Blutwerte der Milz – Bedeutung erhöhter Werte – Milzvergrößerung

Milzwerte – Normwerte und Erkrankungen bei zu hohen Werten

Bei der Milz handelt es sich um eines der wichtigsten lymphatischen Organe, die für die Immunabwehr des Körpers verantwortlich sind. In ihr finden sich zahlreiche Abwehrzellen und werden alte rote Blutkörperchen beseitigt. Erkrankungen der Milz und des Immunsystems äußern sich in einer Änderung der Blutwerte, die mit den Blutkörperchen in Zusammenhang stehen.

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Wir möchten Ihnen die Zusammenhänge erklären und zeigen, welche Normwerte die Blutwerte der Milz haben, wie es zu Abweichungen kommt und welche Erkrankungen dahinterstecken können.

 

Bedeutung der Blutwerte der Milz

Die Milz bezeichnet die medizinische Fachsprache als Lien oder Splen – daher die Vorsilbe Spleno– oder Lieno– für etwas, was mit der Milz zu tun hat. Sie gehört zu den lymphatischen Organen und ist an der Bildung bestimmter weißer Blutkörperchen (Leukozyten), der Lymphozyten sowie am Abbau der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) beteiligt.

Blutwerte der Milz zu hoch: Anatomie der Milz

Anatomisch liegt die Milz hinten links im Oberbauch hinter der neunten bis elften Rippe, direkt unter dem Zwerchfell. Ihre Längsachse verläuft dabei parallel zur zehnten Rippe. Von ihrer Form gleicht sie einer riesengroßen Kaffeebohne, die sich mit ihrer abgerundeten Seite (Zwerchfellseite, Facies diaphragmatica) an das Zwerchfell (Diaphragma) anschmiegt und deren leicht konkave Seite (Baucheingeweideseite, Facies visceralis) an andere Baucheingeweide grenzt. Sie berührt dabei linke Niere, Magen, Bauchspeicheldrüse und Dickdarm. Hier am Milznabel (Hilum splenicum) verlaufen auch die Gefäße und Nerven der Milz.

Durch ihre Lage hinter dem Rippenbogen kann man sie nur ertasten, wenn sie vergrößert ist. Das ist bei einigen Erkrankungen der Fall und wird als Splenomegalie (Milzvergrößerung) bezeichnet.

Blutwerte der Milz zu hoch: Innerer Aufbau der Milz

Die Milz ist bis zu zwölf Zentimetern lang, bis zu acht Zentimeter breit und bis zu vier Zentimeter dick. Bei einem gesunden Erwachsenen wiegt sie zwischen 150 und 200 Gramm. Größe und Gewicht schwanken sehr stark mit der aktuellen Durchblutung. Zudem ist sie sehr weich und durch das viele Blut bläulich-rot.

Außen ist das Organ von einer Bindegewebskapsel umgeben, die aus kollagenen und elastischen Fasern und wenigen glatten Muskelzellen besteht. Davon ausgehend zieht sich ein Gerüst von Bindegewebe ins Innere, die Milzbälkchen (Milztrabekel, Trabeculae splenicae).

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Zwischen den Trabekeln liegt stark durchblutetes netzförmiges (retikuläres) Bindegewebe, die rote Milzpulpa. Sie besteht aus allen Blutzelltypen und enthält zudem die spezialisierten Makrophagen und Plasmazellen. Da die roten Erythrozyten dabei überwiegen, geben diese der roten Pulpa ihr typisches Aussehen.

In die rote Milzpulpa eingebettet sind stecknadelkopfgroße helle Milzknötchen (Milzfollikel, Malpighi-Körperchen, Folliculi lymphatici lienales). Sie gliedern sich in eine Mantelzone mit ruhenden Zellen und darin gelegenes Keimzentrum mit sich teilenden Lymphozyten. Um die zahlreichen kleinen Arterien bilden sich zylindrische Lymphozytenscheiden (periarterielle Lymphscheide PALS, Vagina perarterialis lymphatica) aus T-Lymphozyten (vor allem T-Helferzellen, wenige T-Suppressorzellen). Milzknötchen und Lymphozytenscheiden bezeichnet man zusammen als weiße Milzpulpa.

Blutwerte der Milz zu hoch – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Die Milz ist eines der wichtigsten lymphatischen Organe.
  2. Ihr Hauptfunktionen sind die Immunabwehr und die Beseitigung alter Erythrozyten und Blutplättchen.
  3. Veränderte Blutwerte der Milz gehen meist mit Erkrankungen einher, die zu einer Milzvergrößerung führen.
  4. Krankhafte Milzvergrößerungen und Verletzungen sind eine Indikation für eine Milzentfernung.
  5. Nach Entfernung ändern sich die Blutwerte der Milz deutlich und es ist mit einer erhöhten Infektanfälligkeit zu rechnen.

