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Erfahrungen, Studien, Hintergründe

Cannabis gewinnt in den letzten Jahrens zusehends an medizinischer Bedeutung. Neben der Behandlung von Schmerzen steht der Cannabis Wirkstoff aus Hanfpflanze inzwischen auch im Ruf, das Cannabis gegen Krebs wirksam sein kann.

Die medizinischen Hinweise verdichten sich, dass Inhaltsstoffe der ansonsten als Rauschdroge bekannten Gewächses Krebszellen abtöten. Daher könnte die Verabreichung von Cannabis als komplementäre Behandlungsmethode in der Krebstherapie interessant werden. Wir erklären Ihnen, was es damit auf sich hat.

Hilft Cannabis gegen Krebs?

Cannabis gegen Krebs auf Rezept

Im März 2018 ist das Gesetz „Cannabis als Medizin“ in Kraft getreten. Es regelt die Verschreibung von Blüten und Extrakten der Hanfpflanze (Cannabis sativa und Cannabis indica). Seitdem dürfen Ärzte in Deutschland Rezepte für Medizinalhanf ausstellen. Cannabisöl ist jedoch noch nicht erhältlich.

Das Endocannabinoidsystem

In den 1960er Jahren konnten israelische Wissenschaftler erstmals das psychoaktive Tetrahydrocannabinol (THC) aus der Hanfpflanze isolieren. Sie fanden heraus, dass dieses über spezielle Oberflächenmoleküle von Zellen, die Cannabindoid-Rezeptoren wirkt.

THC bindet an diese und setzt im Inneren der Zelle eine Signalkaskade in Gang. Danach war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die körpereigenen Substanzen identifizieren ließen, die normalerweise an diese Rezeptoren binden. Diese gehören zum Endocannabinoidsystem (ECS), mit Anandamid und 2-Ag als Hauptvertreter.

Dieses Endocannabbinoidsystem gehört zu den zentralen Schaltzentralen des Körpers. Es reguliert grundlegende Funktionen wie Gedächtnis, Schlaf, Lernprozesse, Temperaturregulation und Schmerzempfindungen. Ebenso beeinflusst das Signalsystem die Immunabwehr und die Verdauung.

Ist dieses System gestört, entstehen Krankheiten wie Morbus Parkinson, Chorea Huntington oder Multiple Skerose. Ebenso spielt es bei vielen Alterungsprozessen eine Rolle, wie Osteoporose, Demenz und Bildung von Hautfalten.

In Anbetracht dieser zentralen Bedeutung des Endocannabinoidsystems ist es nicht verwunderlich, dass es auch das Wachstum von Zellen und damit die Proliferation von Tumorzellen beeinflusst. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass neben Tetrahydrocannabinol (THC) auch Cannabidiol (CBD) und verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe, sogenannte Terpene Krebszellen abtöten.

Wissenschaftliche Untersuchungen über Cannabis gegen Krebs: Vom Laborversuch zur klinischen Studie

Diese Ergebnisse wurden in vitro, das heißt „im Reagenzglas“ außerhalb des Körpers in der Zellkultur erzielt. Zellkultur bedeutet, dass man isolierte, unsterbliche Zellen in einer Flasche mit Nährflüssigkeit sich vermehren lässt und an ihnen Experimente durchführt. In vielen Fällen lassen in der Zellkultur erzielte Untersuchungen erste Aussagen darüber machen, ob bestimmte Substanzen das Wachstum unsterblicher Zellen und damit Krebszellen beeinflussen.

Haben Wissenschaftler die Wirksamkeit einer Substanz in der Zellkultur bestätigt, ist normalerweise der Einsatz im Tierversuch der nächste Schritt. Tierversuche lassen sich leider kaum umgehen, da in einem Organismus pharmakologische Besonderheiten vorliegen, die sich anhand von Zellkulturdaten nicht abschätzen lassen.

Dazu gehören Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt, Transport im Blut, Aufnahme in bestimmte Zellen, Abbau und Ausscheidung, die bei einer einzelnen Zellkulturzelle keine Rolle spielen.

Der nächste Schritt ist die Klärung der Frage, ob sich diese Ergebnisse auch auf den Menschen übertragen lassen. Dafür sind klinische Studien notwendig, in denen man den Effekt einer Substanz gegenüber einem Scheinmedikament (Placebo) untersucht. Gerade bei Krebs sind solche Studien ethisch oft schwierig: Kann man es verantworten, einer Gruppe von Krebspatienten ein Placebo zu geben, das gegen ihre Erkrankung sicherlich nicht hilft?

Das Problem bei allen Untersuchungen von Cannabis gegen Krebs ist, dass es zahlreiche Belege für eine Wirksamkeit in vitro, etliche aus Tierversuchen, aber bisher keine aus klinischen Studien am Menschen gibt.

So könnte Cannabis wirksam sein:

Am interessantesten ist die Feststellung, dass zumindest in vitro CBD und THC gegen verschiedene Tumoren des Nervensystems helfen. Dazu gehören Neuroblastome und Glioblastome des Kindesalters. Aber auch beim Blutkrebs Leukämie und den wichtigen Krebsarten Brustkrebs und Prostatakrebs waren Laborversuche erfolgreich.

