Schaden der Nierenfunktionen unter Alkoholeinfluß

Wie schädlich wirkt sich Alkohol auf die Nierenfunktionen aus? Alkohol schädigt langfristig auch innere Organe, allen voran die Leber aber auch die Nieren. Während die Leber über ein bemerkenswertes Regenerationsvermögen verfügt und einiges mitmacht, bevor es zu dauerhaften Schäden kommt, sind andere Organsysteme wie die Nieren wesentlich empfindlicher und kaum in der Lage, sich von schwereren Beeinträchtigungen zu erholen.

Dazu gehören eben insbesondere die Nieren und ihre Funktionen. Nachfolgend möchte ich Ihnen erklären, was dauerhafter Alkoholkonsum mit den beiden harnbildenden Organen anstellt.

Regeneration nach Alkohol
Nach der Entgiftung vom Alkohol regeniert sich der Körper, Copyright: sudok1 bigstockphoto

Alkohol: Einfluss auf die Niere – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Alkohol schädigt viele Organsysteme, vor allem durch sein Abbauprodukt Acetaldehyd.
  2. Während die Leber sehr regenerationsfähig ist, sind Schäden an anderen Organen wie den Nieren wesentlich nachhaltiger.
  3. Der morgendliche Kater entsteht durch die verstärkte Flüssigkeitsausscheidung über die Nieren und das Abbauprodukt Acetaldeyhd.
  4. Die verstärkte Urinabgabe verursacht Mangel an Mineralstoffen und Vitaminen, die zu Störungen von Blutgerinnung, Osteoporose und verminderter Immunabwehr führen.
  5. Alkohol setzt auch die Hormonproduktion der Nieren herab, etwa von Erythropoetin und Vitamin D.

 

Wie gelangt der Alkohol zu den Nieren?

Alkohol, genauer Ethanol, ist ein kleines Molekül, das Zellwände leicht durchdringt. Daher gelangt bereits beim Genuss alkoholischer Getränke ein Teil über die Mundschleimhaut ins Blut. Magen und Dünndarm nehmen den Rest schnell auf, im Dickdarm ist kaum noch etwas von der aufgenommenen Alkoholmenge zu finden.

Im Blut gelangt der Alkohol ins besonders empfindliche Gehirn. Dort sorgt der steigende Blutalkohol zu den bekannten Erscheinungen der Trunkenheit von der gesteigerten Redseligkeit bis zu Gang- und Koordinationsstörungen, Reizbarkeit und Aggressivität.

Einen kleinen Teil des Blutalkohols atmen Haut und Lunge ab, einen weiteren scheiden die Nieren sofort aus. Alkohol wirkt diuretisch, das heißt er steigert die Harnausscheidung, wie jeder Biertrinker bestätigen kann. Die verstärkte Wasserausscheidung führt zu Austrocknung (Exsikkose) und ist Hauptursache des morgendlichen Katers.

Mit der größten Alkoholmenge muss sich die Leber herumschlagen. Sie baut das Ethanol mithilfe des Enzyms Alkoholdehydrogenase (ADH) in Acetaldehyd um. Dieses starke Zellgift muss schnellstmöglich weiterverarbeitet werden, damit es nicht zu weiteren Beeinträchtigungen kommt. Hierfür ist die Acetaldehyd-Dehydrogenase (ALDH) zuständig.

Funktioniert der Abbau nicht schnell genug, wirkt sich der Acetaldehyd toxisch aus und führt zu den alkoholtypischen Vergiftungserscheinungen. Viele Asiaten weisen einen genetischen Polymorphismus der ALDH auf, der zu einem verlangsamten Abbau und damit zu einer Anhäufung von Acetaldehyd im Körper führt – sie werden schneller betrunken. Aber auch bei Europäern sorgen die Giftstoffe zusammen mit dem Flüssigkeitsverlust für einen kräftigen Kater.

