Blutverklumpungen und Embolien – Ursachen, Symptome, Behandlung

Gefäßverschlüsse durch Blutverklumpungen – Akute Arterielle oder Venöse Embolien

Bei einer Embolie handelt es sich um den teilweisen oder vollständigen Verschluss eines Blutgefäßes durch eingeschwemmtes Material. Davon können sowohl Arterien als auch Venen betroffen sein. Am häufigsten tritt sie in tiefen Beinvenen, Venen der Lunge oder Arterien des Gehirns auf. Eine Embolie äußert sich in plötzlichem, heftigem Schmerz und bedarf sofortiger Behandlung, um Folgeschäden zu vermeiden.

Blutverklumpungen, Embolie

Blutverklumpung die eine Embolie auslösen können – Copyright: Anatomy Insider, bigstockphoto

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Embolie: Definition

Embolie bezeichnet den Gefäßverschluss durch einen Embolus (Blutpfropf, Gefäßpfropf). Dabei handelt es sich um ein in der Blutbahn auftretendes, nicht im Blutplasma lösliches Gebilde aus körpereigener oder körperfremder Substanz.

Dagegen bildet sich ein Thrombus in einem Blutgefäß und blockiert dieses an der Stelle seines Entstehens. Diesen Gefäßverschluss nennt man Thrombose.

Venöse Embolien bilden sich in Venen des Körperkreislaufes, vorzugsweise der unteren Extremität. Über rechte Herzkammer und Lungenarterie (Arteria pulmonalis) gelangen sie in den kleinen Kreislauf und verursachen eine Lungenembolie.

Arterielle Embolien haben ihren Ausgangspunkt meistens in der linken Herzvorkammer, seltener in Hauptschlagader oder anderen großen Arterien. In den Hirngefäßen rufen sie einen Schlaganfall (Apoplex) hervor. In der unteren Extremität verursachen sie akute Gefäßverschlüsse, in den viszeralen Gefäßen von Nieren und Darm Nierenembolien und Darminfarkte.

 

Häufigkeit des Auftretens arterieller Embolien

  • Kopf gesamt (intra- und extrakranielle Gefäße) 60 %
  • Obere Extremität gesamt 6 %
    • Achselarterie (Arteria axillaris) 3%
    • Oberarmarterie (Arteria brachialis) 2,5 %
    • Unterarmarterien (Arteria radialis, A. ulnaris) 0,5 %
  • Viszerale Gefäße (Darm, Niere, Milz) 6 %
  • Untere Extremität gesamt 28 %
    • Schlagader (Aorta) 2,5 %
    • Beckenarterie (Arteria iliaca) 2,5 %
    • Oberschenkelarterie (Arteria femoralis) 15,5 %
    • Kniekehlenarterie (Arteria poplitea) 4 %
    • Schienbeinarterien (Arteriae tibiales) 1 %

 

Blutverklumpungen, Embolie

Blutverklumpung die eine Embolie auslösen können – Copyright: Anatomy Insider, bigstockphoto

 

Embolie: Formen und Ursachen

Die Embolien werden nach ihrer Ursache eingeteilt.

