Wenn der Hämoglobin Wert zu niedrig ist – Verdacht auf Eisenmangel

Der rote Farbstoff im Blut, das Hämoglobin, übernimmt eine lebenswichtige Aufgabe im Körper des Menschen: den Transport von Sauerstoff zu den Körperzellen. Im Zuge dessen bindet sich dieser an Eisen, das sich im Inneren des Blutfarbstoffs befindet.

Der Eisenbaustein sorgt dafür, dass die Versorgung der Organe und Zellen des Körpers mit Sauerstoff (Oxygenium, Oxygen) funktioniert. Ist der Wert Hämoglobin zu niedrig, sprechen Mediziner von einer Blutarmut oder Anämie. Deren Hauptursache ist ein Eisenmangel. Bei Frauen tritt die Erkrankung weitaus häufiger auf, als bei Männern.

 

Hämoglobin Darstellung www.grossesblutbild.de
Rote Blutkörperchen mit Hämoglobin. Struktur von menschlichem Hämoglobin. Schematisches visuelles Modell des sauerstoffbindenden Prozesses. Hämoglobin besitzt vier Globine, je zwei α-Globoline und β-Globoline mit einer Häm-Gruppe. www.grossesblutbild.de

 

Eisenmangel bedingt niedrige Hämoglobin-Werte

Der Blutfarbstoff ist für den Transport des Oxygeniums in die Zellen und Organe des Körpers zuständig. Ist der Wert Hämoglobin zu niedrig, weist das auf eine Blutarmut infolge eines Eisenmangels (Sideropenie) hin. Bei zu geringen Hb-Werten im Blut ist die Versorgung des Organismus mit Sauerstoff unzureichend.

Er reagiert mit Symptomen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Schwäche oder Schwindel. Fehlt dem Körper Eisen, bildet er keinen Blutfarbstoff. Ein chronischer Blutverlust, Nieren- und Darm-Erkrankungen sowie Blutbildungs-Störungen verbergen sich ebenso hinter einem erniedrigten Hämoglobin-Wert.

 

Anzeichen dafür, dass der Wert Hämoglobin zu niedrig ist

Folgende Symptome deuten auf eine Sideropenie oder einen zu niedrigen Hämoglobin-Wert hin:

  • Kopfschmerzen,
  • Schwäche,
  • Schwindel,
  • Appetitlosigkeit,
  • Infektions-Anfälligkeit,
  • Wachstums-Störungen von Haaren, Haut und Nägeln,
  • verminderter Sauerstoffgehalt des Blutes,
  • Zunahme der Herzfrequenz (Pulsschlag),
  • Atemnot,
  • Ohrensausen,
  • Kälte-Überempfindlichkeit,
  • Blässe der Haut sowie
  • Müdigkeit.

 

Ursachen dafür, dass der Hb-Wert zu niedrig ist

Ist der Wert Hämoglobin zu niedrig, deutet dieser Umstand laut Prof. Dr. med. Michael Spannagl, Labor für Immungenetik und molekulare Diagnostik, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, auf einen Eisenmangel oder eine Anämie infolge eines solchen hin. Chronische Blutverluste, Folsäure- und Vitamin-B12-Mangel, Blutbildungs-Störungen sowie Erkrankungen der Nieren oder des Darms sind weitere Ursachen für einen zu niedrigen Hämoglobin-Wert.

 

Eisenmangel-Anämie ist weitverbreitet

Sideropenie ist die häufigste Mangelkrankheit bei Patienten. In Deutschland sind zwei Prozent der Männer und zehn Prozent der gebärfähigen Frauen sowie sieben Prozent der Kinder vom Eisenmangel betroffen. Säuglinge, Kleinkinder, Jugendliche im Wachstumsalter, Frauen im gebärfähigen Alter, Schwangere und Vegetarier sind anfällig für die Mangel-Erscheinung. Die Anämie, der Mangel am Blutfarbstoff, erhöht laut der http://dgk.org/pressemitteilungen/2018-esc-congress/2018-esc-aktuelle-pm/tag1/sterblichkeit-anamie-ist-unabhangiger-risikofaktor/Studie der Uni Greifswald das generelle und das kardiovaskuläre Sterblichkeits-Risiko. Studienteilnehmer mit den niedrigsten Hb-Werten wiesen eine doppelt so hohe Sterberate auf, wie der Gesamtdurchschnitt.

