Wissen zum Blut beim Baby – der Kinderarzt antwortet:

Du hast Dein neugeborenes Baby auf dem Arm und bist völlig davon hingerissen, wie winzig ein Mensch sein kann. In diesen wunderschönen Moment platzt die Hebamme und möchte Deinem Kind Blut für das Stoffwechselscreening abnehmen.

Klar, die Tests sind wichtig. Du kannst trotzdem kaum hinsehen, aber Dir erscheint die Menge an Blut, die auf die Filterkarte tropft, ganz schön hoch. Wie viel Blut hat ein Baby eigentlich, fragst Du Dich. Und ab wann wird ein Blutverlust gefährlich?

Elternwissen
Elternwissen zum neugeborenen Baby – Blut – Copyright: ITLPhoto bigstockphoto

Wie viel Blut hat ein Baby?

Mediziner berechnen das ungefähre Blutvolumen eines Men-schen nach seinem Körpergewicht und seinem Alter. Neugeborene und Säuglinge verfügen über circa 85 bis 100 Milliliter Blut pro Kilogramm Körpergewicht. Ein gesundes Neugebore-nes mit einem Körpergewicht von 3500 Gramm hat demnach zwischen 297,5 und 350 Milliliter Blut in seinem Kreislaufsys-tem.

Es geht auch mit einem höheren technischen Aufwand

Möchte ein Arzt ganz genau wissen, wie viel Blut ein Patient hat, kann er ihm eine genau definierte Menge speziell markier-ter roter Blutkörperchen injizieren. Nach wenigen Minuten ha-ben sich diese Testblutkörperchen im gesamten Kreislaufsys-tem verteilt und der Mediziner nimmt dem Patienten etwas Blut ab. Ein Mitarbeiter im Labor ermittelt die Anzahl der markierten roten Blutkörperchen in der Blutprobe und kann jetzt mit einer mathematischen Formel die genaue Blutmenge bestimmen.

Woraus Blut besteht

Blut setzt sich aus Flüssigkeit, dem sogenannten Blutplasma, und aus festen Bestandteilen zusammen. Als fest werden die Blutkörperchen bezeichnet. Das Knochenmark bildet

Es gibt bis heute keinen gleichwertigen Ersatz für das mensch-liche Blut. Unser Organismus kann es nur selbst herstellen. In Notfällen ersetzen Ärzte fehlendes Blut durch Blutspenden ei-nes anderen Menschen. Weitere wichtige Bestandteile des Blu-tes sind Fett, Zucker und Kochsalz sowie unterschiedliche Ei-weiße.

Wenn der Kinderarzt Blut abnimmt

Du hast Dich gefragt, wie viel Blut ein Baby hat, weil Dir die Blutentnahme sehr drastisch vorkam. Kinderärzte müssen wah-re Künstler sein, wenn ein Säugling schwer erkrankt. Blutpro-ben fallen dann wesentlich kleiner aus als bei Erwachsenen und das Labor ist ebenfalls darauf eingestellt.

Wenige Tropfen Blut reichen für ein Blutbild und schon eine feine Kapillare voll Blut kann mit der passenden Maschine wichtige Werte im Blut eines kranken Frühgeborenen bestimmen. Jede Untersuchung ist streng geplant und es darf kein Milliliter Blut verschwendet werden.

Wenn Blutverlust zum Schock führt

Die meisten Geburten verlaufen völlig unkompliziert, aber in seltenen Fällen kann es zu einer starken Blutung und einem hohen Blutverlust beim Baby kommen. Sinkt das Blutvolumen in kurzer Zeit zu stark, kann ein lebensbedrohlicher Kreislauf-schock auftreten. Manchmal ist ein Schock bei einem Säugling schwer zu erkennen. Typische Symptome sind eine ausgeprägte Blässe, blasse Fingerspitzen, ein sehr schneller oder auffallend langsamer Puls. Verschiedene Ursachen können einen starken Blutverlust nach sich ziehen:

  • eine vorzeitige Plazentaablösung am Ende der Schwanger-schaft
  • ein Mutterkuchen (Plazenta), der den Muttermund verschließt
  • eine Verwachsung der Nabelschnur mit den Eihäuten (Nabel-schnur reißt beim Blasensprung)
  • innere Blutungen

Neben Medikamenten und einer Flüssigkeitsinfusion hilft bei einem hypovolämischen Schock nur eine Bluttransfusion. Auch hier berechnen die Kinderärzte ganz genau, wie viele Milliliter Blut das betroffene Kind seinem Körpergewicht nach vertragen kann. Ein zu großes Blutvolumen kann das Herz stark belasten.

Ruhe bewahren bei kleinen Unfällen

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Fängt Dein Baby erst an zu krabbeln und zu laufen, kommt es immer wieder zu kleineren Unfällen. Platzwunden am Kopf sehen meist viel dramatischer aus, als sie sind und so verhält es sich auch beim Nasenbluten.

Kopfverletzungen bluten stark und schockieren viele Eltern im ersten Moment. Atme tief durch, beruhige Dein Kind und drücke eine sterile Kompresse aus dem Erste-Hilfe-Kasten vorsichtig auf die blutende Wunde. Wahr-scheinlich kommt die Blutung relativ rasch zum Stillstand und Ihr könnt zum Kinderarzt fahren, der sich das Ganze ansieht. Ein bedrohlicher Blutverlust ist bei einer solchen Verletzung nicht zu erwarten. Längst nicht alle Platzwunden müssen ge-näht werden. Eventuell reicht auch ein Klammerpflaster oder etwas Gewebekleber.

Quellenan:

  • Thomas Baumann, Atlas der Entwicklungsgeschichte: Vor-sorgeuntersuchung von U1 bis U10/J1, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2015
  • Christian Speer, Manfred Gahr, Pädiatrie, Springer Medizin Verlag Heidelberg, 2005

 

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