Granulozyten zu hoch – Ursachen, Bedeutung
Wann und warum sind die Granulozyten Werte zu hoch?
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Steigt die Zahl der Granulozyten über den Normwert, leiden Sie unter einer Granulozytose. Hierbei vermehren sich die Zellen im peripheren Blut. Das Phänomen erweist sich als besondere Form der Leukozytose, einer Vermehrung aller weißen Blutkörperchen. Das Gegenteil der hohen Granulozytenkonzentration stellt die Granulozytopenie dar.
Zeigen sich die Granulozyten hoch, kommen mehrere Ursachen infrage. Vorwiegend schwere Infektionen bedingen den Anstieg der Granulozytenwerte. Auf die Dauer führt diese Überproduktion zum plötzlichen Absinken des Blutwerts.

Welche Formen der Granulozytose existieren?
Im Körper treten drei verschiedene Formen der Granulozytose auf. Bei ihnen sind die drei Typen der Granulozyten hoch. In der Fachsprache heißen die gesundheitlichen Komplikationen:
- · Neutrophilie (neutrophile Granulozytose),
- · Eosinophilie (eosinophile Granulozytose),
- · Basophilie (basophile Granulozytose).
Eine häufig auftretende Form stellt die Neutrophilie dar. Hierbei überschreiten die neutrophilen Zellen einen Grenzwert von 6,3 Giga je Liter. Die Eosinophilie zeichnet sich durch das verstärkte Aufkommen eosinophiler Granulozyten aus. Sie steigen über 0,3 Giga je Liter. Oft tritt die gesundheitliche Komplikation in Kombination mit der basophilen Granulozytose auf.
Granulozyten sind hoch: Ursachen, Symptome und Folgen
Eine Granulozytose tritt auf, sobald die Anzahl dieser Leukozyten die Normgrenze überschreitet. Anhand eines Differenzialblutbilds erkennen die Ärzte jede Veränderung des Blutwerts. Hierfür entnehmen Sie Ihnen im nüchternen Zustand eine Blutprobe und untersuchen diese labortechnisch.
Dafür orientieren sie sich an folgenden Granulozyten Normwerten:
|
Geschlecht |
Neutrophile Granulozyten (G.) in Prozent je Mikroliter |
Stabkernige neutrophile G. in Prozent |
Segmentkernige neutrophile G. in Prozent |
Eosinophile G. in Prozent |
|
Männer |
bis 70 |
drei bis fünf |
54 bis 62 |
ein bis vier |
|
Frauen |
bis 70 |
drei bis fünf |
54 bis 62 |
ein bis vier |
Wichtige Fakten über Granulozyten im Überblick:
- Zeigen sich die Granulozyten hoch, nennt sich das Phänomen in der Fachsprache Granulozytose.
- Eine Überproduktion dieser weißen Blutzellen findet bei einer schweren Infektion statt.
- Oft folgt einer starken Granulozytose die Granulozytopenie, das Absinken der Granulozyten unter die Normgrenze.
- Ein starker Anstieg des Granulozytenwerts resultiert aus einer Überaktivität des Knochenmarks.
- Eine gesunde Lebensweise kann helfen, den Granulozytenspiegel zu normalisieren.
Erhöhte Granulozyten im Blut werden medizinisch als Granulozytose bezeichnet. Sie stellen eine spezielle Form der Leukozytose dar, also einer Vermehrung weißer Blutkörperchen. Granulozyten gehören zum angeborenen Immunsystem und sind maßgeblich an der Abwehr von Infektionen beteiligt. Ein erhöhter Wert ist daher meist Ausdruck einer Reaktion des Körpers – nicht die Erkrankung selbst.
Was sind Granulozyten genau?
Granulozyten sind eine Untergruppe der Leukozyten (weißen Blutkörperchen). Sie entstehen im Knochenmark und zirkulieren nur kurze Zeit im Blut, bevor sie ins Gewebe einwandern. Dort bekämpfen sie Krankheitserreger oder beteiligen sich an Entzündungsreaktionen.
Man unterscheidet drei Hauptformen:
- Neutrophile Granulozyten (ca. 50–70 % der Leukozyten)
- Eosinophile Granulozyten (ca. 1–4 %)
- Basophile Granulozyten (unter 1 %)
Welche dieser Zellarten erhöht ist, gibt entscheidende Hinweise auf die zugrunde liegende Ursache.
