Wie entsteht Blut? – Was sind Blutkörperchen?

Wie entsteht unser Blut?

Wir können mehrere hundert Millionen Kilometer durch das Weltall zum Mars fliegen, experimentieren mit den winzigen Bestandteilen eines Atomkerns und transplantieren Herzen von einem Menschen zum anderen. Aber eine auf den ersten Blick so unscheinbare Flüssigkeit wie Blut konnte bisher trotz intensiver Forschungen noch nicht künstlich hergestellt werden. Wir gehen der Frage Wie entsteht Blut? in diesem Artikel auf den Grund- wir erklären dabei die wichtigsten Bestandteile, Blutzellen und Blutkörperchen.

Blutzellen

gesunde Blutzellen mit Sauerstoff ummantelt – Urheber: mackoflower / 123RF

 

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Das Blut kommt in alle Körperregionen und steht für alle Organe bereit. Es ist das Transportsystem des Körpers, das nicht nur für die Sauerstoffversorgung sorgt. Es hilft auch beim Stillen von blutenden Verletzungen und bei der Abwehr von Krankheitserregern.

So entstehen die Bestandteile des Bluts:

 

Was sind die Bestandteile des Bluts?

Das Blut besteht hauptsächlich aus zwei Komponenten: dem Blutplasma und den Blutzellen. Das Blutplasma enthält vor allem Wasser und Eiweiße. Es ist wichtig für den Transport von Hormonen, Stoffwechselprodukten, Nährstoffen, Antikörpern und den Blutzellen.

 

Die Unterteilung der Blutkörperchen:

  • Rote Blutkörperchen – Erythrozyten – Sie transportieren den Sauerstoffes
  • Blutplättchen – Thrombozyten – dienen der Blutgerinnung
  • Weiße Blutkörperchen – Leukozyten – Abwehrzellen des Immunsystem
  • Lymphozyten – Abwehrzellen des Immunsystem
  • Monozyten – Abwehrzellen des Immunsystem
  • Neutrophile, Basophile und Eosinophile Granulozyten

Wie entsteht Blut, Was sind Blutkörperchen - www.grossesblutbild.de

 

Wie entsteht Blut?

Der Grundstein aller Blutzellen ist eine multipotente Stammzelle. Multipotent bedeutet, dass die Stammzelle sich noch in jede Blutzelle entwickeln kann. Sie kann sich selbst verdoppeln und dadurch neue Stammzellen herstellen. Diese sind entweder ebenfalls multipotent oder schon etwas weiter differenziert und können sich daher nur noch in bestimmte andere Zellen verwandeln.

Reguliert wird die Blutbildung durch verschiedene Wachstumsfaktoren. Es gibt solche, die auf alle Zellreihen wirken und solche, die nur die Bildung von bestimmten Zellen anregen. Ein multipotenter Wachstumsfaktor ist zum Beispiel das Interleukin-3. Es stimuliert alle Zellreihen. Das vor allem in der Niere synthetisierte Erythropoetin regt das Wachstum von roten Blutkörperchen an. Thrombopoetin wird in Leber, Niere und Muskeln gebildet und stimuliert die Bildung von Blutplättchen. Die Granulozyten, die den größten Teil der Leukozyten ausmachen, werden durch das Hormon G-CSF ( Granulozyten-Kolonie-stimulierender Faktor) zum Wachstum angeregt.

 

Darstellung der Entstehung der Blutzellen und Blutkörperchen aus Stammzellen

 

 

Blutkörperchen und blutzellen

Entstehung der Blutzellen: _differentiation_chart.jpg: パタゴニア derivative work: Furfur (Blood_cells_differentiation_chart.jpg) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Wo entsteht Blut?

Während der pränatalen Entwicklung eines Menschen wechselt der Ort der Blutbildung mehrmals. Bis zum dritten Entwicklungsmonat wird das Blut im Dottersack hergestellt. Schon ab dem zweiten Monat bis zum Ende des siebten Monats sind parallel dazu auch Leber und Milz für die Blutbildung zuständig. Ab dem vierten Monat ist der Hauptort der Synthese jedoch bereits das rote Knochenmark. Das bleibt auch beim erwachsenen Menschen weiterhin so. Das Knochenmark besteht aus zwei unterschiedlichen Teilen: dem roten und dem gelben Mark. Das gelbe Mark besteht vor allem aus Fett. Das rote Knochenmark als Ort der Blutbildung nimmt beim Säugling noch einen recht großen Teil ein, wird im Laufe des Lebens aber immer mehr zu gelbem Mark umgewandelt. Beim Erwachsenen ist rotes Knochenmark nur noch in wenigen Knochen vorhanden, insbesondere in Wirbeln, Rippen, Sternum und Beckenknochen.

Wenn man Krankheiten des blutbildenden Systems diagnostizieren möchte, wird eine Punktion des roten Knochenmarks durchgeführt. Meistens gewinnt man das Material aus dem hinteren Beckenknochen.

