Mitralklappeninsuffizienz: Welche Symptome treten auf?

Die Mitralklappeninsuffizienz ist nach der Aortenklappenstenose die häufigste Herzklappenerkrankung.

Herzklappeninsuffizienz bedeutet, dass die betroffene Herzklappe ihre Verschlussfunktion nicht mehr ausreichend erfüllen kann.

Die Mitralklappe funktioniert als Ventil zwischen dem linken Vorhof und der linken Hauptkammer des Herzens, welche den Körperkreislauf über die Hauptschlagader mit Blut versorgt.

Mitralklappeninsuffizienz Symptome
Mitralklappen Operation – Copyright: Chanawit bigstockphoto

Die Symptome einer Mitralklappeninsuffizienz zeigen sich in einer verminderten Blut- und damit Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Körpers: Die Patienten sind kurzatmig, nur noch eingeschränkt körperlich leistungsfähig und leiden an Angina pectoris und Herzstolpern. Zunächst oft unbemerkt entwickelt sich eine unbehandelte Mitralklappeninsuffizienz durch ihre Symptome zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung.

Mitralklappeninsuffizienz  Symptome – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Bei einer Mitralklappeninsuffizienz schließt die Herzklappe zwischen linkem Vorhof und linker Hauptkammer nicht vollständig, sodass ein Teil des Blutes in den Vorhof zurückfließt.
  2. Die Mitralklappeninsuffizienz entwickelt sich meist langsam und beeinträchtigt zusehends die Pumpleistung des Herzens. Akute Formen sind selten und treten nach Herzinfarkten und Herzinnenhautentzündungen auf.
  3. Da hierdurch zu wenig Blut in den Körperkreislauf gelangt, treten die Symptome eines Sauerstoffmangels auf.
  4. Leitsymptom der Mitralklappeninsuffizienz ist eine verminderte körperliche Belastbarkeit mit Atemnot schon bei geringer Anstrengung.
  5. Im weiteren Verlauf kommen bei Belastung Brustschmerzen (Angina pectoris) und Herzstolpern (Palpitationen) hinzu, letztlich auch eine Rechtsherzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen, die unbehandelt lebensbedrohlich verlaufen können.

 

Ursachen der Mitralklappeninsuffizienz: Woher kommen die Symptome?

Mitralklappeninsuffizienz bedeutet, dass die Mitralklappe (Bikuspidalklappe, Valva mitralis, Valva bicuspidalis) nicht richtig schließt. Diese Herzklappe sitzt zwischen dem linken Vorhof (Atrium sinister) und der linken Hauptkammer (Ventriculum sinister).

Das sauerstoffreiche Blut kommt aus dem Lungenkreislauf im linken Vorhof an und wird mit dessen Pumpbewegung in die linke Hauptkammer gebracht. Damit das Blut nicht in den Vorhof zurückfließt, verschließt die Mitralklappe den Rückweg.

Sie gehört zu den Segelklappen und hat zwei Segel. Diese sind über Sehnenfäden (Chordae tendineae) mit speziellen kleinen Muskeln in der Hauptkammer verbunden, den Papillarmuskeln (Musculi papillares).

Beide verhindern, dass die beiden Segel in den Vorhof zurückklappen, wenn sich die Hauptkammer zusammenzieht. Sobald die Muskulatur der Hauptkammer kontrahiert, legen sich die beiden Segel so zusammen, dass sie den Rückfluss des Blutes in den Vorhof verhindern. Somit stellt die Mitralklappe sicher, dass das in der Lunge mit Sauerstoff angereicherte Blut aus der linken Hauptkammer über die Hauptschlagader (Aorta) in den gesamten Körper gelangt.

Bei einer Mitralklappeninsuffizienz funktioniert dieses Ventil nicht mehr richtig. Die Folge ist, dass ein Teil des Blutes bei der Kontraktion der linken Hauptkammer durch die undichte Mitralklappe in den linken Vorhof zurückfließt. Dadurch sinkt die Herzleistung und zu wenig sauerstoffreiches Blut gelangt in den Körperkreislauf. Daher ist Sauerstoffmangel im Körper die hauptsächliche Erklärung für die bei einer Mitralklappeninsuffizienz üblichen Symptome.

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Mitralklappeninsuffizienz: Wie sich die Symptome entwickeln

Kennzeichnend für eine Herzklappeninsuffizienz ist, dass sich die damit verbundenen Beschwerden meist langsam entwickeln. Das liegt daran, dass der mangelhafte Verschluss der Herzklappe in der Regel nicht schlagartig, sondern chronisch vonstattengeht.

