Im Alltag oder Sport – Warum gerate ich so schnell außer Atem?

Ihnen geht schnell die Puste aus? Sie sollten das nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn unter Umständen deutet das auf eine ernsthafte Erkrankung hin. Atemnot unter Belastung bedeutet praktisch immer, dass die Organe zu wenig Sauerstoff bekommen. Dann fordern sie bei Herz und Lunge Nachschub an. Die Folge sind erhöhter Herzschlag und verstärkte Atmung, mit denen der Körper den Sauerstoffbedarf zu decken versucht.

Tritt regelmäßig trotz erhöhter Atem- und Herzfrequenz Atemnot bei Belastung auf, ist eine Krankheit die Ursache. In den meisten Fällen steckt ein Herzklappenfehler, eine Herzschwäche oder eine Lungenerkrankung dahinter, die dringend behandelt werden müssen.

Atemnot bei Belastung im Sport
Atemnot bei Belastung im Sport – Copyright: RasselOK bigstockphoto,

Schnell außer Atem: Meistens sind Herz oder Lunge schuld – Definition der Belastungsdyspnoe

Atemnot bei Belastung? Wenn Sie schon bei geringer körperlicher Aktivität nach Luft schnappen, hat das nicht unbedingt mit Ihrem Alter oder Ihrem Trainingszustand zu tun. Das glauben die meisten Leute und messen dem keine besondere Bedeutung zu. Fast immer liegt es an einer unzureichenden Leistungsfähigkeit des Herzens oder einer Lungenerkrankung, dass man schnell außer Atem gerät.

Schnell außer Atem? – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Wenn Sie schon bei geringfügiger körperlicher Belastung wie dem Steigen einiger Treppenstufen schnell außer Atem geraten, liegt das an einem verminderten Sauerstoffangebot im Körper. Ein solcher Sauerstoffmangel ist auf Erkrankungen der Lunge, des Herzens, der Atemmuskulatur oder des Blutes zurückzuführen.
  2. Bei Herzinsuffizienz oder Herzklappeninsuffizienz wird durch verminderte Herzleistung nicht genug sauerstoffreiches Blut in den Körper gepumpt. Im weiteren Verlauf können Komplikationen bis hin zu Herzinfarkt und Schlaganfall auftreten.
  3. Die Raucherlunge (COPD) ist die häufigste Ursache in der Lunge. Sie ist nicht heilbar und führt letztlich zur vollständigen Bewegungseinschränkung.
  4. Blutarmut (Anämie) verursacht Atemnot durch verminderte Transportkapazität des Blutes. Die meisten Formen sind therapierbar, sodass die Symptome schnell verschwinden.
  5. Verschiedene nicht heilbare Erkrankungen, die die Atemmuskulatur beeinträchtigen, führen zu fortschreitenden Atemproblemen bis hin zum Atemstillstand.

Atemnot bei Belastung:

Wenn bei erhöhter körperlicher Beanspruchung zu wenig sauerstoffreiches Blut im Körper zirkuliert, signalisieren die Zellen über das vegetative Nervensystem einen höheren Sauerstoffbedarf. Das veranlasst Herz und Lunge gleichzeitig zu verstärkter Tätigkeit, damit mehr Sauerstoff über die Lunge in die Blutbahn gelangt und vom Herzen an die Bestimmungsorte gebracht werden kann. Jeder kennt das vom Sport. Reicht der Sauerstoff wieder aus, signalisiert der Körper auch das und sorgt dafür, dass Lunge und Herz ihre Aktivität herunterfahren. Wenn man nach einer Stunde Jogging oder einem Marathonlauf nach Luft schnappt, ist das völlig normal.

Atemnot bei Belastung im Alltag -
Atemnot bei Belastung im Alltag – Copyright: vectorfusionart bigstockphoto,

Atemnot bei Belastung im Alltag

Wenn Sie aber schon bei wenigen Stufen Treppensteigen oder sonstiger geringfügiger Anstrengung schnell außer Atem geraten, stimmt etwas nicht. Medizinisch spricht man von einer Dyspnoe, genauer einer Belastungsdyspnoe. Eine Ruhedyspnoe tritt hingegen unabhängig von körperlicher Aktivität bereits unter Ruhebedingungen auf.

Auch bei einer Belastungsdyspnoe ist Sauerstoffmangel das Signal, das die Lunge zu erhöhter Atemfrequenz und das Herz zu mehr Aktivität veranlasst. Nur reichen die verstärkten Anstrengungen der beiden Organe nicht aus, um den Sauerstoffbedarf zu befriedigen. Als Ursache dafür kommen verschiedene Erkrankungen infrage, die zu den verschiedenen Formen der Belastungsdyspnoe und ihren Symptomen führen.

 

Formen von Atemnot bei Belastung: Die verschiedenen Formen der Erkrankung

Ein mangelnder Sauerstoffnachschub kann auf mehrere Ursachen zurückzuführen sein:

  • Das Herz ist nicht in der Lage, ausreichende Mengen Sauerstoff in den Körper zu pumpen.
  • Die Lunge schafft es nicht, genug Sauerstoff auszutauschen und an das Blut zu binden.
  • Die Atemmuskulatur funktioniert nicht richtig.
  • Das Blut kann nicht die üblichen Mengen an Sauerstoff transportieren.

