Die Blutgruppe 0 » Rhesus-Faktor, Häufigkeit und Blutgruppen-Antikörper

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Blutgruppe  0 » das sind die wichtigsten Fakten

Die eigene Blutgruppe zu kennen, kann im Ernstfall lebensrettend sein. Außerdem ist es hilfreich zu wissen, welche Besonderheiten die eigene Blutgruppe aufweist. Im Krankheitsfall oder nach Unfällen verfügen Sie als Patient damit über das nötige Grundwissen. Das gilt aber auch bei bestehenden oder geplanten Schwangerschaften, denn hier können unter Umständen besondere Gefahrensituationen entstehen. Gerade bei der Blutgruppe 0 gelten einige Besonderheiten, die Vor- und Nachteile mit sich bringen.

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Blutwerte
Blutwerte Labor Urheber: 123RF

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Die Blutgruppe  0 im AB0 System:

Blutgruppen

Oberfläche der Erythrozyten und Antikörper sind entscheidend

Die Oberfläche der roten Blutkörperchen liefert die nötigen Hinweise, um das Blut einer Blutgruppe zuzuordnen. Hier finden sich die sogenannten Blutgruppenantigene, die ihrerseits der Grund dafür sind, dass manche Blutgruppen miteinander vermischt werden dürfen, und andere nicht.

Bei unverträglichen Blutgruppen verklumpen die roten Blutkörperchen. Die Rede ist dann von der sogenannten Hämagglutination. Eine solche Hämagglutination ist eine gefährliche Antikörperreaktion. Sie ist die Folge einer Reaktion zwischen den Antigenen auf den Erthrozyten (roten Blutkörperchen) und den Antikörpern, die sich im Blutplasma befinden.

Eine solche Antikörperreaktion ist natürlich unerwünscht. Im Labor hilft diese Reaktion aber als absichtlich herbeigeführte Basistechnik, um Antikörper zu finden und die Blutgruppen zu bestimmen. Entsprechend führen Labore eine Hämagglutinationreaktio in Reagenzgläsern, auf Mikrotiterplatten oder als Mikrosäulen-Agglutination durch. Der Test dient auch zur Diagnose verschiedener Erkrankungen, bei denen das Blut beteiligt ist. Für die Einordnung der Blutgruppen in seine jeweilige Klassifizierung gibt es insgesamt 29 Blutgruppensysteme.

Die meisten dieser Systeme spielen lediglich bei der Diagnose von Erkrankungen und der Feststellung der bestmöglichen Behandlung eine Rolle. Das bekannteste System für eine solche Einordnung ist das ABO-System. Aber auch das Rhesus-System wird herangezogen, um das Blut zu klassifizieren. Das weltweit angewandte ABO System wurde im Jahr 1901 von Karl Landsteiner entwickelt. Es benennt neben der Blutgruppe A, B und AB auch die Blutgruppe 0. Der Begriff Rhesusfaktor beschreibt darüber hinaus eine besondere Fähigkeit der Erythrozyten, auch bei der Blutgruppe 0.

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Entdeckt und benannt wurde der Rhesusfaktor ebenfalls von Karl Landsteiner und von Alexander Solomin Wiener bei Versuchen mit dem Blut von Rhesusaffen und Tests mit Blutreaktionen zwischen Affen und Kaninchen. Die Arbeit gilt als bahnbrechend und ist bis heute Basis für die Einteilung des Blutes. In den Laboren werden auf der Grundlage dieser Erkenntnisse bis heute drt Rhesusfaktot positiv (+) und Rhesufaktor negativ (-) unterschieden.

Der Rhesusfaktor hat die Funktion eines Antigens und ist unter dem Mikroskop nachweisbar. Die Ergebnisse einer Blutuntersuchung können und sollten im Impfpass festgehalten werden. Das Wissen dient der schnellen Erstversorgung im Notfall. Der Test erspart aber Patienten im Rahmen von Erkrankungen auch zusätzliche Untersuchungen oder Unsicherheiten bei dringend nötigen Blutspenden.

