aktualisiertes Fachwissen gründet auf wissenschaftlicher Fachliteratur, medizinischer Forschung und aktuellen Leitlinien. Damit entsprechen seine Inhalte dem aktuellen medizinischen Wissensstand.

Abschlüsse

  • Diplom-Biologe – Hauptfächer Mikrobiologie, Genetik, Biochemie
  • Referent für medizinische Informationsverarbeitung, Schwerpunkt Biometrie und Biostatistik
  • Promotion zum Doktor der Medizinwissenschaften (Dr. rer. medic.)

Was ist ein Dr. rer. medic.?

Der wenig bekannte Titel Dr. rer. medic. wird in Deutschland nur von wenigen Universitäten vergeben, darunter Charité, Duisburg-Essen oder Witten-Herdecke. Der Abschluss des Doktoratsstudiums der Medizinischen Wissenschaften zeigt, dass der Absolvent zu selbständiger medizinisch-naturwissenschaftlicher Forschung befähigt ist.

Er ist Naturwissenschaftlern, Medizinern und Humanbiologen mit abgeschlossenem Studium vorbehalten. Je nach Universität bezeichnet man einen Dr. rer. medic. als Doktor der Gesundheitswissenschaften, der Theoretischen Medizin, der Medizinwissenschaften oder ähnlich.

Wir freuen uns besonders, Herrn Dr. Stephan für unsere Zwecke gewonnen zu haben. Seine Ausbildung vereint medizinische und naturwissenschaftliche Sicht der Dinge, sodass er Laien medizinische Sachverhalte besonders gut erklären kann.

Worüber hat Dr. Stephan seine Doktorarbeit geschrieben?

In seiner Doktorarbeit hat Herr Dr. Stephan Untersuchungen zur Verbesserung der Behandlung von kindlichem Augenkrebs (Retinoblastom) durchgeführt.

Aktuell ist dafür eine vollständige Augenentfernung (Enukleation), lokale Behandlung mit Vereisung oder Erhitzung oder bei Metastasenbildung Chemotherapie üblich. Er konnte zeigen, das sich die Tumorzellen nach Behandlung mit dem Photosensibilisator Verteporfin durch rotes Laserlicht gezielt abtöten lassen.

Das Laserlicht ist energiearm und aktiviert lediglich den Sensibilisator, ohne die Umgebung zu erhitzen oder die Netzhaut zu schädigen. Die klinische Umsetzung wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Dann sollte es aber bei geeigneten Patienten möglich sein, den Tumor durch photodynamische Therapie mit einer Injektion in eine Armvene und knapp zwei Minuten Laserlicht im Auge abzutöten.

Arbeitsstellen

  • Universität des Saarlandes, Fachbereich Biologie, Fachrichtung Mikrobiologie, Allgemeine Mikrobiologie
  • Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Medizin, Institut für Klinische Zytobiologie und Zytopathologie
  • Ruhr-Universität Bochum, Fachbereich Medizin, Abteilung Anatomie und Embryologie
  • Universitätsklinikum Essen, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Kinderklinik III, Labor für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie

Besondere Interessen

Herr Dr. Stephan hat sich in seiner Diplomarbeit mit dem Gencluster der Urease von Proteus vulgaris beschäftigt. Dieses Enzym ist bei vielen bakteriellen Infektionen wie Harnwegsinfekten oder bei Magengeschwüren und Magenkrebs durch Helicobacter ein wesentlicher Pathogenitätsfaktor. Für die korrekte Funktion des Proteins benötigen die Bakterien mehrere Gene, die bei Synthese und Reifung eine Rolle spielen.

In der medizinischen Lehre hat Herr Dr. Stephan Studenten der Medizin in der Makroskopischen Anatomie („Präpkurs“) und Mikroskopischen Anatomie (Histologie) betreut. Die Anatomie ist eine wichtige Nahtstelle für alle medizinischen Fachrichtungen – ohne ihre Kenntnis wäre es angehenden Medizinern nicht möglich, Stoffwechselvorgänge und Erkrankungen zu verstehen.