Atemnot bei Belastung: Allgemeine Symptome

Dass man schnell außer Atem gerät, ist nur das auffälligste Symptom bei den Erkrankungen, die hinter der Belastungsdyspnoe stecken. Meist kommt eine ganze Reihe weiterer Beschwerden hinzu, die mit dem verminderten Sauerstoffangebot einhergehen:

  • körperliche Abgeschlagenheit
  • verminderte Leistungsfähigkeit
  • ständige Müdigkeit
  • Herzklopfen (Palpitationen) bei zumeist beschleunigtem Herzschlag (Tachykardie)
  • Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien), mit möglichen weiteren Auswirkungen durch die Bildung von Blutgerinnseln (Thromboembolien), wie
  • Lungenstauungen durch verminderten Abtransport des Blutes in den Körper, die letztlich zur
  • Rechtsherzinsuffizienz führen, ebenfalls mit möglichen weiteren Symptomen wie
    • hervortretenden Venen im Halsbereich
    • Wassereinlagerungen (Ödeme) an den Füßen und Unterschenkeln
    • Stauungen in Leber und Niere.
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Die hiermit verbundenen Symptome an Herz und Lunge sind selbst Ursachen für eine Belastungsdyspnoe – das bedeutet, dass sich deren Beschwerden durch diese gegebenenfalls zusätzlich auftretenden Erkrankungen noch weiter verschlimmern.

Atemnot bei Belastung: Symptome und Verlauf bei herzbedingten Ursachen

Herzbedingte (kardiale) Ursachen sind mit die häufigsten Gründe dafür, dass man schnell außer Atem gerät. Eine verminderte Leistungsfähigkeit ist darauf zurückzuführen, dass der Herzmuskel oder der Blutfluss innerhalb des Herzens nicht richtig funktionieren.

  • Herzinsuffizienz ist keine eigenständige Krankheit, sondern die Auswirkung verschiedener Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Meist entwickeln sich diese über Jahre hinweg, sodass eine Herzinsuffizienz meistens ältere Menschen betrifft. Die beiden wichtigsten Grunderkrankungen, die zu einer Herzinsuffizienz führen, sind Bluthochdruck (Hypertonie) und die koronare Herzkrankheit (KHK), bei der sich die das Herz selbst versorgenden Gefäße verengen.
    • Linksherzinsuffzienz. Wenn Sie schnell außer Atem geraten, ist hier zumeist eine Linksherzinsuffizienz die Ursache. Die linke Herzhälfte ist für die Blutversorgung des Körperkreislaufes zuständig und bekommt sauerstoffreiches Blut aus dem Lungenkreislauf. Wird davon nicht genug in den Körper gepumpt, meldet dieser Sauerstoffmangel – mit Atemnot als Folge.
    • Rechtsherzinsuffizienz. Im weiteren Verlauf führt der Rückstau im Lungenkreislauf dazu, dass auch die rechte Herzhälfte verstärkt pumpen muss, was sich in einer Verdickung des Muskels (Rechtsherzhypertrophie) und letztlich Rechtsherzinsuffizienz äußert.
    • Globale Herzinsuffizienz. Sind letztlich beide Herzhälften nicht mehr in der Lage, ihrer Funktion in hinreichendem Maße nachzukommen, spricht man von einer globalen Herzinsuffizienz. In einem solchen Falle verstärkt sich die Atemnot bei Belastung noch zusätzlich und kann schon bei geringer körperlicher Anstrengung zu einer Überlastung des Herzens führen.
  • Herzklappeninsuffizienz bedeutet, dass die als Ventile funktionierenden Herzklappen nicht mehr richtig schließen. Das hat zur Folge, dass ein Teil des weitertransportierten Blutes durch die schadhafte Herzklappe zurückfließt. Das bedeutet eine verminderte Effektivität des Bluttransportes, gegen die das Herz verstärkt anpumpen muss. Häufigste Ursache für Atemnot bei Belastung ist eine Mitralklappeninsuffizienz, eine Insuffizienz der Klappe zwischen dem linken Vorhof und der linken Hauptkammer. Bei dieser gilt die Atemnot bei Belastung als Leitsymptom. Hier treten die oben geschilderten allgemeinen Symptome auf, also vor allem
    • Herzklopfen
    • Herzryhtmusstörungen
    • Lungenstauungen und letztlich
    • Rechtsherzinsuffizienz.