Daher bezeichnet man eine solche langsame Entwicklung der Symptome als chronische Mitralklappeninsuffizienz. Bei einer nur geringfügigen Mitralklappeninsuffizienz sind die Symptome nur schwach ausgeprägt. Daher werden sie meist überhaupt nicht oder erst nach Jahren diagnostiziert.

In vergleichsweise seltenen Fällen kommt es zu akut auftretenden Beschwerden nach einem schwerwiegenden Krankheitsereignis am Herzen. Das bezeichnet man als akute Mitralklappeninsuffizienz, bei der die Symptome schnell lebensbedrohliche Ausmaße annehmen können.

Akute Mitralklappeninsuffizienz: Symptome

Eine akute Mitralklappeninsuffizienz zeigt Symptome, die relativ schnell und heftig auftreten, denn sie ist die Folge eines Herzinfarktes oder einer Entzündung (Valvitis) der Mitralklappe. Bei einem Herzinfarkt kommt es zu einer Minderversorgung von Bereichen des Herzmuskels, die daraufhin absterben. Das kann auch die besagten Papillarmuskeln betreffen, die daraufhin den dichten Verschluss der Mitralklappe nicht mehr sicherstellen können.

Bei einer Entzündung der Mitralklappe handelt es sich meist um die Ausweitung einer Entzündung der Herzinnenhaut (Endokard). Eine solche Endokarditis ist eine Folge einer direkten (bakterielle Endokarditis) oder Folgeerscheinung einer vorangegangen bakteriellen Infektion (rheumatische Endokarditis). Dadurch sind die Klappensegel direkt betroffen, die auch hier die Ventilfunktion nur noch unzureichend erfüllen können.

Beides führt dazu, dass sich die Mitralklappeninsuffizienz durch Symptome äußert, die hochakut sind und einer sofortigen intensivmedizinischen Betreuung bedürfen:

  • Lungenödem durch Stauungen im Lungenkreislauf,
  • akute Herzinsuffizienz mit einer allgemeinen Leistungsbeeinträchtigung des Herzens bis hin zum
  • kardiogenen Schock, der zu Kreislaufversagen und plötzlichem Herztod führt.

Chronische Mitralklappeninsuffizienz Symptome

Bei einer chronischen Mitralklappeninsuffizienz treten die Symptome nur langsam auf und verschlimmern sich im Laufe der Zeit. Die Hauptursachen sind die koronare Herzkrankheit und das rheumatische Fieber.

Koronare Herzkrankheit führt zu einer zusehenden Verengung der Herzkranzgefäße (Arteriosklerose). Die damit verbundene Minderversorgung mit Sauerstoff betrifft auch die Papillarmuskeln und letztlich die Funktion der Segelklappen der Mitralklappe.

Rheumatisches Fieber entsteht nach einer bakteriellen Infektion der oberen Luftwege mit einigen Streptokokken-Stämmen. Dies führt zur Bildung von Antikörpern gegen die Bakterien, die jedoch auch mit körpereigenen Substanzen reagieren, vor allem den Herzklappen. Das zieht diese durch Entzündungen in Mitleidenschaft.

Beides sind Vorgänge, die in der Regel nur sehr langsam verlaufen. Vor allem die koronare Herzkrankheit kann sich über Jahre entwickeln und auch das rheumatische Fieber zieht sich über Monate nach der eigentlichen Infektion hin. Daher werden bei diesen Formen der Mitralklappeninsuffizienz die Symptome oft erst gar nicht erkannt und stellen sich meistens erst als Zufallsbefunde bildgebender Verfahren heraus.

