Veränderungen der Erythrozyten und Retikulozyten im Blutbild

Ein Fachartikel von Lea Schnurbus, Berlin – aktualisiert am 26.02.2015 (Medizinstudentin im praktischen Jahr. Lehrtätigkeit an der LMU München im Fachbereich der Neurophysiologie und Forschungstätigkeit in der Neurochirurgie der TU München. Autorin von wissenschaftlichen Publikationen.)

Veränderungen der Retikulozytenzahl

Störungen im BlutbildIm Routinelabor ist eine Bestimmung der Retikulozytenanteil nicht vorgesehen, da sie nur bei besonderen Fragestellungen eine Bedeutung hat. Der Anteil der Retikulozyten im Blut ist zeigt an, ob die Neubildung der Erythrozyten, die im Knochenmark stattfindet, gestört ist oder nicht.

Darüber hinaus kann durch diese Daten differenziert werden, ob es eine Störung der Bildung selbst (erniedrigte oder normale Werte) oder eine Störung des Umsatzes (erhöhte Werte) ist. Sollte der Retikulozytenwert erniedrigte sein, muss an eine Blutbildungsstörung (Störung des Knochenmarks) gedacht werden, die durch eine Anämie aufgrund chronischer Erkrankungen, eine Eisenmangelanämie oder auch eine makrozytäre Anämie begründet sein kann.

Bei einer Erhöhung des Retikulozytenanteils liegt keine Schädigung des Knochenmarks vor, sodass man hier von einer Blutung oder auch einer Auflösung der roten Erythrozyten (einer sogenannten Hämolyse) ausgeht.

Störungen der Erythrozyten

Name BeschreibungVorkommen
AnisozytoseUngleich große ErythrozytenAlle Anämien
DakrozytTränentropfenformOsteomyelosklerose
Sichelzellekurzlebiger Erythrozyt (< 42 Tage), der HbS enthält und bei Sauerstoffentzug Sichelform annimmtSichelzellanämie
MakrozytDurchmesser > 10 μm, erhöhtes Volumen, normale FormAlkoholismus
Megalozytvergrößerter, stärker gefärbter, ovaler ErythrozytVitamin B12-Mangel, Folsäuremangel, Eisenmangel, Thalassämie
MikrozytDurchmesser < 7 μm, erniedrigtes Volumen, normale FormEisenmangel, Thalasämie
Poikilozytabnorm geformter Erythrozyt (mantel-, keulen-, birnenförmig)schwere Anämien
Schistozyt (Fragmentozyt)zerrissener ErythrozytHUS (hämolytisch-urämischen Syndrom, mechanischer Hämolyse (z.B. künstliche Herzklappe)
TargetzelleErythrozyt mit abnormer Farbverteilung (Hämoglobin im Zentrum und ringförmig am Rand)Thalassämie, hämolytische Anämie, schwere Eisenmangelanämie
Anulozytringförmige Erythrozyten mit niedrigem Hämoglobingehalt und der dadurch entstehenden AbblassungEisenmangelanämie
SphärozytKugelzelleKugelzellanämie
Retikulozytjunger Kernloser Erythrozyt mit retikulären Kernrestenbis 1,5% normal, erhöht bei gesteigerter Erythrozytenneubildung (z.B. Hämolyse)
Basophile Tüpfelungpunktartig verteilte basophile Substanz (dunkle Tüpflung) in den Erythrozyten und eine gesteigerte ErythropoeseBleivergiftung und Thalassämie
Howell-Jolly-KörperchenKernreste im Erythrozytennach Milzentfernung
Heinz-Innenkörperchendegeneriertes, intrazelluläres Hämoglobin, welches nur nach Sonderfärbung sichtbar wirdtoxische, hämolytische Anämie, Methämoglobinämie, G6P-DH-Mangel
Elliptozytovaler Erythrozytseltene angeborene Elliptozytose

Literatur & Quellen

  1. Bloss et al., 2001
  2. Meier, Straus, 1992; Cohen et al., 1998

Autor: Lea Schnurbus, Beitrag erstellt am: 05.09.2012