 

Wie entsteht Blut – Was passiert bei der Bildung der roten Blutkörperchen

Die Erythrozyten sind für den Transport von Sauerstoff im Blut zuständig. Sie sind etwa 7,7 Mikrometer groß und bikonkav geformt. Ihre rote Farbe erhalten sie durch den eisenhaltigen Farbstoff Hämoglobin. Auf der Oberfläche der Erythrozyten befinden sich Proteine, die die Blutgruppe des Trägers bestimmen.

Die Entwicklung der roten Blutkörperchen bezeichnet man als Erythropoese. Sie läuft in mehreren Stadien ab und dauert insgesamt etwa fünf bis sieben Tage. Aus der multipotenten Stammzelle entwickelt sich eine myeloide Progenitorzelle, die sich noch in verschiedene weitere Zellreihen differenzieren kann. Die Entwicklung von Erythrozyten wird durch das Hormon Erythropoetin gesteuert. Über verschiedene Vorläufer entsteht schließlich der Erythroblast, der sich weiterentwickelt zum Normoblasten und schließlich Retikulozyten. Diese Entwicklungsstufen finden im Knochenmark statt. Die reife Zelle, der Erythrozyt, wird dann ins periphere Blut abgegeben. Im Laufe der Entwicklung wird die Zelle kleiner und enthält weniger Zellorganellen, die Hämoglobinbildung nimmt zu.

Vorläufer wie Retikulozyten sind nur in sehr geringem Anteil im Blut zu finden. Eine Erhöhung des Anteils deutet auf einen größeren Blutverlust hin, woraufhin zur Kompensation vermehrt unreife Blutzellen freigesetzt werden.

Die Lebensdauer von Erythrozyten beträgt ungefähr 120 Tage. Danach werden sie in der Milz abgebaut.

 

Wie entsteht Blut – Thrombozyten

Die Thrombozyten, die Blutplättchen, werden bei einer Gefäßverletzung aktiviert. Sie schütten ihre Inhaltsstoffe aus und sorgen damit für die Aggregation von mehreren Thrombozyten, die dann einen festen Pfropf bilden und die offene Stelle verschließen können. Die weitere Gerinnungskaskade wird im Blutplasma geregelt.

Bluttplättchen sind ein bis drei Mikrometer große Zellfragmente. Sie entstehen aus den selben Vorläuferzellen wie die roten Blutkörperchen. Unter dem Einfluss von Thrombopoetin entwickelt sich jedoch ein Megakaryoblast, der schließlich über weitere Zwischenstufen zum Megakaryozyt reift. Der Megakaryozyt ist genauso groß wie er klingt – bis zu 100 Mikrometer. Aus dieser Riesenzelle wird Zytoplasma abgespalten, sodass die Thrombozyten entstehen. Sie haben eine Lebensdauer von etwa acht Tagen.

 

Wie entsteht Blut – Leukozyten und Immunabwehr

Die Leukozyten bestehen aus mehreren Untergruppen und sind für die Immunabwehr zuständig. Die Granulozyten haben ebenfalls die gleiche Vorläuferzelle wie Erythrozyten und Thrombozyten: den myeloiden Progenitor. Eine Zellreihe daraus entwickelt sich über Myeloblasten und Myelozyten schließlich zum neutrophilen Granulozyt. Er ist zuständig für das Anlocken, Binden und Abtöten von Krankheitserregern. Die andere Zellreihe bringt eosinophile und basophile Granulozyten hervor, die für die Abwehr von parasitären Infektionen bzw. bei allergischen Reaktionen eine wichtige Rolle spielen.

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Neben dem myeloiden Progenitor gibt es auch den lymphogenen Progenitor. Daraus entstehen die Lymphozyten, die ebenfalls zu den weißen Blutkörperchen gehören. Sie reifen im Knochenmark und lernen dort, welche Bestandteile körpereigen und welche körperfremd sind. So sollen sie später Angreifer abwehren, aber eigene Zellen verschonen. Die wichtigsten Vertreter sind die natürlichen Killerzellen sowie die B- und T-Lymphozyten.

Komplex aufgebauter Lebenssaft

Unser Blut besteht aus vielen unterschiedlichen Bestandteilen, die nicht künstlich ersetzt werden können. Der Körper eines gesunden Erwachsenen enthält ungefähr vier bis sechs Liter Blut. Geht zu viel davon verloren, ist man auf die Hilfe von anderen angewiesen. Nur durch Blutspenden kann die wertvolle Flüssigkeit ersetzt werden. Meistens werden einzelne Bestandteile wie Erythrozyten oder Thrombozyten transfundiert, Vollblut eher selten. Ist das eigene blutbildende System funktionsuntüchtig, zum Beispiel im Rahmen einer Leukämie, kommt eine Stammzelltransplantation in Frage.

 

Quelle und Literatur: Duale Reihe Anatomie, Aumüller et al., Thieme-Verlag

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Autorenprofil

DocKlavi, Medizinautorin

DocKlavi ist Fach- und Medizinautorin. Sie arbeitet als medizinische Fachangestellte im Gesundheitswesen und ist Mutter von 2 Mädchen. In Ihrer redaktionellen Arbeit für unser Gesundheitsmagazin ist Sie verantwortlich medizinische Sachverhalte allgemeinverständlich darzustellen.


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