Schmerzen der Gallenblase

Wenn die Gallenblase Schmerzen macht, sind die Symptome ausgesprochen unangenehm. Häufig treten diese unmittelbar nach dem Essen auf.

Meistens handelt es sich dabei um Gallenkoliken, die von Steinen verursacht werden. Diese blockieren den Abfluss der Gallenflüssigkeit in den Darm und versetzen die Sinneszellen in der Gallenblase und den ableitenden Gallenwegen in Aufruhr.

Wir erklären Ihnen, was es mit Gallenblase-Schmerzen und ihren Symptomen auf sich hat.

Gallen Schmerzen und Symptome

Gallenblase: Woher kommen die Schmerzen und Symptome?

Der rechte Oberbauch unterhalb der Rippen und unterhalb des für die Atmung verantwortlichen Zwerchfelles wird von der Leber beherrscht.

Das wichtige Stoffwechsel- und Entgiftungsorgan hat in ihrem Inneren keinerlei Schmerzrezeptoren, sodass viele Lebererkrankungen zunächst unbemerkt verlaufen. Nur Schwellungen durch Leberentzündungen und andere Ursachen drücken auf die empfindliche Kapsel des Organs und bereiten Schmerzen. Bei Oberbauchschmerzen rechts ist zumeist die Gallenblase der Übeltäter. Sie sitzt auf der Unterseite der Leber in einer Mulde und verfügt im Gegensatz zu ihrer Nachbarin über jede Menge schmerzempfindlicher Nervenendigungen.

Daher bereitet alles, was die Gallenblase selbst oder die Ausführgänge in Richtung Dünndarm reizt, dehnt oder sonst irgendwie beeinflusst zu teils erheblichen Schmerzen.

Gallenblase-Schmerzen und ihre Symptome – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Die Gallenblase ist in der Mehrzahl der Fälle verantwortlich für Oberbauchschmerzen rechts.
  2. Ursache der Schmerzen sind oftmals Gallensteine, die aus eingedickter Galle entstehen.
  3. Führen diese zu einem Verschluss der Gallenblase oder Gallengänge, sind Schmerzen und Gelbsucht die Folge.
  4. Weitere Folgen von Gallensteinen sind Entzündungen der Gallenblase und Gallengänge.
  5. Relativ selten treten Schmerzen infolge von Tumorerkrankungen auf, die oft erst spät erkannt werden.

 

Innere Organe des Menschen

Gallenblase Schmerzen und Symptome: Was kann da weh tun?

Um zu verstehen, wie bei der Gallenblase die Schmerzen und Symptome zustande kommen, ist es hilfreich, den grundsätzlichen Aufbau und die wichtigsten physiologischen Merkmale des Organs zu kennen.

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Die Gallenblase (Vesica biliaris) ist ein dünnwandiger Sack von langgezogener birnenförmiger Gestalt. Seine Wand besteht im Inneren aus einer Schleimhautschicht (Tunica mucosa), die die Gallenblase vor ihrem eigenen Sekret schützt.

Darauf folgt eine Schicht von glatten Muskelzellen (Tunica muscularis) und eine Bindegewebsschicht (Lamina subserosa), die mit der Leberkapsel (Capsula fibrosa hepatis) verwachsen ist.

Die Gallenflüssigkeit produziert die Gallenblase nicht selbst, sondern erhält sie von der Leber über den Lebergang (Ductus hepaticus communis) und Gallengang (Ductus cysticus). Sie dient nur der Speicherung und Ankonzentrierung der Flüssigkeit.

Nur bei Bedarf, das heißt bei Nahrungsaufnahme, gibt sie die Galle über den Gallengang und den ausführenden Hauptgallengang (Ductus choledochus) in den Dünndarm ab.

Diese Abgabe steuern Hormone und das vegetative Nervensystem. Registriert der Dünndarm ankommenden Nahrungsbrei, schüttet er das Hormon Cholecystokinin aus, das die Kontraktion der Muskulatur der Gallenblase veranlasst.

Unterstützt wird dies durch Signale des vegetativen Nervensystems an ein Nervengeflecht, das Leber und Galle innerviert (Plexus hepaticus). Durch die Muskelkontraktion zieht sich die Gallenblase zusammen und gibt die Flüssigkeit in den Hauptgallengang ab.

Die meisten sensiblen Nervenendigungen, die bei der Gallenblase für Schmerzen und Symptome verantwortlich sind, liegen in der äußersten, bindegewebigen Schicht der Lamina subserosa.

Sie kommen aus dem Zwerchfellnerven (Nervus phrenicus), der in erster Linie das Zwerchfell versorgt. Gleiches gilt für die ableitenden Gallengänge, die ebenfalls hochsensibel reagieren.

Gallenblase: Schmerzen und Symptome durch Gallensteine

Die beschriebene Ankonzentrierung des aus der Leber kommenden Gallensaftes dient dazu, möglichst viel Konzentrat zur Verfügung zu haben, wenn Nahrung im Darm eintrifft.