Neutrophile Granulozyten zu hoch (Neutrophilie)
Eine Neutrophilie ist die häufigste Form der Granulozytose. Sie tritt insbesondere bei bakteriellen Infektionen auf. Der Körper mobilisiert dabei verstärkt neutrophile Granulozyten, um Krankheitserreger durch Phagozytose („Fressen“ von Erregern) zu eliminieren.
Typische Ursachen sind:
- akute bakterielle Infektionen (z.B. Lungenentzündung, Blinddarmentzündung)
- schwere Entzündungen
- Gewebeschäden nach Operationen oder Verletzungen
- Stressreaktionen (z.B. nach Unfällen)
- Herzinfarkt
- Kortisontherapie
- Rauchen
- Leukämien und myeloproliferative Erkrankungen
Ein zusätzlicher diagnostischer Hinweis ist die sogenannte Linksverschiebung. Dabei erscheinen vermehrt unreife neutrophile Vorstufen im Blut, was auf eine starke Aktivierung des Knochenmarks hinweist.
Eosinophile Granulozyten zu hoch (Eosinophilie)
Eine Eosinophilie tritt besonders häufig bei allergischen Erkrankungen oder Parasitenbefall auf. Eosinophile Granulozyten sind an Überempfindlichkeitsreaktionen beteiligt und reagieren besonders auf IgE-vermittelte Prozesse.
Häufige Ursachen:
- Asthma bronchiale
- Heuschnupfen
- Neurodermitis
- Wurmerkrankungen
- Arzneimittelreaktionen
- Autoimmunerkrankungen
- bestimmte Tumorerkrankungen
Eine ausgeprägte Eosinophilie sollte immer ärztlich abgeklärt werden, da sie in seltenen Fällen auf systemische Erkrankungen hinweisen kann.
Basophile Granulozyten zu hoch (Basophilie)
Eine Basophilie ist vergleichsweise selten. Basophile Granulozyten spielen eine Rolle bei allergischen Sofortreaktionen und der Freisetzung von Histamin.
Mögliche Ursachen sind:
- chronische Entzündungen
- Allergien
- Hypothyreose
- myeloproliferative Erkrankungen (z.B. chronisch myeloische Leukämie)
Eine isolierte Basophilie sollte insbesondere bei Verdacht auf eine hämatologische Erkrankung weiter untersucht werden.
Wie entstehen erhöhte Granulozyten?
Granulozyten werden im Knochenmark gebildet. Bei Bedarf – etwa im Rahmen einer Infektion – wird die Produktion stark gesteigert. Dieser Prozess wird durch Botenstoffe wie Interleukine und Granulozyten-Kolonie-stimulierende Faktoren (G-CSF) gesteuert.
Der Körper reagiert damit schnell auf Gefahren. Die Vermehrung ist also meist eine physiologische Abwehrreaktion.
Gibt es Symptome bei erhöhten Granulozyten?
Die Erhöhung selbst verursacht in der Regel keine direkten Beschwerden. Symptome entstehen durch die zugrunde liegende Erkrankung:
- Fieber
- Müdigkeit
- Schmerzen
- Schwellungen
- Atembeschwerden
Ein Zufallsbefund im Blutbild ohne Symptome ist möglich und erfordert eine differenzierte Beurteilung.
Wann ist ein erhöhter Wert gefährlich?
Eine leichte Erhöhung ist oft harmlos und vorübergehend. Kritisch wird es bei:
- sehr stark erhöhten Werten
- gleichzeitigem Auftreten unreifer Zellformen
- Begleitsymptomen wie Gewichtsverlust oder Nachtschweiß
- anhaltender Erhöhung über Wochen
In solchen Fällen muss eine hämatologische Abklärung erfolgen.
Diagnostisches Vorgehen
Zur Abklärung erhöhter Granulozyten gehören:
- Differenzialblutbild
- Entzündungsmarker (CRP, BSG)
- Infektionsdiagnostik
- ggf. Knochenmarkuntersuchung
- Bildgebung bei Verdacht auf Entzündungsherde
Wichtig ist immer die Gesamtschau aller Laborwerte.
Folgen einer anhaltenden Granulozytose
Eine langfristige Überproduktion kann zu einer Erschöpfung des Knochenmarks führen. In manchen Fällen folgt auf eine Phase erhöhter Werte eine Granulozytopenie, also ein Absinken unter die Normgrenze. Dadurch steigt die Infektanfälligkeit.
Bei malignen Erkrankungen kann eine chronische Granulozytose Ausdruck einer Störung der Blutbildung sein.
