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Momentan sind wir auf die Auswertung der Krankheitsfälle von COVID-19 in China angewiesen. Anzeichen deuten bereits jetzt darauf hin, dass der Krankheitsverlauf beispielsweise in Italien etwas anders aussieht. Daher können sich die Informationen möglicherweise bei weiterem Fortschreiten der SARS-CoV-2-Pandemie ändern.

Beatmungsmaschine
Sauerstoffmaske als Teil der Beatmungsmaschine für künstliche Lungen
Copyright: New Africa, bigstockphoto

Behandlung im Krankenhaus richtet sich nach dem Schweregrad

Bei den in China berichteten Fällen war der Krankheitsverlauf bei 81 Prozent der Patienten mild. Das bedeutet, dass sich kaum Beschwerden einstellen und die Infektion weitestgehend wie eine normale Erkältung oder Grippe verläuft. Das gilt insbesondere für Kinder und Jugendliche. Hier kommt es nur selten zu schweren Verläufen.

Ganz anders sieht das bei Menschen fortgeschrittener Altersstufen aus, insbesondere wenn diese bereits Grunderkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vor allem Erkrankungen der Atemwege haben. Raucher, Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), Asthma und ähnlichem sind besonders gefährdet, da bei ihnen das Risiko eines schweren Verlaufes besonders hoch ist.

Bei 14 Prozent der Patienten kommt es zu einem schweren Verlauf und 5 Prozent der Patienten sind kritisch erkrankt. Das bedeutet, dass diese Patienten häufig auf der Intensivstation eines Krankenhauses intensivmedizinisch betreut werden müssen. In Deutschland stehen aktuell um die 24.000 Intensivbetten zur Verfügung, von denen viele bereits mit anderen Erkrankungen belegt sind. Die Zahl der freien Beatmungsplätze wird darüber entscheiden, wie verheerend oder glimpflich sich die COVID-19-Epidemie in Deutschland auswirken wird.

COVID-19 Notwendigkeit der Intensivstation

Zur Aufnahme auf die Intensivstation führt im Regelfall akute Atemnot (Dyspnoe) mit erhöhter Atemfrequenz (>30/min), die zu Sauerstoffmangel im Blut (Hypoxämie) führt. Bei bildgebenden Verfahren wie Röntgen Thorax zeigen sich in diesem Stadium bereits erste Infiltrate in der Lunge.

Bei der intensivmedizinischen Versorgung steht die Behandlung der relevanten Grunderkrankungen und die Beatmung aufgrund von Lungenproblemen im Vordergrund. Bei Durchfällen und intensivierter Atmung sind der Ausgleich des Wasserhaushaltes und gegebenenfalls die Versorgung mit Elektrolyten wichtig.

COVID-19 Akut-Symptomatik

Hoch ist das Risiko eines akuten Lungenversagens (Acute Respiratory Distress Syndrome, ARDS) und einer bakteriellen Superinfektion mit tödlich verlaufendem septischem Schock. Ist das Immunsystem geschwächt, haben Bakterien bessere Chancen, über die Schleimhäute in den Körper einzudringen und Schaden anzurichten. Ist das Immunsystem eines Patienten geschwächt, erleichtert das ihr Vordringen.

Einen gewissen Schutz bietet die Pneumokokken-Impfung, deren Kosten die Gesetzlichen Krankenkassen bei Personen über 60 Jahren und Patienten mit besonderer Gefährdung übernehmen. Liegt kein Impfschutz vor und kommt es zu einer schweren Pulmonie infolge einer Pneumokokken-Infektion, ist die Verabreichung von Antibiotika, vorzugsweise i.v. über die Blutbahn notwendig.

Weitere Komplikationen, die es zu verhindern gilt und auf die daher geachtet werden muss, sind akutes Nierenversagen, Schädigung des Herzmuskels und Herzrhythmusstörungen.

Behandlung der Symptome – Fehlende Therapie gegen SARS-CoV-2

Eine spezifische, gegen SARS-CoV-2 selbst gerichtete Therapie steht aktuell nicht zur Verfügung. Mehrere Therapien werden aktuell von der Weltgesundheitsorganisation diskutiert und untersucht, aber bisher liegen noch nicht genug Daten vor, um eine Therapieempfehlung aussprechen zu können.

Ihr Einsatz steht daher nur bei sehr schweren, ansonsten voraussichtlich tödlich endenden Verlaufsformen zu erwägen. Eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung ist in solchen Einzelfällen dringend notwendig. Solche Behandlungen sollten zudem im Rahmen klinischer Studien stattfinden, um künftig Aussagen über einen sinnvollen Einsatz machen zu können.

Auch eine Impfung ist noch nicht möglich, obwohl etliche Labore mit Hochdruck an der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes arbeiten. Bis ein Impfstoff klinisch zum Einsatz kommt, kann noch mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Ablauf der Behandlung im Krankenhaus bei COVID-19, Coronavirus Symptomatik

Der Ständige Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger (STAKOB) empfiehlt bei stationären COVID-19-Patienten:

  • restriktive Flüssigkeitstherapie (da diese den Sauerstoffgehalt im Blut verschlechtern kann)
  • Ernährungsoptimierung
  • engmaschige Überwachung der Vital-Parameter, um schwere Verläufe frühzeitig erkennen zu können
  • Berücksichtigung von Komorbiditäten (notwendige Dauer-Therapien, aber auch Einschränkungen der aktuellen Therapie)
  • Sauerstoff-Gabe (nasal über Sauerstoffmaske, ggf. High-flow mit hoher Sauerstoffzufuhr) je nach Bedarf. Zielwert:
    • SpO2 > 90% bei nicht-schwangeren Erwachsenen,
    • SPO2 > 92 – 95 % bei Schwangeren
  • regelmäßige Kontrolle von
    • Entzündungsparametern
    • Nierenfunktion
    • Leberwerten
    • Gerinnungswerten.
  • weitere Bildgebung je nach klinischem Verlauf.
  • Gegebenenfalls Abnahme von mehreren Blutkulturen (jeweils aerob plus anaerob)
  • Untersuchung von respiratorischen Materialien (Sputum, tiefe Rachenabstriche, Rachenspülwasser) je nach klinischem Verlauf (E+R, CoVID-19)
  • Diagnostik auf COVID-19 gemäß WHO-Richtlinie alle 2-4 Tage

Quellen, Links und weiterführende Literatur

Hinweis für die Leser

Diese Inhalte sind zur Information gedacht. Sie sind kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bitte konsultieren Sie dafür immer einen Arzt.

Doktor der Medizinwissenschaften und Naturwissenschaftler mit medizinischer Promotion. Dieser Artikel entspricht aktuellen wisenschaflichen Standards und medizinischen Leitlinien. (Autoren M.Foerster/H.Stephan)