Das meiste Acetaldehyd und daraus mittels ALDH gebildete Acetat scheiden die Nieren aus. Jeden Alkoholexzess bekommen sie hautnah mit, denn die fünf Liter Blut des Körpers passieren im Schnitt fünfzig Mal pro Tag die beiden kleinen Organe, die zusammen gerade mal ein halbes Pfund wiegen.

 3D Ansicht Niere
Nieren in der schematischen 3D Ansicht Copyright: Tyrannosaurus bigstockphoto

Was passiert nach Alkoholgenuss in den Nieren?

Was die Leber mit ihrer Entgiftung an Stoffwechselendprodukten herstellt, müssen größtenteils die Nieren aus dem Körper ausscheiden. Das geschieht mit einer Menge Wasser, in der diese Substanzen gelöst in den Urin übergehen.

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Im Prinzip wirken die Nieren wie zwei Filtersysteme: In den Nierenkörperchen (Glomeruli) wird das Blut „ultrafiltriert“ – das heißt Wasser, Mineralsalze und andere kleine Teilchen passieren die Membran Richtung Nierenkanälchen, wohingegen große Moleküle wie Eiweiße zurückgehalten werden.

Aus dem so gebildeten Primärharn holt sich die Niere je nach Bedarf das meiste an Wasser zurück – so werden aus 150 Litern Primärharn nur noch zwei bis drei Liter Endharn pro Tag. Ebenso bringen sie Mineralstoffe und andere Substanzen wieder zurück in den Körper.

Alkohol stört diese Vorgänge nachhaltig. Zu viel Wasser und Mineralien werden ausgeschieden, und einige weitere Substanzen, die eigentlich aktiv in den Urin gelangen sollen, bleiben stattdessen im Körper.

Alkohol: Einfluss auf Niere und Entwässerung

Die Entwässerung durch gesteigerte Flüssigkeitsausscheidung macht sich am meisten bemerkbar. Der morgendliche Kater ist vor allem auf eine Dehydrierung des Gehirns zurückzuführen. Ebenso sind die Schleimhäute ausgetrocknet und der Durst erfahrungsgemäß groß.

Daher sollte man zur Vermeidung von Brummschädel & Co. mindestens genauso viel nicht-alkoholische wie alkoholische Getränke zu sich nehmen – eine einfache aber effektive Regel, die selten beherzigt wird.

Gefährlich wird die Sache mit dem Alkohol, wenn Hochprozentiges täglich auf dem Speiseplan steht. Eine solche Dauerbelastung greift nicht nur die Leber an, sondern überfordert auch die Nieren. Die Folge: Die Rückresorption von Wasser aus dem Primärharn funktioniert immer schlechter, die Austrocknung und ihre Folgen werden immer erheblicher.

Eine langfristige Folge durch die Nierenschädigung ist Bluthochdruck durch Alkohol, denn die Nieren sind wichtige Organe der Blutdruckregulation.

Alkohol führt zu Mineralstoffmangel

Nicht nur das Zurückholen von Wasser aus dem Primärharn funktioniert unter Alkoholeinfluss nicht mehr hinreichend, auch viele Mineralstoffe gehen verloren. Die Nieren sind damit überfordert, Calcium, Magnesium, Kalium und andere Ionen, die bei der Filtration in großen Mengen in den Primärharn übergehen, zurückzuholen.

Ein weiterer Punkt für den Genuss nicht-alkoholischer Getränke beim gepflegten Bierchen: Isotonisch sollten diese auch sein, um genügende Mengen an Mineralstoffen nachzuliefern.

… und Vitaminmangel

Die wasserlöslichen Vitamine sind ständig im Blut zu finden. Bei gesteigerter Harnabgabe und beeinträchtigter Nierenfunktion durch Alkohol gelangen sie vermehrt in den Urin und gehen damit verloren. So kann sich durch Alkoholgenuss langfristig Vitaminmangel einstellen. Das gilt insbesondere für die B-Vitamine wie Thiamin (Vitamin B1), Folsäure (Vitamin B9), Niacin (Vitamin B3), Pyridoxin (Vitamin B6) und Cobalamin (Vitamin B12). Folsäuremangel ist bei Alkoholikern weit verbreitet und führt zu Anämien und erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Ähnliches gilt für Ascorbinsäure (Vitamin C), die durch einen alkoholgeschädigten Magen-Darm-Trakt schlechter aufgenommen werden kann und verstärkt mit dem Urin ausgeschieden wird.

