Herz-Kreislauf-Erkrankungen – Überblick und Symptome

Kardiovaskuläre Gesundheit – Die häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen rücken immer mehr in den Fokus: Es erkranken so viele Deutsche wie nie. Schon lange haben Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Krebserkrankungen als Nummer eins der Todesursachen abgelöst. Die häufigsten und wichtigsten Erkrankungen gibt es hier im Überblick.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Herz-Kreislauf-System / cardiovascular system / Urheber: eraxion / 123RF

 

 

Prof. Dr. Martin Middecke. Das Herz – und Kreislaufsystem. Erkrankungen und Vorbeugung

 

Koronare Herzkrankheit (KHK) und Herzinfarkt: potenziell tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Die koronare Herzkrankheit (KHK) ist eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, auch Koronarien genannt. Das sind die Gefäße, die den Herzmuskel mit Blut versorgen. Es gibt drei Koronarien: die rechte Koronararterie (RCA) sowie die Vorderwandarterie (LAD) und die Seitenwandarterie (RCX), die aus einem gemeinsamen Hauptstamm der linken Koronararterie entspringen. Eine KHK entsteht, wenn sich innen an den Wänden dieser Gefäße Ablagerungen aus Kalk und Blutfetten bilden, sogenannte Plaques. Durch diese Ablagerungen werden die Gefäße verengt und nicht mehr richtig durchblutet. Man kann unterscheiden zwischen einer koronaren Ein-, Zwei- und Dreigefäßerkrankung.

Meistens kann im körperlichen Ruhezustand der Herzmuskel noch ausreichend durchblutet werden und man hat keine Beschwerden. Strengt man sich aber an, kommt es je nach Ausprägung der Engstellen oft zu Symptomen, die man Angina pectoris nennt. Dabei verspürt man Schmerzen in der Brust, ein thorakales Engegefühl oder Luftnot. Wenn man sich wieder ausruht oder ein Medikament unter die Zunge sprüht, das die Herzkranzgefäße erweitert (Nitrospray), werden die Beschwerden in der Regel besser.

Im Extremfall kann es dazu kommen, dass einer der Plaques rupturiert, sich nachfolgend ein Blutgerinnsel an dieser Stelle bildet und die Koronarie verstopft wird. Damit ist das Herzmuskelgewebe, für das dieses Gefäß zuständig ist, von der Sauerstoffversorgung abgeschnitten. Es kommt zum Absterben von Herzmuskelgewebe. Das nennt man einen Herzinfarkt- eine der gefährlichsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wichtig ist, das verschlossene Gefäß möglichst schnell zu rekanalisieren, damit die Durchblutung wieder hergestellt wird und möglichst kein dauerhafter Schaden entsteht. Insbesondere wenn ein großes Blutgefäß verstopft ist, kann ein Herzinfarkt lebensbedrohlich sein.

 

Herzinsuffizienz – Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Wenn das Herz zu schwach ist, um die Durchblutung des Körpers adäquat zu gewährleisten, nennt man das Herzmuskelschwäche oder Herzinsuffizienz. Man kann unterscheiden zwischen einer Linksherzinsuffizienz, Rechtsherzinsuffizienz und Globalherzinsuffizienz. Bei einer Linksherzinsuffizienz kann das Blut nicht mehr richtig aus der linken Kammer in den Körperkreislauf gepumpt werden und staut sich stattdessen in die Lunge zurück. Durch diese Stauung entstehen Atemnot, Rasseln über der Lunge und Husten. Weil außerdem der restliche Körper mit zu wenig Blut versorgt wird, kann es zu einem Leistungsknick und Müdigkeit kommen.

Bei der Rechtsherzinsuffizienz staut sich Blut vor der rechten Kammer in den Körper zurück. Dadurch kommt es zum Beispiel zu Beinödemen, einer Stauungsleber, Aszites und Pleuraergüssen.

