Klinische Untersuchungen der Leber

Die Leber ist unsere größte Drüse und wichtig für Synthese, Speicherung und Abbau zahlreicher Substanzen.

Funktioniert sie nicht richtig, fehlen dem Körper die von ihr gebildeten Substanzen, wohingegen andere nicht abgebaut und ausgeschieden werden und sich ansammeln.

Daher verändern Funktionsbeeinträchtigungen der Leber zahlreiche Blutwerte, vor allem die Leberwerte. Zur weiteren Abklärung sind Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren angebracht.

Untersuchung der Leber
Copyright: stockdevil bigstockphoto – CT scan der Leber

Wann ist die Untersuchung der Leber notwendig?

Die Leber ist ungemein wichtig für den Stoffwechsel, hat aber aus medizinischer Sicht einen Nachteil: Sie selbst verfügt nicht über Schmerzrezeptoren und tut nicht weh, egal wie wir sie malträtieren.

Erst in weit fortgeschrittenen Stadien einer Lebererkrankung treten durch Beeinträchtigungen der schmerzempfindlichen Organkapseln Schmerzen auf, die den Patienten zum Arzt gehen lassen.

Zuvor sind die Warnsignale wenig spezifisch. Dazu gehören

  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Konzentrationsstörungen
  • depressive Verstimmungen
  • Appetitverlust, gegebenenfalls mit Übelkeit und Erbrechen und letztlich
  • Schmerzen im rechten Oberbauch.

Was macht der Arzt bei der Untersuchung der Leber?

Spätestens beim Auftreten einer Gelbsucht mit Gelbfärbung von Augen und Haut, häufigem Nasenbluten, dunkel verfärbtem Urin bei gleichzeitig hellem Stuhlgang und ähnlichen Symptomen gehen die Patienten zum Arzt. Dieser führt eine

  • eingehende Befragung (Anamnese) sowie eine
  • körperliche Untersuchung durch, gefolgt von einem
  • Blutbild. Die Blutwerte geben weitere Informationen über eine möglicherweise vorliegende Erkrankung der Leber. In der Folge schließen sich
  • bildgebende Verfahren an, selten eine
  • Leberbiopsie zur histologischen Gewebeuntersuchung.

Klinische Untersuchung der Leber – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Die Leber ist ein wichtiges Organ für Produktion, Speicherung und Abbau vieler Substanzen, das erst bei weit fortgeschrittenen Erkrankungen schmerzt.
  2. Eine Untersuchung der Leber umfasst zunächst eine eingehende Anamnese und körperliche Untersuchung des Patienten.
  3. Daran schließt sich ein Blutbild an, anhand dessen sich viele Leberkrankheiten bereits sicher diagnostizieren lassen.
  4. Zur weiteren Untersuchung der Leber führt man meistens eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes (Abdomen-Sonographie) durch.
  5. Besteht weiterer Klärungsbedarf, schließt sich eine Computertomographie, Kernspintomographie und/oder gegebenenfalls Leberbiopsie an.

 

Klinische Untersuchung der Leber: Die Anamnese

Nicht zu unterschätzen ist bei der Untersuchung der Leber eine eingehende Befragung (Anamnese) des Patienten, die bereits viele Fragen zu beantworten vermag. Sie ermittelt die medizinische Vorgeschichte eines Patienten und gibt Hinweise auf Erkrankungen, die sich auf die Leber auswirken. Solche Fragen drehen sich um folgende Punkte:

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Allgemeines. Dazu gehört die Frage, ob und welche Beschwerden Sie mit Ihrer Leber haben, sie schon einmal daran operiert wurden und ob bei Ihnen oder in Ihrer Verwandtschaft Lebererkrankungen bekannt sind. Ferner möchte der Arzt wissen, ob sich in letzter Zeit Ihr Körpergewicht verändert hat oder sie auffallend müde und antriebslos sind. Wichtig sind zudem Ihre aktuellen Medikamente, die die Leberfunktion beeinträchtigen können, oder der Kontakt mit Chemikalien am Arbeitsplatz.

Verdauung. Bei Leberkrankheiten können Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen sowie Verdauungsprobleme mit Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfungen und/oder Durchfällen auftreten. Für die Diagnose interessant sind auch Verfärbungen von Stuhl und Urin oder Erbrechen mit Blutbeimengungen.

Galle. Die Leber bildet die Gallenflüssigkeit, die die Gallenblase speichert und bei Bedarf zur Fettverdauung in den Darm abgibt. Eine Stauung der Gallenflüssigkeit wirkt sich auf die Leber aus. Daher fragt Ihr Arzt nach bekannten Gallensteinen, Gallenkoliken oder vorausgegangenen Gallenoperationen.