  • Kurzatmigkeit (Dyspnoe) ist bei Mitralklappeninsuffizienz das Symptom, das typischerweise auftritt (Leitsymptom) und das schon bei geringer körperlicher Belastung. Die Zellen des Körpers bekommen nicht genug Sauerstoff und signalisieren das über das vegetative Nervensystem dem Herzen und der Lunge. Diese versuchen mit Mehrarbeit das Defizit zu decken. Dementsprechend erhöhen sich der Herzschlag und die Atemfrequenz – mit nur begrenztem Erfolg. Die Ergebnisse sind
  • Abgeschlagenheit und eine verminderte Leistungsfähigkeit.
  • Herzklopfen (Palpitationen) nennt man die Herzschläge, die der Patient infolge dieser zusätzlichen Belastung verspürt. Besonders gut zu spüren sind diese Palpitationen, wenn man auf der linken Seite liegt, da dadurch die anderen Organe des Brustkorbes das Herz zusätzlich komprimieren
  • Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) wie Vorhofflimmern und beschleunigter, unkoordinierter Herzschlag (Tachyarrhythmie) sind weitere Folgen eines chronisch überbelasteten Herzens. Dadurch kann es zu Verwirbelungen des Blutes kommen, die zur Bildung von Blutgerinnseln führen. Wenn sich diese in Kapillargebieten festsetzen, treten Herzinfarkte, Schlaganfälle und Lungen- oder Niereninfarkte auf (Thromboembolien).
  • Typische Herzgeräusche entstehen durch die veränderte Strömung an der Mitralklappe. Dieses Geräusch bemerkt nur der Arzt beim Abhören mit dem Stethoskop (Auskultation). Diese weisen aber deutlich auf das Vorliegen einer Mitralklappeninsuffizienz hin und sind häufig der erste Hinweis auf das Vorliegen einer solchen Erkrankung.
  • Lungenstauungen. Das Herz ist nicht mehr in der Lage, das Blut schnell genug in den Körperkreislauf zu pumpen. Dadurch staut sich das Blut im Lungenkreislauf. Das Herz versucht das mit einer verstärkten Tätigkeit der rechten Hälfte zu kompensieren. Das funktioniert nicht unbegrenzt und es kommt zu einer Dekompensation in Form einer
  • Rechtsherzinsuffizienz mit typischen Symptomen wie
    • deutlich hervortretende Halsvenen,
    • Wassereinlagerungen in den unteren Extremitäten und dem typischen
    • Herzhusten. Die Hustenanfälle treten vorwiegend nachts und tagsüber im Liegen auf. Weitere Folgen sind
    • Stauungen in Leber und Niere auf (Stauungsleber, Stauungsniere).

Stadien der Mitralklappeninsuffizienz Symptome

NYHA – Stadium 1
Die Erkrankung des Herzens wird erkannt es liegen noch keine Leistungseinschränkungen vor.

NYHA – Stadium 2
Die Leistungsfähigkeit ist voranschreitend leicht eingeschränkt, Beschwerden treten nur bei körperlicher Belastung auf.

NYHA – Stadium 3
Es kommt zu einer starken Einschränkung der Leistungsfähigkeit bei leichter körperlicher Belastung.

NYHA – Stadium 4
Anhaltende Symptome und Beschwerden, jetzt auch im Ruhezustand, sowie bei allen körperliche Belastungen.

Mitralklappeninsuffizienz Symptome bei Kindern

Bei Kindern und Jugendlichen treten prinzipiell bei Mitralklappeninsuffizienz die gleichen Symptome auf wie bei Erwachsenen. Allerdings geschieht das oft wesentlich schneller, vor allem bei Neugeborenen und Kleinkindern.

Wenn hier die Mitralklappe nicht hinreichend funktioniert, ist nämlich nicht nur die Sauerstoffversorgung, sondern auch die Nährstoffversorgung des im Wachstum befindlichen Kindes stark beeinträchtigt. Ein solcher Sauerstoff- und Nährstoffmangel führt dazu, dass die Kinder nicht nur schnell außer Atem kommen und wenig leistungsfähig sind, sondern auch nicht wachsen und nicht an Gewicht zunehmen.

Hinzu kommt, dass sich der linke Vorhof durch die Mehrarbeit immer weiter ausdehnt (Dilatation) und dadurch auf den linken Hauptbronchus der Lunge drückt. Das führt dazu, dass der linke Lungenflügel schlecht belüftet wird.

Daher kommt es relativ häufig zu Infekten und Entzündungen der unteren Luftwege wie Lungenentzündungen (Pneumonien). Oft wird erst nach häufig auftretenden Infekten und beim Röntgen der entzündeten Lunge festgestellt, dass eine Mitralklappeninsuffizienz die Symptome hervorruft.

Literatur und Quellen

  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag. ISBN-10: 3981466063
  • Erland Erdmann (Hrsg.): Klinische Kardiologie: Krankheiten des Herzens, des Kreislaufs und der herznahen Gefäße. Stuttgart 2011: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642164803.
  • Ulrich Stierle: Klinikleitfaden Kardiologie. 6. Auflage. München 2017: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN-10: 3437222848.
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