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Als Anisozytose bezeichnet man medizinisch einen ausgeprägten Größenunterschied bei den einzelnen Zellen eines bestimmten Zelltyps. Meistens sind damit die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) gemeint. Solche Größendifferenzen zeigen, dass etwas mit der Blutbildung nicht stimmt. Daher ist das Auftreten einer Anisozytose im Blutbild Anzeichen einer Blutarmut (Anämie).

Erythrozyt Aufbau Größe

Was bedeutet eine Anisozytose?

Im Griechischen bedeutet νιρος, anisos ungleich, und κύτος, kytos Zelle. Anisozytose liegt demnach vor, wenn Zellen unterschiedlich sind. Damit ist in der Regel die Größe gemeint – sind normalerweise alle Vertreter einer bestimmten Zellpopulation gleich groß, fallen stärkere Größendifferenzen sofort ins Auge.

Den Begriff Anisozytose verwenden Mediziner bei einer Vielzahl von Körperzellen; klinisch am häufigsten ist eine Anisozytose bei Blutzellen, allen voran den roten Blutkörperchen.

Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Als Anisozytose bezeichnet man eine Ungleichheit in der Zellgröße innerhalb einer Zellpopulation.
  2. Im klinischen Alltag spielt vor allem die der roten Blutkörperchen eine Rolle. Sie ist die häufigste Anomalie der Erythrozyten.
  3. Festgestellt werden solche Größenunterschiede in einem kleinen Blutbild.
  4. Größenunterschiede der Erythrozyten sind die Folge von Störungen in der Blutbildung.
  5. Findet der Arzt bei der Blutuntersuchung eine Anisozytose, gilt das als Hinweis auf eine Blutarmut (Anämie).
Erythrozyten
Erythrozyten Copyright: Dima Moroz bigstockphoto

Woran erkennt man eine Anisozytose?

Ein normaler Erythrozyt ist scheibenförmig, mit beiderseits einer Delle in der Mitte und einem Durchmesser um die 7,5 Mikrometer (tausendstel Millimeter). Ein Zellkern fehlt, zumindestens beim Menschen. Die spezielle Struktur macht ihn besonders verformbar – wichtig für Kapillaren.

Im mikroskopischen Bild erkennt man nach einer klassischen Blutfärbung nach Pappenheim hellrosa gefärbte, Donut-ähnliche Gebilde mit einer Aufhellung in der Mitte. Bei einem gesunden Patienten gleichen sich die Erythrozyten wie ein Ei dem anderen und irgendwelche Größenunterschiede sind von Ausreißern abgesehen selten.

Bei einer Anisozytose der roten Blutkörperchen ist das anders – je nach Ausprägung sind neben normal großen (normozytären) auch kleinere (mikrozytäre unter 6 µm) und größere (makrozytäre über 10 µm) Erythrozyten zu erkennen.

Ein kleines Blutbild, in dem man solche Unterschiede im Mikroskop untersucht, gibt es heute nur noch in Ausnahmefällen. Heute erstellt man ein kleines oder großes Blutbild mit speziellen hämatologischen Analysegeräten. Unter anderem vermessen sie die in einer Blutprobe vorhandenen Zellen und stellen die statistische Verteilung der unterschiedlichen Zellgrößen dar.

Was bedeutet der EVB-Wert?

Mithilfe der EBV lässt sich feststellen, ob eine Anisozytose vorliegt. Hämatologiegeräte werfen diesen Blutwert aus, dessen Kürzel für Erythrozytenverteilungsbreite steht, im Englischen Red Cell Distribution Width (RDW).

Im Ausdruck der Erythrozytengrößen findet man eine Größenverteilung, die einer Gauß-Verteilung entspricht. Diese Price-Jones-Kurve zeigt in der Mitte ein Maximum mit der vorwiegenden Zellgröße, links und rechts die Zahl der kleineren und größeren Erythrozyten. Ist die Price-Jones-Kurve breiter als üblich, liegt eine Anisozytose vor, bei einer Verschiebung des Maximums nach links (in Richtung kleinere Zellen) eine Mikrozytose, nach rechts (mit größeren Zellen) eine Makrozytose.

Die EVB lässt sich berechnen als Quotient aus der Standardabweichung des MCV-Wertes (mittleres Erythrozytenvolumen) und des MCV-Wertes selbst. Die Angabe erfolgt in Prozent. Der Referenzbereich der EVB liegt bei 11,5 – 14,5 %.

Ursachen der Erythrozyten Anisozytose

Fallen Erythrozyten unterschiedlich groß aus, stimmt etwas mit der Blutbildung nicht. Solche unspezifischen Veränderungen der roten Blutkörperchen sind stets die Folge einer schweren Blutarmut (Anämie), ohne dass sich über deren Ursache allein anhand einer Anisozytose nähere Angaben machen ließen.

Auffällig wird eine Anisozytose mit gleichzeitiger Veränderung der Retikulozyten. Diese sind die Vorläuferzellen der Erythrozyten. Das Knochenmark gibt diese vorgereiften Zellen, die noch Reste des Zellkerns enthalten, an die Blutbahn ab, wo sie innerhalb weniger Tage zu fertigen Erythrozyten heranreifen. Finden sich mehr Retikulozyten im Blut als normal, bedeutet das eine Steigerung der Blutbildung im roten Knochenmark – die Retikulozyten werden schneller freigesetzt als sie heranreifen können.

Zur Beurteilung einer Anämie zieht man den MCV-Wert hinzu. Anisozytose mit hoher EVB bedeutet

  • bei normalem MCV normozytäre Anämie infolge frühem Eisen- oder Folsäuremangel oder Sichelzellanämie;
  • bei erhöhtem MCV makrozytäre Anämie durch ausgeprägten Vitamin B12- oder Folsäuremangel, Myelodysplasie oder eine autoimmunhämolytische Anämie;
  • bei vermindertem MCV mikrozytäre Anämie wie Eisenmangelanämie oder Thalassämie.

Zu den häufigsten Ursachen zählen unter anderem:

  • Eisenmangelanämie,
  • Thalassämie,
  • hämolytische Anämie,
  • Anämien in Folge chronischer Erkrankungen,
  • Beeinträchtigungen der DNS-Synthese durch Medikamente (beispielsweise Immunsuppressiva oder Zytostatika),
  • Folsäuremangel,
  • Mangel an Vitamin C oder Vitamin B12.
 

Erläuterungen zur Anomalie der Erythrozyten

Erhalten Sie die Ergebnisse Ihres Blutbildes, steht in der Zeile der Anisozytose „positiv“ oder „negativ“. Besagter Fachbegriff bezeichnet in der Labordiagnostik eine Abweichung der roten Blutkörperchen von ihrer herkömmlichen Größe. Normalerweise besitzen die Erythrozyten eine bikonkave, runde Form mit einheitlichen Abmessungen.

Erhöhte Erythrozyten
Erhöhte Erythrozyten im Urin (Hämaturie)

Das Wichtigste im Überblick:

  • Gesunde Erythrozyten besitzen eine runde, bikonkave Form mit einem Durchmesser von ca. 7,5 Mikrometern.
  • Bei der Anisozytose, der häufigsten Form der Erythrozytenanomalie, weichen die Maße der roten Blutkörperchen von der Normgröße ab.
  • Ein positiver Test auf Anisozytose liegt vor, wenn mehr als drei Prozent der Erythrozyten zu klein (Mikrozyten) und/oder zu groß (Makrozyten) ausfallen.
  • Die Anisozytose geht möglicherweise auf eine Störung der Erythropoese zurück und führt zu allgemeinen Symptomen wie Schwäche, blasser Haut, Kurzatmigkeit oder Müdigkeit.
  • Abhängig vom Verhältnis zwischen gesunden und veränderten roten Blutkörperchen differenziert die Labordiagnostik zwischen verschiedenen Graden der Erythrozytenanomalie.

Anisozytose im Blutbild

Im Fall der Anisozytose zeigen die roten Blutkörperchen starke Größenschwankungen, behalten jedoch ihre äußere Form. Dementsprechend finden sich im Blut zu kleine und zu große Erythrozyten im Vergleich zum Normwert.

Auf die Mikro- und Makrozyten entfallen mehr als drei Prozent aller roten Blutkörperchen. In diesem Fall listet der Laborbefund den Zusatz „positiv“ bei Anisozytose. Negativ hingegen bedeutet, dass keine auffällige Veränderung vorliegt.

Verlieren die Erythrozyten auch ihre runde Form, handelt es sich um eine Poikilozytose. Oft geht die Anisozytose mit einer Reduktion der Erythrozyten-Anzahl einher.

Diagnose

Methodische Vorgehensweise bei der Diagnose

Die Anisozytose gilt als die häufigste Ausprägung der Erythrozytenanomalie. Diese krankhafte Veränderung der Erythrozyten zeigt sich beim Differentialblutbild unter dem Mikroskop. Die vergrößerten oder verkleinerten roten Blutkörperchen heben sich optisch von den Erythrozyten mit normaler Größe ab. Um das Ausmaß der Anisozytose zu bestimmen, bietet sich beispielsweise die Durchflusszytometrie an.

Diese Methodik aus der Labormedizin ermittelt die Verteilungsbreite der Erythrozyten. Dazu zeigt die Price-Jones-Kurve bei der Anisozytose eine auffällig breite Basis.

Differenzierung nach dem Grad der Anomalie

In Abhängigkeit von der Schwere Ihrer Anomalie differenziert die Labordiagnostik zwischen vier Graden mit nachfolgender Symbolik:

  • Bei der mit einem „+“ gekennzeichneten kleineren Anisozytose entfallen auf die veränderten roten Blutkörperchen maximal 25 Prozent der Gesamtkonzentration.
  • Die mäßige Anisozytose (++) umfasst den Bereich von 25% bis 50%.
  • Bis zur Grenze von 75% diagnostiziert das Labor einen ausgeprägten Grad der Krankheit (+++).
  • Die sehr seltene kritische Anisozytose (++++) bedeutet, dass nahezu alle Erythrozyten eine Anomalie aufweisen.

Anisozytose hängt von der Größe der Erythrozyten ab

Normgrößen der roten Blutkörperchen

Ob das Testergebnis hinsichtlich der Anisozytose positiv oder negativ ausfällt, hängt folglich von den Abmessungen der Erythrozyten ab.

Der als normal bzw. gesund eingestufte Durchmesser der roten Blutkörperchen liegt bei 7,5 Mikrometern. Das entspricht umgerechnet 0,0075 Millimetern. Von oben betrachtet besitzen die flachen Erythrozyten in der Mitte eine Dicke von einem Mikrometer, am Rand messen sie jeweils zwei Mikrometer.

Anomalie mit Mikrozyten und Makrozyten

Je nachdem, ob die roten Blutkörperchen zu groß oder zu klein ausfallen, differenziert die Labordiagnostik zwischen Mikro- und Makrozyten. Überschreitet der Durchmesser eines Erythrozyten die Größe von zehn Mikrometern, handelt es sich um einen Makrozyt.

Misst ein rotes Blutkörperchen weniger als sechs Mikrometer, liegt per Definition ein Mikrozyt vor. Sofern mehr als drei Prozent aller Erythrozyten die Maße von Mikrozyten, Makrozyten oder beiden Ausprägungen aufweisen, fällt der Test auf Anisozytose positiv aus.

Ein „negativ“ im Ergebnisbericht impliziert folgerichtig, dass bei Ihnen keine Erythrozytenanomalie in der geschilderten Form vorliegt.

Gesunde Werte der Anisozytose
♀ Negativ
♀ Negativ

Symptome, Therapie und Folgen

Typische Zeichen einer Blutkrankheit

Die Symptome der Anisozytose ähneln den Begleiterscheinungen von anderen Blutkrankheiten. Typischerweise zeigen die Patienten ein verstärktes Schwächegefühl sowie blasse Haut, klagen über Müdigkeit und neigen zu Kurzatmigkeit. Derartige Symptome gehen auf eine beeinträchtigte Versorgung des Körpers mit Sauerstoff zurück. Die sich an die Diagnose anschließende Behandlung hängt davon ab, welche Grunderkrankung die Anisozytose verursacht.

Komplikationen der Anisozytose

Bleibt die Therapie aus, hängen die Folgen von der verantwortlichen Ursache ab. Unter den möglichen Komplikationen befinden sich Schäden am Nervensystem, erniedrigte Thrombozyten- sowie Leukozytenwerte. Während der Schwangerschaft drohen erhebliche Geburtsfehler an Gehirn oder Rückenmark des Fötus. Eine schwere Anämie geht mit Atemnot, Herzschwäche und Sehproblemen einher.

Tipp bei Eisenmangelanämie:

Einnahme von Supplementen empfohlen: Weist das Testergebnis hinsichtlich der Frage „Anisozytose positiv oder negativ?“ einen kritischen Befund auf, schließt sich zwingend die Suche nach der Ursache an.

Da die Anisozytose häufig auf eine Eisenmangelanämie zurückgeht, empfiehlt sich die Einnahme geeigneter Supplemente. Ihr Arzt spricht Ihnen diesbezüglich eine Empfehlung aus.

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Quellen, Links und weiterführende Literatur

  1. Danese E, Lippi G, Montagnana M: Red blood cell distribution width and cardiovascular diseases. J Thorac Dis. 2015 Oct;7(10):E402-11. Review.
  2. Salvagno GL, Sanchis-Gomar F, Picanza A, Lippi G: Red blood cell distribution width: A simple parameter with multiple clinical applications. Crit Rev Clin Lab Sci. 2015;52(2):86-105. Review.
  3. Lippi G, Turcato G, Cervellin G, Sanchis-Gomar F: Red blood cell distribution width in heart failure: A narrative review. World J Cardiol. 2018 Feb 26;10(2):6-14. Review.
  4. Marlies Michl: BASICS Hämatologie. München 2016: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN-10: 3437421697.
  5. Reinhard Andreesen, Hermann Heimpel: Klinische Hämatologie. München 2009: Urban & Fischer/Elsevier-Verlag. ISBN-10: 343731498X.
  6. Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
  7. Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold-Verlag. ISBN-10: 3981466063.
  8. Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2014: Walter de Gruyter-Verlag. ISBN-10: 3110339978.
Hinweis für die Leser

Diese Inhalte sind zur Information gedacht. Sie sind kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bitte konsultieren Sie dafür immer einen Arzt.

Dr. rer. medic. Harald Stephan, Doktor der Medizinwissenschaften und Naturwissenschaftler mit medizinischer Promotion. Dieser Artikel entspricht aktuellen wisenschaflichen Standards und medizinischen Leitlinien.