Normaler Ruhepulswert und die Ursachen: zu hoher oder zu niedriger Ruhepuls

Für viele Menschen ist es eine Herausforderung, den Anforderungen des Alltags zwischen Arbeit, Stress und Entspannung entgegen zu treten. Viele wählen daher Sport, um abschalten zu können und sich anschließen ausgepowert Ruhe zu gönnen.

Spätestens, wenn man mit Ausdauersport beginnen möchte, kommt man nicht um die Frage herum, wie hoch der eigene Ruhepuls ist. Was sagt der Ruhepuls über den eigenen Gesundheitszustand aus?

Ruhepuls - zu hoher Ruhepuls, zu niedriger Ruhepuls

Doch was ist der Ruhepuls? Wann ist der Ruhepuls zu hoch? Kann der Ruhepuls auch zu niedrig sein? Wie wichtig ist die Kenntnis über den eigenen Ruhepuls eigentlich und sollte man ausschließlich mit Pulsmessern trainieren? Schließlich kann man mit Hilfe von Pulsmessungen, Pulsuhren und anderen Hilfsmitteln schnell Trainingserfolge sichtbar machen. 

Fakten zum Ruhepuls

  1. Der Ruhepuls beschreibt die Herzfrequenz im Ruhemodus
  2. Der ideale Zeitpunkt zum Messen ist morgens noch vor dem Aufstehen im Bett
  3. Ein Ruhepuls, der zu hoch ist, kann auf eine Erkrankung hinweisen
  4. Ausdauersportler haben häufig einen vermeintlich zu niedrigen Ruhepuls
  5. Wird umgangssprachlich auch als Normalpuls bezeichnet

 

Was ist der Ruhepuls?

Der Ruhepuls beschreibt den Herzschlag eines Menschen im Ruhezustand. Bei der Antwort auf die Frage nach optimalen Werten kommt es also auf den individuellen Herzschlag des Menschen in Ruhe, also bei keinerlei körperlicher Belastung oder Stress, an.

Wie hoch die Herzschlagfrequenz ist, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Daher gibt es auch keine pauschale Antwort auf die Frage, ob der eigene Ruhepuls zu hoch oder zu niedrig ist.

Der Richtwert gibt an, dass er zwischen 50 und 90 Schlägen pro Minute bei einem gesunden Erwachsenen liegen sollte. Bei Kindern sind es bereits 100 Schläge pro Minute, bei Säuglingen und Babys sogar 130 Schläge in der Minute.

Das Herz ist sprichwörtlich der Motor des Körpers und versorgt Organe, Gewebe und Muskulatur aber auch das Gehirn mit Sauerstoff und Nährstoffen durch den Blutfluss. Der Ruhepuls beschreibt, wie oft das Herz im menschlichen Körper schlagen muss, um ausreichend Blut durch den Körper zu pumpen um ihn optimal zu versorgen.

Bei Bewegung, Stress oder Anstrengung erhöht sich die Pulsfrequenz, da ein Mehrbedarf an Sauerstoff und Nährstoffen zum Beispiel in den Muskeln entsteht.

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Ob der Herzschlag zu hoch oder zu niedrig ist, hängt nicht nur von individuellen Faktoren eines Menschen ab. Wichtig zu wissen ist, dass viele verschiedene Faktoren den Ruhepuls beeinflussen können. Hierzu zählen neben Alter, Gewicht, Trainingszustand und Geschlecht auch Faktoren wie das Wetter, Hormone, Koffeinkonsum, Tageszeit, Infektionen, Stresszustände, erhöhte Arbeitsbelastung sowie übermäßiges Training.

Daher bestimmt man seinen eigenen, individuellen Ruhepuls am besten morgens noch vor dem Aufstehen. Werte für einen gesunden Erwachsenen liegen zwischen 50 und 90 Herzschlägen pro Minute.

Festzustellen ist, dass der Ruhepuls bei Sportlern deutlich niedriger ist, als bei unsportlichen Menschen. Das trainierte Sportlerherz ist in der Lage pro Herzschlag mehr Blut durch den Körper zu pumpen als bei Sportmuffeln.

Wie misst man den Ruhepuls?

Am besten wird der Normalpuls direkt morgens noch vor dem Aufstehen im Bett gemessen. Hierzu benötigt man jedoch keine teuren Hilfsmittel. Eine Uhr mit einem Sekundenzeiger oder eine Stoppuhr reicht völlig aus.

Am besten fühlt man den Herzschlag an Stellen, wo dicht unter der Haut eine Arterie verläuft, zum Beispiel an der Innenseite des Handgelenks oder am Hals. Mit zwei oder drei Fingern kann man an diesen Stellen den Pulsschlag ertasten.

Für 15 Sekunden müssen nun die Pulsschläge gezählt und anschließend mit vier multipliziert werden. Wem das zu kompliziert ist, kann auch für eine Minute die Pulsschläge zählen.

Möchte man bei einer anderen Person den Puls bestimmen, ist es wichtig für die Messung nicht den eigenen Daumen zu nehmen. Hierbei besteht die Gefahr, dass man durch den eigenen Blutdruck (zum Teil) die eigene Pulsfrequenz zählt, was zu falschen Ergebnissen führen kann. Besser eigenen sich zum Beispiel Zeige- und Mittelfinger.

