Kardio-Magnetresonanztomographie (Kardio-MRT) Ablauf, Dauer und Indikationen

Untersuchung des Herzen mit der Kardio-Magnetresonanztomographie

▷ Die kardiale Magnetresonanztomographie (Kardio-MRT, Herz-MRT, Herz-Kernspintomographie) ist ein diagnostisches Verfahren zur Untersuchung des Herzens mithilfe eines starken Magnetfeldes. Hierfür wird keine schädliche Strahlung verwendet, sodass selbst eine wiederholte Untersuchung gefahrlos möglich ist. Das Kardio-MRT findet zusehends häufiger Anwendung und gilt mittlerweile als Goldstandard aller Vitalitätsuntersuchungen am Herzen.

Magnetresonanztomographie

Magnetresonanztomographie (Kardio-MRT) Copyright: Uwphotographer, Bigstockphoto

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Kardio-MRT – Das Verfahren

Mithilfe der Kernspintomographie sind außerordentlich detaillierte Darstellungen von Körpergeweben mit hohem Wassergehalt möglich. Sie arbeitet mit einem starken Magneten, der den Spin der Wasserstoffatome im Körper ausrichtet. Seine Feldstärke liegt mit 1,5 Tesla beim 30.000-fachen des Erdmagnetfeldes.

Andere Magnete versetzen die Atome periodisch in eine andere Schwingungsebene. Mit ihrer Hilfe lässt sich zudem die Schnittebene definieren. Beim Abschalten dieser Magnete schwingen die Atome in die vom Permanentmagneten vorgegebene Richtung zurück. Gleichzeitig senden spezielle Spulen Radiowellen aus. Das Gewebe reflektiert diese und andere Spulen fangen das Echo auf (Kernspinresonanz). Aus diesen Signalen setzt ein Computer ein Schnittbild zusammen, das man in bewegten Bildern betrachten kann.

 

Die Vorteile

Das Kardio-MRT liefert Echtzeitbilder und ermöglicht eine dreidimensionale Rekonstruktion des Herzens und seiner Umgebung. Das Volumen von Herzkammern und Gefäßen lässt sich genau bestimmen und sogar kleine Gewebeveränderungen sind damit diagnostizierbar. Darüber hinaus benötigt man keine Kathederisierung, radioaktive Kontrastmittel oder schädliche Strahlung. Somit ist dieses Verfahren für Kinder und Schwangere geeignet. Der menschliche Körper kann das Magnetfeld nicht wahrnehmen.

Kardio-MRT, Magnetresonanztomographie

Magnetresonanztomographie (Kardio-MRT) Copyright: Uwphotographer, Bigstockphoto

 

Ablauf der Kardio-MRT Untersuchung

 

Vorbereitung

In der Regel ist es nicht notwendig, nüchtern zur Untersuchung zu erscheinen. Die behandelnde Praxis wird Sie darüber informieren, wenn das der Fall sein muss wie bei einer Dobutamin-Stressuntersuchung. Unmittelbar vor einem Stress-Kardio-MRT ist der Konsum von koffein- oder teeinhaltigen Getränken und Betablocker nicht angeraten. Auch hier wird Ihr Arzt Sie über notwendige Vorbereitungen in Kenntnis setzen.

 

Vor der Untersuchung

Unmittelbar vor dem Kardio-MRT sind alle Metallgegenstände wie Uhren, Schmuck oder Piercings abzulegen. Dazu gehören auch Kreditkarten, da das Magnetfeld den Magnetstreifen löscht. Sie erhalten ein vorne offenes Hemd ohne Metallteile, das Sie anstelle Ihres Oberteils anziehen.

Ist die Anwendung eines Kontrastmittels oder eine Belastungsuntersuchung geplant, bekommen Sie einen venösen Zugang, über den die Substanzen injiziert werden.
Kontrastmittel benötigt man lediglich bei der Untersuchung von Herzinfarkten, der Durchblutung (Perfusion) des Herzens und zur Gefäßdarstellung. Meistens handelt es sich um Gadolinium-Chelate.

 

Ablauf und Dauer der Kardio-MRT Untersuchung

Haben Sie auf der Liege Platz genommen, erhalten ein spezielles Kissen zur Lagerung der Beine. Gegebenenfalls kommen ein EKG-Gerät auf die Brust, ein Atemkissen auf den Bauch und eine Blutdruckmanschette am Oberarm hinzu. Dann fährt Sie ein Schlitten in das Gerät. Wenn Sie sich gewundert haben, warum sie Ohrenschützer bekommen haben, werden Sie das nach dem Einschalten verstehen. Die lauten Klopfgeräusche kommen von den besagten Magneten, die sich rhythmisch an- und ausschalten, um den Spin der Wasserstoffatome zu ändern.