  • Thromboembolie ist die häufigste Form der Embolie. Ein Thrombus entsteht in Herzkammer oder Beinvenen und verstopft ein entferntes Gefäß. Die mit Abstand wichtigsten Formen sind Lungenembolie und arterielle Embolie.
    • Venöse Embolie (Lungenembolie, Embolie des kleinen Kreislaufs/Lungenkreislaufs). Der Embolus kommt zu 95 % aus thrombotischen tiefen Beinvenen (Vena iliaca, Vena femoralis) oder aus der rechten Herzhälfte, die den Lungenkreislauf versorgt. Oberflächliche Beinvenen oder Venen der oberen Extremitäten sind in nur 4 % der Fälle ursächlich. Lungenembolien treten bei verlangsamter Blutzirkulation auf und somit vor allem bei Bettlägrigen, Übergewichtigen und alten Menschen. Außerdem tritt sie häufig bei Herzkranken, Schwangeren und Personen mit Krampfadern und Bauchoperationen auf.
    • Arterielle Embolie (Embolie des großen Kreislaufs/Körperkreislaufs). Bei arteriellen Embolien entsteht der Embolus fast immer im linken Herzvorhof. Ursache sind Verengungen der Mitralklappen (Mitralklappenstenose), Entzündungen der innersten Herzwand (Endocarditis ulcerosa) oder Herzinfarkte. Über die Hauptschlagader gelangt er in die Kapillargebiete des Körperkreislaufes.
  • Gasembolie. Meistens Luftembolie oder Stickstoffembolie. Gasmengen bis 10 Milliliter werden kompensiert, darüber hinausgehende Volumina sind gefährlich. Am bekanntesten ist die Taucherkrankheit (Caisson-Krankheit), bei der sich Stickstoffbläschen im Blut bilden, wenn die Dekompressionszeiten beim Auftauchen nicht eingehalten werden. Luftembolien treten bei Operationen der Drosselvenen des Halses (Vv. jugulares) oder bei Abtreibungen durch Verletzungen der Gebärmuttervenen auf.
  • Fettembolie. Lipidtropfen aus Unterhautfettgewebe oder Knochenmark gelangen in die Blutbahn. Meist Folge traumatischer Verletzungen des Unterhautfettgewebes und Knochenmarks sowie Verbrennungen und Starkstromschäden.
  • Parenchymembolie. Bei dieser Form wird körpereigenes Gewebe über die Blutbahn verbracht. Dazu gehören Herzklappenbestandteile, Leberparenchym oder Gebärmutterteile (Plazenta) während der Geburt.
  • Tumorembolie. Bestandteile infiltrativ wachsender Tumoren werden in die Blutbahn abgegeben und führen zu Verschlüssen.
  • Bakterienembolie. Verschleppung von Bakterien bei einer Sepsis, etwa bei Enzündungen der innersten Herzwand (Endokarditiden).
  • Pilzembolie. Verschleppung von Pilzgeflecht (Myzel). Meistens aus der Lunge in Folge einer Aspergillose.
  • Fruchtwasserembolie. Durch Wehen gelangt Fruchtwasser in den venösen Randsinus des Mutterkuchens (Placenta).
  • Fremdkörperembolie. Während Kathederuntersuchungen oder Injektionen können Teile von Gefäßkathedern oder Kanülen abbrechen. Andere Fremdkörper sind Granatsplitter oder Schrotkugeln.
  • Parasitenembolie. Gefäßverschluss durch Parasiten, vor allem Bandwurmlarven.

 

 

Embolie: Risikofaktoren

Die klinisch relevantesten Risikofaktoren sind

  • Herz- und Gefäßkrankheiten wie
  • Erkrankungen des Blutgefäßsystems der Extremitäten
    • Krampfadern
    • Thrombosen und Entzündungen oberflächlicher Venen (Thrombophlebitiden)
    • Arterienentzündungen (Arteriitiden)

 

 

Embolie: Symptome

Die Symptome einer Embolie hängen vom betroffenen Organ, verstopften Gefäß und der Größe des minderdurchbluteten Bereiches ab. Einige verlaufen symptomfrei, andere führen zu starken Schmerzen in den Extremitäten, Atemnot, Schlaganfällen und Herzinfarkten.

Lungenembolie. Oftmals genügen geringfügige körperliche Anstrengungen wie Aufstehen oder Stuhlgang, um plötzliche und heftige Symptome auszulösen:

  • peitschenartiger Schmerz
  • Atemnot (Dyspnoe)
  • beschleunigte Atmung (Tachypnoe)
  • blaue Verfärbung (Zyanose) und/oder Blässe
  • Beklemmungsgefühl und Angstzustände
  • beschleunigter Puls (Tachykardie)
  • akuter Blutdruckabfall (Hypotonie)
  • bei Sauerstoffminderversorgung des Gehirns Schnappatmung und Krämpfe
  • nach 12-24 Stunden Anzeichen eines Lungeninfarktes:
    • Fieber
    • Schmerzen bei der Atmung (Pleuraschmerz)
    • Reizhusten mit Blutauswurf (Hämoptysen)
  • Tödlicher Verlauf durch Rechtsherzversagen, Infarktpneumonie oder Lungenabszess.