Ebenso hat er Studenten der Humanbiologie und Medizin im selbst konzipierten Praktikum Zellbiologie angeleitet. Er und seine Arbeitsgruppe gehörten zu den ersten in Deutschland, die sich mit dem Programmierten Zelltod (Apoptose) befassten – was man damals noch erklären musste, ist heute ein ebenso gängiger Begriff wie Zellteilung.

Von besonderem Interesse war dabei das DNA-abbauende Enzym, das für die Bildung der charakteristischen DNA-Leiter apoptotischer Zellen verantwortlich ist. Störungen dieses Enzyms führen zu Krebs, Entwicklungsstörungen und vielen anderen Erkrankungen wie Lupus erythematodes.

Der Programmierte Zelltod ist zudem ein Problem bei Organtransplantationen, aber auch Basis jeder Krebsbehandlung mit Bestrahlung oder Chemotherapie. In den vergangenen Jahren lag sein Forschungsschwerpunkt in der Onkologie auf Krebserkrankungen des Kinder- und Jugendalters, vor allem dem Augentumor Retinoblastom, an dem Kinder bis zu ihrem fünften Lebensjahr erkranken und dem Neuroblastom, das von Nervenzellen ausgeht und ja nach Patient sehr unterschiedlich behandelt werden muss.

Er arbeitete an der Klärung der Tumorentstehung und beschäftigte sich mit der Identifizierung neuer Biomarker zur Therapieverbesserung, neuartigen Behandlungsmethoden und den Grundlagen der Chemotherapieresistenz.

Nationales Genomforschungsnetz (NGFN)

Innerhalb des Nationalen Genomforschungsnetzes NGFN/NGFN-plus war Herr Dr. Stephan als Koordinationsassistent für die Organisation des ENGINE (Extended Neuroblastoma Genome Interaction Network) verantwortlich, eines Forschungsverbundes von 15 Arbeitsgruppen. Ziel des Verbundes war die Klärung der Pathogenese des Neuroblastoms, erweiterte Möglichkeiten zur Diagnostik und die Prüfung neuer Zielmoleküle auf Eignung für neue Therapien.

Veröffentlichungen

Hier sind nur wissenschaftliche Originalarbeiten aufgeführt.


  • Busch M, Papior D, Stephan H, Dünker N (2018):

Characterization of etoposide- and cisplatin-chemoresistant retinoblastoma cell lines. Oncology Reports 39(1):160-172.


  • Busch M, Große-Kreul J, Wirtz JJ, Beier M, Stephan H, Royer-Pokora B, Metz K, Dünker N (2017):

Reduction of the tumorigenic potential of human retinoblastoma cell lines by TFF1 overexpression involves p53/caspase signaling and miR-18a regulation. International Journal of Cancer 141(3):549-560.


  • Große-Kreul J, Busch M, Winter C, Pikos S, Stephan H, Dünker N (2016):

Forced Trefoil Factor Family Peptide 3 (TFF3) Expression Reduces Growth, Viability, and Tumorigenicity of Human Retinoblastoma Cell Lines. PLoS One 11(9):e0163025.


  • Müller P, Doliva R, Busch M, Philippeit C, Stephan H, Dünker N (2015):

Additive effects of retinoic acid (RA) and bone morphogenetic protein 4 (BMP-4) apoptosis signaling in retinoblastoma cell lines. PLoS One 10(7):e0131467.


  • Schramm A, Köster J, Assenov Y, Althoff K, Peifer M, Mahlow E, Odersky A, Beisser D, Ernst C, Henssen AG, Stephan H, Schröder C, Heukamp L, Engesser A, Kahlert Y, Theissen J, Hero B, Roels F, Altmüller J, Nürnberg P, Astrahantseff K, Gloeckner C, De Preter K, Plass C, Lee S, Lode HN, Henrich KO, Gartlgruber M, Speleman F, Schmezer P, Westermann F, Rahmann S, Fischer M, Eggert A, Schulte JH (2015):

Mutational dynamics between primary and relapse neuroblastomas. Nature Genetics 47(8):872-7.