Der schmerzhafte Morgen danach: Alkohol und Gicht

Die Nieren sorgen nicht nur dafür, dass wir vieles aus dem Primärharn zurück bekommen, sondern auch dafür, dass viele Giftstoffe auf Nimmerwiedersehen aus dem Körper verschwinden. Dazu gehört die Harnsäure als Endprodukt des Purinstoffwechsels, über den beispielsweise die Erbsubstanz DNA abgebaut wird.

Steigt der Blutwert der Harnsäure infolge mangelnder Ausscheidung über den Normalwert an, spricht man von einer Hyperurikämie. Viel DNA zum Abbauen liefert ein schönes saftiges Steak, den Alkohol einige Flaschen Bier – und schon bekommt man als prädestinierte Person die Quittung in Form eines akuten Gichtanfalls: Schmerzhaft gerötetes und überwärmtes Großzehen-Grundgelenk, das einen bereits bei Berührung mit der Bettdecke jaulend an die Decke gehen lässt, die klassische Podagra.

Sieht der Hausarzt die Misere am Fuß, reicht für die Feststellung eines Gichtanfalles eine Blickdiagnose aus. Dann stellt er Ihnen mit Sicherheit die Frage, ob Sie es sich am Abend zuvor haben gutgehen lassen: Grillabend mit Freunden, viel Fleisch, viel Alkohol – und unliebsame Schmerzen danach.

Alkohol geht auch Hormonen an die Nieren

Vielen Menschen ist nicht klar, dass die Nieren nicht nur die Müllabfuhr unseres Körpers übernehmen, sondern zugleich wichtige Hormonproduzenten sind. Sind die Nieren durch Alkohol beeinträchtigt, verändert das auch die Hormonlage und sorgt für eine ganze Reihe von Beschwerden, die durch einen entsprechenden Hormonmangel zustande kommen.

Erythropoetin ist eines dieser Nierenhormone. Es stimuliert die Bildung roter Blutkörperchen im Knochenmark – bekannt aus der Presse als Dopingmittel EPO: mehr Erythrozyten, mehr Sauerstofftransport, mehr Leistung im Leistungssport. Fehlt Erythropoetin infolge Alkohol, führt das zu einer Blutarmut (Anämie), da die Bildung der roten Blutkörperchen stagniert. Die Patienten sind auffallend blass, müde und antriebslos, da es ihnen an Sauerstoff im Gewebe mangelt: Bei Alkoholmissbrauch nicht unüblich.

Vitamin D3-Mangel trägt ebenfalls zu solchen Müdigkeitserscheinungen bei – die Nieren bilden die hormonell wirksame Variante des Vitamin D aus seinen Vorstufen. Calcitriol sorgt für die Resorption von Calcium- und Phosphationen aus dem Darm. Calcium ist wichtig für Skelettsystem, Immunabwehr und Blutgerinnung. Dementsprechend drohen bei Vitamin D-Mangel infolge Alkoholabusus langfristig auch Osteoporose, eine gestörte Immunabwehr mit vermehrten Infekten und Störungen bei Blutgerinnung und Wundheilung.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Alkohol? Kenn Dein Limit – Warum Ihnen der Alkohol an die Nieren geht.
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln: G. Herold Verlag (2016). ISBN-10: 3981466063
  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart: Springer-Verlag (2012). ISBN-10: 3642331076.
  • Klaus Dörner: Taschenlehrbuch Klinische Chemie und Hämatologie. 8. Auflage. Stuttgart 2013: Georg Thieme-Verlag. ISBN-10: 3131297182.
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