Normalwerte Ruhepuls Tabelle

Normaler Puls  (Normokardie) 60 – 100 pro Minute
Langsamer Ruhepuls (Bradykardie) < 60 pro Minute
Schneller Ruhepuls (Tachykardie ) > 100 pro Minute
   
Ruhepuls bei Erwachsenen  
Erwachsene 70 – 80 pro Minute
Senioren 70 – 90 pro Minute
Sportler 30 – 40 pro Minute
Schwangerschaft + 10-20 Herzfrequenz/min
   
 Ruhepuls bei Kindern  
 Neugeborenes 120 – 140 pro Minute
 Kindergartenkind 100 pro Minute
 Jugendliche 85 pro Minute

Wann ist der Ruhepuls zu hoch?

Ganz wichtig: Ein vermeintlich zu hoher Normalpuls heißt nicht automatisch, dass der betroffene Mensch krank ist. Viele Patienten sind beispielsweise vor dem Besuch der Arztpraxis aufgeregt, was den Puls in die Höhe treibt. Schlägt das eigene Herz jedoch regelmäßig häufiger als 100 Mal pro Minute im Ruhezustand, sprechen Mediziner von einer Tachykardie.

Diese Tachykardie kann unterschiedliche Ursachen haben, wie zum Beispiel Fieber, Schilddrüsenerkrankungen, Belastungen durch anhaltenden Stress oder Herzkrankheiten. Daher ist es wichtig, einen über längere Zeit erhöhten Ruhepuls vom Arzt abklären zu lassen. Wird eine Ursache gefunden, kann diese rechtzeitig behandelt werden. Achtung: Ein normaler Ruhepuls sagt nichts über den Blutdruck aus – dieser kann auch bei normaler Frequenz zu hoch sein.

Wann ist der Ruhepuls zu niedrig?

Liegt der Normalpuls eines Erwachsenen durchschnittlich unter 50 Schlägen pro Minute sprechen Mediziner von einer Bradykardie. Dieses Phänomen tritt vor allem bei sportlich aktiven Menschen auf. Bei sehr trainierten Menschen kann der Normalpuls bis auf 30 Schläge pro Minute absinken.

Der vermeintlich zu niedrige Herzschlag ist ein Zeichen dafür, dass sich das Herz der regelmäßigen sportlichen Belastung angepasst hat. Jedoch führen auch bestimmte Medikamente wie zum Beispiel Schlaf- und Beruhigungsmittel, Medikamente gegen Bluthochdruck (Betablocker) und starke Schmerzmedikamente wie Opiate zu einer niedrigeren Pulsfrequenz.

Nur in seltenen Fällen deutet ein zu niedriger Normalpuls auf eine Erkrankung hin. Fühlt ein Mensch sich unwohl und bringt dies intuitiv mit dem (zu) niedrigen Puls in Verbindung, sollte der Rat eines Arztes hinzugezogen werden. Medikamente oder gar ein Herzschrittmacher können hier bei Bedarf und medizinischer Indikation Abhilfe schaffen.

Die richtige Ruhepuls – ein Bauchgefühl?

Fängt man mit dem Training an oder möchte mehr über seinen Puls erfahren, ist es hilfreich, sich an Richtwerten oder Tabellen zu orientieren. Hierzu kann der Hausarzt oder ein Fitnesstrainer beraten. Allerdings hilft es nichts, sich auf diese Richtwerte zu fixieren, sondern immer die eigene, individuelle Situation zu betrachten.

Hierzu zählen Faktoren wie: Hat man ausreichend geschlafen? Ist man gesund? Ist die Arbeitsbelastung derzeit besonders hoch? Fühlt man sich generell fit oder eher matt und lustlos?

Für eine Trainingsdokumentation sollte man neben dem Normalpuls auch diese (und andere) Faktoren einfließen lassen und entsprechend dokumentieren um auch später noch Zusammenhänge zu erkennen. Der eigene Körper sendet bei jeder Art von Überlastung eindeutige Signale, die einer noch größeren Leistungssteigerung im aktuellen Training oder im Alltag im Wege stehen können. Daher ist es viel wichtiger, die eigenen Körpersignale zu kennen, zu deuten und einzuordnen.

Nach einem harten Trainingstag benötigt der Körper Zeit zum Regenerieren. Hängt man direkt am Folgetag ein weiteres Training dran, kann dies zu einer Erhöhung des Ruhepulses führen, auch wenn man ausgiebig trainiert. Ob ein Herz-Kreislaufsystem gesund und belastbar ist, zeigt nicht der Normalpuls allein. Hier sind viele Faktoren entscheidend, die im Zweifelsfall medizinisch abgeklärt werden müssen.

Download Ruhepuls Tabelle

Bei Verwendung bitte auf www.grossesblutbild.de hinweisen.

Sie können dieses Bild der Ruhepuls Tabelle gemeinfrei verwenden

Quellen und Literatur:
Jens-Falk Heimann, Nicole Franke-Gricksch (Autoren): „Der Puls des Lebens – die Signale des Herzens verstehen“, Pacs Verlag, August 2015, IBAN: 978-3944697024
Billy Sperlich, Thorsten Dargatz (Autoren): „Laufen – Das Einsteigerbuch: Basics, Trainingspläne, richtige Ernährung“, Verlag GU Ratgeber Gesundheit, August 2017

 

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