Darmerkrankungen in der Übersicht

Erkrankungen des Darms sind vielfältig und verursachen anfängliche Symptome wie Bauchschmerzen, Blähungen und/oder Durchfällen oder Verstopfungen.

Die Palette an Krankheiten reicht von einfachen Infektionen über Störungen des Immunsystems bis hin zu Darmkrebs. Ich möchte Ihnen im Folgenden einen Überblick über die wichtigsten Erkrankungen des Darms geben.

Organ Darm Mensch

Erkrankungen des Darm – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Erkrankungen des Darms gehören zu den häufigsten Krankheiten überhaupt.
  2. An erster Stelle stehen dabei Infektionskrankheiten mit Bakterien oder Viren, die Durchfälle und Bauchschmerzen verursachen.
  3. Akute entzündliche Erkrankungen sind Blinddarmentzündung und Divertikulitis. Unverträglichkeit gegenüber Gluten verursacht Zöliakie.
  4. Durch chronische Entzündungen sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa gekennzeichnet.
  5. Chronische Entzündungen im Darm erhöhten das Risiko von Darmkrebs.

Erkrankungen des Darms – kein Wunder!

Dass ausgerechnet der Darm so häufig Unbill erleidet, ist gar nicht so verwunderlich. Streng genommen ist das Innere des Darms „außerhalb“ und alles darin Umwelt. Bakterien, Viren, Einzeller haben hier wesentlich leichteres Spiel als bei der wesentlich dickeren Haut und ungesunde Substanzen kann man nicht mal eben mit einer Handbewegung wegwischen.

Mit alledem muss der Körper auf einer Strecke von mehreren Metern zurecht kommen – einer der Gründe, warum der größte Teil unseres Immunsystems im Darm sitzt und dafür sorgt, dass Krankheitserreger nicht ins Körperinnere vordringen.

Dieses ausgeprägte Immunsystem macht alle Achterbahnfahrten unserer Immunabwehr an vorderster Front mit. Entsprechend häufig sind Entzündungsreaktionen im Darm .

Die Darmschleimhaut ist nicht weniger empfindlich als alle anderen Schleimhäute des Körpers – denken Sie mal an die Bindehaut des Auges, wenn ein Staubkorn hineingerät oder die Zunge, wenn die Bedienung im indischen Restaurant das mit dem scharf ernst gemeint hat.

Daher wird die Darmschleimhaut laufend durch neue Zellen ersetzt. Gerät dieses schnelle Wachstum außer Kontrolle, bilden sich Tumore. Zytostatika der Chemotherapie zielen auf alle schnell wachsenden Zellen und sollen so Krebs außer Gefecht setzen – mit der Nebenwirkung, dass die Haare ausgehen und der Darm mit Durchfällen und Übelkeit reagiert.

Bauchschmerzen können auch völlig harmlos ein

Fangen wir mit dem harmlosesten Fall an: Wenn es im Bauch grummelt und Bauchschmerzen hinzukommen, muss das nicht immer gleich eine bösartige und folgenschwere Erkrankung sein. Magen und Darm rebellieren, wenn man ihnen gerade zu viel zugemutet hat. Hat es richtig gut geschmeckt und man hat sich schlichtweg überfressen, hilft vor allem Bewegung an der frischen Luft.

Auch schwer Verdauliches macht dem Darm zu schaffen, etwa Kohlsorten, Hülsenfrüchte oder Pilze. Gerade die ersten beiden sorgen mit Blähungen für einen aufgetriebenen Bauch. Ebenso macht ein Übermaß an fettigen Speisen Probleme, weil die Fettverdauung recht aufwendig und langwierig ist.

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Als einfaches Hausmittel haben sich in solchen Fällen Tees bewährt, allen voran eine Mischung aus Anis, Fenchel und Kümmel zu gleichen Teilen.

Wie äußern sich Erkrankungen des Darms?

Für die meisten Erkrankungen des Darms sind typisch:

  • Bauchschmerzen
  • Krämpfe
  • Blähungen
  • Durchfälle oder
  • Verstopfungen oder beides einander abwechselnd.

Solche Krankheitszeichen sind wenig spezifisch und können auf eine Vielzahl von Magen-Darm-Erkrankungen zurückzuführen sein.

Schmerzen und Durchfälle zeigen, dass der Darm mit Abwehrmaßnahmen beschäftigt ist. Durchfälle sind Folge verstärkter Wasserabgabe über den Darm, um Krankheitserreger und Giftstoffe aus dem Körper herauszuspülen. Daher ist es im Falle einer Darminfektion kontraproduktiv, Mittel gegen Durchfall einzunehmen.

Erkrankungen des Darms: Infektionen

Die meisten Darmerkrankungen sind auf Infektionen zurückzuführen. Bakterien, Viren und Einzeller gelangen über Trinkwasser oder Speisen in den Magen-Darm-Trakt. Der Körper reagiert mit Durchfällen, um die Keime schnell wieder loszuwerden. Häufig sind Infektionen mit Noroviren oder Rotaviren, Salmonellen, Listerien oder Yersinien.

Die „klassischen“ infektiösen Durchfallerkrankungen Typhus und Cholera spielen bei uns dank Antibiotika nur noch eine untergeordnete Rolle, führen jedoch weltweit immer noch zu zahlreichen Todesfällen.

Einen Sonderfall stellen Wurmerkrankungen dar. Sie bleiben oft lange Zeit unbemerkt. Oft machen sie erst durch massive Gewichtsabnahme auf sich aufmerksam, wenn sich die Parasiten bereits massiv vermehrt haben. Fadenwürmer, Madenwürmer und Bandwürmer sind ebenfalls im Rest der Welt häufiger ein klinisches Problem als in Europa.

Erkrankungen des Darms: Blinddarmentzündung

Krankheitskeime oder Fremdstoffe rufen im Darm lokal das Immunsystem auf den Plan, sodass es zu einer umgrenzten Entzündungsreaktion kommt. Dafür reicht bisweilen ein Kirschkern aus oder noch kleinere Gebilde wie schwerverdauliche Körner.

Am häufigsten ist hier die Appendizitis, landläufig auch Blinddarmentzündung genannt. Eigentlich betrifft sie nur dessen Wurmfortsatz (Appendix vermiformis). Sie äußert sich mit starken Schmerzen um den Nabel und in der Magengegend, die nach einer Weile in den rechten Unterbauch wandern. Hinzu kommen oft Übelkeit, Erbrechen und Fieber. Ist die Bauchdecke bretthart gespannt und schmerzt bei der geringsten Berührung, spricht man von akutem Abdomen. Dieses ist ein Warnzeichen, das auch bei anderen Erkrankungen auftritt, und bedarf einer umgehenden medizinischen Versorgung!

Warnhinweis: Ein akutes Abdomen ist immer ein medizinischer Notfall. Rufen Sie umgehend den Rettungsdienst, wenn ein Patient

  • akute Bauchschmerzen angibt,
  • die Bauchdecke gespannt ist,
  • hochempfindlich mit einer Abwehrspannung auf Berührung reagiert,
  • möglicherweise Durchfälle oder Verstopfung,
  • Übelkeit und Erbrechen und/oder
  • Fieber hinzukommen!

Ursachen für ein akutes Abdomen sind Blinddarmentzündungen, Nierenkoliken, Darmverschluss, akute Entzündungen von Bauchspeicheldrüse oder Galle und andere Krankheiten. Sie sind alle sofort zu behandeln, da sie lebensbedrohlich verlaufen können!

Unbehandelt droht ein Blinddarmdurchbruch, durch den Bakterien in die Bauchhöhle gelangen.

Erkrankungen des Darms: Divertikulitis

Wo Blutgefäße die Darmwand schwächen, finden sich vor allem bei älteren Patienten häufig Ausstülpungen der Darmwand, sogenannte Divertikel. Sind mehrere davon vorhanden, bezeichnet man das als Divertikulose.

Meistens machen Divertikel keinerlei Probleme, können sich jedoch ähnlich wie der Wurmfortsatz entzünden. In einem solchen Fall spricht man von einer Divertikulitis. Meistens betrifft sie den Sigmadarm und äußert sich mit Bauchschmerzen im linken Unterbauch, können aber ebenso an anderer Stelle auftreten.

Chronisch-entzündliche Erkrankungen des Darms

Entzündungsreaktion im Darm können auch chronischer Natur sein: Morbus Crohn und Colitis ulcerosa bezeichnet man als chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED). Meistens treten diese bei jüngeren Erwachsenen bis zum 40. Lebensjahr auf.

Beide Erkrankungen verlaufen schubweise. Phasen mit Bauchschmerzen, Durchfällen und körperlicher Erschöpfung wechseln sich mit beschwerdefreien Abschnitten ab. Als Komplikationen treten bei der Colitis ulcerosa Überdehnungen des Dickdarms bis hin zum Darmdurchbruch auf, bei Morbus Crohn häufig Darmverengungen bis hin zum Darmverschluss. Zudem ist bei beiden Erkrankungen das Darmkrebsrisiko erhöht.

Wenn der Darm gereizt reagiert

… verträgt er etwas nicht. Im Falle der Zöliakie oder Sprue handelt es sich um eine Unverträglichkeit gegenüber dem Gluten aus Getreide.

Beim Reizdarm lässt sich oft keine Ursache feststellen. Man geht davon aus, dass er vorrangig psychosomatisch bedingt ist.

Darmkrebs

In allen Darmabschnitten kann Krebs auftreten. Gutartige Adenome sind häufig und machen kaum Beschwerden, können jedoch im Laufe der Zeit bösartig werden. Dieser Darmkrebs betrifft meistens den Dickdarm (Colonkarzinom), etwas seltener den Enddarm (Rektumkarzinom) und wird oft erst in fortgeschrittenen Stadien festgestellt. Bei Frauen ist er die zweit-, bei Männern die dritthäufigste Krebserkrankung.

Hinweis: Eine rechtzeitige Früherkennung erleichtert Therapie und Überlebenschancen wesentlich. Daher empfiehlt sich nach dem 50. Lebensjahr eine regelmäßige Darmkrebsvorsorge. Sie erfolgt mit einer Darmspiegelung (Koloskopie) oder bei Ihrem Hausarzt mit einem immunologischen Stuhltest, dessen Kosten die Krankenkassen übernehmen.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  1. Gerd Herold: Innere Medizin. Köln: G. Herold Verlag (2016). ISBN-10: 3981466063
  2. Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart: Springer-Verlag (2012). ISBN-10: 3642331076.
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