Atemnot bei Belastung: Symptome und Verlauf bei lungenbedingten Ursachen

Lungenbedingte (pulmonale) Ursachen sind im Vergleich zu den herzbedingten bei der Atemnot bei Belastung seltener. Erkrankungen des Atmungsorgans führen zu einem verminderten Sauerstoffaustausch. Schnell außer Atem gerät man beispielsweise bei

  • Lungenentzündung (Pneumonie) durch Infektionen oder bei erhöhtem Risiko durch Rauchen, Herzinsuffizienz, Allergien und andere. Hier treten neben der Atemnot auf:
    • Husten
    • erhöhte Atemfrequenz (Tachypnoe)
    • beschleunigter Pulsschlag (Tachykardie)
    • Fieber
    • Brustschmerzen
  • Lungenembolie durch Verstopfung eines Lungengefäßes durch ein Blutgerinnsel.
    • Husten
    • erhöhte Atemfrequenz (Tachypnoe)
    • beschleunigter Pulsschlag (Tachykardie)
    • Blutdruckabfall (Hypotonie)
    • Herzrhythmusstörungen
    • Schwellungen und Schmerzen in den unteren Extremitäten

Diese beiden Erkrankungen führen zu akuten Symptomen und werden in der Regel schnell diagnostiziert und behandelt. Danach verschwindet die Atemnot bei Belastung wieder.

Anders sieht das aus bei den nicht heilbaren Erkrankungen

  • Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (chronic obstructive pulmonary disease, COPD), umgangssprachlich als Raucherlunge bezeichnet. Sie ist neben den herzbedingten Ursachen der häufigste Grund für Atemnot bei Belastung. Diese nimmt mit zunehmender Schwere der Erkrankung zu und führt letztlich zu einer vollständigen Bewegungseinschränkung des Patienten. Hinzu kommen die für eine COPD typischen Symptome Husten und Auswurf (Sputum), teilweise mit Blutbeimengungen (Hämoptyse).
  • Asthma bronchiale. Auch beim Asthma kommt es zu akuter Luftnot, allerdings erst nach längerer körperlicher Belastung als bei einer COPD. Zudem ist hier typischerweise vor allem das Ausatmen erschwert. Die Dyspnoe tritt beim Asthma nur anfallsartig auf und ist häufig mit nächtlichem trockenen Husten verbunden.
  • Mukoviszidose. Bei dieser Erbkrankheit ist der Schleim in den Atemwegen wesentlich zäher als normal. Das führt zu gehäuften Infekten, chronischem Husten und Lungenentzündungen. Vor allem letztere führen zu einer zunehmenden Lungeninsuffizienz, die sich in Atemnot bei Belastung äußert.

Atemnot bei Belastung: Symptome und Verlauf bei verminderter Fähigkeit des Blutes zum Sauerstofftransport

Schnell außer Atem gerät man auch, wenn das Blut selbst nicht in der Lage ist, ausreichende Mengen an Sauerstoff zu binden. Das ist in Höhenlagen der Fall, weil der übliche Hämoglobingehalt der roten Blutkörperchen nicht ausreicht, um mit dem geringen Sauerstoffangebot in der Höhe klarzukommen. Daher ist man bei Wanderungen im Gebirge wesentlich schneller kurzatmig als im Tal. So etwas ist allerdings vollkommen normal und nicht pathologisch.

Das ist hingegen bei einer Blutarmut (Anämie) der Fall. Werden zu wenige rote Blutkörperchen gebildet, zu viele davon abgebaut oder zerstört (Hämolyse) oder enthalten sie zu wenig vom Sauerstoff-transportierenden Hämoglobin, führt das ebenfalls zu Atemnot bei Belastung. Die aufgeführten allgemeinen Symptome treten hier je nach zugrundeliegender Ursache relativ schnell oder langsam auf. Wenn sich die Anämie infolge Therapie oder Gesundung bessert, verschwinden die Beschwerden wieder.

Atemnot bei Belastung: Symptome und Verlauf bei Beeinträchtigungen der Atemmuskulatur

Funktioniert die Atemmuskulatur nicht richtig, werden die Lungen nicht richtig belüftet, der Sauerstoffgehalt des Blutes sinkt und man gerät schnell außer Atem. Diese sind vergleichsweise selten. Lähmungen des Zwerchfells sind fast immer auf schwerwiegende Grunderkrankungen zurückzuführen, wie

  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
  • Muskeldystrophien
  • Guillan-Barré-Syndrom.

An der Atmung ist zudem die Zwischenrippenmuskulatur wesentlich beteiligt. Hier führen vor allem Deformationen des Brustkorbes zu Symptomen wie Atemnot bei Belastung, etwa bei einer Osteoporose. Sowohl bei den Beeinträchtigungen des Zwerchfells als auch der Zwischenrippenmuskulatur sorgen die Grunderkrankungen für zunehmende Atemnot und im Endstadium der Zwerchfelllähmungen zum Atemstillstand und Tod.

Literatur und Quellen:

  1. Thomas Lewalther (Hrsg): Herzrhythmusstörungen: Diagnostik und Therapie. 6. Auflage. Berlin 2010: Springer-Verlag. ISBN-10: 3540767541
  2. Jan Steffel (Hrsg.), Thomas Lüscher (Hrsg.), Dennis Bösch: Lunge und Atemwege. Stuttgart 2014: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642282229.
  3. Erland Erdmann (Hrsg.) Klinische Kardiologie: Krankheiten des Herzens, des Kreislaufs und der herznahen Gefäße. Stuttgart 2011: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642164803.
  4. Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold-Verlag. ISBN-10: 3981466063
  5. Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.