Bei der Globalherzinsuffizienz liegen beide Aspekte zusammen vor und verursachen daher ein Mischbild an Symptomen. Oft tritt die Herzinsuffizienz zusammen mit anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie der KHK oder Klappenfehlern auf.

weiterlesen:  Herzmuskelschwäche

 

Herzklappenfehler

Insbesondere im höheren Alter gehören Klappenfehler zu den häufigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Es gibt vier Herzklappen: jeweils eine zwischen Vorhof und Kammer und jeweils eine zwischen Herzkammer und den daran angeschlossenen Gefäßen. Die Klappen heißen Mitralklappe, Trikuspidalklappe, Aortenklappe und Pulmonalklappe. Wenn ein Herzklappenfehler vorliegt, bedeutet das, dass die Klappe entweder undicht ist oder verengt. Das nennt man dann eine Klappeninsuffizienz oder eine Klappenstenose.

Je nachdem, welche Klappe betroffen ist, können unterschiedliche Symptome auftreten. Die häufigsten Klappenfehler sind eine Aortenklappenstenose und eine Mitralklappeninsuffizienz. Wenn die Beschwerden, die ein Klappenfehler verursacht, zu stark werden, kann eine operative Klappenrekonstruktion erfolgen. Insbesondere bei älteren Patienten mit einem hohen Operationsrisiko werden mittlerweile auch häufig minimalinvasive Eingriffe durchgeführt.

 

Herzrhythmusstörungen

Es gibt verschiedene Arten von Herzrhythmusstörungen, die man grob unterteilen kann in tachykarde und bradykarde Rhythmusstörungen. Bei tachykarden Störungen schlägt das Herz zu schnell, bei bradykarden zu langsam. Je nach Entstehungsort der Rhythmusstörung, der entweder in den Vorhöfen oder in den Herzkammern sein kann, unterscheidet man zwischen supraventrikulären (aus dem Vorhof) und ventrikulären (aus der Kammer entspringenden) Herzrhythmusstörungen.

Die häufigste Rhythmusstörung ist das Vorhofflimmern. Es liegt insbesondere bei älteren Patienten oft vor, bei über 80-jährigen ist fast jeder Fünfte betroffen. Dabei kommt es statt dem normalen Herzrhythmus – dem Sinusrhythmus – zu einer Art elektrischem Gewitter in den Vorhöfen. Der Vorhof kontrahiert sich nicht mehr wie gewohnt, um das Blut in die Kammern zu pumpen, sondern zuckt nur noch unkontrolliert. In der Folge entsteht ein schneller, unregelmäßiger Herzschlag.

Manche Menschen spüren das sehr deutlich, andere wiederum haben fast gar keine Beschwerden. An sich ist diese Form der Herz-Kreislauf- Erkrankungen nicht schlimm. Die Gefahr besteht nur darin, dass sich durch den verlangsamten Blutfluss in den Vorhöfen Blutgerinnsel bilden können. Werden solche Blutgerinnsel ausgeschwemmt, können sie im schlimmsten Fall im Kopf landen und dort einen Schlaganfall verursachen. Patienten mit Vorhofflimmern müssen daher in aller Regel Medikamente nehmen, die die Blutgerinnung hemmen, um das Bilden von Blutgerinnseln zu vermeiden. Das bekannteste Medikament dieser Art ist Marcumar; es gibt aber auch neue Präparate, die für den Patienten einfacher zu handhaben sind.

Zwei der gefährlichsten Rhythmusstörungen – und damit ebenfalls potenziell tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen- sind ventrikuläre Tachykardien oder Kammerflimmern, bei denen das Herz so schnell schlägt, dass keine adäquate Menge an Blut mehr ausgeworfen wird. Es kommt dadurch zu einem funktionellen Herz-Kreislauf-Stillstand, der oft tödlich endet, wenn nicht sofort mit Reanimationsmaßnahmen begonnen wird.