 

Arterielle Embolie. Die Symptome richten sich nach den betroffenen Organen:

  • Hirngefäße: Hirnembolie mit Anzeichen eines Schlaganfalles:
    • heftige Kopfschmerzen
    • Schwindelgefühl
    • Übelkeit und Brechreiz
    • Verständnis- und Ausdrucksstörungen
    • Bewusstseinsstörungen
    • Sprachstörungen (Aphasie)
    • Sehstörungen
    • motorische Lähmungen meist einer Körperhälfte (Hemiplegie)
    • einseitig gestörte sensorische Empfindungen, Taubheitsgefühle, Kraftminderungen
    • Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen
    • Epilepsie
  • Herzkranzgefäße mit Anzeichen eines Herzinfarktes:
    • in Schulter, Arm, Kiefer und Oberbauch ausstrahlende Brustschmerzen
    • Schweißausbrüche
    • Atemnot
    • Übelkeit und Erbrechen
    • Blutdruckabfall
    • beschleunigter, schwacher Puls
    • Angstzustände bis hin zu Todesangst und Panikattacken
  • Innere Organe:
    • Niereninfarkte. Flankenschmerzen, Blut im Urin (Hämaturie), Nierenversagen
    • Milzinfarkte. Ausstrahlende Schmerzen im linken Oberbauch, Organversagen
    • Mesenterialarterieninfarkte der Darmarterien. Bauchschmerzen, Darmverschluss (Ileus), Absterben des Darms mit Sepsis nach Darmdurchbruch.
  • Extremitäten: Einen vollständigen Gefäßverschluss identifiziert man anhand der sechs P’s:

    1. Schmerzen – Pain. Plötzlicher, sehr heftiger Schmerz.
    2. Pulsverlust – Pulselessness. Im betroffenen Bereich ist kein Puls fühlbar.
    3. Bleichheit – Paleness. Durch Sauerstoffmangel wird das Gewebe bleich.
    4. Lähmung – Paralysis. Die Muskeln funktionieren mangels Sauerstoff nicht mehr.
    5. Empfindlichkeitsstörung – Paresthesia. Die sensorische Empfindlichkeit nimmt ab, Taubheitsgefühl.
    6. Schock – Prostration. Der Patient verfällt durch akute Schmerzen in einen Schockzustand.

Können Kollateralgefäße den betroffenen Bereich nicht mitversorgen, stirbt das Gewebe ab (Gangrän)

  • Andere Embolieformen machen sich meist in Lunge oder Gehirn bemerkbar. Schlimmstenfalls kommt es zu Schockzuständen und Kreislaufstillstand.
  • Pulmonale Form:
    • Fieber
    • Atemnot
    • Blaufärbung
    • beschleunigter Herzschlag
    • Rasselgeräusche in der Lunge
  • Zerebrale Form:
    • Bewusstseinsstörungen
    • Ohnmachtsanfälle
    • punktförmige Blutungen an Häuten und Schleimhäuten (Petechien)

 

Embolie: Verlauf

Die bestimmenden Parameter für den Verlauf einer Embolie sind

  • Ort des Verschlusses
  • Schwere des Verschlusses
  • Alter des Patienten
  • Vorhandensein von Vorerkrankungen
  • Auftreten von Komplikationen
  • Zeitpunkt des Therapiebeginns.

Je früher man eine Embolie erkennt und behandelt, desto besser die Heilungsaussichten. Ist ein Gewebe irreversibel geschädigt, kann man dies nicht mehr rückgängig machen.

Lungenembolie. Durch die plötzliche Verstopfung im Lungenkreislauf erhöht sich der Blutdruck in der Lungenarterie schlagartig. Die rechte Herzhälfte kann nicht gegen diesen Widerstand anpumpen. Der Herzmuskel weitet sich (dilatiert). Da der Lungenkreislauf kollabiert, erhält auch der Körperkreislauf keinen Sauerstoff. Die Folge ist ein Schockzustand. Der minderversorgte Bereich stirbt ab und wird nekrotisch (Lungeninfarkt). Werden große Äste der Lungenarterien verstopft, ist der Verlauf tödlich.

Arterielle Embolie. Der Verlauf einer arteriellen Embolie richtet sich nach betroffenem Organ und Ausmaß der Schädigung. Können Kollateralkreisläufe einen Teil der betroffenen Gebiete mit Blut versorgen, stirbt nur das Kerngebiet ab. Werden große Arterien verstopft, wird das betroffene Organ nachhaltig geschädigt und versagt den Dienst, oft mit tödlichem Ausgang.

 

Embolie: Diagnose und Untersuchungsmethoden

Bei Verdacht auf Embolie fragt der Arzt nach Risikofaktoren, Vorerkrankungen, relevanten Erkrankungen in der Familie und derzeitiger Medikation.