 

Was kennzeichnet die Blutgruppe 0?

Blutgruppe 0 hat zwei Besonderheiten. Auf den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) befinden sich im Gegensatz zu anderen Blutgruppen keine Angene. Das Blutplasma enthält aber Antikörper der Blutgruppen A und B. Das bedeutet, dass es keine Angriffsflächen für die Antikörper gibt, die sich im Blutplasma befinden. Aus diesem Grund werden Personen, die Träger der Blutgruppe 0 sind, als Universalspender bezeichnet. Ihr Blut ist also für jeden anderen Empfänger geeignet. Ein Verklumpen ist dank fehlender Voraussetzungen nicht möglich. Für Träger der Blutgruppe 0 bedeutet das aber auch, dass sie nur Blut ihrer eigenen Blutgruppe erhalten dürfen. Jede andere Spender kann für sie lebensgefährliche Folgen haben.

 

Blutgruppe 0 Rh- – das müssen Sie als Betroffene wissen

Wenn bei Ihnen die Blutgruppe 0 Rhesusfaktor negativ nachgewiesen wurde, gehören Sie zu 6% der Menschen. Das reduziert die Möglichkeiten bei einer nötigen Blutspende. Dieser Personenkreis verträgt ausschließlich das Blut der gleichen Kategorie. Aus diesem Grund rufen Blutspendedienste Menschen mit der Blutgruppe 0 Rh- besonders häufig auf, Blut zu spenden. Unabhängig davon ist das Blut dieser Kategorie für alle anderen Menschen als Spende geeignet und damit besonders wertvoll.

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Sollten Träger der Blutgruppe 0 Blut spenden?

Blut zu spenden ist grundsätzlich eine sinnvolle Entscheidung, von der im Normalfall auch kein Risiko für die Gesundheit ausgeht. Vor einer Blutspende wird der Teilnehmer kurz befragt (Anamnese) und im Anschluss in Augenschein genommen. Dazu gehört auch die Messung des Blutdrucks. Akut und chronisch erkrankte Personen sind von Blutspenden ausgeschlossen. Träger der Blutgruppe 0, ganz besonders der Blutgruppe 0 Rhesusfaktor negativ, sind für die Blutbanken von besonderem Wert.

Ihr Blut ist unsiversal für jeden übertragbar und daher besonders in der Intensivmedizin von unschätzbarem Wert. Kliniken und Hilfsorganisationen führen daher immer wieder Blutspendeaktionen auf freiwilliger Basis durch. Den durchführenden Organen steht es frei, den Spendern Geld zu zahlen. Eine solche Summe beläuft sich für gewöhnlich auf Höhe von 40 bis 50 Euro. Im Normalfall werden allerdings keine Entschädigungen gezahlt. Es ist aber üblich, dass der Teilnehmer im Anschluss an die Spende noch vor Ort bleibt und verköstigt wird. Die Ruhepause ist wichtig, um Kreislaufproblemen vorzubeugen. Spender der Blutgruppe 0 werden besonders häufig aufgerufen, Blut zu spenden.

 

Was macht Blutgruppe 0 Rh+ aus

Rh+ oder Rhesusfaktor positiv bedeutet, dass die roten Blutkörperchen auf der Oberfläche das D-Antigen aufweisen. Vor diesem Hintergrund ist beim D-Antigen auch vom D-Faktor die Rede. Der D-Faktor besteht aus Proteinen. Dieser Nachweis ist bei etwa 85% der Menschen möglich. Bei allen anderen fehlt genau dieses D-Antigen. Ist das der Fall, sind sie Rh-negativ. Das gilt auch für Blutgruppe 0 zu. Ist eine Bluttransfusion notwendig, wird das für Träger der Blutgruppe 0 Rh+ zu einem Problem, denn alle anderen Blutgruppen enthalten Antikörper, die dem Typ A oder dem Typ B zugeordnet werden.

