Instabile Angina pectoris und Herzinfarkt: Das akute Koronarsyndrom

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Instabile Angina pectoris

Ein plötzlicher Thoraxschmerz (Brustschmerzen), ein thorakales Druckgefühl und Luftnot sind typische Zeichen dafür, dass Koronargefäße hochgradig verengt oder verschlossen sind. Man bezeichnet dieses Krankheitsbild als akutes Koronarsyndrom, unter dem die instabile Angina pectoris und der Herzinfarkt mit seinen zwei Unterformen zusammengefasst werden. Die Kenntnis der typischen Symptome und ein schnelles Handeln, wenn diese auftreten, kann lebensrettend sein.

Verengung einer der Koronararterie
Verengung einer der Koronararterie 3D Copyright: Sciencepics, Bigstockphoto

 

Instabile Angina pectoris oder Herzinfarkt

Bei der instabilen Angina pectoris geht das Ereignis ohne einen Troponin-Anstieg einher, das heißt, es werden keine relevanten Schäden an den Herzmuskelzellen verursacht.

Der Herzinfarkt zeichnet sich durch einen Troponin-Anstieg aus. Durch einen akuten Verschluss eines Koronargefäßes gehen Herzmuskelzellen zugrunde.

Es gibt zwei verschiedene Formen des Herzinfarkts. Der ST-Hebungsinfarkt, kurz STEMI, wird bereits im EKG durch ST-Hebungen deutlich. Je nachdem, in welchen Ableitungen die Hebungen zu sehen sind, kann man auf das verschlossene Gefäß zurückschließen.

Die zweite Form ist der Nicht-ST-Hebungsinfarkt oder NSTEMI. Dabei treten keine oder unspezifische EKG-Veränderungen auf. Die Diagnose kann dann nur anhand der Beschwerden und der Troponin-Erhöhung gestellt werden. Rein symptomatisch kann die instabile Angina pectoris nicht vom Herzinfarkt unterschieden werden.

Verengung einer der Koronararterie
Verengung einer der Koronararterie 3D Copyright: Sciencepics, Bigstockphoto

 

Instabile Angina pectoris Symptome: Brustschmerzen und Luftnot

Die typischen Symptome die durch eine instabile Angina pectoris oder einen Herzinfarkt verursacht werden, sind ein Druckgefühl im Brustbereich oder Luftnot. Typisch sind auch Schmerzen in der Brust, die bis in den linken Arm, den Hals, Schulter, Unterkiefer oder Oberbauch ausstrahlen können.

Auch ein Schwächegefühl, Angst, Schweißausbrüche, Übelkeit und Erbrechen sind Symptome eines Herzinfarktes und können dazu kommen. Häufig treten auch Herzrhythmusstörungen Symptome auf, oft potenziell gefährliche ventrikuläre Rhythmusstörungen wie ventrikuläre Tachykardien oder Kammerflimmern. Wichtig zu beachten ist jedoch, dass insbesondere bei Diabetikern und bei älteren Patienten gelegentlich nahezu keine Symptome auftreten, obwohl ein Herzinfarkt vorliegt. Das nennt man auch einen „stummen Infarkt“.

 

Ursachen: instabile Angina pectoris und Herzinfarkt als Folge einer Arterienverkalkung

Die instabile Angina pectoris und der Herzinfarkt sind Folge einer Arteriosklerose der Herzkranzgefäße. Durch Fetteinlagerungen in den Gefäßwänden, sogenannte Plaques, werden die Koronararterien verengt. Es kann in der Folge zu einer plötzlichen Plaqueruptur kommen.

Dadurch wird thrombogenes Material der Gefäßwand freigelegt und es bildet sich ein Blutgerinnsel, das das Gefäß verstopft. Gelegentlich kann es auch trotz unauffälliger Herzkranzgefäße zu einem Herzinfarkt kommen. Das passiert zum Beispiel, wenn sich bei einem Patienten mit Vorhofflimmern ein Thrombus im Vorhofsohr bildet, sich ein Teil davon löst und in die Koronararterien ausgeschwemmt wird.

Die Ursache der Arteriosklerose ist dieselbe wie bei vielen anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch. Dazu zählen die klassischen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Hyperlipidämie, Adipositas und eine positive Familienanamnese.

 

Instabile Angina pectoris Diagnostik: Blutwerte und EKG

Einen Hinweis auf die Diagnose instabile Angina pectoris und Herzinfarkt geben initial insbesondere die typischen Beschwerden wie Thoraxschmerz, Druckgefühl auf der Brust und Luftnot. Die Unterscheidung zwischen instabiler Angina pectoris und Herzinfarkt kann man durch das Vorliegen der Blutwerte treffen, wenn sich dort ein erhöhter Troponin-Wert zeigt. Liegt ein STEMI vor, ist das bereits am EKG zu erkennen.