Die körperliche Untersuchung richtet sich nach der Lage der Embolie.

  • In den Extremitäten wird auf Ursprung plötzlicher Schmerzen, Unterkühlung und mangelnden oder fehlenden Puls untersucht. Ultraschalluntersuchungen wie Doppler-Sonographie dienen der Messung des Blutflusses.
  • Bei Verdacht auf Schlaganfall müssen die beschriebenen Ausfallerscheinungen überprüft werden. Hinzu kommt ein Elektroenzephalogramm (EEG), um die betroffenen Bereiche erkennen zu können.
  • Bei einem Herzinfarkt sind die entsprechenden Laborparameter (Troponin, Kreatinkinase, Myoglobin) zu untersuchen und ein Elektrokardiogramm (EKG) anzufertigen.
  • Lungenembolien bedürfen bildgebender Verfahren wie Angiographien im Röntgenbild, im Computertomographen (CT) oder Kernspintomographen (MRT). Die Lungenarterien sind nuklearmedizinisch mit einer Lungenszintigraphie darstellbar.
  • Embolien der Milz geben sich durch ein typisches Reibungsgeräusch beim Atmen zu erkennen (perisplenisches Reiben). Milzinfarkte sowie Nieren- und Darminfarkte lassen sich am schnellsten mit einer Ultraschalluntersuchung des Abdomens feststellen.

 

Embolie: Behandlung

Wichtig ist die Prophylaxe bei bettlägrigen und operierten Patienten. Sie sollten so frühzeitig wie möglich aufstehen und umherlaufen. Können sie das Bett nicht verlassen, sollten sie zumind die Beine bewegen (Radfahren). Bekannt ist die „Bauchspritze“ mit blutverdünnendem Heparin, den frisch operierte Patienten bekommen.

Jede Embolie bedarf umgehender Behandlung. Wichtig ist die Vermeidung weiterer Embolien und die Beseitigung des bestehenden Embolus. Diese Maßnahmen erfolgen

  • mechanisch oder physikalisch, vergleichbar mit einer Thromboseprophylaxe
  • medikamentös durch subkutane Applikation von Heparin
  • bei chronisch-rezidivierender Embolie mit Cumarinen und anderen Antikoagulantien
  • operativ bei rezidivierender Lungenembolie.

Erste Hilfe.

  1. Sind Sie bei einem Patienten, der möglicherweise an einer Embolie leidet, sorgen Sie dafür, dass er sich so wenig wie möglich bewegt. Das beugt weiteren Verschlüssen vor.
  2. Rufen Sie sofort die 112 an, damit Notarzt und Rettungssanitäter sich um den Patienten kümmern.
  3. Lagern Sie den Patienten bei Verdacht auf Lungenembolie so, dass der Oberkörper leicht erhöht ist. Bei Hirnschlag oder Extremitätenembolien sollte er sich flach hinlegen.
  4. Achten Sie auf Atmung und Puls.
  5. Wird der Patient ohnmächtig, bringen Sie ihn umgehend in die stabile Seitenlage.
  6. Setzt die Herztätigkeit aus, beginnen Sie sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen.

 

 

Notfallmaßnahmen. Der Notarzt verabreicht dem Patienten kreislaufstabilisierende, beruhigende und schmerzlindernde Medikamente. Bei schweren Embolien wird der Patient ins nächstgelegene Krankenhaus gebracht, wo er weiter therapiert wird.

 

Akuttherapie. Die weitere Behandlung richtet sich nach Art und Ausmaß der Embolie.

Kleine Emboli kann der Körper in der Regel selbst abbauen. Zur Unterstützung und zur Verhinderung weiterer Gefäßverschlüsse werden blutverdünnende Medikamente (Antikoagulanzien) gegeben.

Größere Emboli müssen beseitigt werden. Meist geschieht dies über einen durch die Leiste eingeführten Gefäßkatheder. Der Operateur verabreicht über diesen ein Antikoagulanz und versucht das Gerinnsel zu zerstören. Ist das nicht möglich, muss eine offene Operation erfolgen, bei der das Gerinnsel direkt mechanisch entfernt wird. Beide Verfahren sind mit Risiken behaftet, da sich der Embolus ablösen und woanders festsetzen kann.