 

Rolle der Milz beim Embryo

Im dritten Monat der Embryonalentwicklung bilden Leber und Milz die ersten „richtigen“ Blutzellen (hepatolienale Phase). Hier erscheinen die ersten weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und normal ausgebildeten Erythrozyten mit dem üblichen Durchmesser von etwa acht Mikrometern und ohne Kern. Beim Erwachsenen ist die Milz nur noch an der Produktion neuer Lymphozyten beteiligt, deren Blutwerte mit der Milz in engem Zusammenhang stehen.

Blutwerte der Milz zu hoch: Aufgaben der weißen Milzpulpa

Hauptaufgabe der weißen Milzpulpa ist die Abwehr von Antigenen, die in die Blutbahn eingedrungen sind. In der Milz werden eingedrungene Bakterien, Viren und sonstige Antigene phagozytiert und unschädlich gemacht. Das übernehmen vor allem Lymphozyten und Makrophagen. Da die Milz sehr gut durchblutet ist, fungiert sie als Filter, der solche Antigene im gesamten Blut schnell erkennt. Dagegen filtern Lymphknoten nur einen regionalen Teil des Blutes.

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Daher führt eine Infektion häufig zu einer Vergrößerung der Milz. Ist diese dauerhaft und als krankhaft einzustufen, spricht man von einer Splenomegalie.

Nach Antigenkontakt vermehren sich die dafür spezifischen Lymphozyten in den Milzfollikeln. T-Zellen bilden sich in den periarteriellen Lymphozytenscheiden, die entsprechenden B-Zellen in der Peripherie der Follikel. Sie bilden Immunglobuline, die als Antikörper die entsprechenden Antigene angreifen. Große Mengen an B- und T-Lymphozyten werden von der Milz auf Abruf bereitgehalten: Etwa ein Drittel der Lymphozyten eines Menschen sind in der Milz anzutreffen. Sie sind ständig in Bewegung und verteilen sich bei Bedarf im gesamten Körper (Rezirkulation), um dort ihrer immunologischen Funktion nachzukommen.

Blutwerte der Milz zu hoch: Aufgaben der roten Milzpulpa

Eine wesentliche Aufgabe der roten Milzpulpa ist die Aussortierung überalterter roter Blutkörperchen, die genauso auch in Leber und Knochenmark stattfindet. Erythrozyten haben eine durchschnittliche Lebensdauer von 120 Tagen. Da sie keinen Kern mehr enthalten, können sie keine RNA und keine Proteine neu synthetisieren, sodass ihre Überlebenszeit begrenzt ist. Dann wird ihre Zellmembran spröde und sie können die feinen Gefäßkapillaren nicht mehr so gut durchwandern. Daher bleiben sie im Maschenwerk der roten Milzpulpa hängen. Makrophagen erkennen solche alten Erythrozyten, nehmen sie auf (Phagozytose) und zerlegen sie in ihre Bestandteile. Erythrozyten, die durch Sichelzellanämie oder Thalassämie verändert sind, bleiben ebenfalls leichter im Filtersystem der Milz hängen und werden beseitigt.

Der rote Blutfarbstoff wird weitestgehend recycelt: Das zentrale Eisenatom des Häm-Moleküls binden die Makrophagen als Transferrin an Eiweiße. Zum Teil wird dieses in den Makrophagen zwischengelagert, der Rest gelangt über das Blut ins Knochenmark. Dort bauen die Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen, die Erythroblasten, in neues Häm ein. Zuviel in den Makrophagen angesammeltes Eisen lässt sich in der Milz mikroskopisch nachweisen. Dabei handelt es sich um Bruchstücke des Eisenspeicherproteins Ferritin, sogenanntes Hämosiderin.

Das Porphyrinringsystem des vom Eisen befreiten Häm-Moleküls spalten die Makrophagen auf und bauen es über Biliverdin zu Bilirubin ab. Das wasserunlösliche Molekül wird an das vorherrschende Serumeiweiß Albumin gebunden und lässt sich so mit dem Blut in die Leber transportieren. In dieser Form ist es als indirektes Bilirubin im Blutbild bestimmbar. In der Leber wird daraus unter Ersatz des Albumins durch Glucuronsäure das direkte Bilirubin, das ebenfalls als Blutwert bestimmbar ist.

Der größte Teil des Bilirubin landet in der Gallenflüssigkeit und wird bei Nahrungsaufnahme in den Dünndarm ausgeschieden, wo es bei der Fettverdauung hilft.

