Herzschrittmacher-OP wie lange ist man im Krankenhaus?

Fragen zum Herzschrittmacher und der Operation im Krankenhaus

In Deutschland finden jährlich rund 200.000 Herzschrittmacher-Operationen statt. Auch Sie oder ein Angehöriger sind davon betroffen? Dann werden Sie sich sicherlich fragen, wie lange das dauert und wie lange man als Patient für die Operation im Krankenhaus bleiben muss. Wir geben Ihnen die Antwort und erklären Ihnen, wie der Schrittmacher arbeitet und wie man er operativ eingebaut wird.

Herzschrittmacher Operation im Krankenhaus

Patient nach Herzschrittmacher Operation im Krankenhaus Copyright: pdsci, bigstockphoto

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Wie lange muss man nach der Herzschrittmacher Operation im Krankenhaus bleiben?

Treten keine Komplikationen auf, kann der Patient bereits am Tag nach der Operation nach Hause. Zuvor findet noch eine Kontrolle und gegebenenfalls Nachjustierung des Gerätes statt. Bei einer normalen Wundheilung zieht ein Arzt die Fäden nach zehn Tagen.

Nach einem Monat, drei Monaten und danach alle halbe Jahre findet eine Nachuntersuchung statt. Besteht der Verdacht auf eine Fehlfunktion, muss ein Arzt das umgehend kontrollieren. Auf jeden Fall soll man als Patient immer seinen Herzschrittmacher-Ausweis mit sich führen, in dem Typ, Funktion und Programmierung des Gerätes stehen. Dieser enthält auch die Nachsorgetermine.

 

Wie lange hält eine Herzschrittmacher Batterie?

Mit den modernen Batterien hält ein Herzschrittmacher sehr lange. Je nach Energieverbrauch muss nur alle fünf bis zehn, maximal fünfzehn Jahre ein Austausch stattfinden. Dazu wechselt man den Herzschrittmacher komplett aus und ersetzt ihn durch ein aktuelleres Modell. Einen solchen Eingriff kann man unter lokaler Betäubung vornehmen. Auch hierfür ist nur ein eintägiger Krankenhausaufenthalt notwendig. Eine Umprogrammierung ist ambulant und ohne operativen Eingriff transkutan (durch die Haut) durch Funksignale mit einem speziellen Gerät möglich.

Herzschrittmacher Operation im Krankenhaus

Patient nach Herzschrittmacher Operation im Krankenhaus Copyright: pdsci, bigstockphoto

 

Was macht eigentlich so ein Herzschrittmacher?

Herzschrittmacher sind kleine implantierbare Impulsgeber, die den Herzmuskel (Myokard) durch elektrische Stimulation zur Kontraktion anregen. Diese Stimulation wird notwendig, wenn das interne autonome Erregungsbildungs- und  Erregungsleitungssystem des Herzens nicht mehr ausreichend funktioniert. Das kann beispielsweise nach einem Herzinfarkt oder Entzündungen (Herzinnenhaut (bakterielle Endokarditis oder rheumatische Endokarditis), Herzmuskel (Myokarditis), Herzbeutel (Perikarditis)) der Fall sein.

Leidet ein Patient an einer nicht ausreichenden Herztätigkeit bei körperlicher Belastung (chronotrope Inkompetenz), kann man das mit einem frequenzstimulierenden Herzschrittmacher lösen. Dieser steigert unter Anstrengung automatisch die Pumpleistung. Patienten mit akuten Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) erhalten einen zusätzlich eingebauten Defibrillator, der das Herz wieder regelmäßig schlagen lässt.

 

Wie ist ein Herzschrittmacher aufgebaut?

So ein Gerät ist heutzutage nur noch so groß wie eine Streichholzschachtel oder eine Armbanduhr. Es besteht aus drei Komponenten:

  • Elektroden mit Ankern, Spiralen oder Schrauben zur Fixierung;
  • einem Mikrochip-Schaltkreis, der die Programmierung auch komplexer Funktionen erlaubt;
  • einer Energiequelle. Aktuelle Lithium-Jod-Batterien haben eine Lebensdauer von bis zu fünfzehn Jahren. Sie sind auslaufsicher und entladen sich nicht selbst.