Embolien in den Extremitäten sind relativ leicht zugänglich und werden daher öfters operiert als Lungenembolien, bei denen die Operation vergleichsweise riskant ist. Noch riskanter sind Operationen bei Gefäßverschlüssen der Hirnarterien, die man nur vornimmt, wenn eine Lyse zu keinem brauchbaren Ergebnis geführt hat.

Embolien der Mesenterialgefäße machen eine sofortige Notoperation nötig, da die Gefahr eines Darmverschlusses und -durchbruches besteht. Ebenso muss ein Schlaganfall umgehend intensivmedizinisch betreut werden, vorzugsweise in der Stroke Unit eines Krankenhauses.

Erhaltungstherapie. Nach der Beseitigung des Embolus muss der Patient über einen längeren Zeitraum blutverdünnende Medikamente wie Cumarine einnehmen. Diese verhindern die Entstehung weiterer Embolien.

 

Was sind Blutverklumpungen und wie entstehen Sie

Blutverklumpungen entstehen, wenn Eiweiße des Blutplasmas und Blutkörperchen Aggregate bilden. Bei Wunden führt das zu einem Gefäßverschluss und ist ein durchaus erwünschter Effekt. Anders sieht das aus, wenn durch den gleichen Mechanismus Blutgerinnsel im Gefäßsystem entstehen. Diese können an Ort und Stelle zum Gefäßverschluss führen oder fortgeschwemmt werden und andere Gefäße, mitunter weit vom Entstehungsort entfernt, verstopfen.

Blutklumpen

Blutklumpen © fotoliaxrender – Fotolia.com

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Blutverklumpungen: Was passiert da?

Um nachvollziehen zu können, welche Symptome und Komplikationen durch Blutverklumpungen entstehen können, muss man den dahinter steckenden Mechanismus verstehen.

Blutverklumpung bezeichnet man medizinisch als Koagulation (lateinisch für Gerinnung, genauer Blutgerinnung). Maßgeblich dafür sind die Blutplättchen (Thrombozyten), die kleinsten festen Blutbestandteile. Es handelt sich dabei nicht um vollständige Zellen, da ihnen ein Kern fehlt. Sie werden im Knochenmark von speziellen Zellen, den Megakaryozyten abgeschnürt und gelangen so in die Blutbahn. Dementsprechend trifft „Plättchen“ ihre Gestalt recht gut: sie sind unregelmäßig, plattenförmig und wesentlich kleiner als die „richtigen“ Blutzellen.

Bei Aktivierung dieser Blutplättchen setzen sie Substanzen frei, die zur Blutgerinnung führen. Das ist ein recht komplizierter, kaskadenförmig ablaufender Prozess (daher Kaskade der Blutgerinnung), bei dem die Blutplättchen aggregieren und Fibrin freigesetzt wird. Fibrin wirkt wie ein Leim, der nicht nur die Blutplättchen, sondern auch Blutzellen und die umliegenden Gefäßwände verklebt.

 

Blutverklumpungen: Warum ist die Blutgerinnung eigentlich wichtig?

Dieser Prozess der Blutgerinnung geht relativ schnell vonstatten. Der Sinn dahinter ist die Stillung von blutenden Wunden. Bei einer Verletzung müssen die betroffenen Gefäße so schnell wie möglich verschlossen werden, damit es nicht zu unnötigen Blutverlusten kommt und keine Krankheitserreger in den Körper eindringen können (Wundverschluss).

Damit ist der Mechanismus hinter Blutverklumpungen eigentlich überlebenswichtig, denn Verwundungen treten häufig auf und die damit verbundenen Blutungen müssen schnellstmöglich gestillt werden. Funktioniert dieser Mechanismus nicht, verblutet der Betroffene binnen kurzer Zeit. Das ist auch bei einer Erkrankung der Fall, der Bluterkrankheit (Hämophilie). Diese ist erblich, betrifft meist Männer und wird durch fehlende Glieder der Blutgerinnungskaskade hervorgerufen (Faktor VIII, Faktor IX). Bekannt geworden ist die Hämophilie mit Queen Victoria, die sie als Überträgerin an europäische Fürstenhäuser weitergegeben hat, etwa an den letzten Zarensohn Alexjewitsch.

