Arthralgie Symptome, Ursachen und Behandlung

Mit Arthalgie (Arthrodynie) bezeichnet man alle Formen von Gelenkschmerzen. Meistens sind Knie, Schulter, Hüfte oder Ellbogen betroffen. Solche Schmerzen können eine ganze Reihe von Ursachen haben, die von Abnutzungserscheinungen, Infektionen und Stoffwechselerkrankungen bis zu traumatischen Verletzungen reicht. Sie tritt vorwiegend im fortgeschrittenen Alter auf und gehört zu den häufigsten Gründen für einen Arztbesuch. Eine rechtzeitige Therapie der Grunderkrankung verhindert Dauerschmerzen und Funktionsverlust.

Arthalgie Gelenkschmerzen
Arthalgie (Arthrodynie) bezeichnet man alle Formen von Gelenkschmerzen, Copyright: Hubis bigstockphoto

 

 

Definition und Formen der Erkrankung

Das Wort Arthralgie stammt aus dem Griechischen, wo άρθρωση (árthrosi) Gelenk und άλγος (álgos) Schmerz bedeutet. Streng genommen handelt es sich dabei um alle Schmerzen, die keine Entzündungen als Ursache haben. Diese bezeichnet man als Arthritis. Im üblichen medizinischen Sprachgebrauch nimmt man eine solche Unterscheidung meistens nicht vor, da Arthralgien ihrerseits bei praktisch allen Formen der Arthritis auftreten.

Je nach Lokalisation unterscheidet man

  • Omalgie – Arthralgie des Schultergelenks
  • Koxalgie – Arthralgie des Hüftgelenks
  • Gonalgie – Arthralgie des Kniegelenks
  • Arthralgie des Handgelenks
  • Arthralgie des Sprunggelenks.

Gelenkschmerzen Ursachen und Risiko der Arthralgie 

Die Ursachen der Arthralgie sind vielfältig und reichen von destruktiv-degenerativen Erkrankungen über traumatische Verletzungen bis zu Entzündungen außerhalb des eigentlichen Gelenks (siehe Unterschied zur Arthritis!). Solche Ursachen wirken sich auf eines (monoartikulär) oder mehrere Gelenke (polyartikulär) aus und führen zu Arthralgien, deren Dauer von wenigen Stunden bis zu Jahren reicht.

Als Ursachen einer Arthralgie (Gelenkschmerzen) kommen folgende Erkrankungen infrage:

  • Arthralgie (Gelenkschmerzen) infolge Infektionen
    • Virenbedingte Arthritis verursachen die Hepatitisviren B und C, ebenso das Rötelnvirus (Rubella-Virus), Windpockenvirus (Varicella-Zoster-Virus) und Masernvirus sowie Alphaviren und Parvoviren.
    • Lyme-Borreliose durch Infektionen mit Borrelia burgdorferi nach einem Zeckenbiss.
    • Gonokokken-Arthritis infolge einer Infektion mit dem Bakterium Neisseria gonorrhoeae, dem Erreger der Gonorrhöe (Tripper).
    • Rheumatisches Fieber nach einer vorangegangen Streptokokken-Infektion der Atemwege. Neben den Gelenken sind Herz (rheumatische Endokarditis), Haut und Gehirn betroffen.
    • Septische Arthritis (Pyarthrose), eine eitrige Entzündung eines Gelenkes infolge einer direkten bakteriellen Infektion des Gelenks. Meist nach traumatischen Verletzungen, endoskopischen Untersuchungen (Arthroskopien) oder als Sekundärinfektionen nach Einsetzen künstlicher Gelenke (Endoprothesen).
    • Reaktive Arthritis. Arthritis kann durch Infektionen hervorgerufen, ohne dass die Erreger im Gelenk selbst nachweisbar sind. Hervorgerufen wird diese durch Salmonellen, Shigellen, Yersinien oder Chlamydien in den Harnwegen oder Magen-Darm-Trakt.
    • Morbus Reiter ist eine Sonderform der reaktiven Arthritis, bei der neben Entzündungen der Gelenke solche der Bindehaut und der Harnröhre hinzukommen.
  • Arthralgie (Gelenkschmerzen) durch Verletzungen
    • Traumatische Verletzungen. Dazu gehören Prellungen, Verrenkungen oder sonstige Unfallverletzungen, etwa der Kniegelenke bei Stürzen.
  • Arthralgie (Gelenkschmerzen) durch Arthrose
    • Arthrosen sind degenerative Gelenkerkrankungen, die angeboren oder erworben auftreten können. Dazu gehören Fehlstellungen der Gelenke (Beispiel Hüftgelenksdysplasie) oder Deformationen infolge einer Osteoporose. Arthrose ist die häufigste degenerative Gelenkerkrankung (Arthropathie) und betrifft vor allem die Kniegelenke und Hüftgelenke.
  • Arthralgie (Gelenkschmerzen) durch Medikamente
    • Medikamenten-induzierte Arthritis
  • Arthralgie (Gelenkschmerzen) durch Stoffwechselerkrankungen
    • Gicht, anfallsartige Gelenksentzündungen durch die Ansammlung von Harnsäure infolge erhöhter Blutwerte (Hyperurikämie) bei Störungen des Purinstoffwechsels. Vor allem mit schmerzhaften Rötungen und Schwellungen des Großzehengrundgelenks (Podagra).
    • Pseudogicht ist eine gichtähnliche Erkrankung, bei der jedoch nicht Harnsäure in den Gelenken auskristallisiert, sondern Calciumdiphosphat.
  • Arthralgie durch Autoimmunerkrankungen
    • Rheumatoide Arthritis ist die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung, die alle Gelenke betreffen kann. Besonders charakteristisch sind aber schwerwiegende Deformationen der Fingergelenke, die schmerzhaft gerötet und geschwollen erscheinen. Die Erkrankung verläuft schubweise. Genau sind die Ursachen noch nicht geklärt, aber man vermutet eine autoimmune Ursache, Bakterien und sogar Zahnfleischentzündungen (Parodontitis) als auslösende Faktoren.
    • Systemischer Lupus erythematodes, eine Autoimmunerkrankung unbekannter Ursache, die sich gegen die Gelenke und körpereigene Organe wie Haut und Nieren bis hin zum Multiorganversagen richtet.
    • Morbus Behçet (maligne Aphthose), eine Entzündung von Venen und Kapillargefäßen mit Beteiligung von Gelenken, Augen, Lunge und anderer Organe infolge einer überschießenden Immunreaktion gegen Viren oder Bakterien.
  • Arthralgie infolge genetischer Schäden
    • Ehlers-Danlos-Syndrom ist eine seltene Erbkrankheit des Kollagens des Bindegewebes. Dabei ist bei der die Haut extrem dehnbar und die Gelenke überbeweglich.
    • Hämarthrose, eine Gelenkserkrankung infolge wiederholte Einblutung in den Gelenkspalt. Vor allem bei angeborenen Störungen der Blutgerinnung (Bluterkrankheit, Hämophilie).

 

Arthalgie Gelenkschmerzen
Arthalgie (Arthrodynie) bezeichnet man alle Formen von Gelenkschmerzen, Copyright: Hubis bigstockphoto

 

Gelenkschmerzen Diagnose und Untersuchungsmethoden

Die beiden wichtigsten Untersuchungsmethoden zur Diagnose einer Arthralgie sind die Befragung des Patienten (Eigenanamnese, Fremdanamnese) und die körperliche Untersuchung. Entzündliche Prozesse lassen sich anhand der Entzündungswerte im Blutbild nachweisen. Das sind in erster Linie eine erhöhte Leukozytenzahl sowie Erhöhungen des Blutwertes des C-reaktiven Proteins (CRP) und der Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG).

Hinzu kommen bildgebende Verfahren wie Ultraschalluntersuchung (Sonographie) oder Röntgendiagnostik des betroffenen Gelenks.

Gelenkschmerzen Symptome der Arthralgie 

Typische Leitsymptome einer Arthralgie sind

  • Anlaufschmerzen, sobald man mit der Bewegung des Gelenks beginnt. Typisch für degenerative Arthralgien (Arthrosen).
  • Bewegungsschmerzen während der Bewegungen des Gelenks. Bei Arthrosen.
  • Ruheschmerzen selbst ohne Bewegung. Tritt bevorzugt nachts auf, vor allem bei entzündlichen Erkrankungen (Arthritis). Bei degenerativen Arthralgien treten Ruheschmerzen nach einer längeren Belastung auf.
  • Belastungsschmerzen bei Bewegungen des Gelenks, verschwindet bei Ruhe. Tritt bei traumatischen, degenerativen wie auch entzündlichen Arthralgien auf.