In ähnlicher Weise beseitigt die Milz auch überalterte Blutplättchen (Thrombozyten) und kleinere Blutgerinnsel (Thromben, Emboli), die mit dem Blut in die Milz geschwemmt wurden.

Eine weitere wichtige Funktion der Milz ist die Speicherung von roten Blutkörperchen und Blutplättchen. Diese werden in der Milz auf Abruf bereitgehalten und bei Bedarf schnell freigesetzt. So etwas ist beispielsweise bei starken Blutungen notwendig oder bei sonstigen Blutverlusten etwa infolge einer Auflösung der Erythrozyten (Hämolyse). Eine solche Freisetzung geschieht bereits bei starker körperlicher Beanspruchung und äußert sich im bekannten Seitenstechen beim Sport.

Die Milz – Wie wichtig ist das Organ?

Die Funktionen der Milz sind so wichtig, dass der Körper einen Ausfall mehrfach gesichert hat. So kann auch die Leber überalterte rote Blutkörperchen aussortieren oder die Lymphknoten neu auftretenden Antigene bekämpfen. Daher gilt die Milz nicht als überlebenswichtig.

Bei Unfällen kommt es leicht zu einer Verletzung des weichen Organs (Milzriss, Milzruptur), etwa nach Autounfällen. Dann muss sie entfernt werden, da eine Stillung der Blutung bei der gut durchbluteten Milz praktisch nicht möglich ist (Splenektomie). Ein anderer Grund für eine Splenektomie ist eine Vergrößerung der Milz (Splenomegalie). Sowohl Splenomegalie als auch Splenektomie verändern die Blutwerte der Milz.

Blutwerte der Milz zu hoch – Die wichtigsten Blutwertveränderungen bei Erkrankungen der Milz

Bei krankhaften Veränderungen der Milz oder bei Infektionen und Entzündungen sind einige Blutwerte der Milz deutlich verändert. Sie betreffen vor allem die Entzündungszeichen, Leberwerte, die weißen Blutkörperchen und die nicht aussortierten roten Blutkörperchen und Blutplättchen.

  • Erhöhte Blutwerte der Milz:
    • Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG): Normbereich unter 20 Millimeter/1. Stunde
    • C-reaktives Protein (CRP): Normbereich unter 0,5 Milligramm pro Deziliter
    • Leukozytenzahl: Normbereich 3,8 – 10,5 Tausend pro Mikroliter
    • Lymphozytenzahl: Normbereich 1,5 – 3,0 Tausend pro Mikroliter
    • Bilirubin – bei Leber- und Gallenstau (Ikterus): Normbereich unter 1,0 Milligramm pro Deziliter
    • Gamma-GT – vor allem vermittels der Leber, aber auch bei der Milz selbst: Normbereich bei Frauen unter 39, bei Männern unter 66 Units pro Liter.
  • Erniedrigte Blutwerte der Milz:
    • Thrombozytenzahl: Normbereich 150 – 400 pro Nanoliter
  • Erhöhte oder erniedrigte Blutwerte der Milz:
    • Immunglobulin A (IgA): Normbereich 70 – 380 Milligramm pro Deziliter
    • Immunglobulin E (IgE): Normbereich unter 100 Units pro Milliliter
    • Immunglobulin M (IgM): Normbereich 40 – 230 Milligramm pro Deziliter

Ursachen einer Milzvergrößerung

Bei einer Milzvergrößerung (Splenomegalie) wird die Milz unter dem linken Rippenbogen tastbar. Dabei handelt es sich nicht um eine eigenständige Krankheit, sondern um die Folge anderer Erkrankungen. Bei einer massiven Splenomegalie wächst das Organ auf über ein Kilogramm an.

Als Ursache für eine Splenomegalie kommen infrage:

  • Blutstauungen infolge
    • Leberzirrhose und andere Leberkrankheit mit Stau in der Pfortader und resultierendem
    • Gallenstau mit Gelbsucht (Ikterus) – hier steigt der Bilirubin-Blutwert stark an.
    • Rechtsherzinsuffizienz
  • Infektionen
    • Tuberkulose
    • Malaria
    • HIV
    • Virushepatitis
    • Pfeiffersches Drüsenfieber (EBV-Infektion, Mononukleose)
  • Krebs
  • Metastasen anderer Tumore
    • Nierenzellkarzinom
    • Lungenkarzinom
    • Brustkrebs
    • malignes Melanom)
  • rheumatische Erkrankungen
    • rheumatoide Arthritis
    • Morbus Reiter
  • systemischer Lupus erythematodes
  • Blutarmut (Anämie)
    • Eisenmangelanämie
    • hämolytische Anämie
    • Polyzythämie
  • Milzabzesse mit Eiterbildung im Organ infolge einer Blutvergiftung (häufig bei einer bakteriellen Endokarditis)

Blutwerte der Milz zu hoch: Symptome bei einer Milzvergrößerung

Eine leichte Splenomegalie ist symptomlos. Wenn die Milz so groß wird, dass sie auf Magen und Darm drückt, äußert sich das in

  • Völlgefühl
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Rückenschmerzen.

