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Stress hat vielfältige Auswirkungen und äußert sich nicht zuletzt in körperlichen Symptomen. Er schlägt nicht nur buchstäblich auf den Magen, sondern auch auf den Darm. Hier sitzt ein großer Teil unseres Immunsystems und achtet darauf, dass keine Darmbakterien die Schleimhautbarriere überwinden. Bei stressbedingt schwacher Immunabwehr gelingt ihnen das, woraufhin Entzündungen auftreten. Diese schädigen Blutkapillaren und können Darmblutungen verursachen.

Organ Darm Mensch

Warnsignal gastrointestinale Blutungen

Mit diesem Begriff bezeichnen Mediziner Blutungen im Magen-Darm-Trakt (Gastrointestinaltrakt). Im oberen Teil, sprich Magen und Speiseröhre, führen sie zu frischblutigem oder Kaffeesatz-artigem Erbrechen, im unteren Teil mit Dünn- und Dickdarm zu Blut im Stuhl. Letzteres ist oftmals in nur so geringen Mengen beigemischt, dass es sich nur mit speziellen Untersuchungen nachweisen lässt (Hämoccult-Test).

Mit eine der häufigsten Ursachen für obere intestinale Blutungen sind nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Aspirin oder Diclofenac. Hämorrhoiden, Analfissuren und andere Verletzungen, die relativ nahe am After liegen, zeigen sich mit hellrotem Blut auf Stuhl und Toilettenpapier, sind aber vergleichsweise harmlos.

Bedenklich wird es, sobald der Stuhl pechschwarz abgesetzt wird, mit glänzender Oberfläche und extrem unangenehmem Geruch. Pechstuhl oder Teerstuhl (Melanae) ist ein Zeichen für eine relativ starke Darmblutung, denn seine charakteristischen Eigenschaften kommen durch den Abbau des roten Blutfarbstoffes durch die Darmflora zustande. Hinter solchen Darmblutungen können viele Erkrankungen stecken, von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa bis zu Darmkrebs.

Eine oft verkannte Ursache ist Stress – auch er löst untere gastrointestinale Blutungen aus.

Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Stress gehört zu den häufig verkannten Ursachen für Blutungen im Darmbereich.
  2. Ursächlich dafür ist die Beeinflussung des Immunsystems durch Stressfaktoren. Im Darm sitzt ein wesentlicher Teil der Immunabwehr, der die Darmbakterien in Schach hält.
  3. Stresshormone steigern die Durchblutung von Herz, Lunge und Muskulatur, während der Magen-Darm-Trakt weniger versorgt wird. Zudem vermindern sie die Abwehrbereitschaft des Immunsystems.
  4. Funktioniert dieses nicht hinreichend, dringen Bakterien ein und es kommt zu Entzündungsreaktionen.
  5. Diese Entzündungen greifen auch die kleinen Blutgefäße der Darmwand an und lösen so Darmblutungen aus.

Stress beeinträchtigt das Immunsystem

Darmblutungen durch Stress sind nicht so ungewöhnlich wie sie klingen. Stress in Beruf und Familie hat vielfältige Auswirkungen: Wird er chronisch und zum vielzitierten negativen Distress, wirkt er sich nachteilig auf die seelische Gesundheit aus und beeinträchtigt früher oder später auch das Immunsystem. Dagegen hält kurz anhaltender, positiver Eustress Kreislauf und Immunabwehr in Trab und ist sogar wichtig für die Gesundheit.

Die negativen Auswirkungen von ungesundem Distress kommen vor allem dadurch zustande, dass Stress als Alarmsignal wirkt. Die ausgeschütteten Stresshormone sollen den Körper auf Flucht oder Angriff trimmen. Dafür sind vor allem Höchstleistungen von Muskulatur und Kreislauf gefragt – die Immunabwehr ist vorübergehend zweitrangig. Die Produktion von Leukozyten und Antikörpern wird bei Dauerstress heruntergefahren. Die Infektanfälligkeit steigt, und auch an anderen Fronten leidet das Immunsystem.

Im Darm sitzt ein großer Teil der Immunabwehr

Ein großer Teil der Immunabwehr ist im Darm beheimatet. Kein Wunder – hier ist der Kontakt mit Mikroorganismen wesentlich ausgeprägter als auf der Haut oder den Schleimhäuten der Atemwege. Haben Hautoberfläche und Nebenhöhlen oder Bronchien vergleichsweise wenig Feindberührung, tummelt sich im Darm rund ein Pfund Mikroorganismen. Sie sind nur durch die dünne und empfindliche Darmschleimhaut vom Körperinneren getrennt.

Das Immunsystem des Darms hat die Aufgabe, ein Eindringen von Bakterien in den Körper zu verhindern – daher ist es hier ausgesprochen fleißig. Blinddarm und Wurmfortsatz sind keineswegs unnötig, sondern wichtige Elemente der Immunabwehr.

Darmbakterien versus Immunabwehr: So kommt es zu Darmblutungen durch Stress

Beeinträchtigt Dauerstress das Immunsystem, schlägt sich das auch auf die Abwehrbereitschaft des Darms aus. Bakterien können leichter die Schleimhautbarriere durchdringen und lösen Entzündungen aus. So kommt es, dass Stress chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa begünstigt und einen Krankheitsschub auslösen kann. Auch bei Unverträglichkeitsreaktionen wie Zöliakie oder Lactoseintoleranz und den damit einhergehenden Entzündungsreaktionen im Darm ist Stress ein maßgeblicher Faktor.

Entzündungen verursachen Darmblutungen

Die durch Stress beeinflusste Immunabwehr muss sich anschließend nicht außerhalb der Mauern, sondern innerhalb der Festungsanlagen um die eingedrungenen Feinde kümmern. Die resultierenden Entzündungsreaktionen beeinträchtigen das Gewebe und sorgen dafür, dass auch die in der Darmschleimhaut reichlich vorhandenen Blutkapillaren geschädigt werden. Sind diese verletzt, sind Darmblutungen die Folge.

Stress beeinträchtigt die Darmtätigkeit

Die dauerhafte Ausschüttung von Stresshormonen sorgt dafür, dass vor allem Herz, Lunge und Muskeln stark durchblutet werden. Sie sollen Flucht oder Angriff ermöglichen. Dieses Blut fehlt dem Darm – das verschlimmert die Beschwerden mit Entzündungen und Blutungen weiter. Verminderte Darmtätigkeit führt außerdem zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfällen und/oder Verstopfungen.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

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Hinweis für die Leser

Diese Inhalte sind zur Information gedacht. Sie sind kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bitte konsultieren Sie dafür immer einen Arzt.

Dr. rer. medic. Harald Stephan, Doktor der Medizinwissenschaften und Naturwissenschaftler mit medizinischer Promotion. Dieser Artikel entspricht aktuellen wisenschaflichen Standards und medizinischen Leitlinien.