  • Schwermer M, Lee S, Köster J, van Maerken T, Stephan H, Eggert A, Morik K, Schulte JH, Schramm A (2015):

Sensitivity to cdk1-inhibition is modulated by p53 status in preclinical models of embryonal tumors. Oncotarget 6(17):15425-35.


  • Pajtler KW, Mahlow E, Odersky A, Lindner S, Stephan H, Bendix I, Eggert A, Schramm A, Schulte JH (2014):

Neuroblastoma in dialog with its stroma: NTRK1 is a regulator of cellular cross-talk with Schwann cells. Oncotarget 5(22):11180-92.


  • Thor T, Künkele A, Pajtler KW, Wefers AK, Stephan H, Mestdagh P, Heukamp L, Hartmann W, Vandesompele J, Sadowski N, Becker L, Garrett L, Hölter SM, Horsch M, Calzada-Wack J, Klein-Rodewald T, Racz I, Zimmer A, Beckers J, Neff F, Klopstock T, De Antonellis P, Zollo M, Wurst W, Fuchs H, Gailus-Durner V, Schüller U, Hraběde Angelis M, Eggert A, Schramm A, Schulte JH. (2014):

MiR-34a deficiency accelerates medulloblastoma formation in vivo. International Journal of Cancer 136(10):2293-303.


  • Schulte HJ, S. Schulte, L. C. Heukamp, H. Stephan, M. Fischer, A. Schramm, A. Eggert (2013):

Targeted Therapy for Neuroblastoma: ALK Inhibitors. Klinische Pädiatrie 2013 Nov;225(6):303-308.


  • Menke, K., M. Bornschein, H. Stephan, K. W. Pajtler, J. Eisenbraun, A. Schramm, T. J. Zuzak (2013):

Viscum album inhibits cell growth, migration and invasion of pediatric tumor cell lines – But effects are limited at concentrations found in serum. In: R. Scheer, S. Alban, H. Becker, W. Blaschek, F. H. Kemper, W. Kreis, H. Matthes, H. Schilcher, R. Stange (Hrsg.): Die Mistel in der Tumortherapie 3 – Aktueller Stand der Forschung und klinische Anwendung. ISBN 978-3-86864-032-8. KVC-Verlag Essen.


  • Zuzak, T.J., M. Bornschein, K. Menke, H. Stephan, K. Pajtler, J. Eisenbraun, A. Schramm (2011):

Viscum album inhibits cell growth, migration and invasion of pediatric tumor cell lines – But effects are limited at concentrations found in serum. Phytomedicine 01/2011; 18.


  • Gustmann, S., L. Klein-Hitpass, H. Stephan, S. Weber, N. Bornfeld, M. Kaulisch, D. R. Lohmann, N. Dünker (2011):

Loss at chromosome arm 16q in retinoblastoma: confirmation of the association with diffuse vitreous seeding and refinement of the recurrently deleted region. Genes, Chromosomes & Cancer 50(5): 327-337.


Haubold M, Weise A, Stephan H, Dünker N (2010):

Bone morphogenetic protein 4 (BMP4) signaling in retinoblastoma cells.

International Journal of Biological Sciences 2010 Nov 24;6(7):700-15.


  • Stephan, H., R. Boeloeni, A. Eggert, N. Bornfeld, A. Schueler (2008):

Photodynamic therapy in retinoblastoma: effects of verteporfin on retinoblastoma cell lines. Investigative Ophthalmology & Visual Science 49(7): 3158-3163.


  • Stephan, H., J. L. Zakrzewski, R. Boloni, C. Grasemann, D. R. Lohmann, A. Eggert (2008):

Neurotrophin receptor expression in human primary retinoblastomas and retinoblastoma cell lines. Pediatric Blood & Cancer 50(2): 218-222.