Haut. An der Haut machen sich vor allem drei Beeinträchtigungen der Leber bemerkbar: Der beschriebene Gallenstau führt zu Gelbsucht mit Verfärbung von Augen und Haut. Blutgerinnungsfaktoren werden von der Leber gebildet; ein Mangel äußert sich in häufigem Nasenbluten und blauen Flecken beim geringsten Stoßen.

Stauungen im Pfortaderkreislauf infolge einer Leberzirrhose führen zu Umleitungen des Blutes über die Venen der Speiseröhre und der Bauchdecke, es entstehen krampfaderähnliche Gebilde. Die Ösophagusvarizen im Hals sieht man nicht, wohl aber das typische Medusenhaupt (Caput medusae) der oberflächlichen Bauchvenen, die gewunden hervortreten.

Infektionskrankheiten. Hier ist vor allem an die verschiedenen Formen der virusbedingten Leberentzündung (Hepatitis) zu denken. Ihr Arzt möchte daher gerne von Ihnen wissen, ob schon einmal an einer Hepatitis erkrankt sind oder einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt waren (Auslandsreisen, Tätowierungen, Piercings, Akupunktur, Hepatitisfälle in Familie, Bekanntenkreis oder Arbeitsstelle).

Alkohol. Der Genuss alkoholhaltiger Getränke ist bei uns mit eine der häufigsten Ursache von Lebererkrankungen wie Fettleber, Leberzirrhose und Leberkrebs. Daher dürfen Sie sich nicht wundern, wenn Ihr Arzt Sie bei Verdacht auf eine Lebererkrankung grundsätzlich nach ihrem Alkoholkonsum fragen wird.

Körperliche Untersuchung der Leber

Bei der körperlichen Untersuchung wird die Leber von Ihrem Arzt abgetastet. Diese Methode bezeichnet man als Palpation. Mit ihr lassen sich Größe, Konsistenz und Schmerzhaftigkeit feststellen. Ferner sieht der Arzt, ob sich die Leber normal mit der Atmung verschiebt und ob knotige Veränderungen tastbar sind.

Leberfunktionstest und Leber-Blutwerte

Den ersten Hinweis auf Erkrankungen der Leber geben wie bereits angedeutet die Blutwerte, vor allem die Leberwerte. Je nachdem wie diese verändert sind, ergibt sich daraus ein Verdacht zur zugrunde liegenden Erkrankung, die sodann mit einer körperlichen Untersuchung und bildgebenden Verfahren weiter zu klären ist.

Der oftmals verwendete Begriff „Leberfunktionstest“ ist irreführend, denn dieser Funktionstest überprüft nicht, wie gut die Leber ihre Aufgaben im Stoffwechsel erfüllt, irgendwelche Substanzen speichert oder die Gallenflüssigkeit an die Gallenblase weiterleitet. Alle Blutuntersuchungen geben stattdessen Hinweise auf Entzündungen oder Schädigungen der Leber durch Infektionen oder Giftstoffe.

Die „Leberwerte“ sind spezielle Substanzen, die normalerweise in nur geringer Konzentration im Blut auftauchen. Stauungen, Vergiftungen und Infektionen oder das Zugrundegehen von Leberzellen sorgen dafür, dass sich ihr Blutwert über den Normbereich erhöht.

Glutamat-Oxalacetat-Transaminase (GOT, Aspartat-Aminotransferase ASAT, AST). Die GOT gehört zu den Enzymen der Atmungskette in den Mitochondrien, die Energie aus Kohlenhydraten gewinnen.

Bei Leberzirrhose, Hepatitis und Gallenstau ist ihr Blutwert erhöht. Mitochondrien und GOT haben allerdings auch andere Gewebe, sodass ein erhöhter Blutwert auch bei Schädigung anderer Organe auftritt so bei Herzinfarkt, Schlaganfall, Lungenembolie und Muskelverletzungen nach Unfällen.

Referenzbereich GOT Wert: Frauen ≤ 15 U/l, Männer ≤ 17 U/l

Glutamat-Pyruvat-Transaminase (GPT, Alanin-Aminotransferase ALT, ALAT). GPT ist ein relativ typisches Enzym des Zytoplasmas der Leberzellen. Nur bei Herzinfarkten steigt ihr Blutwert ebenfalls an. Meist unterteilt man die Höhe der GPT-Blutwerte in leichte, mittlere und hohe Werte ein.

Je nach Schweregrad kann eine Hepatitis zu allen Formen einer Erhöhung führen. Leichte Erhöhungen sind die Folge von Leberkrebs, Leberzirrhose und Fettleber. Mittllere Werte finden sich bei einer chronischen Hepatitis oder Entzündungen von Gallenblase und Gallenwegen. Sehr hohe Werte sind die Folge von Pilzvergiftungen und einer akuten Hepatitis.