Sonstige Beschwerden hängen in erster Linie von der Ursache der Milzvergrößerung ab. Beispiele:

  • bei Infektionen: Fieber, Kopfschmerzen, Schwächegefühl, geschwollene Lymphknoten
  • bei Blutstauungen: Gelbsucht (Ikterus), Unwohlsein, Übelkeit, Erbrechen
  • bei rheumatoider Arthritis: Gelenkbeschwerden
  • bei Eisenmangelanämie: verminderte körperliche Leistungsfähigkeit, Atemnot, Herzrasen
  • bei Abnahme der Thrombozytenzahl: gesteigerte Blutungsneigung, Blutergüsse, Zahnfleischbluten, Nasenbluten.

Folgen einer Milzentfernung

Die Beseitigung der alten Erythrozyten ist nach Milzentfernung weniger ein Problem als der fehlende Blutfilter für die Immunabwehr. Untersucht man nach einer Splenektomie die Blutwerte für die Immunglobuline, also die für die humorale Immunabwehr zuständigen Antikörper, fallen massive Veränderungen in der Verteilung der Klassen auf. So ist der Blutwert des IgM stark herabgesetzt, wohingegen der IgG-Blutwert und der IgA-Blutwert vermehrt ausfallen.

Zudem muss man sich vor Augen halten, dass um die hundert Gramm phagozytierende Immunzellen zur Durchforstung des Blutes auf Viren und Bakterien fehlen. Beides führt dazu, dass nach einer Splenektomie die Anfälligkeit für Infektionen ansteigt. Fehlt die Milz als Filterorgan, können bereits simple Pneumokokken ein Post-Splenektomie-Syndrom (OPSI-Syndrom, overwhelming post-splenectomy infection) auslösen, eine Blutvergiftung (Sepsis), die mit schwerem Fieber und Schmerzen im Oberbauch beginnt und durch multiples Organversagen zum Tode führen kann. Daher müssen Patienten bei einer Splenektomie gegen Streptococcus pneumoniae geimpft werden.

Besonders problematisch ist eine Splenektomie bei Kindern, da deren Immunsystem noch nicht ausgereift ist und noch nicht so viele Antigenkontakte hatte wie das eines Erwachsenen. Dazu zählen auch relativ verbreitete Krankheitskeime wie Staphylokokken, Streptokokken oder Haemophilus. Diese können beispielsweise Lungenentzündungen (Pneumonien) oder Hirnhautentzündungen (Meningitis) auslösen. Wenn sich bei einem Kind eine Splenektomie nicht umgehen lässt, muss es auf jeden Fall gegen eine ganze Reihe von solchen Erregern geimpft werden.

Ein weiteres Problem stellt der steigende Blutwert der Thrombozyten dar. Das begünstigt die Entstehung von Blutgerinnseln, die als Thromben und Emboli Gefäße verstopfen und für Herzinfarkt, Schlaganfall und Lungenembolie verantwortlich sind.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  1. Theodor H. Schiebler, Walter Schmidt, Karl Zilles: Anatomie. Zytologie, Histologie, Entwicklungsgeschichte, makroskopische und mikroskopische Anatomie des Menschen. 7. Auflage. Stuttgart 1999: Springer-Verlag. ISBN-10: 3540618562.
  2. Detlev Dreckhahn, Alfred Benninghoff: Anatomie. Makroskopische Anatomie, Embryologie und Histologie des Menschen: Band 2: Herz-Kreislauf-System, Lymphatisches System, Endokrine Drüsen, Nervensystem, Sinnesorgane, Haut. 16. Auflage. München 2004: Urban & Fischer Verlag/Elsevier. ISBN-10: 3437423509.
  3. Roche Lexikon Medizin, Sonderausgabe. 5. Auflage. München 2009: Urban & Fischer Verlag/Elsevier. ISBN-10: 3437151568.
  4. Gerhard Münch, Jacques Reitz: Grundlagen der Krankheitslehre. Hamburg 2005: Nikol-Verlag. ISBN-10: 3933203066.
  5. Marlies Michl: BASICS Hämatologie. 4. Auflage. München 2016: Elsevier/Urban & Fischer-Verlag. ISBN-10: 3437421697.

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