Therapie bei erhöhten Granulozyten
Die Behandlung richtet sich nicht gegen die Granulozyten selbst, sondern gegen die Ursache:
- Antibiotika bei bakteriellen Infektionen
- Antihistaminika bei Allergien
- Immuntherapie bei Autoimmunerkrankungen
- Spezifische Therapie bei Leukämien
Bei stressbedingten oder vorübergehenden Erhöhungen ist meist keine Therapie erforderlich.
Erhöhte Granulozyten sind ein wichtiger Hinweis auf eine Aktivierung des Immunsystems. In den meisten Fällen liegt eine Infektion oder Entzündung zugrunde. Entscheidend ist die Differenzierung zwischen neutrophiler, eosinophiler und basophiler Granulozytose. Eine isolierte Betrachtung des Laborwertes reicht nicht aus – vielmehr muss stets die zugrunde liegende Ursache diagnostiziert und behandelt werden.
Welche Ursachen führen zum Anstieg der Granulozyten?
Steigt im Blut die Anzahl der Granulozyten, kommen mehrere Gründe für das Phänomen infrage. Oft führt eine bakterielle oder virale Erkrankung zum Anstieg der Zellen. Typische Ursachen für die neutrophile Granulozytose sind:
- maligne Tumore,
- Stress,
- Entzündungen,
- Infektionen,
- Verbrennungen,
- Vergiftungen,
- akute Herzkrankheiten,
- Blutungen,
- metastierende Krebserkrankungen,
- Autoimmunkrankheiten,
- Behandlungen mit Kortison,
- erhöhter Cortisolspiegel im Körper,
- die Einnahme der Antibabypille
- sowie Leukämien.
Gleichzeitig führen Unregelmäßigkeiten bei der körpereigenen Immunabwehr zu vermehrten neutrophilen Granulozyten. Diese nehmen eine hohe Bedeutung bei Entzündungsprozessen, beispielsweise Zahnfleischentzündungen ein (Suárez-Garnacho, S., et al.: Microscopic innervation of the spermatic ducts and testis. II. Ductus epididymis (1989). Bleiben im Blut die eosinophilen Granulozyten hoch, resultiert dies aus:
- einer allergischen Reaktion,
- Wurmerkrankungen,
- Hauterkrankungen (Schuppenflechte),
- Krebs,
- Streukrebs,
- Autoimmunkrankheiten,
- verschiedenen Arzneien (beispielsweise ASS),
- einer Überempfindlichkeitsreaktion durch IgE
- aus einem Parasitenbefall.
Zu einer basophilen Granulozytose kommt es durch Hypersensitivitätsreaktionen oder Allergien. Ebenso gilt eine Hyperlipidämie als Auslöser für das gesundheitliche Problem. Erkranken Sie an einer Parasitose, erhöht sich die Anzahl der basophilen Granulozyten.
Gibt es Anzeichen für eine Granulozytose?
Vermehren sich die Granulozyten, bemerken Sie im Normalfall keine typischen Symptome. Ausschließlich eine Blutuntersuchung bringt den veränderten Granulozytenwert ans Licht.
Folgen eines erhöhten Blutwerts der Granulozyten
Steigt die Anzahl der Granulozyten, liegt eine Überproduktion der Zellen zugrunde. Das geschieht beispielsweise bei einer schweren Infektion. Auf die Dauer stockt die Nachbildung der Granulozyten, sodass sich deren Menge im Blut verringert. Dementsprechend schließt sich eine Granulozytopenie der Granulozytose an. Sie führt zu einer geschwächten Immunabwehr. Beispielsweise erkranken sie häufig an Erkältungen, viralen Infektionen oder einer Pilzinfektion.
Wie senken Sie die Anzahl der Granulozyten?
Bleiben die Granulozyten hoch, empfiehlt sich das Absenken aller weißen Blutkörperchen. Mit einer ausgewogenen Ernährung, viel Schlaf und Bewegung normalisieren Sie Ihren Leukozytenwert. Zudem vermeiden Sie den Kontakt mit erkrankten Personen. Damit verringert sich das Risiko einer Infektion, die zum erneuten Anstieg der Granulozyten führt.
Erkennen die Ärzte eine Grunderkrankung, welche die Überproduktion dieser Zellen bedingt, erfolgt eine spezifische Therapie. Ebenso existieren Medikamente, die bei der Regulierung der weißen Blutkörperchen helfen.
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