Welche Cholesterinwerte sind normal? Hat Ihr Hausarzt Ihnen eine Blutprobe entnommen, wurden vielleicht zu hohe Cholesterinwerte festgestellt. Wenige Blutwerte haben ein derart schlechtes Image wie Cholesterin, das allenthalben als Hauptverantwortlicher von Herzinfarkt, Schlaganfall und Arteriosklerose gilt. Was haben Cholesterin und Blutfettwerte überhaupt zu bedeuten?

Cholesterinwerte Tabelle
Tabelle Cholesterin Normalwerte www.grossesblutbild.de Dr. H.Stephan

Cholesterinwerte – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Cholesterin ist ein lebenswichtiger Baustein der Zellmembran und Ausgangsstoff für die Bildung von Steroidhormonen.
  2. Den größten Teil davon produziert der Mensch selbst, nur ein Zehntel davon nimmt er mit der Nahrung auf.
  3. Im Blut ist Cholesterin an Lipoproteine gebunden, die es im Serum löslich machen.
  4. Bei den Blutwerten bestimmt man Gesamt-Cholesterin, LDL- und HDL-Cholesterin sowie die Triglyceride.
  5. Wichtig für die Einschätzung des Arteriosklerose-Risikos ist der LDL/HDL-Quotient, der unter 3,5 liegen sollte.

Cholesterin – verteufelt aber notwendig

Cholesterin (im englischen cholesterol) ist ein Lipid, eine fettartige Substanz. Chemisch handelt es sich dabei um ein Sterol – ein Steran-Ringsystem mit einer alkoholischen Gruppe daran.

Seinen Namen hat es von den Gallensteinen erhalten, deren Hauptbestandteil es oftmals ist. Im Gallensaft ist reichlich Cholesterin enthalten, das beim Aufkonzentrieren in der Gallenblase auskristallisiert und beim Verstopfen der Gallengänge Koliken und anderen Ärger bereitet.

Cholesterin ist notwendiger Bestandteil aller unserer Zellmembranen. Es stabilisiert diese und macht die zahlreichen Transportvorgänge in die Zelle und aus der Zelle erst möglich. Außer dem Aufbau von Zellmembranen dient Cholesterin als Baustein von Steroidhormonen wie der Geschlechtshormone Testosteron und Östrogen sowie der Nebennierenhormone Cortisol und Aldosteron. Ebenso wird das lebensnotwendige Vitamin D aus einer Vorstufe des Cholesterins gebildet.

Woher kommt das Cholesterin?

In Anbetracht seiner vielfältigen Funktionen ist es wenig verwunderlich, dass der menschliche Körper etwa 140 Gramm Cholesterin enthält. In Pflanzen und Bakterien finden sich ähnliche Substanzen, aber nur wenig oder gar kein Cholesterin.

Den größten Teil stellt unser Körper selbst her: Zwei Gramm bildet die Leber täglich, wohingegen die Darmschleimhaut 0,2 Gramm aufnimmt – unabhängig von der Cholesterinmenge in der Nahrung.

Kommt unser Körper mit der Eigenproduktion nicht aus, kann er die Cholesterinresorption im Darm auf bis zu 0,5 Gramm täglich steigern. Allein das zeigt bereits, dass das Cholesterin aus der Nahrung weniger das Problem ist als das Cholesterin im Blut.

Cholesterinreich sind vor allem tierische Produkte wie Fleisch und Innereien oder Meeresfrüchte. Die oft als Cholesterinbomben bezeichneten Eier enthalten bis zu 400 Milligramm des Lipids.

Wie wird Fett im Blut transportiert?

Cholesterin ist ein fettartiges Lipid – Blut hingegen wäßrig. Daher muss unser Körper einen Trick anwenden, um das Cholesterin im Blut löslich und damit transportierbar zu machen. Dazu packt er es in Lipoproteine, sprich er bindet Cholesterin an Eiweiße, die hydrophil und damit wasserlöslich sind. Diese Lipoproteine unterscheidet man nach ihrer Dichte in

  • low density lipoprotein (LDL)
  • high density lipoprotein (HDL)
  • very low density lipoprotein (VLDL).