 

Normwerte für Hämoglobin in Blut

Die Normalwerte für das Hämoglobin unterscheiden sich je nach Analysegerät sowie bei Frauen und Männern. Ebenso beeinflussen Tageszeit, Körperposition und die Art und Weise der Blutentnahme die Messung. Häufig verwenden Apotheken und Arztpraxen dazu das Blutanalyse-Gerät Reflotron®. Hierbei gelten Normwerte für Frauen zwischen 12 und 16 g/dl (entsprechend 7,4 bis 10 mmol/l) und für Männer zwischen 13 und 17 g/dl (entsprechend 8,1 bis 11 mmol/l). Für die Blutspende gelten Grenzwerte von 13,5 g/dl bei Männern und bei Frauen von 12,5 g/dl. Abhängig vom Alter gelten bei Kindern andere Werte.

 

Was tun, wenn der Wert zu niedrig ist?

Liegt der Hämoglobin-Wert nicht im Normbereich, schließt der Mediziner weitergehende Untersuchungen an, um geeignete Maßnahmen zu eruieren. Führt er den abgesenkten Hämoglobin-Wert auf einen Eisenmangel zurück, dient eine Umstellung der Ernährung des Patienten dazu, den Hb-Wert zu erhöhen.

Der Verzehr eisenreicher Lebensmittel hilft, die Werte wieder in den Normalbereich zu bringen und die Mangel-Erscheinung zu beheben. Dabei achten Patienten darauf, Eisen aus tierischen Lebensmitteln aufzunehmen, da der Körper den Nährstoff besser aus diesen aufnimmt als aus pflanzlichen. Fettarme Fleischprodukte wie mageres Muskelfleisch eigenen sich gut für die zusätzliche Eisenaufnahme. Ebenso eisenreich sind Nüsse, Hülsenfrüchte, Spinat, Karotten, Schwarzwurzeln und andere Gemüsesorten. Sie eignen sich vor allem bei Patienten, die auf eine fleischlose Ernährung setzen.

Ein Glas Vitamin-C-reicher Saft wie Orangensaft zum Essen verbessert darüber hinaus die Aufnahme des Nährstoffes im Darm. Dagegen meiden Patienten den Genuss von Schwarztee. Er vermindert die Eisenverarbeitung im Organismus.

 

Wann bestimmt der Arzt den Hb-Wert?

Die Messung des Hämoglobin-Wertes gehört beim kleinen Blutbild zu den Standard-Parametern. Der Mediziner zieht aus ihm Rückschlüsse auf die Eisenreserven des Körpers, die Eisenversorgung und einen potenziellen Eisenmangel. Ebenso dient er der Diagnose von Erkrankungen und zur Kontrolle des Therapie-Erfolges.

Bei einer Blutspende testen Mediziner ebenfalls den Wert, um sicherzugehen, dass der Spender über genügend Eisen im Körper verfügt. Dieses benötigt er, um neues Blut zu bilden.

 

 

weiterführend:

http://dgk.org/pressemitteilungen/2018-esc-congress/2018-esc-aktuelle-pm/tag1/sterblichkeit-anamie-ist-unabhangiger-risikofaktor/

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Anna Nilsson ist Online Journalistin und Medizinredakteurin, Sie hat viele Jahre als medizinische Angestellte gearbeitet. Sie ist Mutter von 2 Töchtern und unterstützt uns als Autorin mit medizinischen Themen.
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