Wir erklären Magnesium Blutwerte im Blutbild

Die Werte für Magnesium werden im Blutbild üblicherweise nicht bestimmt. Dabei könnten die Magnesium-Blutwerte Aufschluss über einen möglichen Mangel geben und Symptome wie nächtliche Wadenkrämpfe erklären. Denn Magnesium ist an einer Vielzahl von Stoffwechselvorgängen beteiligt, sodass sich ein Magnesiummangel schnell in Beschwerden äußert. Wir erklären Ihnen, welche Rolle die Ionen im Körper spielen und wozu man Magnesium als Blutwert bestimmt.

Blutfette
gesunde Blutzellen Urheber: mackoflower / 123RF

  

 

Welche Rolle spielen die Magnesium-Blutwerte?

Die Magnesium-Blutwerte sagen etwas über das Vorhandensein von Magnesium im gesamten Körper aus. Das positiv geladene Magnesiumion ist das nach Calciumionen am häufigsten im Körper anzutreffende Kation. Zwei Drittel des Magnesiums eines Menschen finden sich in den Knochen, die ähnlich wie beim Calcium als Speicher für den Mineralstoff dienen. Den größten Teil des Restes findet man in der Muskulatur.

Dort spielt Magnesium eine wichtige Rolle bei der Muskelaktivität. Das gilt nicht nur für den Skelettmuskel, sondern insbesondere auch für die Herzmuskulatur. Ferner ist Magnesium wichtig für den Energiestoffwechsel und den Hormonhaushalt.

Ebenfalls ähnlich wie beim Calcium sind erniedrigte Magnesium-Blutwerte ein Indiz für Osteoporose, bei der es den Knochen an mineralischen Substanzen fehlt, sodass sie brüchig werden. Daher ist eine Kontrolle der Magnesium-Blutwerte insbesondere bei bekannter Osteoporose und Vitamin D-Mangel angebracht. Letzteres kann man ebenso wie Magnesium im Blutbild bestimmen, um eine ausreichende Versorgung mit dem Mineralstoff sicherzustellen.

Magnesium Blutwert
mmol/l
0,8-1,2
0,8-1,2

 

Was sagt die Werte des Magnesium im Blutbild?

Der Referenzbereich für Magnesium liegt im Blutbild zwischen 0,8 und 1,2 mmol/l (2-3 mg/dl).

Zu niedrige Magnesium-Blutwerte treten auf bei

  • Diabetes mellitus
  • parenteraler Ernährung über Magensonden
  • Alkoholismus
  • Stress
  • Durchfällen (Diarrhö)
  • Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis)
  • entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Zöliakie).
  • Überfunktionen der Schilddrüse (Hyperthyreoidismus)
  • Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus)
  • Einnahme von entwässernden Medikamenten (Diuretika)
  • Einnahme von Protonenpumpenhemmern gegen einen Überschuss von Magensäure (Antiazida)
  • Einnahme von Abführmitteln
  • Chemotherapie (cis-Platin-Therapie)
  • Blutkrebs (maligne Lymphome: Multiples Myelom, Plasmozytom)
  • idiopathisch (ohne nachweisbare Ursache).

 

Zu hohe Magnesium-Blutwerte findet man bei

  • Niereninsuffizienz
  • vermindertem Harnabgang (Oligurie)
  • nach Infusionstherapie mit zu viel Magnesium
  • nach übermäßiger Einnahme von magnesiumhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln.
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Wie kommt es, dass Magnesium-Blutwerte zu niedrig ausfallen?

Stress führt zu einem erhöhten Magnesiumbedarf. Ebenso steigt dieser bei der Einnahme oraler Kontrazeptiva („Pille“) und bestimmter Medikamente. Dazu zählen die blutdrucksenkenden ACE-Hemmer oder das Hormon Kortison aus der Nebennierenrinde.

In vielen Fällen sind es nicht nur die Magnesium-Blutwerte, die erniedrigt sind. Außer Magnesium sind im Blutbild ebenso viele andere Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente zu niedrig, weil er allgemein erhöhter Bedarf vorliegt, der nur unzureichend gedeckt werden kann. Das ist insbesondere während der Schwangerschaft und in der Stillzeit der Fall, wo das heranwachsende Baby den Mineralstoff- und Vitaminbedarf der Mutter drastisch erhöht. Leistungssport sorgt dafür, dass viel Magnesium über den Schweiß verloren geht. Magen-Darm-Erkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und andere chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sorgen dafür, dass die Aufnahme von Mineralstoffen und Vitaminen aus dem Darm nicht richtig funktioniert und Mangelerscheinungen auftreten.

 

Wieso bekommt man Krämpfe, wenn zu wenig Magnesium im Blutbild vorhanden ist?

Das bekannteste Anzeichen von Magnesiummangel sind nächtliche Wadenkrämpfe, die viele Menschen mitten in der Nacht senkrecht im Bett auffahren lassen. Daneben treten Krämpfe in der Kaumuskulatur auf, aber auch an vielen anderen Stellen, die zudem anfangen zu zittern oder zu zucken. Besonders auffällig ist das bei den Augenlidern. Hinzu kommen Verspannungen, wie sie vor allem in der Nackenmuskulatur oft Probleme verursachen, sowie Kribbeln in den Fingern und Störungen der Beweglichkeit und Sensibilität. Bei Frauen verstärken sich die Schmerzen während der Menstruation.

Das liegt alles daran, dass Magnesium in der Muskelaktivität als Gegenspieler des Calciums agiert. Wenn die Magnesium-Blutwerte zu niedrig sind, ist die Durchlässigkeit der Zellmembranen der Muskelzellen für andere Ionen wie Calcium, Natrium und Kalium erhöht. Daher ist der Muskel leichter erregbar und es kommt leicht zu Krämpfen und Zuckungen.

 

Folgen zu niedriger Magnesium-Blutwerte im Nervensystem

Krämpfe und Zuckungen sind nicht die ersten Anzeichen eines Magnesiummangels. Die ersten Symptome machen sich im Energiestoffwechsel und in der Psyche bemerkbar. Denn Magnesium ist nicht nur bei der Muskelaktivität Gegenspieler des Calciums, sondern auch bei der Erregungsbildung und Erregungsleitung im Nervensystem. Bei niedrigen Magnesium-Blutwerten ist man ständig schlapp und müde, kann nachts aber nicht einschlafen, geschweige denn durchschlafen. Die Patienten sind teilnahmslos und haben keinen Appetit. Hinzu kommen Migräne, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl und Übelkeit. Sie reagieren leicht gestresst und sind unruhig, nervös und reizbar. Gegebenenfalls schlägt sich das auch auf Magen und Darm nieder. Bei nervösem Magen und Reizdarm wechseln Verstopfungen und Durchfälle einander ab.

 

Die Herzfunktion und zu niedrige Magnesium-Blutwerte

Bei der Skelettmuskulatur sind Krämpfe und Zuckungen eher lästig als bedenklich. Anders sieht das bei der Herzmuskulatur aus. Hier spielt Magnesium bei der Erregungsbildung und Erregungsleitung des herzeigenen autonomen Nervensystems und bei der Kontraktion der Vor- und Hauptkammern eine wesentliche Rolle. Es stabilisiert den Herzschlag, wirkt also Herzrhythmusstörungen entgegen. Man bezeichnet diesen Effekt als antiarrhythmisch.

Bei einem ausgeprägten Magnesiummangel in Form eines Magnesiummangel-Syndroms (Hypomagnesie-Syndrom) kommt es neben einer wesentlichen Verstärkung der sonstigen körperlichen und geistigen Beschwerden vor allem zu einer Beeinträchtigung der Herzfunktion. Es treten Herzrhythmusstörungen auf und der Herzschlag beschleunigt sich (Tachykardie). Dauert dieser Zustand über längere Zeiträume an, führt das zu einer verminderten Pumpleistung des Herzens, einer Herzinsuffizienz.

 

Niedrige Magnesium-Blutwerte in der Schwangerschaft

Das heranwachsende Kind und die wachsende Plazenta verbrauchen Unmengen von Magnesium. Daher ist ein Magnesiummangel gerade in der Schwangerschaft weit verbreitet. Erschwerend kommt hinzu, dass unter der veränderten Hormonlage relativ viel Magnesium mit dem Urin ausgeschieden wird und Verdauungsbeschwerden und morgendliches Erbrechen die Magnesiumaufnahme verringern.

Magnesiummangel trägt zu Schwangerschaftsvergiftungen (Gestosen) bei. Eine Hyperemesis äußert sich in nächtlichen Wadenkrämpfen, morgendlichem Erbrechen und Verdauungsstörungen. Ferner ist er am Schwangerschaftsbluthochdruck bei einer Präeklampsie beteiligt, die als Eklampsie mit Ödemen in Gehirn und Lunge oder Nieren- und Leberversagen für Mutter und Kind lebensbedrohlich ist.

Eine Sonderform der Gestosen, an denen niedrige Magnesium-Blutwerte mitspielen, ist das HELLP-Syndrom mit erhöhten Blutwerten der Leberenzyme, Lyse der roten Blutkörperchen und erniedrigter Anzahl der Blutplättchen (Thrombozytopenie). Hirnblutungen und Leberrisse verlaufen schnell tödlich.

Während der Schwangerschaft müssen die Magnesium-Blutwerte regelmäßig kontrolliert werden, da Krämpfe der Gebärmutter zu Blutungen, vorzeitigen Wehen und schlimmstenfalls zu einer Frühgeburt führen können. Während des Geburtsvorgangs spritzt man intravenös Magnesium, um die Wehen kontrollieren zu können.

 

Niedrige Magnesium-Blutwerte während der Stillzeit

Viel Calcium und Magnesium – das gilt nicht nur für die Kuhmilch aus dem Supermarkt, sondern auch für die menschliche Muttermilch. Das dafür notwendige Magnesium plündert reichlich die mütterlichen Reserven. Somit ist eine ausreichende Magnesiumversorung nicht nur zur Vorbeugung der genannten Gestosen wichtig, sondern auch für die Stillmilch und ganz besonders für das Wachstum des Kindes.

 

Niedrige Magnesium-Blutwerte: Folgen für Kinder

Kleinkinder sind besonders auf die Zufuhr von Magnesium angewiesen, etwa in Form der Muttermilch. Zusammen mit Calcium ist es nicht nur für den Stoffwechsel wichtig, sondern insbesondere für die Entwicklung des Skelettsystems und der Muskelmasse. Kinder mit Magnesiummangel sind auffallend still und ruhig. Sie ermüden schnell und sind schon nach kurzem Spielen erschöpft. In solchen Fällen sollte man das Kind auf einen möglichen Magnesiummangel untersuchen lassen und/oder für eine ausreichende Magnesiumversorgung achten.

 

Was kann man tun, wenn die Magnesium-Blutwerte zu gering sind?

Falls zu wenig Magnesium im Blutbild auftaucht, sollte man dem mit einer entsprechenden Ernährung gegensteuern. Am einfachsten funktioniert das mit magnesiumhaltigem Mineralwasser, das ohnehin wesentlich gesünder ist als solches mit hohem Natriumanteil. Andererseits enthalten viele Lebensmittel reichlich von dem Mineralstoff. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt je nach Altersstufe sehr unterschiedliche Tageszufuhren. Für Erwachsene ab dem 25. Lebensjahr werden bei Männern 350 mg, bei Frauen 300 mg pro Tag empfehlen. Schwangere Frauen sollten 310, stillende Mütter sogar 390 mg Magnesium am Tag zu sich nehmen. Bei Kindern im Wachstum sind die Empfehlungen in Relation zum Körpergewicht relativ hoch (0-4 Monate: 24 mg; 4-12 Monate: 60 mg; ab dem ersten Lebensjahr 80 mg, bis zum 15. Lebensjahr steigende Werte bis zu 310 mg pro Tag).

Besonders reich an Magnesium sind vor allem Nüsse & Co., allen voran Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne, Cashew- und Erdnüsse. Spitzenreiter ist die Weizenkleie mit über einem halben Gramm Magnesium pro 100 g. Im Mittelfeld liegen die leckere aber kalorienreiche Schokolade sowie Vollkornprodukte. Allerdings ist deren Magnesium nur begrenzt verfügbar, da sie zugleich Phytinsäure enthalten, die Magnesium bindet. Diese Konjugate lassen sich nicht so gut aufschließen und verwerten. Milchprodukte sowie viele Obst- und Gemüsesorten wie Bananen, Brokkoli oder Erbsen und Himbeeren haben einen hohen Magnesiumgehalt.

Eine Überdosierung ist nicht möglich, da überschüssiges Magnesium mit dem Stuhl und Urin ausgeschieden wird. Denn der Körper holt sich nur so viel Magnesium aus der Nahrung, wie er aktuell braucht. Gegebenenfalls füllt er seinen Magnesiumspeicher in den Knochen auf. Bei Magnesiummangel ist die Aufnahme aus dem Darm höher als wenn die Magnesium-Blutwerte ausgeglichen sind. Gegebenenfalls sollte man mit entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln für mehr Magnesium im Blutbild sorgen.

  

Quellen und Literatur:
Gerd Herold: Innere Medizin. Köln: G. Herold Verlag (2016). ISBN-10: 3981466063
Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart: Springer-Verlag (2012). ISBN-10: 3642331076.
Marc Deschka: Laborwerte von A-Z. 4. Auflage. Stuttgart 2011: W. Kohlhammer-Verlag. ISBN-10: 3170219162.
Vera Zylka-Menhorn: Blutwerte verstehen: Was das Blut über die Gesundheit verrät. 5. Auflage. Eschborn 2016: Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH.
Ulrich Grass: Laborparameter: verstehen, einordnen, interpretieren. 3. Auflage. Stuttgart 2017: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft.
Nicole Schaenzler,? Wilfried P. Bieger: Laborwerte: Alles über Normbereiche, Befunde und Co. 6. Auflage. München 2016: Gräfe & Unzer-Verlag. ISBN-10: 3833814527.
Maria Lohmann: Laborwerte verstehen. Kompakt-Ratgeber: Blut-, Urin- und Stuhlanalysen – Normalwerte im Überblick – Fachbegriffe und wichtige Abkürzungen. 4. Auflage. Murnau 2016: Mankau-Verlag. ISBN-10: 3863741587.