Was bedeuten erhöhte Leukozyten?

Leukozyten, die weißen Blutkörperchen, sind die Abwehrzellen unseres Immunsystems. Sie bilden Antikörper gegen Fremdsubstanzen oder greifen Bakterien und Viren direkt an.

Im Blutbild ist ein erhöhter Leukozyten Wert ein wichtiger Parameter, denn Erhöhungen zeigen an, dass die Immunabwehr gerade irgendwo im Körper beschäftigt ist und eine Infektion und/oder Entzündung vorliegt. Zu hohe Leukozyten können allerdings auch durch Krebs verursacht sein.

Blutbild
Großes Blutbild Leukozyten Werte erhöht?

Leukozyten erhöht – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Leukozyten oder weiße Blutkörperchen sind die Elemente des Immunsystems, die für die Abwehr von Fremdsubstanzen wie Bakterien, Viren und Einzellern verantwortlich sind.
  2. Leukozyten bestimmt man im kleinen Blutbild. Großes Blutbild bedeutet, dass das Labor zusätzlich den Anteil der verschiedenen Arten weißer Blutkörperchen bestimmt.
  3. Bei niedrigen Leukozytenwerten spricht man von einer Leukopenie, bei zu viel Leukozyten von einer Leukozytose.
  4. Zu hohe Leukozyten im Blutbild sind ein Indiz dafür, dass die Immunabwehr gerade mit solchen Abwehrmaßnahmen beschäftigt ist. Dementsprechend findet man hohe Leukozyten bei Infekten und Entzündungen.
  5. In vergleichsweise seltenen Fällen sind erhöhte Blutwerte für Leukozyten auf Krebs wie Leukämie und Lymphome zurückzuführen.

 

Zu hohe Leukozyten – Aufgaben und Erkrankungen

Im Vergleich zu den prominenten roten Blutkörperchen oder Erythrozyten machen die weißen Blutkörperchen oder Leukozyten nur einen Bruchteil der Blutzellen aus.

Das sieht man, wenn man im Labor ungerinnbar gemachtes Blut abzentrifugiert: Unter dem klaren Blutserum liegt eine millimeterdünne weiße Schicht aus Leukozyten über der hohen Säule roter Blutkörperchen.

Leukozyten im Blut www.grossesblutbild.de
Leukozyten im Blut www.grossesblutbild.de

Trotz ihres vergleichsweise geringen Anteils sind sie für den Körper sehr wichtig, da sie für die Immunabwehr zuständig sind. Die Leukozyten der zellulären Immunabwehr greifen eingedrungene Bakterien, Viren und Einzeller direkt an. Andere bilden Antikörper, die als humorale (lösliche) Immunabwehr die Eindringlinge verklumpen und unschädlich machen. Die so gebildeten Aggregate räumen Fresszellen weg, die ebenfalls zu den Leukozyten gehören.

Wiederum andere Leukozyten speichern die Information über jedes Antigen und sorgen dafür, dass bei erneuten Kontakt binnen kurzer Zeit große Mengen spezifischer Antikörper und Leukozyten zur Verfügung stehen.

klinische Beschreibung/Zelltyp Anzahl/Anteil klinische Bezeichnung zu hoher Werte
Referenzbereich Leukozyten-Blutwert (LEUK, WBC) gesamt 3.800 – 10.500/µl Leukozytose
Lymphozyten 25 – 45 % Lymphozytose
Granulozyten gesamt 58 – 72 % Granulozytose
neutrophile Granulozyten gesamt 57 – 67 %  
▪ ▪ stabkernige neutrophile Granulozyten 3 – 5 %  
▪ ▪ segmentkernige neutrophile Granulozyten 54 – 62 %  
▪ eosinophile Granulozyten 1 – 4 % eosinophile Granulozytose (Eosinophilie, Eosinozytose)
▪ basophile Granulozyten 0 – 1 % neutrophile Granulozytose (Neutrophilie, Neutrozytose)
Monozyten 3 – 8 % Monozytose

Zu hohe Leukozyten: Leukozytose

Ist die Anzahl der Leukozyten generell erhöht, spricht man von einer Leukozytose. Diese ist auch im kleinen Blutbild feststellbar, bei dem man die Leukozyten nicht weiter differenziert wie beim großen Blutbild.

Eine Leukozytose findet man bei den meisten Infektionen, die mit einer lokalen Entzündungsreaktion einhergehen. Klinisch spielen hier beispielsweise die Blinddarmentzündung, genauer Entzündung des Wurmfortsatzes (Appendizitis) und die Gallenblasenentzündung (Cholezystitis) eine Rolle, bei Frauen auch kombinierte Eileiter- und Eierstockentzündungen (Adnexitis).

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Bei einer Lungenentzündung (Pneumonie) können die Blutwerte für Leukozyten kurz vor der Krise auf bis zu 20.000/µl ansteigen.

Zu hohe Leukozyten: Lymphozytose

Lymphozyten unterteilt man in T-Lymphozyten (T-Zellen) und B-Lymphozyten (B-Zellen), die das spezifische adaptive Immunsystem ausmachen. Das bedeutet, sie analysieren in den Körper eingedrungene Fremdsubstanzen und richten die zelluläre und humorale Abwehr spezifisch auf die als fremd erkannten Antigene aus. B-Zellen bilden dann als Plasmazellen Antikörper, während T-Zellen als Helferzellen, Gedächtniszellen, zytotoxische und Natural Killer-Zellen eine Vielzahl unterschiedlicher weiterer Abwehrmaßnahmen koordinieren.

