Wissenswertes rund um das Hämangiom an der Leber

Stellt der Arzt die Diagnose „Hämangiom an der Leber“, müssen Sie nicht erschrecken. Bei einem Blutschwamm an der Leber handelt es sich meist um gutartige Veränderungen, die in über 90 Prozent der Fälle keine Operation oder andere Maßnahmen notwendig macht. Meist handelt es sich um einen reinen Zufallsbefund, denn auch Beschwerden werden Sie nicht haben. Mit einem Blutschwamm an der Leber leben bis zu 20 Prozent der Erwachsenen.

Leber
Leber, Innere Ansicht, Copyright: PIC4U, Bigstockphoto

 

Was ist ein Blutschwamm an der Leber?

Der Fachbegriff Hämangiom ist an das Griechische angelehnt und setzt sich aus „haima“ für Blut und „aggeion“ für Gefäß zusammen. Ein Hämangiom zählt zu den Tumoren, denn in der Medizin wird der Begriff Tumor nicht gleichbedeutend mit einer bösartigen Veränderungen verwendet. Es gibt gutartige Tumoren, die als Geschwulst für den Körper keine Gefahr darstellen. In diese Kategorie zählt auch ein Blutschwamm an der Leber.

Aus Sicht der Pathologie kann man die Hämangiome in drei Formen unterteilen:

  1.  kapilläre Hämangiome, die kugelförmig sind und selten größer als zwei Zentimeter werden (Typ 1)
  2.  kavernöse Hämangiome, die über zwei Zentimeter sind und wie Lappen aussehen (Typ 2)
  3.  Riesenhämangiome, die über fünf Zentimeter sind und häufig Narbengewebe mit sich bringen (Typ 3)

Die meisten Patienten verspüren bei keinem der drei Typen Schmerzen im Alltag oder haben Probleme bei der Bewegung und Verdauung. Nur selten kann ein schnelles Wachstum zu Beschwerden führen. Meist wird dann umliegendes Gewebe verdrängt, was Schmerzen, Druckgefühl und Übelkeit auslöst

 

Wie kommt es zu einem Blutschwamm an der Leber?

Die genaue Entstehung der Leberhämangiome ist noch nicht erforscht. Die Medizin geht derzeit davon aus, dass die Veranlagung bereits im Mutterleib gebildet wird. Es handelt sich vermutlich um embryonales Gewebe, das „übrig bleibt“. Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass die Mehrheit der Blutschwämmchen über einen langen Beobachtungszeitraum nicht wächst.

In der Praxis hat sich gezeigt, dass Frauen deutlich häufiger als Männer einen Blutschwamm an der Leber ausprägen. Warum weiß man bisher nicht, doch das Verhältnis 3:1 zeigt das weibliche Geschlecht als deutlichen Risikofaktor. Vermutlich hat der Hormonhaushalt einen großen Einfluss. Dazu passt auch die Beobachtungen, dass Anwenderinnen hormoneller Verhütungsmethoden und Schwangere häufig einen kleinen bis mäßigen Wachstumsschub vorhandener Leberhämangiome erfahren.

Leber
Leber, Innere Ansicht, Copyright: PIC4U, Bigstockphoto

 

Wie entdeckt der Arzt einen Blutschwamm an der Leber?

Betroffen von den gutartigen Veränderungen kann statistisch jeder fünfte Erwachsene sein. Genaue Zahlen liegen nicht vor, da Ärzte davon ausgehen, dass viele Menschen aufgrund des beschwerdefreien Lebens niemals erfahren, dass sie einen Blutschwamm in der Leber haben.

Mittels Sonographie kann die Veränderung im Lebergewebe sichtbar gemacht werden. Der Arzt führt ein Ultraschallgerät über die Haut und kann die Ultraschallwellen zur Darstellung der Leber nutzen. Hämangiome besitzen eine höhere Gewebedichte als das umliegende Lebergewebe und werden daher als hellere Pünktchen sichtbar. Auch ein MRT zeigt die Gewebeveränderungen.

Die meisten Blutschwämmchen bilden sich am Rand der Leber und in unmittelbarer Nähe zu einem Blutgefäß. Sie werden von einer kleinen Kapsel umgeben und sind damit sehr gut vom eigentlichen Lebergewebe abgegrenzt. Seltener, jedoch ebenfalls nicht ungewöhnlich, ist ein Blutschwamm direkt im Inneren eines Leberlappens. Auch das ist zunächst ungefährlich. Allerdings neigen die Hämangiom an diesen Stellen zu einem höheren Wachstumsrisiko, da sie noch besser an die Blutversorgung angeschlossen sind.

Beschreibt der Patienten keine Beschwerden und es handelt sich um einen Zufallsbefund, sind keine weiteren Kontrolluntersuchungen notwendig. Nur bei zusätzlichen Oberbauchbeschwerden wird angeraten, aller zwölf Monate eine Sonographie der Leber durchzuführen.

Wann sollte ein Blutschwamm an der Leber doch operiert werden?

  • Riesenhämangiome, also die Blutschwämme über fünf Zentimeter, neigen anders als Typ 1 und Typ 2 zu einem schnelleren Wachstum. Das kann ein Blutungsrisiko für die Leber mit sich bringen und macht eine OP zumindest bei gleichzeitig bestehenden Schmerzen sinnvoll. Treten keine Schmerzen auf, kann unter regelmäßiger Kontrolle aber zunächst noch abgewartet werden.
  • Sobald ein Blutschwamm an der Leber größer als zehn Zentimeter ist, sollte er auch unabhängig von nicht-vorhandenen Schmerzen entfernt werden. Das Risiko für eine Blutung und eine Beeinträchtigung der Leberfunktion ist zu groß.
  • Sind mehrere Herde vorhanden, sollte ebenfalls über eine Operation nachgedacht werden. Selbst kleine Hämangiome addieren sich durch eine steigende Anzahl in der Gesamtfläche und beeinträchtigen so die Leber.

 

 

Blutschwamm an der Leber entfernen: Wie sieht die Behandlung aus?

Muss tatsächlich ein Eingriff durchgeführt werden, stehen mehrere Optionen zur Wahl:

1. Der Mediziner führt zunächst eine Angiographie durch, um die genaue Lage und Verfassung der Blutgefäße vor Ort zu beurteilen. Sobald diese Daten vorliegen, kann eine Embolisation des Gefäßes durchgeführt werden, das den Blutschwamm in der Leber versorgt. Das Gefäß wird also verschlossen. Der Langzeiterfolg hält sich allerdings in Grenzen, da neue Blutgefäße als Ersatzversorgung ausgebildet werden.

2. Wie bei der Behandlung bösartiger Tumoren kann auch der Blutschwamm in der Leber bestrahlt werden. Die Risiken für umliegendes Gewebe sind jedoch wie bei der Bestrahlung vorhanden und ein erneutes Wachstum der verkleinerten Blutschwämme wahrscheinlich.

3. In einer Operation kann das Hämangiom ausgeschält werden. In der Fachsprache nennt man diesen Eingriff Enukleation. Auch eine teilweise Entfernung der Leber ist möglich. Beide Eingriffe sollten nur als letztes Mittel gewählt werden.

Quellen, Literatur:
https://www.baermed.ch/de/haemangiom_content—1–1261.html
Wolfram Wermke: Leberkrankheiten: Lehrbuch und systematischer Atlas; Köln: Deutscher Ärzte-Verlag, 2006

⏲ Letzte Aktualisierung am von Dr. rer. medic. Harald Stephan

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