Verhärtung und Verschluß der Herzkranzgefäße – die Koronare Herzerkrankung

Etwa jeder zehnte Mensch über 40 Jahre ist betroffen: Die koronare Herzerkrankung ist zur Volkskrankheit geworden. Durch eine Arteriosklerose in den Herzkranzgefäßen, den Koronararterien, kommt es zu Engstellen in den Gefäßen. Körperliche Anstrengung, bei der das Herz verstärkt pumpen muss, führt zu dem typischen Warnsignal Angina pectoris oder im schlimmeren Fall zur instabile Angina pectoris.

Eine Sauerstoffunterversorgung des Herzens durch Engstellen in den Herzkranzgefäßen macht sich durch charakteristische pectanginöse Beschwerden bemerkbar. Dabei kommt es zu Brustschmerzen, die auch in den Hals, den Kiefer, die Schultern oder den linken Arm ausstrahlen können. Auch ein Druckgefühl auf der Brust oder Luftnot sind typische Symptome. Zu beachten ist jedoch, dass auch unspezifische Beschwerden wie Übelkeit oder Oberbauchschmerzen Symptome einer Myokardischämie sein können.

Koronare Herzerkrankung
3D Illustration Koronare Herzerkrankung ( coronary artery disease ) Copyright: Kateryna Kon, Bigstockphoto, www.grossesblutbild.de

 

 

Koronare Herzerkrankung Symptome:
Schmerzen, Druck auf der Brust, Luft- und Atemnot

Die Sauerstoffunterversorgung kann sich durch drei verschiedene Krankheitsbilder äußern:

  1. Asymptomatische koronare Herzerkrankung: Es sind zwar Engstellen in den Herzkranzgefäßen vorhanden, diese sind aber nicht so hochgradig, dass Beschwerden ausgelöst werden.
  2. Stabile Angina pectoris: Die typischen Beschwerden einer Myokardischämie treten bei Belastung auf, gehen jedoch weg, wenn man sich ausruht. Die Intensität der Beschwerden ist jedes Mal ähnlich.
  3. Akutes Koronarsyndrom: Hier gibt es wiederum drei Unterformen. Bei der instabile Angina pectoris kommt es zu einer Häufung der Beschwerden, einer Zunahme der Intensität oder die Beschwerden werden bei Ausruhen nicht besser. Es gibt jedoch keinen Troponin-Anstieg, der eine Schädigung der Herzmuskelzellen anzeigen würde. Ist der Troponin-Wert erhöht und es liegen typische Beschwerden vor, ist das ein Herzinfarkt. Man kann unterscheiden zwischen einem ST-Hebungsinfarkt (STEMI), den man bereits an ST-Hebungen im EKG erkennt und einem Nicht-ST-Streckenhebungsinfarkt (NSTEMI), der mit einem unauffälligen oder unspezifisch veränderten EKG einhergeht.

 

 

Zusätzlich gibt es noch weitere Manifestationen der Myokardischämie.

Es kann zu einer ischämischen Herzmuskelschädigung kommen, die in fortgeschrittenen Stadien zu einer Herzinsuffizienz führen kann. Weiterhin können Herzrhythmusstörungen Symptome entstehen. Teilweise treten vermehrte ventrikuläre Extrasystolen auf, es können jedoch auch lebensbedrohliche ventrikuläre Tachykardien oder Kammerflimmern vorkommen. Manchmal führt eine koronare Herzerkrankung auch zum plötzlichen Herztod.

Die koronare Herzerkrankung ist in Deutschland für 20 Prozent der Todesfälle verantwortlich und auch in anderen Industrieländern die häufigste Todesursache. Bei etwa der Hälfte der Patienten ist ein Herzinfarkt die Erstmanifestation der KHK, ohne dass vorher relevante Beschwerden aufgetreten sind.

 

Ursachen für eine koronare Herzerkrankung

Es gibt eine Reihe typischer Risikofaktoren, die das Auftreten einer Arteriosklerose und damit einer koronaren Herzerkrankung begünstigen.

Die wichtigsten Risikofaktoren sind folgende:

Zusätzlich gibt es einige weitere Risikofaktoren, die ebenfalls zur Entstehung einer KHK beitragen. Das sind zum Beispiel Adipositas, wenig körperliche Bewegung oder fettreiches Essen.