Referenzbereich GPT Wert: Frauen ≤ 19 U/l, Männer ≤ 23 U/l

Gamma-Glutamyltranspeptidase (Gamma-GT, GGT). Die GGT ist Bestandteil der Zellmembran von Leberzellen und reagiert sehr sensibel auf Schädigung der Zellen. Ist nur die GGT erhöht, ohne dass die anderen Leberwerte auffällig sind, spricht das für Alkoholismus. Erhöhungen des GGT-Werts zusammen mit anderen Leberwerten treten bei Gallenstau, Leberkrebs und Lebermetastasen anderer Tumoren auf. Auch nach Schlaganfall ist der Blutwert erhöht.

Referenzbereich GGT Wert: Frauen ≤ 39 U/l, Männer ≤ 66 U/l

Alkalische Phosphatase (AP). Die weit verbreitete alkalische Phosphatase kommt auch in der Leber vor. Erhöhungen des Blutwertes der Leber-AP finden sich bei Hepatitis, Leberzirrhose oder einem Gallenstau (Cholestase).

Referenzbereich AP Wert: 60 – 180 U/l

Albumin ist das im Blutplasma häufigste Eiweiß. Es dient der Bindung und dem Transport eigentlich wasserunlöslicher Substanzen mit dem Blut. Sein Blutwert ist vor allem bei Leberzirrhose und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) erhöht.

Referenzbereich Albumin Wert: 56 – 68 % (3,8 – 6,0 g/dl)

Bilirubin ist das Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes. Der größte Teil davon verwendet die Leber zur Produktion der Gallenflüssigkeit. Staut sich diese infolge von Gallensteinen, führt das zu erhöhten Bilirubinwerten im Blut und einer Gelbsucht.

Da hier die Ursache „hinter der Leber“ sitzt, spricht man von einem posthepatischen Ikterus. Intrahepatischer Ikterus bedeutet eine Gelbsucht „in der Leber“, vor allem durch Leberversagen oder Hepatitis.

Eine Gelbsucht „vor der Leber“ (prähepatischer Ikterus) ist für die Leberdiagnostik uninteressant und die Folge von Blutergüssen und Lungeninfarkten.

Referenzbereich Bilirubin Wert (gesamt im Serum): ≤ 1,0 mg/dl (≤ 17,1 µmol/l)

Quick-Wert (Thromboplastinzeit, TPZ). Der Qick-Wert ist ein weiterer Basisparameter der Leberdiagnostik und bei der Diagnostik von Blutgerinnungsstörungen. Er gibt die Gerinnungszeit von Blutplasma in Prozent des Durchschnittswertes in der Normalbevölkerung an. Bei Pilzvergiftungen oder Leberzirrhose ist er erniedrigt.

Referenzbereich Quick-Wert: 70 – 120 %

 

Bildgebende Verfahren zur Klinischen Untersuchung der Leber:

Ultraschalluntersuchung der Leber

Eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes (Abdomen-Sonographie) ist das schnellste und für die Leberdiagnostik am häufigsten angewandte bildgebende Verfahren, mit dem eine Untersuchung der Leber möglich ist. Zudem kommt sie ohne schädliche Strahlen aus und lässt sich daher beliebig oft durchführen. Mit ihrer Hilfe lassen sich erkennen:

  • Gallenstauungen
  • Stauungen im Pfortaderkreislauf
  • Leberverfettung
  • Leberzysten
  • Lebertumore und Metastasen (ab einem Zentimeter Durchmesser).
Sonographie Ultraschall Untersuchung
Sonographie der Leber Diagnostik beim Arzt, Copyright: cucurudza, Bigstockphoto

Computertomographie der Leber

Zur Erkennung kleinerer Krebsherde, einer Hepatitis, Leberzirrhose und zur Abklärung unklarer Sonographiebefunde schließt sich eine Bildgebung wie Computertomographie (CT Abdomen) oder Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie, MRT Abdomen) für die weitere Untersuchung der Leber an.

Computertomografie Ablauf
Computertomografie Ablauf – Copyright: Zinkevych, bigstockphoto

Klinische Untersuchung der Leber: Leberbiopsie

Für die Untersuchung der Leber mittels Leberbiopsie punktiert man das Organ mit einer feinen Nadel, in deren Höhlung etwas Gewebe verbleibt.

Das reicht für eine histologische Untersuchung aus. Vorgenommen wird sie von außen unter Beobachtung mit Sonographie oder Computertomographie, laparoskopisch oder während einer Leberoperation. Die Methode ist wichtig zur Befundung von Knoten in der Leber und bei diffusen Lebererkrankungen.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  1. Klaus Dörner: Taschenlehrbuch Klinische Chemie und Hämatologie. 8. Auflage. Stuttgart 2013: Georg Thieme-Verlag. ISBN-10: 3131297182.
  2. Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
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