Rhythmusstörungen, bei denen das Herz viel zu langsam schlägt, können ebenfalls gefährlich sein, weil auch dann keine richtige Durchblutung des Körpers mehr stattfindet. Solche Störungen müssen oft mit einem Herzschrittmacher versorgt werden.

 

Arterielle Hypertonie

Die häufigste der Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist die arterielle Hypertonie. Bei der arteriellen Hypertonie, dem Bluthochdruck, kommt es zu einem dauerhaft erhöhten Druck in den Blutgefäßen. Dadurch können Gefäß- und Organschäden entstehen. Außerdem muss das Herz ständig gegen einen erhöhten Widerstand anpumpen und kann dadurch auf Dauer überlastet werden. Es ist daher wichtig, einen Bluthochdruck mit Medikamenten gut einzustellen. ( Alle Bluthochdruck Symptome )

 

Myokarditis und Perikarditis – entzündlich bedingte Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Eine Myokarditis ist eine akut oder chronisch verlaufende Herzmuskelentzündung. Sie kann durch Viren und Bakterien, aber auch durch Medikamente und bestimmte toxische Substanzen verursacht werden. Ist zusätzlich der Herzbeutel entzündet, liegt eine Perikarditis vor; zusammen spricht man von einer Perimyokarditis.

Diese Art der Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeichnet sich oft durch eher unspezifische Symptome aus. Es kann zum Beispiel zu Brustschmerzen, Atemschwierigkeiten und Herzrhythmusstörungen kommen. Häufig fühlen sich die Patienten auch sehr müde und abgeschlagen und es entwickelt sich ein Leistungsknick. Durch die unspezifischen Symptome ist oft auch die Diagnose nicht so einfach. Meistens wird sie in Zusammenschau von Blutwerten, EKG und Ultraschall gestellt, oft wird auch eine MRT-Untersuchung des Herzens durchgeführt.

 

Periphere arterielle Verschlusskrankheit

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit, pAVK, nennt man auch Schaufensterkrankheit. Es ist eine Gefäßkrankheit, die ebenfalls zu den Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehört. Es kommt dabei durch Gefäßverengungen zu Durchblutungsstörungen und Schmerzen in den Beinen. Man muss dann beim Laufen in regelmäßigen Abständen stehen bleiben, damit die Schmerzen wieder abnehmen. Je nach Stadium kann eine unterschiedlich lange Gehstrecke zurückgelegt werden, bevor die Schmerzen beginnen.

In fortgeschrittenen Stadien der Krankheit liegen auch schon in Ruhe Schmerzen vor oder es kommt sogar zu offenen, schlecht heilenden Wunden der Beine. Am Anfang kann man mit Medikamenten die Beschwerden verbessern. Es gibt jedoch auch operative Möglichkeiten, indem zum Beispiel ein Stent in die engen Gefäße eingesetzt wird.

 

 

Tipps zur Vermeidung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Es gibt klassische Risikofaktoren, die das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen. Dazu gehören zum Beispiel Übergewicht, erhöhte Blutfettwerte, wenig körperliche Bewegung, Rauchen oder Alkoholkonsum. Kümmert man sich konsequent um die Vermeidung dieser Risikofaktoren, kann jeder selbst etwas dafür tun, sein Erkrankungsrisiko zu senken.

Literatur: Gerd Herold, Innere Medizin 2017
Autorin: DocKlavi

 

weiterlesen:
Herz-Kreislauf-Erkrankungen – Überblick und Symptome
Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung)
Herzmuskelschwäche
Koronare Herzkrankheit

 

Autorenprofil

Anna Nilsson, Medizinredakteurin

Anna Nilsson, Journalistin und Medizinredakteurin seit 2001 mitwirkende Autorin im Gesundheitsmagazin www.grossesblutbild.de


Bewerten Sie jetzt den Artikel:
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne ( Sie dürfen als erster diesen Artikel bewerten

Redaktions Tipp: