Die Zusammensetzung des Blutes

Die Zusammensetzung und Bestandteile unseres Blutes sind relativ komplex, denn es ist wesentlich mehr als nur Wasser mit ein paar Eiweißen darin.

Neben seinen verschiedenen Zellen finden sich im Blutplasma zahlreiche Substanzen von Ionen bis zu Hormonen in verschwindend geringen, aber für den Stoffwechsel wichtigen Mengen, Gase, Gerinnungsfaktoren, Abfallstoffe und vieles mehr.

Lassen Sie uns erklären, was im Blut alles enthalten ist.

Blutzellen Blutbestandteile

Zusammensetzung des Blutes: Blut ist ein ganz besonderer Saft!

Das wusste schon der alte Goethe, als er dieses Zitat seinem Mephisto in den Mund legte. In der Tat hat Blut einige bemerkenswerte Eigenschaften, die es zu unserer wichtigsten Körperflüssigkeit machen.

Immerhin ist die Zusammensetzung des Blutes so kompliziert, dass es bis heute nicht gelungen ist, einen Ersatz künstlich herzustellen, der auch nur annähernd seine Eigenschaften zu erfüllen vermag.

Daher ist man in der Klinik immer noch auf den Einsatz von Blutkonserven und Erythrozytenkonzentraten angewiesen.

Blutfette
gesunde Blutzellen Urheber: mackoflower / 123RF

Das beginnt schon damit, dass Blut völlig andere Fließeigenschaften hat als Wasser. In der Fließkunde (Rheologie) bezeichnet man Wasser und viele andere Flüssigkeiten als Newtonsche Flüssigkeiten.

Bei diesen ist die Viskosität belastungsunabhängig.

Blut hingegen verhält sich ganz anders – je höher die Strömungsgeschwindigkeit, desto höher wird seine Viskosität.

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Das liegt vor allem an den darin enthaltenen roten Blutkörperchen, die sehr verformbar sind.

Daher verhält sich fließendes Blut nicht wie man erwarten sollte als Suspension (fest in flüssig), sondern wie eine Emulsion (flüssig in flüssig, wie beispielsweise Öl-in-Wasser-Emulsionen bei vielen Hautpflegeprodukten).

Dementsprechend ist die Anzahl der roten Blutkörperchen in einem Blutvolumen, der Hämatokrit, ein Parameter für die Fließeigenschaften des Blutes.

 

Unser Blut

Zusammensetzung des Blutes – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Blut zeichnet sich durch besondere Fließeigenschaften aus, die durch das Vorhandensein der besonders verformbaren roten Blutkörperchen zustande kommt.
  2. Im Wesentlichen besteht es aus zellulären Bestandteilen, den Blutkörperchen, und dem Blutplasma.
  3. Blutplasma ohne Gerinnungsfaktoren bezeichnet man als Blutserum.
  4. Hauptbestandteile des Blutserums sind Wasser, Ionen und Eiweiße.
  5. In wesentlich geringerem Ausmaß sind darin Gase, Nährstoffe, Abfallprodukte des Stoffwechsels und viele andere Substanzen gelöst.

Was ist unser Blut?

Woraus besteht unser Blut und was sind die Aufgaben der Bestandteile? – Hier die Antworten, einfach erklärt.

Zusammensetzung des Blutes: Blutkörperchen und Blutplasma

Zentrifugiert man die Blutprobe eines Patienten ab, erhält man zwei Phasen: unten im Röhrchen sitzen die zellulären Bestandteile, die durch die vorherrschenden roten Blutkörperchen (Erythrozyten) rot erscheinen.

Darüber steht eine gelblich-klare Flüssigkeit, das Blutplasma. Beide wollen wir uns im Folgenden näher anschauen.

Zusammensetzung des Blutes: Die Blutkörperchen

Bei den Blutkörperchen unterscheidet man zwischen

  • roten Blutkörperchen (Erythrozyten),
  • weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und
  • Blutplättchen (Thrombozyten).

Rote Blutkörperchen (Erythrozyten)

Die Erythrozyten machen den Hauptanteil der zellulären Blutbestandteile aus. Sie sind ähnlich geformt wie Donuts, scheibenförmig mit einer Delle in der Mitte. Die charakteristische rote Farbe rührt von dem darin enthaltenen Blutfarbstoff, dem Hämoglobin.

Dieser besteht aus einem Eiweißanteil (Globin) und einer Farbstoffgruppe (Häm), in deren Mitte ein Eisenatom sitzt. Dieses ist in der Lage zu „rosten“ – es kann Sauerstoff aufnehmen, aber auch wieder abgeben.

Das ermöglicht dem Hämoglobin den lebensnotwendigen Sauerstofftransport: In der Lunge nimmt der Blutfarbstoff Sauerstoff auf und gibt Kohlendioxid an die Atemluft ab; im Körpergewebe gibt er den Sauerstoff im Tausch gegen das verbrauchte Kohlendioxid wieder ab.

Erhöhte Erythrozyten
Erhöhte Erythrozyten im Urin (Hämaturie)

 

Weiße Blutkörperchen (Leukozyten)

sind die fleißigen Schwerarbeiter unseres Immunsystems. Wo auch immer Erreger oder Fremdsubstanzen in den Körper eindringen, stürzen sich die Zellen persönlich auf den Eindringling, oder sie bilden Antikörper, die die Schädlinge vernetzen und so unschädlich machen.

Immunkomplexe aus toten Abwehrzellen und Bakterien kennt man als Eiter. In kleinerem Ausmaß beseitigen Fresszellen solche Reste und transportieren sie ab. Was körpereigen und was fremd ist, lernt das Immunsystem in den ersten Stunden nach der Geburt.

Treten bei der Fremd-Selbst-Erkennung Fehler auf, greifen die Immunzellen körpereigene Substanzen an. Dann spricht man von einer Autoimmunerkrankung, etwa in Form von Heuschnupfen oder der Hashimoto-Thyreoiditis (Schilddrüsenentzündung).

Von den weißen Blutkörperchen gibt es mehrere Varianten mit unterschiedlichen Aufgaben: Lymphozyten, Granulozyten (neutrophile, eosinophile und basophile) und Monozyten.

Leukozyten im Blut www.grossesblutbild.de
Leukozyten im Blut www.grossesblutbild.de

 

Blutplättchen (Thrombozyten)

sind keine vollständigen Zellen, sondern Abschnürungen spezieller Zellen des Knochenmarks.

Einen Kern enthalten sie nicht, und ihre normale Form ist linsen- oder kissenförmig. Sie sind wichtig für Wundverschluss und Blutgerinnung (Hämostase). Wird irgendwo ein Gefäß verletzt, setzt das die Blutgerinnungskaskade in Gang, die Fibrin freisetzt und Thrombozyten verklumpt.

Durch die Aktivierung mutieren die Blutplättchen zu klettenartigen Gebilden, die sich mit ihren Tentakeln untereinander verhaken. Ein solcher Blutpfropf verschließt das Gefäß und verhindert ein Verbluten. Problematisch wird es, wenn ähnliche Vorgänge im Gefäßsystem etwa durch Arteriosklerose oder Vorhofflimmern auftreten:

Bilden sich dadurch Blutgerinnsel, können die als Thromben und Embolie Gefäße verstopfen und Herzinfarkt, Lungenembolie oder Schlaganfall auslösen.

Inaktive und Aktive Thrombozyten

Blutplasma und Blutserum

Die Blutgerinnung findet auch in einer Blutprobe statt, wenn nicht spezielle Gerinnungshemmer das verhindern. Sie entzieht dem Blutplasma die Gerinnungsfaktoren und verklumpt die Blutkörperchen, die sich am Boden des Röhrchens absetzen.

Was dann als gelblich-klare Flüssigkeit darüber stehen bleibt, bezeichnet man als Blutserum. Hier findet man alle weiteren Stoffe, aus denen das Blut zusammengesetzt ist.

Was ist alles im Blutserum?

Was im Serum weiter enthalten ist, ist eine Mischung aus den verschiedensten Substanzen. Viele davon lassen sich im Blutbild bestimmen und geben dem Arzt wertvolle Hinweise auf möglicherweise vorliegende Erkrankungen.

Wasser. Klingt trivial, macht aber über 90 Prozent des Blutserums aus und ist ungemein wichtig für alle Transportvorgänge. Wie wichtig merkt man, wenn ein Patient nicht genug Flüssigkeit zu sich nimmt und dehydriert, sei es in der Wüste oder im Altenheim.

Dann steigt nicht nur die Thromboseneigung, man leidet zudem an Verwirrungszuständen bis hin zu Krampfanfällen.

