Blutbild automatisierte Hämatologie

Wann wird ein Blutbild gemacht?

Grosses Blutbild und kleines Blutbild haben Sie sicherlich schon einmal gehört und sich gefragt, was der Unterschied ist. Neben verschiedenen anderen Laborparametern gibt das kleine Blutbild nur die Anteile von roten und weißen Blutkörperchen und Blutplättchen wieder.

Bei Verdacht auf Erkrankungen, die mit dem Immunsystem zu tun haben, ist oft die Bestimmung eines großen Blutbildes sinnvoll, das die verschiedenen Formen weißer Blutkörperchen unterscheidet.

Wann ist ein großes Blutbild sinnvoll?

Die Bestimmung eines großen Blutbildes ist immer dann angebracht, wenn der Verdacht auf Veränderungen der weißen Blutkörperchen bestehen, die hier zusätzlich zum kleinen Blutbild differenziert werden: bei Infektionskrankheiten, Entzündungen, Blutkrebs und Beeinträchtigungen des Immunsystems wie Allergien und rheumatischen Erkrankungen.

Großes Blutbild, kleines Blutbild – Was ist das?

Blutuntersuchungen gehört zu den Standarduntersuchungen in der Medizin und liefern wichtige diagnostische Hinweise auf verschiedene Erkrankungen. Bei einem Hämogramm unterscheidet man zwischen dem kleinen Blutbild und dem großen Blutbild und verschiedenen weiteren Laborparametern wie Nierenwerten und Leberwerten, die man zusätzlich bestimmen kann.

Wann ist ein großes Blutbild sinnvoll? Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Während das kleine Blutbild nur rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen erfasst, zählt ein großes Blutbild die Anteile der Leukozyten. Daher bezeichnet man es auch als Differenzialblutbild.
  2. Leukozyten unterteilen sich in Lymphozyten, Granulozyten und Monozyten.
  3. Die weißen Blutkörperchen sind für die Immunabwehr zuständig, die mit Antikörpern und Zellen Krankheitserreger bekämpft. Dabei übernehmen sie unterschiedliche Aufgaben.
  4. Ein großes Blutbild gibt daher nähere Auskunft über die Art und Weise, wie das Immunsystem des Körpers gerade beschäftigt ist: mit Entzündungsreaktionen, oder mit der Abwehr von Bakterien, Viren oder Einzellern.
  5. Ebenso zeigt ein großes Blutbild Veränderungen, wenn eine Krebserkrankung vorliegt oder die Immunabwehr überempfindlich reagiert, wie bei allergischen Reaktionen, Autoimmunkrankheiten oder rheumatischen Erkrankungen.

In allen Fällen verwendet das Labor Blutproben, die in der Arztpraxis aus der Armvene eines Patienten gewonnen werden. Spezielle Zusätze in den Entnahmeröhrchen verhindern ein Gerinnen des Blutes, sodass sich die nicht verklumpenden Blutzellen auszählen lassen.

Grosses Blutbild alle Werte

Ein kleines Blutbild umfasst nur die Unterscheidung zwischen

  • roten Blutkörperchen (Erythrozyten – ERY/RBC)
  • weißen Blutkörperchen (Leukozyten – LEUK/WBC) sowie
  • Blutplättchen (THRO/PLT) und
  • Vorläufer der Erythrozyten, die Retikulozyten (RET).

Hinzu kommen

  • Hämatokrit (Hkt),
  • Hämoglobinkonzentration (Hb) und die
  • Erythrozytenparameter MCH, MHCH und MCV.
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Beim großen Blutbild unterscheidet man zusätzlich die verschiedenen Formen weißer Blutkörperchen. Hier herrschen die

  • Granulozyten vor, die ihren Namen von ihren körnigen Zellkernen erhalten haben und bei denen man
    • stabkernige und segmentkernige neutrophile Granulozyten,
    • basophile Granulozyten und
    • eosinophile Granulozyten unterscheidet. Hinzu kommen
  • Lymphozyten und
  • Monozyten.
Kleines Blutbild Tabelle
Kleines Blutbild Tabelle und Erklärung der Blutwerte + Differentialblutbild

Großes Blutbild und Veränderungen der Lymphozytenzahl: Lymphozytopenie und Lymphozytose

Die Lymphozytenwerte sind vor allem dann hoch (Lymphozytose), wenn die Lymphozyten gerade mit der Abwehr von Viren beschäftigt sind. Ebenso steigen die Werte bei verschiedenen Formen von Blutkrebs (Leukämie) an.