 

Ablauf der Herzschrittmacher Operation:

Im Vergleich zu den ersten Schrittmacheroperationen Ende der 1950er Jahre sind die heutigen Verfahren fast als minimalinvasiv zu bezeichnen. Über einen kleinen Schnitt an einer oberflächlichen Vene führt der Chirurg die Elektroden ein. Meistens verwendet er dafür die „Kopfvene“ (Vena cephalica) an der Außenseite des Oberarms oder die Schlüsselbeinvene (Vena subclavia) hinter dem Schlüsselbein. Einkammer-Schrittmacher werden nur in der rechten Hauptkammer, Zweikammer-Schrittmacher im rechten Vorhof und der rechten Hauptkammer verankert. Das geschieht mittels der bereits beschriebenen Anker oder Spiralen im Trabekelnetzwerk, kleinen bälkchenartigen Muskeln der rechten Kammer. Am sichersten ist der Halt, wenn man die Elektroden in das Muskelgewebe einschraubt. Die exakte Platzierung erfolgt unter Röntgenkontrolle.

An Ort und Stelle fixiert testet der Operateur die Elektroden auf ihre Funktionalität, bevor er sie mit dem Steuergerät verbindet. Dieses implantiert er in einer kleinen Hauttasche auf der Brust unterhalb des Schlüsselbeins. Den kleinen Hautschnitt vernäht er anschließend. In selteneren Fällen bringt man unter Vollnarkose die Elektroden außen am Herzen an und pflanzt den Schrittmacher in den Bauchraum ein.

Wie lange dauert die Herzschrittmacher Operation?

Eine normale Herzschrittmacher-OP kann in Lokalanästhesie erfolgen und ist daher sogar für alte und kranke Patienten geeignet. Im Normalfall dauert die Operation maximal eine Stunde. Bereits nach einigen Stunden kann der Patient aufstehen und herumlaufen.

Herzschrittmacher

Herzschrittmacher Operation im Bruskorb – Copyright: Korawig, bigstockphoto

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Herzschrittmacher: Mögliche Komplikationen und Störungen  nach der Operation

Die Implantation eines Herzschrittmachers ist relativ risikoarm, aber durch Komplikationen kann sich der Krankenhausaufenthalt verlängern. Diese treten im Zusammenhang mit der Operation auf oder der Schrittmacher wirkt sich auf die Herzleistung aus. Störungen im Schrittmachersystem sollten unmittelbar nach einer Implantation nicht vorkommen, sind hier aber der Vollständigkeit halber ebenfalls aufgeführt.

  • Postoperative Komplikationen. Diese können sich im Verlauf oder kurze Zeit nach der Operation ergeben.
    • Zu Pneumothorax (Eindringen von Luft in den Brustkorb) und Perikarderguss bis hin zur Herzbeuteltamponade kommt es in sehr seltenen Fällen während der Operation.
    • Thrombosen und Embolien. Durch die Operation können Blutgerinnsel entstehen, die lokal (Thrombose) oder entfernt vom Entstehungsort (Embolie) zu teilweisem oder völligem Gefäßverschluss führen können. Im Extremfall kommt es zu Herz- oder Lungeninfarkten und Schlaganfällen.
    • Infektionen durch eingedrungene Keime in der Hauttasche und/oder den Elektroden. Die Infektion muss man mit passenden Antibiotika bekämpfen, was den Krankenhausaufenthalt um ein bis zwei Wochen verlängert.
  • Hämodynamische Konsequenzen wie eine Minderung der Herzleistung beim Wegfallen der Vorhof-Kammer-Koordination.
  • Störungen des Schrittmachersystems, wie eine unplanmäßige Verschiebung der Sonden, Batterieausfall, Schäden an den Elektroden oder eine Perforation von Gefäßen oder Herzwand durch die Sonde. Elektromagnetische Interferenzen bei Kurzwellentherapie (Diathermie) oder Magnetresonanztomographie (MRT) stören den Schrittmacher nachhaltig. In einem solchen Fall muss ein Austausch stattfinden.
  • Infektionen im Krankenhaus durch multiresistente Keimen (MRSA, VRE und MRGN – Krankenhauskeime)

 

Literatur

  • Gerd Fröhlig (Hrsg.): Herzschrittmacher- und Defibrillator-Therapie: Indikation – Programmierung – Nachsorge. Stuttgart: Georg Thieme Verlag (2013). 2. Auflage. ISBN-10: 3131171820
  • Ulrich Stierle (Hrsg.): Klinikleitfaden Kardiologie. München/Jena: Urban & Fischer Verlag/Elsevier (2017). 6. Auflage. ISBN-10: 3437222848
  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart: Springer-Verlag (2012). ISBN-10: 3642331076.

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Autorenprofil

Anna Nilsson, Medizinautorin

Anna Nilsson, Journalistin und Medizinautorin seit 2001 mitwirkende Autorin im Gesundheitsmagazin „Großes Blutbild“


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