Bei Entzündungen (Arthritis) sind typische Anzeichen

  • Schmerzen vor allem unter Belastung
  • Rötungen
  • Überwärmung
  • Druckempfindlichkeit
  • eingeschränkte Bewegungsfähigkeit.

Gelenkschmerzen Verlauf

Lange anhaltende Arthralgien werden gegebenenfalls chronisch und führen zu einer fortschreitenden Verschlimmerung der Symptome. Dazu gehören

  • ständige Überwärmung der betroffenen Gelenke
  • rötliche bis bläuliche Verfärbungen
  • Anschwellen der Gelenke
  • Deformationen des Gelenks und der angrenzenden Knochen
  • zunehmende Versteifung der betroffenen Gelenke
  • gegebenenfalls Fieber.

Erfolgt keine rechtzeitige Behandlung, kann das eine bleibende Versteifung der Gelenke und chronische Schmerzen verursachen.

Gelenkschmerzen Behandlung

Die Behandlung einer Arthralgie hängt in erster Linie von der zugrundeliegenden Ursache ab. Bekämpft man diese, bessert sich in der Regel auch die Arthralgie. Eine Ausnahme machen degenerative Erscheinungen, die naturgemäß nicht mehr rückgängig zu machen sind. Einfache Arthalgien infolge Überbelastung etwa nach Sport gehen in der Regel nach einigen Tagen von selbst zurück und müssen nicht besonders behandelt werden. Gegebenenfalls ist in solchen Fällen eine schmerzlindernde Therapie mit Salben oder Tabletten angebracht.

Bei allen Verschleißerscheinungen an Gelenken hilft eine frühzeitig eingeleitete Therapie dabei, den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen und weitere Schädigung mit schlimmerem Schmerzen zu verhindern. Bei altersbedingter Arthrose ist eine vollständige Heilung nicht möglich, da man einmal aufgetretene Schäden nicht behoben werden können. Jedoch lässt sich ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung vermeiden.

Infektiöse Ursachen bekämpft man in der Regel mit Antibiotika, die die verursachenden Bakterien abtöten.

Sind Fehlfunktionen des Immunsystems die Ursache der Arthralgie, versucht der Arzt die entzündlichen Ereignisse mithilfe von Immunsuppressiva einzudämmen.

Bei praktisch allen Formen der Arthralgie spielt zugleich die Behandlung der damit verbundenen Schmerzen eine wesentliche Rolle. Neben Physiotherapie und Krankengymnastik kommen Schmerzmittel (Analgetika wie Diclofenac, Ibuprofen und Paracetamol) und Entzündungshemmer (Antiphlogistika) zum Einsatz. In harmloseren Fällen helfen auch Wärmepflaster oder Pflaster mit Capsicain, die man auf der Haut über dem betroffenen Gelenk auflegt. Naturheilkundlich arbeiten viele Therapeuten mit Akupunktur, Homöopathie, Schüßler-Salzen, Osteopathie und Neuraltherapie.

Bei schwerwiegenden und irreversiblen Schäden muss man gegebenenfalls chirurgisch das geschädigte Gelenk entfernen und eine Endoprothese als Gelenkersatz einsetzen.

 

 

Literatur und Quellen

  1. Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2018: G. Herold-Verlag. ISBN-10: 3981466063
  2. Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
  3. Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2018: Walter de Gruyter-Verlag. ISBN-10: 3110339978.
  4. Helga Donath: Innere Medizin. Lehrbuch für Krankenpflege und Studium. 7. Auflage. Stuttgart 1993: Schattauer-Verlag. ISBN-10: 3794514963.
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Verantwortliche Autorin: Anna Nilsson, Journalistin und Medizinautorin seit 2001 mitwirkende Autorin, entsprechen ihre Inhalte dem aktuellen medizinischen Wissensstand und begründen sich auf ärztliche Fachliteratur.
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