Blutverklumpungen, Embolie

Blutverklumpung die eine Embolie auslösen können – Copyright: Anatomy Insider, bigstockphoto

 

Blutverklumpungen an unerwünschter Stelle: Thrombose

Wie bei allen ausgereiften und hochempfindlichen Systemen kann auch bei der Blutgerinnung schnell etwas schieflaufen. Dafür reicht es schon aus, wenn die normalerweise laminare Strömung des Blutes gestört wird. Wenn nämlich Verwirbelungen auftreten, kann das unter anderem die Blutplättchen in Mitleidenschaft ziehen. Werden davon welche beschädigt, setzt das sogleich das ganze Procedere der Blutgerinnung in Gang, und es bildet sich ein Blutgerinnsel innerhalb eines Gefäßes.

Die häufigste Ursache für solche Verwirbelungen ist die Arteriosklerose oder Arterienverkalkung. Kleine Beschädigungen der Gefäßwand, ausgelöst etwa durch dauerhaft hohen Blutdruck oder Rauchen, führen lokal zu Ablagerungen (Plaques) in der Gefäßwand. Diese können sich durch das Eindringen von Immunzellen entzünden und sogenannte Atherome bilden. Dann spricht man von einer Atherosklerose.

Diese Vorgänge führen dazu, dass der Blutfluss zusehends unregelmäßiger wird und sich umso leichter Blutgerinnsel bilden. Diese Thromben blockieren dann an Ort und Stelle das Gefäß und führen zu einer Thrombose. Am häufigsten treten diese in den Beckenvenen und tiefen Beinvenen auf, dann spricht man von einer Beckenvenenthrombose oder Beinvenenthrombose.

 

Blutverklumpungen an unerwünschter Stelle: Thromboembolie

Solche Blutgerinnsel können sich ablösen und so in den Blutkreislauf gelangen. Das ist so lange nicht schlimm, wie die Gefäße weit genug sind für den Transport. Je mehr sich die Gefäße aufzweigen und je enger sie dadurch werden, desto mehr wächst die Gefahr, dass sich der Thrombus festsetzt und das Gefäß blockiert. Am häufigsten geschieht das in den Kapillargebieten, also Nieren, Lunge, Gehirn oder Herzkranzgefäßen. In einem solchen Falle spricht man von einer Thromboembolie. Die Thromboembolie ist die häufigste Form der Embolie, einer weiteren Form der Blutverklumpung. Neben der Arteriosklerose sind hier häufig Funktionsstörungen des Herzens die Ursache, die ebenso zu Verwirbelungen führen: Herzklappenerkrankungen, Herzrhythmusstörungen oder Herzinsuffizienz.

 

Blutverklumpungen an unerwünschter Stelle: Embolie

Die Embolie ist die zweite Form der Blutverklumpung. Sie ist dadurch definiert, dass sich ein im Blutplasma unlösliches Gebilde, ein Embolus, entfernt von seinem eigentlichen Entstehungsort festsetzt und zu einem Gefäßverschluss führt. Das häufigste Beispiel ist die bereits angesprochene Thromboembolie. Andere Blutverklumpungen kommen durch eine Vielzahl von Ursachen zustanden, etwa durch eingedrungene Krankheitserreger (Bakterienembolie, Pilzembolie, Parasitenembolie), Zellen aus in die Blutgefäße einwachsenden Tumoren (Tumorembolie) oder Fett aus Knochenmark und Unterhautfettgewebe als Folge von Verletzungen (Fettembolie).

 

Wenn Blutverklumpungen Gefäße verschließen

hat das immer zur Folge, dass der Blutfluss unterbrochen wird und die dahinter gelegenen Bereiche, die normalerweise von dem blockierten Gefäß versorgt werden, nicht mehr durchblutet werden. Dadurch erhalten sie weder Sauerstoff noch Nährstoffe und sterben in der Folge ab. Unter Umständen können andere Gefäße in der Nähe die fehlende Blutversorgung in gewissen Maße kompensieren, aber das funktioniert nicht überall.

Je größer und wichtiger das Areal der Unterversorgung ist, desto schlimmer sind die Auswirkungen. Daher sind die Auswirkung an Gehirn und Herz wohl die folgenreichsten. Aber praktisch jedes andere Organ kann ebenfalls von einer Blutverklumpung in Form einer Embolie oder Thrombose betroffen werden.

 

Blutverklumpungen im Gehirn

Das Gehirn benötigt für seine Arbeit Unmengen von Sauerstoff und Glukose. Daher reagiert es auf Störungen der Durchblutung am empfindlichsten. Schon nach wenigen Minuten sind die sensiblen Nervenzellen so stark geschädigt, dass der Schaden nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Sie sterben ab und ihre Funktionen gehen verloren.