Gutes Cholesterin und böses Cholesterin

LDL-Cholesterin bezeichnet man als das „böse“ Cholesterin, da es für Arterienverkalkung (Arteriosklerose) verantwortlich gemacht wird. Diese ist Hauptursache aller Herz-Kreislauf-Erkrankungen von der koronaren Herzkrankheit (KHK) über Herzinfarkt, Schlaganfall und Lungenembolien bis hin zu tiefen Bein- und Beckenvenenthrombosen. Dagegen schützt das „gute“ HDL-Cholesterin die Gefäße vor Arterienverkalkung und beugt Herzinfarkt & Co. vor.

Cholesterin und weitere Blutwerte

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Neben dem Gesamt-Cholesterin im Blut bestimmen Labore in der Regel nur HDL- und LDL-Cholesterin sowie die Neutralfette oder Triglyceride. Die Referenzbereiche zeigt folgende Tabelle:

Normwerte  Cholesterinwerte-Tabelle

 

♀ Normalwerte
Frauen

♂ Normalwerte Männer

mg/dl

mmol/l

mg/dl

mmol/l


Cholesterin gesamt
siehe auch:
Cholesterin Blutwert zu niedrig
Cholesterin Blutwert zu hoch

≤ 200

≤ 5,17

≤ 200

≤ 5,17


HDL-Cholesterin
siehe auch:
HDL Cholesterin zu niedrig
HDL Cholesterin zu hoch

45 – 65

1,16 – 1,68

33 – 45

0,85 . 1,6


LDL-Cholesterin
siehe auch:
LDL Cholesterin zu niedrig
LDL Cholesterin zu hoch

≤ 150

≤ 3,88

≤ 150

≤ 3,88


Triglyceride
siehe auch:
Triglyceride zu niedrig
Triglyceride zu hoch

< 160

< 1,8

< 160

< 1,8

www.grossesblutbild.de | medizinische Prüfung: Dr. H.Stephan   

 

Tabelle Erhöhte Cholesterin

 

Normalwerte

Grenzwerte

Erhöhte Werte

Cholesterin gesamt (mg/dl)

unter 200

bis 230

über 240

HDL-Cholesterin (mg/dl)

bis 65

45 – 50

unter 40

LDL-Cholesterin (mg/dl)

unter 150

bis 160

über 160

Triglyceride (mg/dl)

unter 160

bis 200

über 200

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HDL-Cholesterin und LDL-Cholesterin dienen der Berechnung des LDL/HDL-Quotienten, denn das Verhältnis der beiden Lipoproteine ist wichtiger als die absoluten Werte.

Dieser Quotient sollte unter 3,5 liegen. Von erhöhten Cholesterinwerten spricht man, wenn der Wert über 3,9 ansteigt. Im Graubereich dazwischen sind keine sicheren Aussagen möglich.

LDL/HDL-Quotient [ohne Einheit]
normal ≤ 3,5
Graubereich 3,6 – 3,8
erhöht ≥ 3,9

Wie schädlich ist Cholesterin im Essen?

Die sogenannte Cholesterin-Hypothese ist ein ebenso populärer Irrtum wie der falsch berechnete Eisengehalt von Spinat.

Allein der Unterschied zwischen zwei Gramm Eigenproduktion und 0,2 Gramm Resorption zeigt, dass die einfache Formel viel Cholesterin in der Nahrung = viel Cholesterin im Blut = Herz-Kreislauf-Risiko kaum richtig sein kann.

Dass unabhängig vom Nahrungscholesterin erhöhte Cholesterinwerte im Blut schädlich für die Gesundheit sind, hat die Framingham-Studie erwiesen, die größte und längste klinische Studie zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Nur: Gründe für hohe Cholesterinwerte im Blut sind eher Bewegungsmangel, fehlregulierter Stoffwechsel und ungesunde Lebensweise als cholesterinreiche Nahrung. Dessen ungeachtet hat die Cholesterin-Hypothese dazu geführt, dass man allenthalben cholesterinarme Nahrung wie den Chemiecocktail Margarine propagiert und Cholesterinsenker, sogenannte Statine, das umsatzstärkste Segment der Pharmaindustrie sind.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

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