Laborkontrolle: GPT Wert bigstockphoto, Copyright: Dima Moroz

Schilddrüsenwerte im Überblick

Bei den Untersuchungen der Schilddrüse spielt die Blutuntersuchung eine wichtige Rolle. Mit ihr lässt sich vor allem erkennen, wie es um den Hormonhaushalt der Schilddrüsenhormone bestellt ist.

Die Untersuchung der Blutwerte der Schilddrüse ist wesentlich einfacher und unkomplizierter als die meisten anderen diagnostischen Verfahren an diesem Organ.

Blutuntersuchung der Schilddrüse: Was hat es mit den Hormonen und Blutwerten der Schilddrüse auf sich?

Die unscheinbare kleine Schilddrüse (Glandula thyroidea) an der Vorderseite des Halses gehört zu unseren wichtigsten Hormonproduzenten. Ihre Hormone beeinflussen den gesamten Energiestoffwechsel und sind für Wachstum und Entwicklung essenziell.

Das schmetterlingsförmige Organ liegt knapp unterhalb des Kehlkopfes und besteht aus bläschenartigen Zellverbänden, den Schilddrüsenfollikeln. Sie sind in ihrem Inneren mit Schilddrüsenkolloid gefüllt, das vor allem aus Thyreoglobulin (TG) besteht, einer Vorstufe der Schilddrüsenhormone.

Die Schilddrüse ist Großverbraucher in Sachen Jod – sie fischt so viel wie möglich von dem Spurenelement aus dem Blut, um es im Thyreoglobulin in Schilddrüsenhormone einzubauen. Daher wächst sie bei Jodmangel, um noch mehr Zellen zur Verfügung zu haben, mit denen sie Jod aus dem Blut filtern kann.

Eingebaut wird das Jod in die Hormone Trijodthyronin T3 mit drei Jodatomen und Tetrajodthyronin T4 oder Thyroxin mit vier Jodatomen. Die aktive Form ist das Trijodthyronin, das spezielle Enzyme, die Dejodinasen aus dem Thyroxin bilden. Die Schilddrüse produziert am Tag rund 100 μg Tetrajodthyronin und nur etwa 10 μg Thyroxin.

Gesteuert wird die Produktion dieser Schilddrüsenhormone von der übergeordneten Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), deren Thyreoidea-stimulierendes Hormon TSH die Schilddrüse zur Hormonproduktion anregt oder diese herunterfährt.

Noch weiter oben im Regelkreis liegt der Hypothalamus, eine kleine Gehirnregion, die unter anderem Thyreoliberin (Thyreotropin Releasing Hormone, TRH) freisetzt und damit wiederum den TSH-Spiegel im Blut kontrolliert.

Diese drei Instanzen Schilddrüse, Hypophyse und Hypothalamus stehen über einen Regelkreis in engem Kontakt zueinander. Das sorgt dafür, dass die beteiligten Hormone immer genau die Blutwerte haben, die für das Funktionieren des Stoffwechsels optimal sind – sofern kein Jodmangel oder eine Schilddrüsenerkrankung vorliegt.

Blutuntersuchung der Schilddrüse – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Bei der Blutuntersuchung der Schilddrüse stehen die Blutwerte der Schilddrüsenhormone Trijodthyronin und Thyroxin sowie der übergeordneten Hormone TSH und TRH im Vordergrund.
  2. Der TSH-Wert gibt Auskunft über primäre oder sekundäre Schilddrüsenfunktionsstörungen.
  3. Erhöhte Werte der Schilddrüsenhormone T3 und T4 finden sich bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), erniedrigte Werte bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose).
  4. Liegt der Fehler im Regulationsmechanismus noch eine Ebene höher, kann der Arzt einen TSH-Stimulationstest mit TRH durchführen.
  5. Weitere Blutwerte, die bei der Schilddrüse eine Rolle spielen, sind das Thyreoglobulin und dagegen gerichtete Autoantikörper.

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Die Blutwerte der Schilddrüsenhormone

Die wichtigsten Blutwerte, anhand derer man Schilddrüsenerkrankungen wie eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) oder Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) identifizieren kann, sind die von T3, T4 und TSH.

Physiologisch aktiv sind nur freie Moleküle der Hormone T3 und T4 – der überwiegende Teil ist an Transportproteine gebunden, die die Verteilung mit dem Blut in alle Körperregionen vereinfachen. Nur etwa jeweils ein Prozent liegt als freies Hormon fT3 oder fT4 vor. Gemessen werden diese Werte im Blutserum, daher auch der Zusatz im Serum (i. S.) in der Blutwertetabelle.