Eine Vermischung des Blutes würde zu einer sofortigen Verklumpung führen. Das reduziert die Auswahl der Blutkonserven in einem Ernstfall. Ein solcher Fall kann nach einem Unfall eintreten, bei starkem Blutverlust im Rahmen einer Operation oder als Folge einer begleitenden Substitution bei bestehenden schweren Erkrankungen, bei denen auch das Blut betroffen ist. Vereinfacht ausgedrückt ist der Rhesusfaktor nur eine weitere Eigenschaft des Blutes.

Das ist bei etwa 18% der Menschen in Europa zutreffend. In den USA liegen die Zahlen hingegen anders. Dort verfügen sehr viel weniger Menschen über den Rhesusfaktor negativ. Rhesusfaktor negativ oder positiv unterscheiden sich zwar voneinander, sie sind aber weder gut noch schlecht. Das einzige Problem, das daraus entstehen kann, ist eine Unverträglichkeit während der Schwangerschaft mzwischen Mutter und Kind oder bei einer Bluttransfusion.

 

Wie wird Blutgruppe 0 vererbt?

Die Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte Blutgruppe ist genetisch bedingt. Die Blutgruppe wird somit von Vater und Mutter auf das Kind vererbt. Dabei werden A und B gleichwertig an das Kind vererbt. In Konkurrenz mit Blutgruppe 0 sind aber A und B dominant. Wer Rhesusfaktor positiv ist, hat auf den roten Blutkörperchen das Rhesus negativ Antigen. Wer hingegen Rhesus negativ ist, hat das Antigen nicht. Genetisch verfügt jeder Mensch über beide Rhesus-Merkmale, vererbt aber nur eines. Wenn beide Eltern Rhesusfaktor negativ sind, kann das Kind nicht positiv sein. Es hat also in jedem Fall eine Blutgruppe mit Rhesusfaktor negativ. Blutgruppe 0 kann das Kind daher nur haben, wenn auch beide Eltern Träger der Blutgruppe 0 sind.

 

Bluttransfusionen bei Blutgruppe 0

Wer Blutgruppe 0 hat und eine Bluttransfusion braucht, hat weitaus weniger Möglichkeiten, als das bei anderen Blutgruppen der Fall ist. Ist eine Blutspende erforderlich, ist die Zeit meist sehr knapp. Allerdings stehen Konserven mit der Blutgruppe 0 kaum in ausreichender Menge zur Verfügung. Besonders problematisch ist das vor dem Hintergrund, dass die Blutgruppe von verunfallten Personen zumeist nicht bekannt ist. Sie erhalten dann bei Bedarf möglichst Konserven mit der Blutgruppe 0 Rhesusfaktor negativ, denn hier kommt es keinesfalls zu unerwünschten Reaktionen.

Eine Prüfung zur Verträglichkeit ist so nicht erforderlich. Bei nur 6% Anteil an möglichen Spendern kann die bestmögliche Versorgung schon vor diesem Hintergrund nicht gewährleistet werden. Ist allerdings bekannt, dass es sich bei dem Empfänger um den Träger der Blutgruppe 0 handelt, wird fragen Ärzte vor allem im familiären Umfeld nach möglichen Spendern, denn naturgemäß tritt diese Blutgruppe familiär gehäuft auf. Entsprechend können die Fachkräfte so schneller Spenderblut bereitstellen. Ein weiterer Unterschied ist, dass sich die Blutgruppe 0 von anderen seltenen Blutgruppen, wie z.B. Blutgruppen mit Rhesusfaktor negativ unterscheidet, wie z. B. A Rh-. Bei solchen ähnlichen seltenen Blutgruppen ist zwar das Angebot ebenfalls knapp, ebenso gering ist aber auch der Anteil der möglichen Empfänger. Böutgruppe 0 Rhesusfaktor negativ nimmt hier eine absolute Ausnahme ein.

 

Blutgruppe 0 in der Schwangerschaft

Die Frage der Blutgruppe ist für die Schwangere wichtig. Deshalb wird sofort nach Feststellung der Schwangerschaft auch die Blutgruppe festgestellt. Noch sinnvoller ist es, schon vor der Famlienplanung eine Klärung vornehmen zu lassen. So lassen sich die Risiken noch einmal deutlich reduzieren. Stellt sich bei der Blutuntersuchung heraus, dass bei der Frau Blutgruppe 0 vorliegt, muss auch der Rhesusfaktor festgestellt werden.