  • Gratias, S., A. Schuler, L. K. Hitpass, H. Stephan, H. Rieder, S. Schneider, B. Horsthemke, D. R. Lohmann (2005):

Genomic gains on chromosome 1q in retinoblastoma: consequences on gene expression and association with clinical manifestation. International Journal of Cancer 116(4): 555-563.


  • Grasemann, C., S. Gratias, H. Stephan, A. Schuler, A. Schramm, L. Klein-Hitpass, H. Rieder, S. Schneider, F. Kappes, A. Eggert, D. R. Lohmann (2005):

Gains and overexpression identify DEK and E2F3 as targets of chromosome 6p gains in retinoblastoma. Oncogene 24(42): 6441-6449.


  • Ballweber, E., E. Hannappel, T. Huff, H. Stephan, M. Haener, N. Taschner, D. Stoffler, U. Aebi, H. G. Mannherz (2002):

Polymerisation of chemically cross-linked actin:thymosin beta(4) complex to filamentous actin: alteration in helical parameters and visualisation of thymosin beta(4) binding on F-actin. Journal of Molecular Biology 315(4): 613-625.


  • Napirei, M., H. Karsunky, B. Zevnik, H. Stephan, H. G. Mannherz, T. Moroy (2000):

Features of systemic lupus erythematosus in Dnase1-deficient mice. Nature Genetics 25(2): 177-181.


  • Stephan, H, B. Polzar, H. G. Mannherz (2000):

Sein oder nicht sein? – Der Programmierte Zelltod. Naturwissenschaftliche Rundschau 53: 273-281.


  • von Kobyletzki, G., O. Heine, H. Stephan, C. Pieck, M. Stucker, K. Hoffmann, P. Altmeyer, H. G. Mannherz (2000):

UVA1 irradiation induces deoxyribonuclease dependent apoptosis in cutaneous T-cell lymphoma in vivo. Photodermatology, Photoimmunology & Photomedicine 16(6): 271-277.


  • Rauen, U., B. Polzar, H. Stephan, H. G. Mannherz, H. de Groot (1999):

Cold-induced apoptosis in cultured hepatocytes and liver endothelial cells: mediation by reactive oxygen species. FASEB Journal : Official Publication of the Federation of American Societies for Experimental Biology 13(1): 155-168.


  • Stephan H, H. G. Mannherz (1998):

Der Programmierte Zelltod – Harakiri mit tausend Schnitten. RUBIN Wissenschaftsmagazin 4/2000.


  • Rauch, F., B. Polzar, H. Stephan, S. Zanotti, R. Paddenberg, H. G. Mannherz (1997):

Androgen ablation leads to an upregulation and intranuclear accumulation of deoxyribonuclease I in rat prostate epithelial cells paralleling their apoptotic elimination. Journal of Cell Biology 137(4): 909-923.


  • Stephan, H., B. Polzar, F. Rauch, S. Zanotti, C. Ulke, H. G. Mannherz (1996):

Distribution of deoxyribonuclease I (DNase I) and p53 in rat testis and their correlation with apoptosis. Histochemistry and Cell Biology 106(4): 383-393.


  • Zanotti, S., B. Polzar, H. Stephan, U. Doll, J. Niessing, H. G. Mannherz (1995):

Localization of deoxyribonuclease I gene transcripts and protein in rat tissues and its correlation with apoptotic cell elimination. Histochemistry and Cell Biology 103(5): 369-377.


  • Polzar, B., S. Zanotti, H. Stephan, F. Rauch, M. C. Peitsch, M. Irmler, J. Tschopp, H. G. Mannherz (1994):

Distribution of deoxyribonuclease I in rat tissues and its correlation to cellular turnover and apoptosis (programmed cell death). European Journal of Cell Biology 64(1): 200-210.


  • Peitsch, M. C., B. Polzar, H. Stephan, T. Crompton, H. R. MacDonald, H. G. Mannherz, J. Tschopp (1993):

Characterization of the endogenous deoxyribonuclease involved in nuclear DNA degradation during apoptosis (programmed cell death). EMBO Journal 12(1): 371-377.