Da das Gehirn ungemein plastisch ist, können oftmals andere Nervenzellen einen Teil der Ausfälle kompensieren. Trotzdem sind gerade bei ausgedehnten Blutverklumpungen die Symptome und möglichen Komplikationen gerade im Gehirn verheerend.

 

Transitorische ischämische Attacke (TIA). Transitorisch bedeutet, dass eine Minderversorgung mit Blut (Ischämie) nur vorübergehend und nicht länger als 24 Stunden auftritt. Ursache ist in der Regel eine kleine Mikroembolie. Sie gilt als Vorstufe des Schlaganfalles und äußert sich mit den gleichen Symptomen:

 

Schlaganfall (Hirnschlag, Apoplex). Der Schlaganfall gilt als eines der folgenreichsten Symptome der Blutverklumpung und ist mit einer Vielzahl von Komplikationen behaftet. Anders als bei der TIA bleiben die meisten Symptome länger als einen Tag bestehen. Oftmals endet er tödlich, wenn die betroffenen Hirnareale überlebenswichtige Funktionen haben.

  • Lähmungserscheinungen in den Extremitäten (Hemiplegie, Hemiparese)
  • Sprachstörungen (Aphasie)
  • Schwindel und Gleichgewichtsstörungen (Vertigo)
  • Seh- und Hörstörungen
  • Bewusstseinseintrübungen.

 

Vaskuläre Demenz (vaD). Nicht immer äußert sich eine Blutverklumpung so akut und spektakulär wie ein Schlaganfall. In vielen Fällen kommt es zu kleinen Mini-Schlaganfällen, die nach und nach immer mehr kleine Hirnbereiche lahmlegen. So gehen nach und nach immer mehr Hirnfunktionen verloren und es kommt zu einer Demenz. Diese vaskuläre Demenz ist gleich nach Alzheimer die zweithäufigste Form der Demenz. Anders als diese verschlimmert sich die vaskuläre Demenz nicht kontinuierlich, sondern je nach den nacheinander auftretenden Ausfällen stufenweise.

  • Vergesslichkeit
  • Beeinträchtigungen des Denkvermögens
  • lokale und zeitliche Orientierungsprobleme
  • Wortfindungsstörungen und Ausdrucksprobleme
  • Stimmungsschwankungen
  • Probleme bei alltäglichen Verrichtungen
  • Ruhelosigkeit und Schlafstörungen
  • Ess- und Trinkstörungen
  • Stuhl- und Harninkontinenz.

 

Blutverklumpungen im Herzen

Nicht weniger wichtig und nicht weniger empfindlich als das Gehirn ist das Herz. Für seine Tätigkeit benötigt es selbst große Mengen an Blut. Die Herzkranzgefäße sorgen für die Sauerstoffversorgung des unablässig tätigen Muskels. Werden diese blockiert, spricht man von einem Herzinfarkt (Myokardinfarkt). Die minderversorgten Bereiche sterben ab, werden nekrotisch (ischämische Myokardnekrose) und stehen für die Kontraktionsleistung nicht mehr zur Verfügung. Im Extremfall ist ein solcher Herzinfarkt tödlich. Anfänglich äußert er sich durch

  • Engegefühl in der Brust, ähnlich wie bei der Angina pectoris
  • in Schulter, Arme, Bauch und Kiefer ausstrahlende Brustschmerzen
  • Schweißausbrüche
  • Atemnot
  • Blutdruckabfall
  • Übelkeit und Erbrechen
  • beschleunigtem Herzschlag (Tachykardie)
  • Angstzuständen und Panikattacken (Vernichtungsschmerz).

 

Blutverklumpungen in der Lunge

Die Lunge besitzt sehr große Kapillargebiete, die den Gasaustausch gewährleisten. Damit ist auch sie für Verstopfungen durch Blutverklumpungen prädestiniert. Durch diese erhöht sich der Blutdruck in der Lungenarterie, gegen den das Herz anpumpen muss.