Die Schattenseite eines solchen Konzentrates: Die Konzentration von Cholesterin oder des Bilirubins aus dem Abbau des roten Blutfarbstoffes kann dazu führen, dass diese sich zu Gallensteinen (Konkrementen) verdichten. Deren Größe reicht von grieskorngroß bis zu mehreren Zentimetern Durchmesser.

Viele Menschen haben eine Gallenblase voller Gallensteine, die niemals Probleme verursachen. Bisweilen verstopft ein solcher Gallenstein den Abfluss der Gallenblase oder gelangt in die ableitenden Gallengänge (Gallenstau, Cholestase).

Man spricht hier medizinisch von einer Cholelithiasis (griechisch für Gallensteine) und speziell in der Gallenblase von einer Cholezytolithiasis (Gallenblasensteinen) oder im Hauptgallengang von einer Choledocholithiasis (Gallengangsteinen).

Je nach Abflussbehinderung reicht die Palette der Schmerzen von leichten Oberbauchschmerzen rechts bis zu stundenlangen kolikartigen Krämpfen.

Zugleich ist den Patienten übel, sie leiden an Brechreiz, Verdauungsstörungen und Blähungen und schwitzen sehr stark. Für die Auslösung solcher Gallenkoliken genügt oft der Anblick von Essen. Das vegetative Nervensystem signalisiert Nahrung im Anmarsch und die Kontraktion der Gallenblase verursacht Schmerzen.

Eine Behinderung des Abflusses der Gallenflüssigkeit führt zu einer Ansammlung von Bilirubin im Blut. Der Gallenfarbstoff ist das Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes, des Hämoglobins, und dient in der Gallenflüssigkeit der Fettverdauung im Dünndarm.

Steigt der Blutwert für Bilirubin über 2 Milligramm pro Deziliter, färbt sich das Weiße im Auge, später ab fünf Milligramm die gesamte Haut gelb. Man spricht von einer Gelbsucht (Ikterus).

Gallenblase Schmerzen und Symptome durch eine Gallenblasenentzündung

Gallensteine sind zugleich die Hauptursache für Entzündungen der Gallenblase (Cholezystitis). Staut sich die Gallenflüssigkeit, führt das zunächst zu den beschriebenen Schmerzen und schließlich zu einer Schädigung der Schleimhautschicht im Inneren.

Die Folge ist eine Entzündung mit Einwanderung von weißen Blutkörperchen. Die mangelnde „Spülung“ lässt zudem Bakterien aus dem Dünndarm einwandern, die eine Infektion hervorrufen und zudem Fieber hervorrufen.

Entzündet sich die Gallenblase, sind Schmerzen und Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbrüche die Folge. Auch hier reichen oft der Geruch oder das Ansehen von Nahrung für die Auslösung von Koliken.

Ebenso führt der Rückstau von Gallenflüssigkeit zu Gelbsucht und hohen Bilirubinwerten im Blut. Durch die Infektion steigen zudem die Entzündungszeichen unter den Blutwerten, vor allem der Blutwert der Leukozyten und der CRP-Blutwert (C-reaktives Protein).

Gallenblase: Schmerzen und Symptome der Reizgalle

Reizgalle nennt man eine psychosomatische Erkrankung ähnlich wie Reizmagen oder Reizdarm. Störungen des vegetativen Nervensystems führen zu einer gestörten Beweglichkeit der Gallengänge (Dyskinesien).

Typisch für die Reizgalle ist, dass die Schmerzen im Oberbauch rechts unangenehm, aber nicht gefährlich sind. Denn die Blutwerte wie Bilirubin und Entzündungszeichen ändern sich hierbei nicht.

Gallenblase: Schmerzen und Symptome bei Krebserkrankungen

Ähnliche Symptome und Schmerzen treten auch auf, wenn Tumoren den Abfluss der Galle behindern. Dabei handelt es sich um Gallenblasenkarzinome oder Gallengangkarzinome. Zuvor sind diese Krebserkrankungen symptomfrei, sodass man sie oft erst spät diagnostiziert.

Gallenblase Schmerzen: Symptome in der Schulter – Wo kommen die denn her?

Dass die kleine, im Oberbauch versteckte Gallenblase ganz erhebliche Schmerzen im Schulterbereich auslösen kann, überrascht fast alle Patienten. Das liegt daran, dass die Hautnerven aus dem gleichen Segment des Rückenmarks entspringen wie der Zwerchfellnerv, der die Gallenblase versorgt.

Hier handelt es sich um den vierten Halswirbel (C4), aus dem die Nerven für die Hautareale hinten am unteren Nacken und vorne auf den Schultern und unter dem Schlüsselbein kommen. Eine Reizung der sensiblen Nerven in der äußersten Bindegewebsschicht der Gallenblase projeziert daher auf dieses Hautareal (Dermatom) an der Schulter. Man bezeichnet so etwas als übertragenen Schmerz, den man an einer ganz andere Stelle als der seines Ursprungs wahrnimmt.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag. ISBN-10: 3981466063
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