Hämatokrit zu niedrig oder zu hoch » einfach erklärt

Der Hkt Blutwert » Werte und Definition des Hämatokrits im Blut

Als Hämatokrit (HK, HKT, HCT) bezeichnet man den Anteil der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) am Blutvolumen.

Die roten Blutkörperchen stellen über 99 % der Zellen des Blutes, wohingegen die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten) nur etwa 1 % ausmachen.

Somit spiegel der Hämatokrit recht genau dem Anteil aller Blutkörperchen am Blutvolumen wider, den Rest macht das flüssige Serum aus.

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Hämatokrit Werte

Dadurch entspricht der Hämatokrit ziemlich genau einem anderen Blutwert, dem gesamten oder gepackten Zellvolumen (Packed Cell Volume oder PCV). Somit gibt der Hämatokrit Auskunft über die Menge roter Blutkörperchen und das Volumen des Blutes. Diese Parameter werden durch Blutbildung, Blutverlust und Wasser- und Elektrolythaushalt bestimmt. Der Hämatokrit ist Bestandteil des kleinen Blutbildes.

Blutuntersuchung

 

Was ist der Hämatokrit?

Das Hämatokrit zeigt den Anteil der festen Blutzellen im Gesamtblut sowie die Fließfähigkeit des Blutes. Zu den festen Blutbestandteilen gehören rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen. Laboratorien geben den Wert in Prozent an.

Der Hkt-Blutwert steigt bei sinkendem Flüssigkeitsanteil. Durchfall, Schwitzen und eine mangelnde Flüssigkeits-Aufnahme verursachen diesen Zustand. Das Blut wird in dessen Folge zähflüssiger und fließt somit langsamer.

Dadurch erhöht sich das Risiko für einen Schlaganfall oder für eine Thrombose. Das Herz bringt mehr Kraft auf, um das Blut durch den Körper zu pumpen. Ist das Blut zu dünnflüssig, ist der Hämatokrit-Wert erniedrigt.

Die Abkürzung des Hämatokrit-Wertes lautet Hct oder Hkt. Ebenfalls symbolisiert der Wert den Teil der Erythrozyten am Blutvolumen. Die Erythrozyten, im gleichen Fall rote Blutkörperchen genannt, gelten als häufigste Zellen im Blut von Wirbeltieren. Physiologisch gesehen nehmen rote Blutkörperchen 99 Prozent des Gesamtvolumens der Blutzellen an.

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Daher liegt der Hämatokrit bei diesem Teil des Zellvolumens am Blutvolumen. Des Weiteren gibt der Wert Auskunft über den Wasserhaushalt eines Menschen.

Der Hkt Wert im Blut gibt Aufschluss über Wasserhaushalt und Erkrankungen

Der Hkt-Blutwert beschreibt den Anteil der Blutzellen im Gesamtblut und die Fließfähigkeit des Blutes. Er ist Teil des kleinen Blutbildes. Der Hkt-Blutwert steigt bei sinkendem Flüssigkeitsanteil. Das Blut wird in dessen Folge zähflüssiger und fließt somit langsamer. Dadurch erhöht sich das Risiko für einen Schlaganfall oder für eine Thrombose. Ist das Blut zu dünnflüssig, ist der Hämatokrit-Wert erniedrigt, ein Anzeichen für Blutarmut, Niereninsuffizienz oder Hyperhydration (Überwässerung).

Hämatokrit – Wann bestimmt der Arzt den Hämatokrit?

Den Hämatokrit lässt Ihr Hausarzt routinemäßig bei jedem kleinen Blutbild im Labor bestimmen. Die Blutwerte zeigen, ob der Hämatokrit zu niedrig oder zu hoch ausfällt.

Besondere Beachtung findet der Hämatokrit-Blutwert bei Verdacht auf hämatologische Erkrankungen wie Anämie oder Polyglobuli, Dehydrierung oder Hyperhydrierung infolge falschen Trinkverhaltens, vor jeder Operation, nach hohen Blutverlusten infolge Unfällen oder Verdacht auf innere Blutungen.

Zu hohe oder zu niedrige Hämatokrit-Werte geben erste Hinweise und müssen für eine Diagnose mit den anderen Blutwerten verglichen werden. Daran schließen sich passende Untersuchungen zur Bestätigung eines entsprechenden Verdachtes an. Ist bei der Bestimmung der Blutwerte der Hämatokrit zu niedrig, darf man kein Blut spenden.