 

Diagnose der Koronare Herzerkrankung

Diagnostik: EKG, Echokardiographie, MRT, Herzkatheter

Ein wichtiger Teil der Diagnostik ist eine gründliche Anamnese, um einschätzen zu können, ob die Beschwerden und Symptome für eine koronare Herzerkrankung sprechen. Im normalen Ruhe-EKG ist oft ein unauffälliger Befund zu sehen, insbesondere wenn noch nie ein Herzinfarkt aufgetreten ist. Eine Veränderung im Vergleich zu früheren EKGs kann jedoch auf eine Erkrankung hindeuten. In der Echokardiographie, dem Herzultraschall, können eventuell eine systolische oder diastolische Funktionsstörung oder regionale Wandbewegungsstörungen festgestellt werden. Im Rahmen eines Langzeit-EKGs kann man ischämiebedingte Rhythmusstörungen wie vermehrte ventrikuläre Extrasystolen oder ventrikuläre Tachykardien erkennen.

Ein wichtiges Diagnoseinstrument zur Ischämiediagnostik ist das Belastungs-EKG. Man kann dort unter kontrollierten Bedingungen sehen, ob typische Symptome oder Herzrhythmusstörungen auftreten oder ob es zu EKG-Veränderungen kommt, die auf eine Myokardischämie hindeuten. Die EKG-Veränderungen können auch schon Hinweise darauf geben, welches Herzkranzgefäß verengt ist und die Beschwerden verursacht.

Wenn die Untersuchungen darauf hindeuten, dass eine koronare Herzerkrankung vorliegen könnte, werden in der Regel zwei verschiedene weitere Methoden angewandt. Wenn die Wahrscheinlichkeit für eine koronare Herzerkrankung eher niedrig ist, kann ein kardiales Stress-MRT helfen, bei dem das Herz medikamentös unter Stress gesetzt und dabei geschaut wird, ob Durchblutungsstörungen oder Wandbewegungsstörungen auftreten. Meistens wird jedoch direkt eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt, bei der man Engstellen der Herzkranzgefäße nicht nur gut erkennen, sondern auch direkt behandeln kann, indem man die Stelle mit einem Ballon dilatiert und einen Stent einsetzt.

 Koronare Herzerkrankung
3D Illustration Koronare Herzerkrankung Copyright: Kateryna Kon, Bigstockphoto, www.grossesblutbild.de

 

Behandlung: Kampf gegen Engstellen und Gefäßverschlüsse

Es gibt verschiedene Strategien zur Behandlung der koronaren Herzerkrankung. Wichtig ist insbesondere eine Behandlung der Risikofaktoren, also eine Senkung von Blutfetten und arteriellem Blutdruck, eine gute Einstellung des Diabetes, Beenden des Nikotinkonsums und dem Abbau von Körpergewicht.

Zur medikamentösen Basistherapie gehören ASS und Statine. ASS sorgt dafür, dass die Bildung von Blutgerinnseln, die die Herzkranzgefäße verstopfen können, verhindert wird. Statine senken die Blutfette und mindern somit die Fetteinlagerung in den Gefäßwänden, die zu Engstellen führen. Weiterhin werden oft Betablocker eingesetzt, die Herzfrequenz und Blutdruck senken und dadurch den Sauerstoffverbrauch des Herzens verringern.

Zur symptomatischen Therapie der Angina pectoris werden Nitrate verwendet. Langwirksame Nitrate wie ISDN oder Molsidomin werden zur Anfallsprophylaxe eingesetzt, im akuten Angina-pectoris-Anfall werden kurzwirksame Nitrate wie Glyceroltrinitrat appliziert, meist als sublinguales Spray oder Beißkapsel.

Um Engstellen zu beheben oder verschlossene Herzkranzgefäße zu revaskularisieren, wird eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt, bei der Stents in die entsprechenden Engstellen eingesetzt werden. Sind die Engstellen so ausgeprägt oder an so vielen Stellen vorhanden, dass sich im Rahmen der Herzkatheteruntersuchung kein sinnvoller Interventionsansatz ergibt, wird in der Regel eine Bypass-Operation angeraten. Dabei werden Engstellen überbrückt, indem durch Blutzufuhr über andere Gefäße ein künstlicher Umgehungskreislauf geschaffen wird.

 

 

Tipps für Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung

Wie bei allen Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist es auch für die koronare Herzerkrankung sehr wichtig, die typischen Risikofaktoren gut zu behandeln. Gesunde Ernährung, körperliche Bewegung und eine konsequente und zuverlässige Einnahme von Medikamenten gehören dazu.

Quelle: Gerd Herold, Innere Medizin 2018

Weiterführende Links: http://www.herzstiftung.de/KHK.html

weiterlesen:
Herz-Kreislauf-Erkrankungen – Überblick und Symptome
Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung)
Herzmuskelschwäche
Koronare Herzkrankheit

Hinweis für unsere Leser

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Verantwortliche Autorin: Anna Nilsson, Journalistin und Medizinautorin seit 2001 mitwirkende Autorin, entsprechen ihre Inhalte dem aktuellen medizinischen Wissensstand und begründen sich auf ärztliche Fachliteratur.
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