Lungenembolie. Eine Lungenembolie äußert sich daher mit Symptomen, die teilweise denen eines Herzinfarktes gleichen:

  • ausstrahlende Brustschmerzen
  • Herzrasen
  • Atemnot
  • Schweißausbrüche
  • erhöhte Körpertemperatur
  • Blutdruckabfall
  • Angst und Unruhe
  • Husten, oft mit Blut untermischt (Bluthusten)
  • typische Atmungsgeräusche
  • Bewußtlosigkeit.

Langfristig führt eine Lungenembolie zu

  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzinsuffizienz (Rechtsherz-Insuffizienz)
  • Entzündungserscheinungen: Lungenentzündung (Pneumonie) und Lungenfellentzündung (Pleuritis)
  • Bluthochdruck (pulmonale Hypertonie)
  • Lungeninfarkt mit Absterben des von der Embolie betroffenen Bereiches.

Im Extremfall wird das Herz so überlastet, dass es zu einem

  • kardiogenen Schock kommt. Herz- und Kreislaufversagen und Tod sind die Folgen. Daher ist die Lungenembolie nach Herzinfarkt und Schlaganfall die dritthäufigste Herz-Kreislauf-Erkrankung mit Todesfolge.

 

Blutverklumpungen in den Extremitäten

Häufigste Ursache für Lungenembolien sind Gefäßverschlüsse im Becken und in den Extremitäten, vor allen in den Beinvenen. Diese müssen nicht erst Blutverklumpungen fortschwimmen lassen, um Probleme zu verursachen:

  • Wassereinlagerungen (Ödembildungen)
  • Haut ist gerötet, gespannt und glänzt
  • Verfärbung der Haut (Zyanose)
  • Überwärmung des Beins
  • Hervortreten der oberflächlichen Beinvenen, in denen das Blut die verstopften tiefen Beinvenen zu umgehen versucht
  • Beinschmerzen bei Belastung oder bereits beim Aufsetzen des Fußes
  • bei tiefer Lagerung Spannungsgefühl
  • Bewegungseinschränkungen
  • leichtes Fieber
  • beschleunigter Herzschlag.

Langfristig führt eine unbehandelte tiefe Beinvenenthrombose (Phlebothrombose) zum postthrombotischen Syndrom (chronisch-venösen Insuffizienz, CVI).

 

Blutverklumpungen in der Niere

Ein weiteres Kapillargebiet des Körpers liegt in den Nieren, in denen das Blut gefiltert und aus den Abfallstoffen Harn gebildet wird. Kommt es hier zu einer Thromboembolie, spricht man von einem

Niereninfarkt. Auch hier stirbt das Nierengewebe ab und kann seine Funktionen nicht mehr erfüllen. Kleinere Niereninfarkte verlaufen oft ohne Symptome. Sind größere Areale betroffen, äußert sich das in den typischen Symptomen des akuten Abdomens:

  • starke Bauchschmerzen
  • Abwehrspannung und Berührungsempfindlichkeit
  • Fieber
  • Blut im Urin (Mikro- oder Makrohämaturie)
  • Harnverhalt (Anurie)

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Das akute Abdomen kann auch andere Ursachen (Darmverschluss, Gallenkoliken, Nierenkoliken) haben und muss daher differenzialdiagnostisch abgeklärt werden.

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Literatur

  1. Horst Rieger (Hrsg.), Werner Schoop (Hrsg.), A. L. Strauss, A. Scheffler, D. Driessen: Klinische Angiologie. Reprint der 1. Auflage. Suttgart 2014): Springer-Verlag. ISBN-10: 3662081059
  2. Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
  3. Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 266. Auflage. Berlin: Walter de Gruyter (2014). ISBN-10: 3110339978.
  4. Gerd Herold: Innere Medizin. Köln: G. Herold Verlag (2016). ISBN-10: 3981466063
  5. Erland Erdmann (Hrsg.) Klinische Kardiologie: Krankheiten des Herzens, des Kreislaufs und der herznahen Gefäße. Stuttgart: Springer-Verlag (2011). ISBN-10: 3642164803.
  6. Helga Donath: Innere Medizin. Lehrbuch für Krankenpflege und Studium. 7. Auflage. Stuttgart: Schattauer-Verlag (1993). ISBN-10: 3794514963.

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Autorenprofil

Dr. Harald Stephan, wissenschaftl. Fachautor

Dr. rer. medic. Harald Stephan, Doktor der Gesundheitswissenschaften, verantwortlicher Autor medizinischer Themen im Blutbild & Diagnostik-Gesundheitsmagazin GrossesBlutbild.de


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