Während einiger Aufnahmen ist es notwendig, dass Sie sich absolut ruhig verhalten und gleichmäßig atmen. Bei anderen wird man Sie auffordern, tief ein- oder auszuatmen oder die Luft für einige Sekunden anzuhalten.

Eine Kardio-MRT-Untersuchung dauert in der Regel eine knappe halbe Stunde. In besonderen Fällen sind bis zu sechzig Minuten erforderlich.

Kardio-MRT Magnetresonanztomographie

Magnetresonanztomographie, Computed tomography lab. Copyright: Master Video, Bigstockphoto

 

Arten des Kardio-MRT

 

Ruhe-Kardio-MRT

Ruhe-Kardio-MRT. Hier findet eine Untersuchung ohne Belastung statt. Herzmuskel, Herzklappen und herznahe Gefäße lassen sich einschließlich Blutfluss und Muskelbewegungen sehr detailliert darstellen. Ein Kontrastmittel erleichtert die Identifizierung vernarbter Bereiche nach Herzinfarkt oder die Diagnose von Speicherkrankheiten und Herzmuskelentzündungen (Myokarditis).

 

Stress-Kardio-MRT

Stress-Kardio-MRT.  Ähnlich wie bei einem Belastungs-EKG wird das Herz in einer Stresssituation untersucht. Erreicht wird dies durch die Verabreichung eines Medikamentes, das eine Belastung des Herzens simuliert. Dadurch erhöht sich die Schlagkraft und beschleunigt sich der Herzschlag. Hierfür erhalten Sie eine Injektion von Adenosin oder Dobutamin.
Damit will man klären, ob atherosklerotische Ereignisse die Herzgefäße verengt haben. Unter Ruhe reicht deren Durchmesser meistens aus, um eine hinreichende Sauerstoffversorgung des Herzens über die Koronargefäße sicherzustellen. Eine künstlich herbeigeführte Stresssituation hilft zu klären, ob das auch unter Belastung der Fall ist.

 

Indikationen für ein Kardio-MRT

Mit einem Kardio-MRT lassen sich viele kardiovaskuläre Erkrankungen näher untersuchen:

 

 

 

Hinweise für Patienten während der Untersuchung:

 

Bei Platzangst

Vielen Patienten ist der Aufenthalt in der „Röhre“ unangenehm. Wenn Sie an akuter Platzangst (Klaustrophobie) leiden und ein Beruhigungsmittel nicht hilft, erkundigen Sie sich, ob es in Ihrer Nähe ein «offenes MRT» gibt. Ein solches Gerät ist nach allen Seiten offen. Sie sind zudem oft wesentlich leiser als die üblichen MRT-Geräte. Solche Apparate sind auch für übergewichtige Patienten oder Kinder geeignet.

 

Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen

Die MRT-Untersuchung selbst ist ungefährlich. In seltenen Fällen (1:1.000) kann das Kontrastmittel zu einer allergischen Reaktion führen, die sich in vorübergehendem Hautausschlag äußert. Die Ausscheidung des Kontrastmittels erfolgt über die Nieren, bereitet aber selbst nierenkranken Patienten keine Probleme. Nur bei einer sehr schweren Niereninsuffizienz ist eine Kontrastmittelgabe kontraindiziert. Wichtig ist, dass die hier verwendete Substanz nicht identisch ist mit Röntgenkontrastmittel, gegen das viele Patienten allergisch sind.

Im Verlaufe einer Stressuntersuchung kann es in extrem seltenen Fällen (1:10.000) zu akuten Herzrhythmusstörungen kommen. Bei der Untersuchung ist ein erfahrener Kardiologe anwesend, der sich gegebenenfalls um Komplikationen kümmern kann.

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Metallene Endoprothesen wie künstliche Hüftgelenke, Zahnimplantate oder Metallplatten sind in der Regel unbedenklich, wenn die Operation mindestens drei Monate zurückliegt. Im Gegensatz dazu ist ein Kardio-MRT bei Herzschrittmachern, Insulinpumpen oder Cochleaimplantaten nicht möglich, da das Magnetfeld diese in Bewegung versetzt. Einige Tätowierungen und Permanent-Makeups mit Metallteilchen bereiten Probleme, da sie sich erwärmen und ein Kribbeln auslösen. Informieren Sie ihren Arzt im Vorfeld über solche Störfaktoren.

 

Literatur:
Manfred Thelen (Hrsg.): Bildgebende Kardiodiagnostik: mit MRT, CT, Echokardiographie und anderen Verfahren. Stuttgart: Georg Thieme Verlag 2010. ISBN 3131535318.

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Autorenprofil

Dr. Harald Stephan, Wissenschaft-/ Fachautor

Dr. rer. medic. Harald Stephan, Wissenschaft-/ Fachautor, Er ist Naturwissenschaftler mit medizinischer Promotion. Autor medizinischer Themen im Blutbild & Diagnostik Gesundheitsmagazin "Großes Blutbild".


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