 

Instabile Angina pectoris Behandlung:

Sicherstellen der Durchblutung am Herzmuskel

Am Anfang und insbesondere für den medizinischen Laien ist nicht zu unterscheiden, ob eine instabile Angina pectoris oder ein Herzinfarkt vorliegt. Deswegen sollte bei den typischen Symptomen immer ein Rettungswagen verständigt werden. Dieser fährt in aller Regel ein Krankenhaus an, in dem ein Herzkatheterlabor vorhanden ist, sodass im Fall eines Herzinfarkts sofort eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt werden kann.

Zur Erstbehandlung werden verschiedene Medikamente eingesetzt. Eine der wichtigsten und ersten Maßnahmen ist die Gabe von ASS und Heparin zur Hemmung der Thrombozytenaggregation. Manchmal werden danach die Beschwerden schon besser, weil bereits ein erster, minimaler Fluss durch das verschlossene Gefäß wieder erreicht werden kann.

Bei einer Sauerstoffsättigung unter 95 Prozent wird Sauerstoff über eine Nasenbrille gegeben. Hat der Patient sehr starke Schmerzen, kann Morphin gespritzt werden. Auch Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen kommen bei Bedarf zum Einsatz. Um die Koronarien zu erweitern, kann Nitroglycerin gegeben werden, meist als Spray unter die Zunge.

instabiler Angina pectoris
Ein Stent ist ein winziges Rohr, das der Arzt bei instabiler Angina pectoris oder Herzinfarkt in einen verstopften Durchgang einsetzen kann, um ihn offen zu halten. 3D Illustration Copyright: Sciencepics, Bigstockphoto

 

Ballon und Stents bei Instabilee Angina pectoris

Die wichtigste Untersuchung und Behandlung für die instabile Angina pectoris und besonders den Herzinfarkt ist die Herzkatheteruntersuchung. Dabei wird ein Katheter über die Armarterie oder die Leistenarterie zum Herzen vorgeschoben und dort unter Durchleuchtung ein Kontrastmittel gespritzt. Man kann dadurch die Herzkranzgefäße darstellen und sehen, wo sich eine Engstelle oder ein Gefäßverschluss befindet. An dieser Stelle wird ein Ballon ins Gefäß geschoben und aufgeblasen, um die Engstelle wieder zu öffnen. In der Regel wird danach eine Gefäßstütze, ein Stent, eingesetzt, um das Gefäß weiterhin offen zu halten.

Bekommt man einen Stent gesetzt, erhält man hinterher für eine gewisse Zeit Tabletten zur Hemmung der Thrombozytenaggregation. Es ist wichtig, diese zuverlässig und ohne Pause einzunehmen, damit der Stent nicht wieder verschlossen wird und einen erneuten Herzinfarkt auslöst.

Instabile Angina pectoris
Ballon-Angioplastie und Stents Verfahren zur Behandlung von Ballon-Angioplastie und Stents Verfahren zur Behandlung von Herzkrankheiten. Medizinische Illustration Copyright: Solar22, Bigstockphoto

 

Komplikationen

Die häufigsten Komplikationen nach einem Herzinfarkt sind lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen oder eine Herzinsuffizienz. Insbesondere ventrikuläre Tachykardien und Kammerflimmern können tödlich enden. Wenn durch den Verschluss eines großen Herzkranzgefäßes viel Herzmuskel zu Schaden gekommen ist, kann die Pumpfunktion abnehmen und die Herzleistung stark eingeschränkt werden.

 

Prognose: instabile Angina pectoris kann tödlich enden

Ein Herzinfarkt ist immer eine lebensbedrohliche Erkrankung und sollte deshalb so schnell wie möglich von einem Arzt behandelt werden. Ungefähr ein Drittel der Patienten verstirbt jedoch bereits vor Erreichen der Klinik. Auch in der Klinik kommen trotz adäquater Behandlung etwa zehn Prozent der Infarktpatienten ums Leben. Dadurch zeichnet sich der Herzinfarkt insgesamt als eine Erkrankung mit einer hohen Sterblichkeitsrate aus. Etwa die Hälfte der Patienten überlebt das erste Jahr nach einem Herzinfarkt nicht.

 

Tipps: Hilfe holen und schnell reagieren

Treten die typischen Symptome für eine instabile Angina pectoris und den Herzinfarkt auf, sollte man nicht zögern, einen Rettungswagen zu rufen. Es ist besser, einmal „umsonst“ ins Krankenhaus zu fahren, als einen Herzinfarkt zu übersehen. Da es nicht selten im Rahmen eines Herzinfarkts zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen kommt, die zu einem Herz-Kreislauf-Stillstand führen können, ist es wichtig, auch als Laienhelfer regelmäßig seine Erste-Hilfe-Kenntnisse aufzufrischen. Der sofortige Beginn einer Reanimation verbessert die Prognose entscheidend.

Quelle: Gerd Herold, Innere Medizin 2019
weiterführende Links: http://www.herzstiftung.de/

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