Wie werden zu hohe oder zu niedrige Hämatokrit Blutwerte bestimmt

Für die Bestimmung des Hämatokrits entnimmt Ihnen Ihr Arzt oder eine medizinische Fachkraft seiner Praxis Blut aus der Armvene. Dafür gibt es spezielle Blutentnahmeröhrchen, die EDTA enthalten. EDTA ist ein Komplexbildner (Chelator), der dem Blut die Calcium-Ionen entzieht, sodass es nicht mehr gerinnen kann. Würde das geschehen, würden die Blutkörperchen verklumpen und man könnte den Hämatokrit nicht mehr bestimmten.

Die Röhrchen sind durch ihre Farbe gekennzeichnet: rot sind Röhrchen, in denen man das Blut wie bei einer Spritze aufzieht. Lila hingegen kennzeichnet Röhrchen, in denen von vornherein ein Unterdruck anliegt, sodass das Blut von selbst hineinläuft. Zur klassischen Bestimmung des Hämatokrit trennt man im Labor das ungerinnbar gemachte Blut in einer speziellen Zentrifuge auf. Das geschieht in speziellen Kapillaren oder Röhrchen, die die Ablesung erleichtern.

Durch die Zentrifugation sammeln sich die festen Bestandteile des Blutes unten im Röhrchen, allen voran die roten Blutkörperchen. Die weißen Blutkörperchen bilden darüber nur eine ganz dünne Schicht, die an ihrer hellen Farbe leicht erkennbar ist. Darüber steht der gelbliche Serumanteil des Blutes. Der Quotient aus Höhe der Säule der roten Blutkörperchen durch Höhe der Säule des gesamten Blutes entspricht dem Hämatokrit.

Der Hämatokrit wird folglich in Prozent angegeben. Für die Blutwerte bedeutet ein Hämatokrit, der zu niedrig ist, demzufolge eine vergleichsweise zu kleine rote Säule im Röhrchen. Bei Männern sind Blutwerte zwischen 40 und 54 % normal. Frauen mit ihrem regelmäßigen Blutverlust durch die Periode haben in der Regel einen etwas niedrigen Referenzbereich, den man meist mit 37-47 % angibt. Eine schnelle, rein rechnerische Methode für die Bestimmung des Hämatokrit bieten moderne Geräte wie Analyzer für die Hämatologie oder Durchflusszytometer.

Mit solchen Apparaturen lässt sich die Anzahl der roten Blutkörperchen ebenso bestimmen wie das mittlere Volumen eines einzelnen Erythrozyten. Diesen Blutwert bezeichnet man als mittleres korpuskuläres Volumen (Mean Corpuscular Volume, MCV), das in Femtolitern (=1/1.000.000.000 Mikrolitern) angegeben wird. Multipliziert man dieses Durchschnittsvolumen mit der Anzahl der roten Blutkörperchen, erhält man das gesamte Volumen aller roten Blutkörperchen und somit den Hämatokrit.

 

Der normale Hämatokrit-Wert im Organismus

Ein normaler Hämatokrit-Wert liegt bei einem Mann zwischen 42 und 50 Prozent. Bei Frauen variiert dieser Wert zwischen 37 und 45 Prozent. Im gleichen Fall liegt der Hämatokrit nach einer starken Blutung im normalen Bereich. Das liegt am gleichzeitigen Verlust von Zellen und Flüssigkeit. Der Hämatokrit anderer Wirbeltiere liegt zwischen 20 und 65 Prozent. Einen Normalwert stellen 40 Prozent dar. Diese orientieren sich an Modell-Berechnungen aus strömungs-physikalischer Sicht.

Dabei steht die Viskosität einer Flüssigkeit im Verhältnis zur Viskosität des Lösungsmittels und dem Volumenanteil fester Bestandteile. Als Viskosität bezeichnet sich das Maß der Zähflüssigkeit eines Fluids. Laut diesem Normalwert gilt der Hämatokrit des Menschen und diverser Tierarten als optimal. Weicht der Hämatokrit-Wert vom Normalwert ab, beeinflusst dies den Messwert der Blutzucker-Messung.

Je nach Quelle ergeben sich für den Hämatokrit unterschiedliche Referenzbereiche. Bei Männern liegt der Norm-Wert bei 43 bis 49 Prozent, bei Frauen bei 37 bis 45 Prozent. Je nach Labor schwanken die angegebenen Referenzbereiche.

Blutwerte: Hämatokrit zu niedrig Wenn bei der Bestimmung Ihrer Blutwerte der Hämatokrit zu niedrig ist, haben Sie zu wenige rote Blutkörperchen (Erythrozyten) im Blut. Die gute Nachricht: Besser als ein zu hoher Blutwert, denn der führt zu schlechteren Fließeigenschaften des Blutes und belastet das Herz. Trotzdem sollten Sie sich um die Ursachen für den zu niedrigen Hämatokrit kümmern, denn es können Krankheiten wie Anämien oder Mangelerscheinungen dahinterstecken.

Hämatokrit zu niedrig – Ursachen

Wenn die Blutwerte sagen, dass der Hämatokrit zu niedrig ist, bedeutet das zu wenige rote Blutkörperchen. Mit anderen Worten: Es schwimmen zu viele Erythrozyten in einem zu großen Blutvolumen. Das heißt, das Blut ist zu dünnflüssig.

Blutwerte: Hämatokrit zu niedrig durch zu wenige Erythrozyten

  • Blutverluste treten auf infolge
    • regulärer Blutverluste wie der
      • weiblichen Menstruation.
    • traumatischen Verletzungen, etwa nach
      • tiefen Hautverletzungen
      • Knochenbrüchen
      • nach Operationen.
    • inneren Blutungen (Hämorrhagien)
      • bei einigen Tumoren (blutende Blasentumoren, Magenkrebs)
      • sonstigen Blutungen.
    • chronisch-entzündlichen Erkrankungen
      • Morbus Crohn und
      • Colitis ulcerosa als chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
      • Geschwüren von Magen und Zwölffingerdarm
      • rheumatoide Arthritis.
  • Blutarmut ist auf eine gestörte Blutbildung, Auflösung von Blutkörperchen oder auf Mangelernährung zurückzuführen.
    • Mangelernährung
      • Eisenmangel ist die häufigste Ursache für Blutarmut (Eisenmangelanämie, sideropenische Anämie). Dadurch steht nicht ausreichend Eisen für die Synthese des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin zur Verfügung. Einen Sonderfall stellt der erhöhte Eisenbedarf in der Schwangerschaft dar, der ebenfalls oft zu niedrigen Hämatokrit-Werten führt.
      • Vitamin B12- und Folsäuremangel führen ebenfalls zu verringerter Blutbildung.
    • Hämolytische Anämie bezeichnet eine Anämie infolge einer Lyse von Erythrozyten. Sie ist die Folge von
      • Autoimmunerkrankungen oder einiger
      • Medikamente.
    • Gestörte Blutbildung (Erythropoese)
      • Chemotherapie beeinflusst nicht nur die schnell wachsenden Tumorzellen, sondern auch die blutbildenden Zellen.
      • Myelodysplastische Erkrankungen sind Krankheiten des blutbildenden Knochenmarks, bei denen die Stammzellen nicht genug reife Blutzellen bilden können.
      • Knochenmarkstumoren und Knochenmarkmetastasen haben einen ähnlichen Effekt.

 

Blutwerte: Hämatokrit zu niedrig durch zu hohes Blutvolumen

  • Sport und Ausdauertraining. Im harmlosesten Falle ist ein niedriger Hämatokrit auf sportliche Betätigung zurückzuführen. Dadurch erhöht sich das Blutvolumen, das auch bei längerem Schwitzen eine ausreichende Kühlung ermöglicht. Das verbessert zugleich die Viskosität des Blutes – wenig Festsubstanzen in viel Flüssigkeit bedeutet, dass das Blut dünnflüssiger wird. Dadurch muss das Herz weniger Leistung erbringen, um das Blut durch den Körper zu pumpen. Somit ist bei Leistungssportlern ein niedriger Hämatokrit durchaus normal und nicht pathologisch.
  • Volumentherapie. Bei Blutverlusten muss man bei einem Patienten das Blutvolumen auffüllen. Oft geschieht das nicht mit Blutkonserven oder Erythrozytenkonzentraten, sondern mit physiologischer Kochsalzlösung. Diese normalisiert nur das Volumen, nicht jedoch den Mangel an Blutkörperchen.
  • Überwässerung durch zu reichhaltiges Trinken.
  • Chronische Niereninsuffizienz führt zu einer verminderten Ausscheidung von Wasser mit dem Urin.

 

Symptome bei niedrigen Hämatokrit

Ist bei der Bestimmung der Blutwerte der Hämatokrit infolge einer Anämie zu niedrig, führt das zu einer verringerten Sauerstoffversorgung des Körpers. Das äußert sich in

  • Müdigkeit
  • Leistungsschwäche
  • Konzentrationsschwäche
  • Atemnot unter Belastung
  • verlangsamter Herzschlag (Tachykardie)
  • blasse Haut
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • niedrige Körpertemperatur

Behandlung bei zu niedrigen Hämatokrit Blutwert

Ist im kleinen Blutbild bei der Kontrolle der Blutwerte der Hämatokrit zu niedrig, steht die Beseitigung der Ursache im Vordergrund. Ist das geschehen, reguliert sich der Hämatokrit von selbst.

Im harmlosesten Falle ist er auf zu viel Flüssigkeitszufuhr zurückzuführen. Dann spielt sich der Hämatokrit relativ schnell wieder auf normale Werte ein. In akuten Fällen, etwa infolge innerer oder traumatischer Blutungen, nimmt der Arzt eine Bluttransfusion vor.

 

Hämatokrit zu hoch?

Erhöhter Hämatokritwert

Der zu hohe Hämatokritwert stellt einen erhöhten Anteil roter Blutkörperchen dar. Dies nennt sich in der Medizin Polyglobulie. Des Weiteren besteht die Möglichkeit eines Flüssigkeitsmangels (Dehydratation). Diese Maximalwerte erreichen Menschen beispielsweise bei längeren Aufenthalten in großen Höhen.

Das Höhenbergsteigen präsentiert sich als möglicher Grund. Dabei liegt der Wert bei bis zu 70 Prozent. Die gerinnungshemmenden Enzyme im Blut, welche die Viskosität des Blutes auf einem erträglichen Level halten, nehmen zu. Jedoch bringt das dickflüssige Blut beim Blutdoping große gesundheitliche Risiken mit sich.

Sportverbände wie der UCI begrenzen den höchstzulässigen Wert an Hämatokrit bei Männern auf 50 Prozent. Bei Frauen liegt der Grenzwert bei 47 Prozent fest. Im Skisport variiert der Wert bei Männern zwischen 50 und 51,5 Prozent. Dies entspricht dem eigentlichen Grenzwert des Hämatokrits. Besitzen Patienten ohne erkennbare Ursache erhöhte Werte, untersuchen Ärzte diese auf Polycythaemia vera.

Ursachen für einen erhöhten Hkt-Blutwert

Ein hoher Hkt-Wert entsteht durch einen erhöhten Anteil an Erythrozyten im Blut. Ursächlich dafür sind Lungen-Erkrankungen, Nieren- und Herzerkrankungen, Höhenanpassung, Doping, starkes Rauchen, eine Schwangerschaft oder eine Dehydration des Patienten.

 

Hintergrund der HKT- Messung

In der Intensivmedizin sowie im angelsächsischen Raum ist der Hämatokrit-Wert anstatt der Hämoglobin-Konzentration das Maß für eine Anämie. Es handelt sich dabei um zwei verschiedene Messmethoden, die dieselbe Aussage treffen. Zu beachten ist, dass es bei einem hyperakuten Blutverlust nicht zur Änderung des Hämatokrit-Wertes kommt. Auch wenn der Patient gerade verblutet, hat der Körper keine Zeit das fehlende Volumen durch neue Flüssigkeit zu ersetzen.

redaktionelle Bearbeitung: Dr.Stephan,  Anna Nilsson

Bildlizenz: © luchshen – Fotolia.com

Literatur und Quellen zum Hämatokrit

  1. H. Löffler,‎ J. Rastetter,‎ T. Haferlach,‎ L. Heilmeyer,‎ H. Begemann: Atlas der klinischen Hämatologie. 6. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642621406.
  2. Marlies Michl: BASICS Hämatologie. 4. Auflage. München 2016: Elsevier/Urban & Fischer-Verlag. ISBN-10: 3437421697.
  3. Matthias Imöhl: Labormedizin pocket. 5. Auflage. Grünwald 2016: Börm Bruckmeier-Verlag. ISBN-10: 3898627772.
  4. Birgid Neumeister (Herausgeber),‎ Ingo Besenthal (Herausgeber),‎ Bernhard Otto Böhm (Herausgeber): Klinikleitfaden Labordiagnostik: mit Zugang zum Elsevier-Portal Taschenbuch. München 2008: Elsevier/Urban & Fischer-Verlag. ISBN-10: 3437222325.
  5. Maria Lohmann: Laborwerte verstehen. Kompakt-Ratgeber: Blut-, Urin- und Stuhlanalysen – Normalwerte im Überblick – Fachbegriffe und wichtige Abkürzungen. 4. Auflage. Murnau 2016: Mankau-Verlag. ISBN-10: 3863741587.
Dr. rer. medic. Harald Stephan ist Doktor der Medizinwissenschaften und Naturwissenschaftler mit medizinischer Promotion. Als Autor medizinischer Themen entsprechen seine Inhalte dem aktuellen medizinischen Wissensstand und begründen sich auf ärztliche Fachliteratur und medizinische Leitlinien.