Probleme drohen, wenn die Mutter Rhesus negativ ist und der des Kindes positiv. Natürlich tragen die Blutgruppen beider Elternteile mit ihrem Erbmaterial zur Entstehung des Kindes bei. Kommt das Blut des ungeborenen Kindes mit dem Blut der Mutter in Kontakt, drohen biochemische Reaktionen. Das mütterliche Immunsystem erkennt das fremde Blut und die Unverträglichkeit. Das führt dazu, dass sie Abwehrmaßnahmen entwickelt. Dieser Prozess nimmt allerdings viel Zeit in Anspruch.

Die erste Schwangerschaft ist daher für gewöhnlich unauffällig. Bei weiteren Schwangerschaften ist dagegen mit Abwehrreaktionen zu rechnen. Die Voraussetzung ist dafür, dass auch in diesem Fall Rhesusfaktor negativ der Mutter auf Rhesusfaktor positiv des Kindes treffen. Dafür gibt es keine Garantie. Ebensogut können beide Blutgruppen bei dieser Schwangerschaft denselben Rhesusfaktor aufweisen. Ist bei der ersten Schwangerschaft der Rhesusfaktor identisch mit dem des Kindes, ist bei der zweiten auch nicht zwingend mit Problemen zu rechnen, selbst wenn nun Rh – auf RH + treffen.

Entscheidend ist die zweite Schwangerschaft mit zwei unterschiedlichen Rhesusfaktoren. Dennoch wird auch bei der ersten Feststellung eine genaue Beobachtung von Mutter und Kind beschlossen, um alle Risiken auszuschließen. Ein Risiko kann auch entstehen, wenn eine unnatürlich große Menge Blut des Kindes in den Kreislauf der Mutter gelangt.

 

Was passiert beim Kontakt der Blutgruppen im Mutterleib?

Die Bildung der Antikörper dauert eine gewisse Zeit. Während der Schwangerschaft ist der Blutkontakt zwischen Mutter und Kind darüber hinaus zu gering, als das ein ernstes Risiko daraus entstehen könnte. Grund für mögliche Probleme ist, dass der mütterliche Organismus Antikröper bildet, die der Immunglobulinklasse M angehören. Die Plazentaschranke, die verhindert, dass das Kind mit einer Vielzahl von gefährlichen Stoffen konfrontiert wird, hält auch die Immunglobuline ab.

Sie erreichen das ungeborene Kind nicht. Ist der mütterliche Organismus allerdings erst einmal für das Blut mit dem Rhesusfaktor positiv sensibilisiert, bleibt die Reaktiktionsfreudigkeit lebenslang erhalten. Daraus resultiert die Gefahr für folgende Schwangerschaften. Die Mutter produziert dann Imunglobulien der Klasse G. Diese Immunglobuline kann die Plazenta nicht aufhalten. Dringen sie zum ungeborenen Kind vor, greifen sie die roten Blutkörperchen an und zerstören sie. Die abgebauten Bestandteile lagern sich dann im Gehirn und in der Leber des Kindes an.

Die Folge ist, dass das Kind nicht mehr ausreichend rote Blutkörperchen zur Verfügung hat. Das hat weitreichende Konsequenzen. So leidet vor allem die Sauerstoffversorgung des ungeborenen Kindes, was die Entwicklung behindert. Das Ausmaß ist abhängig vom Umfang der Unterversorgung. Früher führten solche Entwicklungen zu lebensgefährlichen Entwicklungen für das Kind. Heute stehen Möglichkeiten zur Behandlung zur Verfügung.

 

Quelle: Biochemie T. Kreutzig

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Anna Nilsson, Journalistin und Medizinautorin seit 2001 mitwirkende Autorin im Gesundheitsmagazin "Großes Blutbild"