Eiweiße. Nochmal acht Prozent am Blutserum. Das wichtigste Bluteiweiß ist das Albumin, das den kolloidosmotischen Druck des Blutes kontrolliert und mit dem das Blut viele eigentlich wasserunlösliche Substanzen transportieren kann. Hinzu kommen alpha- und beta-Globuline, die Cholesterine transportieren, und gamma-Globuline, zu denen die Immunglobuline der Immunabwehr gehören. In geringen Mengen sind weitere Proteine zu finden, die man als Blutwerte bestimmen kann, etwa als Leberwerte, Nierenwerte oder Entzündungswerte.

Elektrolyte. Natrium, Kalium, Chlorid, Magnesium, Phosphat und Calcium sind die wichtigsten Ionen des Blutes. Hinzu kommt Kohlensäure, die als Karbonatpuffer den pH-Wert des Blutes in engen Grenzen konstant bei 7,4 hält.

Nährstoffe. Dabei handelt es sich um Fette und Kohlenhydrate, allen voran die Glukose, die beim Diabetes erhöht erscheint.

Abfallstoffe. Hierzu zählt alles, was der Körper über Leber und Niere entgiftet und ausscheidet. Das sind insbesondere Harnstoff aus dem Eiweißstoffwechsel, Harnsäure aus dem Nukleinsäurestoffwechsel oder Bilirubin und seine Abkömmlinge aus dem Abbau des roten Blutfarbstoffes.

Gase. Die beiden wichtigen Blutgase sind Sauerstoff und Kohlendioxid. Je nachdem wie hoch derern Partialdruck im Blut ist, verfärbt es sich kirschrot wie bei sauerstoffreichen arteriellen Blut oder leicht bläulich wie bei sauerstoffarmem venösem Blut.

Hormone, Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe bilden den verschwindend geringen, aber im Stoffwechsel hochaktiven Rest des Blutserums.

Tabelle der wichtigsten Blut Bestandteile:

Erythrozyten Ery Die Roten Blutkörperchen. Sie sind für den Transport des lebenswichtigen Sauerstoff zu den Zellen verantwortlich. Wenn dieser Wert nicht stimmt fühlt man sich schnell müde, krank und schlapp und müde.
Leukozyten Leuko Die Weißen Blutkörperchen. Die Hauptzellen der Immunabwehr, sie bilden den größten Anteil an Zellen aus denen das Immunsystem besteht und sind für die Abwehr von Krankheiten verantwortlich. Wenn dieser Wert erhöht ist deutet das auf eine Krankheit hin, da diese Zellen sich erhöhen wenn Sie gegen Infektionen und Krankheiten kämpfen.
Thrombozyten Thrombo Die Blutplättchen sind ein Bestandteil des Blut welches für die wichtige Blutgerinnung verantwortlich ist. Wenn offene Wunden auftreten sind die Blutplättchen für den Verschluß der Wunde zuständig. Sie steuern auch die Konsistenz und den Blutfluß und verhindern Blutgerinnsel und eine Thrombose.
Hämoglobin Hb Der Rote Blutfarbstoff in den Erythrozyten entsteht durch eine Bindung von Sauerstoff der mit dem Hämoglobin zur Lunge transportiert wird und in der Lunge den Sauerstoff ausgetauscht. Bei einem niedrigen Hämoglobin Wert spricht man von einer Blutarmut (Eisenmangel), diese kann mit Eisentabletten behandelt werden.
Hämatokrit Hk Ist die Gesamtheit aller festen Zellen im Blut. Wenn dieser Wert zu hoch ist hat das Blut nicht die richtige Konsistenz und ist zu dickflüssig, dadurch kann es zu Blutgerinnseln und Thrombose kommen.
Mittleres Zellvolumen MCV Die wichtigen Funktionsparameter für Erythrozyten zeigen das Zellvolumen der Einzel-Erythrozyten im Durchschnitt  an. Ein neidriger Wert kann auf einen Eisenmangel hinweisen.
Mittlerer zellulärer Hämoglobingehalt MCH oder HBE Der Wert des  Hämoglobin in Bezug auf die einzelnen Erythrozyten.

 

 

weiterlesen: Wie entsteht unser Blut

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  1. Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
  2. Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold-Verlag. ISBN-10: 3981466063.
  3. Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2014: Walter de Gruyter-Verlag. ISBN-10: 3110339978.
  4. Reinhard Andreesen, Hermann Heimpel: Klinische Hämatologie. München 2009: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN-10: 343731498X.
  5. Marlies Michl: BASICS Hämatologie. München 2016: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN-10: 3437421697.