Wie sind die Referenzbereiche und Normwerte der Schilddrüsenwerte?

Die Serumkonzentrationen der Schilddrüsenhormone gibt man als Masse pro Volumen (ng/l oder μg/l) oder Stoffmenge pro Volumen (pmol/l oder nmol/l) an. Beim Hypophysenhormon TSH spielt die Menge weniger eine Rolle als die Aktivität, daher lautet hier die Angabe Einheiten oder Units (U).

  • Freies Trijodthyronin im Serum – fT3 i. S.:
    • Referenzbereich 3,0 – 6,0 ng/l (4,6 – 9,2 pmol/l)
  • Gesamt-Trijodthyronin im Serum – T3 i. S.:
    • Referenzbereich 0,8 – 2,0 μg/l (2 – 3 nmol/l)
  • Freies Thyroxin im Serum – fT4 i. S.:
    • Referenzbereich 4,5 – 10,5 μg/dl (57,9 – 135,1 nmol/l)
  • Thyreoidea-stimulierendes Hormon basal im Serum – TSH basal i. S.:
    • Referenzbereich 0,3 – 3,5 mU/l

Was muss man bei der Bestimmung der Schilddrüsenwerte im Blut beachten?

Wichtig sind Messungen der Schilddrüsenhormone unter anderem zur Verlaufskontrolle bei Patienten, die künstliches Schilddrüsenhormon in Form von Levothyroxin (L-Thyroxin) erhalten. Bei diesen muss der untersuchende Arzt unbedingt darauf hinweisen, dass mindestens einen Tag vor der Blutentnahme zur Bestimmung der Schilddrüsenhormone das L-Thyroxin abzusetzen ist!

Bei der Bestimmung des T3-Blutwertes ist die Menge an freiem fT3 alleine interessant, da nur dieses seine hormonelle Wirkung entfaltet. Wie viel von dem von der Schilddrüse produzierten oder aus dem in Tablettenform zugeführten und durch Dejodinasen zur Verfügung gestellten T3 als Gesamt-T3 oder als fT3 letztlich als Blutwert erscheint, kann man nicht voraussagen.

Was sagt ein erniedrigter T3- und T4-Blutwert aus?

Sind die beiden Schilddrüsenhormone T3 und T4 gegenüber dem Normbereich erniedrigt, spricht man von einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose).

Was hat ein erhöhter T3- und T4-Blutwert zu bedeuten?

Bei erhöhten Blutwerten der beiden Hormone liegt eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) vor.

Wo liegt der Fehler im Regulationsmechanismus?

Sind die Schilddrüsenhormone zu niedrig oder zu hoch, kann das entweder an der Schilddrüse selber liegen oder an der Produktion des übergeordneten TSH in der Hypophyse. Im ersteren Falle spricht man von einer primären (auf die Schilddrüse selbst zurückzuführende), im zweiteren von einer sekundären (nicht von der Schilddrüse verursachten) Schilddrüsenfehlfunktion.

Im Falle der primären Schilddrüsenfehlfunktion produziert die Hypophyse normale Mengen des TSH, auf das die Zellen der Schilddrüse allerdings nicht reagieren.

Bei einer sekundären Schilddrüsenfehlfunktion funktioniert die Hormonproduktion in der Schilddrüse genau so, wie es die übergeordnete Hypophyse ihr vorschreibt. Ist diese Instruktion allerdings fehlerhaft, produziert sie zu viel oder zu wenig T3 und T4.

Daher ist bei zu niedrigen oder zu hohen Schilddrüsenwerten der Blutwert des TSH zu bestimmen, der verrät, ob der Fehler in der Regulation in der Schilddrüse oder in der Hypophyse liegt.

Blutwerte der Schilddrüse: Primäre und sekundäre Funktionsstörungen

Wichtig für die Beurteilung des Hormonhaushaltes ist die Betrachtung von TSH, T3 und T4 zusammen. Anhand der Blutwerte kann man unterscheiden, ob es sich um eine primäre oder sekundäre Störung handelt und ob eine Unterfunktion oder Überfunktion vorliegt.

  • primäre Hypothyreose: TSH normal, T3 und T4 erniedrigt.
  • primäre Hyperthyreose: TSH normal, T3 und T4 erhöht.
  • sekundäre Hypothyreose: TSH erniedrigt unter 0,1 mU/l, T3 und T4 erniedrigt.
  • sekundäre Hyperthyreose: TSH erhöht auf über 3,5 mU/l, T3 und T4 ebenfalls erhöht.

TSH-Stimulationstest mit TRH

Zwischen 0,1 und 3,5 mU/l liegt ein Graubereich des TSH vor, bei dem sich nicht genau sagen lässt, ob eine primäre Über- oder Unterfunktion vorliegt oder doch das TSH an einer sekundären Störung schuld ist.

Dazu „ärgert“ der Arzt die Hypophyse mit einer winzigen Menge des an erster Stelle des Regulationsmechanismus‘ stehenden Thyreoliberins TRH. Dabei geht er folgendermaßen vor:

  • Zunächst entnimmt er eine Blutprobe, um die Blutwerte von TSH und freiem fT4 bestimmen zu lassen.
  • Als nächstes erhält der Patient eine intravenöse Injektion mit einer kleinen Menge TRH in die Armvene.
  • Nach einer halben Stunden erfolgt eine neuerliche Blutabnahme zur Bestimmung von TSH und fT4.

Die Arztpraxis lässt die beiden Blutproben vor und nach TRH in einem hämatologischen Labor untersuchen.

Normalerweise sollte das künstlich zugeführte Thyreoliberin die Hypophyse zur Freisetzung von TSH animieren, sodass dessen Blutwert in der zweiten Blutprobe höher liegen sollte. Ebenso sollte die Schilddrüse auf das vermehrte TSH mit einer verstärkten Ausschüttung von fT4 reagieren, sodass auch dieser Blutwert bei der zweiten Bestimmung höher liegen müsste.

Ist das nicht der Fall, funktioniert offenbar der Regulationsmechanismus oberhalb der Hypophyse, also die Thyreoliberinfreisetzung aus dem Hypothalamus nicht so wie er sollte.

Thyreoglobulin (TG)

Das Thyreoglobulin, das den Hauptanteil des Kolloids der Schilddrüsenfollikel stellt, taucht normalerweise nur in geringen Mengen im Blut auf. Erhöhte Werte weisen auf eine Erkrankung hin, etwa Morbus Basedow oder einen Kropf (euthyreote Struma). Ebenso steigen die Thyreoglobulinwerte bei autonomen Schilddrüsenadenomen und Schilddrüsenkarzinomen.

Nach der Entfernung der Schilddrüse (Thyreoidektomie) bei bösartigen Krebsformen sollten überhaupt keine Thyreoglobulin-produzierenden Zellen mehr im Körper vorhanden sein. Ist trotzdem TG im Blut messbar, deutet das auf Metastasen oder eine unvollständige Entfernung hin.

  • Thyreoglobulin (TG):
    • Referenzbereich: < 35 mg/l.

Thyreoglobulin-Antikörper (TAK)

sind ein weiterer Blutwert der Schilddrüse, der bei Autoimmunerkrankungen eine Rolle spielt. Das fehlgeleitete Immunsystem bildet sogenannte Autoantikörper gegen körpereigene Strukturen, in diesem Falle das Thyreoglobulin. Das ist bei Morbus Basedow, der Hashimoto-Thyreoiditis, einer atrophischen Autoimmunthyreoiditis oder Schilddrüsenkrebs der Fall.

  • Thyreoglobulin-Antikörper (TAK):
    • Referenzbereich: < 100 U/ml.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Rainer Klinge, Stefan Silbernagl: Lehrbuch der Physiologie. Stuttgart 2005: Thieme-Verlag. ISBN-10: 3137960045.
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag. ISBN-10: 3981466063.
  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
  • Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2014: Walter de Gruyter-Verlag. ISBN-10: 3110339978.
  • Maria Lohmann: Laborwerte verstehen. 4. Auflage. Murnau 2016: Mankau-Verlag. ISBN-10: 3898970930.
  • Birgid Neumeister, Ingo Besenthal, Hartmut Liebich, Bernhard Otto Böhm: Klinikleitfaden Labordiagnostik. 3. Auflage. München/Jena (2003): Elsevier/Urban & Fischer Verlag. ISBN-10: 3437222317.
  • Robert F. Schmidt, Gerhard Thews, Florian Lang: Physiologie des Menschen. Stuttgart 2000: Springer-Verlag. ISBN-10: 3540667334.
  • Christine Schottdorf-Timm, Volker Maier: Laborwerte. München 2015: Gräfe & Unzer-Verlag. ISBN-10: 9783833850042.
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