Dementsprechend findet man erhöhte Lymphozytenwerte im Blutbild bei einer Vielzahl von Infektionserkrankungen. Dazu zählen vor allem Virusinfektionen wie die Kinderkrankheiten Keuchhusten, Mumps, Röteln und Windpocken oder das Pfeiffersche Drüsenfieber (Mononukleose) und die Virus-Hepatitis. Typisch ist eine Lymphozytose auch bei vielen chronischen Infektionen wie Tuberkulose oder Syphilis.

Extrem hohe Werte mit bis über 100.000/µl treten bei der Lymphocytosis acuta auf, einer epidemischen Virusinfektion der oberen Luftwege, die vor allem Kinder betrifft. Gleiches gilt für die akute lymphatische Leukämie (ALL) und chronische lymphatische Leukämie (CLL).

Zu hohe Leukozyten: Monozytose

Monozyten sind die größten weißen Blutzellen. Sie wandern ins Gewebe ein und werden dann als Makrophagen bezeichnet. Als solche kümmern sie sich vorwiegend um die Beseitigung von Antigen-Antikörper-Komplexen, toten Zellen und eingedrungenen Bakterien, Viren und Einzellern.

Daher findet man eine Monozytose als speziell hohen Leukozytenwert vor allem bei Malaria, Virus-Hepatitis und allen abklingenden akuten Infektionen. Ebenso sind die Blutwerte der Monozyten bei chronischen Entzündungen erhöht, so den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa oder der subakut verlaufenden bakteriellen Endokarditis (Endocarditis lenta).

Hohe Monozyten findet man bei einigen myeloproliferativen Erkrankungen, bei denen sich eine myeloische Stammzelle im Knochenmark ungebremst teilt. Ebenso sind die Monozytenwerte bei Hodgkin-Lymphomen erhöht.

Zu hohe Leukozyten: Granulozytose

Auch die Granulozyten gehören zur zellulären Immunabwehr. Nach ihrem Färbeverhalten und der Struktur ihres Zellkernes kann man verschiedene Typen unterscheiden, wie das beim differentialdiagnostischen großen Blutbild im Labor geschieht.

Neutrophile Granulozytose

Den Hauptanteil stellen dabei die neutrophilen Granulozyten mit noch nicht ausgereiften stabkernigen neutrophilen Granulozyten und den reifen segmentkernigen neutrophilen Granulozyten. Findet man in der Hämatologie einen zu hohen Blutwert der Granulozyten, also eine Granulozytose, handelt es sich daher fast immer um eine Erhöhung der neutrophilen Granulozyten. Daher spricht man hier von einer neutrophilen Granulozytose. Neutrozytose ist als Fachbegriff korrekt, aber wenig gebräuchlich.

Sind die neutrophilen Granulozyten generell und zugleich auch die eigentlich seltenen, weil noch unreifen stabkernigen erhöht, bedeutet das meist eine verstärkte Nachlieferung aus dem Knochenmark. So etwas wird bei vielen akuten Infektionen und zahlreichen Entzündungen nötig. Dazu zählen unter anderem Herzinfarkt (Myokardinfarkt), eine thyreotoxische Krise bei Morbus Basedow und anderen Schilddrüsenüberfunktionen, Blut im Urin (Urämie) infolge Niereninsuffizienz und Nierenversagen und Ketoazidose bei Diabetes mellitus.

Das gleiche Bild bietet sich bei den myeloischen Leukämien (AML und CML) und nach operativer Entfernung der Milz (Splenektomie), die normalerweise Blutzellen in großen Mengen speichert. Harmlosere Ursachen für erhöhte Neutrophile und Stabkernige sind akute Blutungen, Schwangerschaft und Stress.

Durch Viren bedingte Erkrankungen spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Eosinophile Granulozytose

Normalerweise sind eosinophilen Granulozyten typisch für die Heilungsphase von Entzündungen, in der sie vermehrt zu finden sind. Zudem spielen sie eine wichtige Rolle bei der Vermittlung allergischer Reaktionen, sodass Eosinophilie bei Allergien auftritt. Auch bei vielen parasitäten Erkrankungen sind die eosinophilen Granulozyten erhöht, ebenso bei malignen Erkrankungen wie Lymphomen, Leukämien und metastasierenden Karzinomen.

Basophile Granulozytose

Die basophilen Granulozyten sind die seltensten Granulozyten. Daher tauchen hohe Leukozyten in Form der Basophilen klinisch relativ selten in Erscheinung. Am häufigsten geschieht das wiederum bei myeloproliferativen Erkrankungen, allen voran der chronischen myeloischen Leukämie.

 

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  1. Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2014: Walter de Gruyter-Verlag. ISBN-10: 3110339978.
  2. Dietrich Reinhardt, Thomas Nicolai, Klaus-Peter Zimmer: Therapie der Krankheiten im Kindes- und Jugendalter. 9. Auflage. Heidelberg: Springer Verlag (2014). ISBN-10: 3642418139.
  3. Reinhard Andreesen, Hermann Heimpel: Klinische Hämatologie. München 2009: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN-10: 343731498X.
  4. Marlies Michl: BASICS Hämatologie. München 2016: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN-10: 3437421697.
  5. Kurt Possinger, Anne Constanze Regierer: Facharztwissen Hämatologie Onkologie. 3. Auflage. München 2015: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN-10: 3437212133.
  6. Gabi Hoffbauer: Blut- und Laborwerte: Der Patientenratgeber. 4. Auflage. München 2004: Südwest-Verlag. ISBN-10: 3517067504.
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