Wo Cannabis definitiv hilft

Selbst wenn Cannabis gegen Krebs eingesetzt nicht unbedingt den Tumor verschwinden lässt, hilft es auf jeden Fall gegen zahlreiche Symptome einer Krebsbehandlung. Dazu zählen Schmerzen, Übelkeit, Krämpfe und Erbrechen, die vielen Patienten während Chemotherapie und Bestrahlung erhebliche Probleme bereiten. Zudem lassen sich Appetitlosigkeit und neurologische Beschwerden wie Schlaflosigkeit, Depressionen und Angstzustände positiv beeinflussen.

Daher ist Cannabis in vielen Fällen ergänzend zur Chemotherapie oder Strahlentherapie vollkommen angebracht. Für eine solche komplementärmedizinische Behandlung sprechen zahlreiche wissenschaftliche Studien. Der Erfolg einer rein alternativmedizinischen Behandlung mit Cannabis, das heißt ohne die üblichen schulmedizinischen operativen, chemotherapeutischen oder strahlentherapeutischen Maßnahmen, erscheint hingegen zweifelhaft.

Buch-Empfehlungen zum Nachlesen:

Bestseller Nr. 1 Cannabis gegen Krebs: Der Stand der Wissenschaft und praktische Folgerungen für die Therapie
Bestseller Nr. 2 Cannabis und Krebs: Meine Suche nach Heilung
Bestseller Nr. 3 Cannabis als Medizin: Ein praktischer Leitfaden für den medizinischen Einsatz der Hanfpflanze

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Vorsicht vor übertriebenen Erwartungen an Cannabis gegen Krebs

Das Internet strotzt von Erfolgsmeldungen über den Einsatz von Cannabis gegen Krebs. Trotzdem sollte man sich lieber auf wissenschaftliche Studien verlassen und nicht auf anekdotische Heilungsgeschichten.

Noch ist viel zu wenig bekannt über die Einsatzmöglichkeiten von Cannabis und welche Inhaltsstoffe welche Wirkungen erzielen. Allumfassenden Heilsversprechen sollte man immer kritisch gegenüberstehen.

Dazu gehört das mittlerweile berühmte Rick Simpson-Öl. Wer nichts mehr zu verlieren hat, glaubt gerne an solche Wundermittel. Das Problem dabei: Viele Leute setzen in Eigenregie allein auf ein solches Präparat und verzichten auf eine schulmedizinische Behandlung.

Eines lässt sich mit Sicherheit feststellen: Die einfache Formel Cannabis heilt Krebs ist zu schön, um wahr zu sein. Krebs ist keine einheitliche Erkrankung, sondern umfasst Krankheitsbilder, deren einziges gemeinsames Merkmal das ungebremste Wachstum von Zellen ist. Welche Ursachen dahinterstecken, um welche Zelltypen es sich handelt und wie diese Zelltypen auf arzneiliche Wirkstoffe reagieren ist höchst unterschiedlich.

Trotzdem sollte dieser Aspekt in der Forschung weiter verfolgt werden und man sich in klinischen Studien Klarheit darüber verschaffen, in welchen Fällen eine Krebstherapie mit THC, CBD oder anderen Cannabinoiden angebracht ist. Die Aussichten, dass Cannabis gegen Krebs positive Effekte erzielen kann, scheinen auf jeden Fall recht gut zu sein. Im Falle der komplementärmedizinischen Behandlung gegen Schmerzen und Übelkeit sind sie sicher angebracht.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Franjo Grotenhermen: Cannabis gegen Krebs: Der Stand der Wissenschaft und praktische Folgerungen für die Therapie. Solothurn 2018: Nachtschatten-Verlag. ISBN-10: 3037885165
  • Monique Posthumus: Cannabis und Krebs: Meine Suche nach Heilung. Freiburg 2018: Aurum-Verlag. ISBN-10: 3958832164.
  • Franjo Grotenhermen, Britta Reckendrees: Die Behandlung mit Cannabis und THC: Medizinische Möglichkeiten, Rechtliche Lage, Rezepte, Praxistipps. Solothurn 2018: Nachtschatten-Verlag. ISBN-10: 303788147X.
  • Russo EB: Cannabidiol Claims and Misconceptions. Trends Pharmacol Sci. 2018 May;38(5):499.
  • Abrams DI, Guzman M: Cannabis in cancer care. Clin Pharmacol Ther. 2018 Jun;97(6):575-86.
  • Kramer JL: Medical marijuana for cancer. CA Cancer J Clin. 2018 Mar;65(2):109-22.
  • Chakravarti B, Ravi J, Ganju RK: Cannabinoids as therapeutic agents in cancer: current status and future implications. Oncotarget. 2018 Aug 15;5(15):5852-72.
  • Bao Y, Kong X, Yang L, Liu R, Shi Z, Li W, Hua B, Hou W: Complementary and alternative medicine for cancer pain: an overview of systematic reviews. Evid Based Complement Alternat Med. 2018;2018:170396.
  • PDQ Integrative, Alternative, and Complementary Therapies Editorial Board: Cannabis and Cannabinoids (PDQ®): Patient Version. PDQ Cancer Information Summaries [Internet]. Bethesda (MD): National Cancer Institute (US); 2002-2018 Dec 20.
Hinweis für die Leser

Diese Inhalte sind zur Information gedacht. Sie sind kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bitte konsultieren Sie dafür immer einen Arzt.

Dr. rer. medic. Harald Stephan, Doktor der Medizinwissenschaften und Naturwissenschaftler mit medizinischer Promotion. Dieser Artikel entspricht aktuellen wisenschaflichen Standards und medizinischen Leitlinien.