Verringerte Lymphozytenwerte (Lymphozytopenie) bestimmt man im großen Blutbild bei Lymphdrüsenkrebs (Morbus Hodgkin), Nierenschäden und beim Cushing-Syndrom der Nebennieren.

Großes Blutbild und Veränderungen der Monozytenzahl: Monozytopenie und Monozytose

Monozytosen, hohe Monozytenwerte, bestätigen den Verdacht auf bestimmte Infektionskrankheiten wie Malaria und Tuberkulose, aber auch bei Autoimmunreaktionen wie der bakteriellen Endokarditis.

Da die Monozytenzahl ohnehin gering ist, spielen Monozytopenien mit noch niedrigeren Mengen klinisch keine Rolle.

Großes Blutbild und Veränderungen der neutrophilen Granulozyten: Neutrozytopenie und Neutrophilie

Die neutrophilen Granulozyten sind mit die wichtigsten und häufigsten Zellen des Immunsystems, sodass sich alle Infektionen und Entzündungen vor allem in einer Erhöhung dieser Zellen, einer Neutrophilie bemerkbar machen. So sind sie bei Entzündungen wesentlicher Bestandteil des Eiters.

Ihre Bestimmung im großen Blutbild ist sinnvoll bei allen entzündlichen Reaktionen im Körper, von der Tonsillitis und Bronchitis oder Pneumonie bei Erkältungskrankheiten über Magenschleimhautentzündungen (Gastritis) und Blinddarmentzündung (Appendizitis) bis zu den Entzündungen bei rheumatischen Erkrankungen.

Dagegen kommt es zu einer Neutropenie mit verminderter Neutrophilenzahl bei etlichen Virusinfektionen wie Hepatitis und Influenza, bei verschiedenen Leukämien und unter Chemotherapie.

Großes Blutbild und Veränderungen der eosinophilen Granulozyten: Eosinozytopenie und Eosinophilie

Die eosinophilen Granulozyten sind wichtig für die Abwehr von Einzellern (Malaria) und Parasiten (Würmer) sowie bei Allergien (Pollenallergie). Erhöhungen in Form einer Eosinophile finden sich zudem bei Blutkrebs (Leukämien) und Lymphdrüsenkrebs (Morbus Hodgkin). Dagegen ist ihre Zahl bei bakteriellen Infektionen oftmals erniedrigt (Eosinozytopenie).

Veränderungen der basophilen Granulozyten: Basozytopenie und Basophilie

Erhöhte Basophile (Basophilie) sind selten und können bei Blutkrebs (Leukämie) wie der chronisch-myeloischen Leukämie (CML), Parasitenbefall und einigen allergischen Reaktionen auftreten. Da ihre Anzahl ohnehin niedrig ist, spielen Erniedrigungen (Basozytopenie) klinisch keine Rolle.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  1. Reinhard Andreesen, Hermann Heimpel: Klinische Hämatologie. München 2009: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN-10: 343731498X.
  2. Klaus Dörner: Taschenlehrbuch Klinische Chemie und Hämatologie. 8. Auflage. Stuttgart 2013: Georg Thieme-Verlag. ISBN-10: 3131297182.
  3. Marlies Michl: BASICS Hämatologie. München 2016: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN-10: 3437421697.
  4. Gabi Hoffbauer: Blut- und Laborwerte: Der Patientenratgeber. 4. Auflage. München 2004: Südwest-Verlag. ISBN-10: 3517067504.
  5. Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
  6. Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag. ISBN-10: 3981466063
  7. Kurt Possinger, Anne Constanze Regierer: Facharztwissen Hämatologie Onkologie. 3. Auflage. München 2015: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN-10: 3437212133.