Kaffee mit seinem Wirkstoff Coffein steht seit Jahren in Verdacht den Blutdruck zu erhöhen und damit schädlich zu sein. Diese Aussage ist jedoch nur bedingt richtig.
So steigt der Blutdruck nach dem Genuss des belebenden Heißgetränks durchaus an, jedoch ist dieser Effekt nur von kurzer Dauer. Denn mit dem Kaffee verhält es sich ähnlich wie beim Sport:  Währenddessen und kurz danach sind Bltdruckanstiege zu verzeichnen. Auf lange Sicht jedoch sind sowohl Sport als auch Kaffee im normalen Rahmen sogar blutdrucksenkend.

Blutdruck und Kaffee
Blutdruck und Kaffee Urheber: rdaniluk / 123RF

 

Kaffee als Blutdrucksenker?

Die Universität in Lausanne veröffentlichte in der Fachzeitschrift „Human Molecular Genetics“ von einer Studie rund um das Team von Murielle Bochud. Dabei kam zutage, dass eine Tasse Kaffee am Tag den Blutdruck dauerhaft um bis zu 9mmHg senken kann. Dieses Ergebnis, welches für sich allein stehend verwirrend klingen mag, wurde folgendermaßen mit Ergebnissen untermauert:

Vergleichsgegenstände:

  •  Blutdruck
  •  genetische Ausstattung

Studienteilnehmer: über 16.000 Personen, sowohl männlichen als auch weiblichen Geschlechts.

Im Rahmen der Studie zeigte sich, dass differente Varianten des Gens CYP1A2 mit unterschiedlich ausgeprägtem Kaffeegenuss korrelierten. Dies bedeutet: Der Kaffeekonsum täglich ist genetisch vorprogrammiert.

Dabei ist das untersuchte Gen der Bauplan für das Eiweiß, welches beim Abbau von Coffein in der Leber eine hohe Rolle spielt. Wurde eine effiziente Gen-Variante vererbt, wird tendenziell auch mehr Kaffee konsumiert. Auffallend dabei: trotz hohen Konsums ist der Blutdruck dabei tiefer als bei Personen, die eine schwacherere Option des Gens geerbt hatten.

Der Effekt selbst besteht allerdings nur bei Nichtrauchern.

 

Kaffee, Blutdruck und Nikotin

Die Vorteile des Kaffees verpuffen leider dann, wenn Rauchen ins Spiel kommt. Durch Nikotin wird das in der Leber wirkende Eiweiß zum Coffein-Abbau in seiner Produktivität gesteigert. Dadurch erfolgt ein rapider Abbau und der Effekt geht sprichwörtlich in Rauch auf.

 

Blutdruck und Kaffee – Wieviel ist vertretbar?

Zum Konsum von Kaffee kursieren diverse Angaben, die als Richtwerte ausgegeben werden. Dabei kann keine wirklich pauschale Aussage getätigt werden, da die Reaktion auf das koffeinhaltige Heißgetränk individuell ausfällt. Wieviel Kaffee als unbedenklich erachtet werden kann, hängt vor allem davon ab, wieviel davon die jeweilige Person gewöhnt ist. Routinierte Kaffeetrinker können bis zu fünf Tassen täglich vertragen, ohne dass Experten diese Menge als bedenklich einstufen würde. Gelegenheitstrinker hingegen können schon bei einer Tasse deutliche Anzeichen der blutdrucksteigernden Wirkung spüren.

In welcher Höhe sich der Konsum auf den Blutdruck auswirkt ist ebenfalls individuell. Höchstwert bei seltenem Kaffeegenuss ist ein Anstieg bis zu 20mmHg. Dieser ist jedoch nur von kurzer Dauer.

 

Bluthochdruck und Kaffee – Darf man oder darf man nicht?

Möchte man herausfinden, in wieweit sich der Blutdruck nach Kaffeekonsum verändert, kann dies im Selbsttest leicht herausgefunden werden.
Dieser Test ist in folgenden, wenigen Schritten durchführbar:

  1.  Ermitteln Sie ihren Blutdruck vorm Kaffeegenuss
  2.  Trinken Sie eine Tasse Kaffee
  3.  Messen Sie kurz darauf noch einmal
  4.  Messen Sie etwa 30min später noch einmal

Anhand der drei sich ergebenden Werte der Drücke lässt sich deutlich erkennen, ob Sie zu den Konsumenten gehören, die problemlos Kaffee trinken können oder nicht.
Dabei ist es normal, wenn der erste Wert nach dem Kaffeekonsum deutlich erhöht ist. Der zweite Wert sollte dann wieder deutlich niedriger sein.
Bei Unsicherheit sollte ein Arzt befragt werden.

 

Bluthochdruck in jungen Jahren – Vorsicht Kaffee

Tritt Hypertonie bereits in jungen Erwachsenenjahren auf, stellt dies die einzige Ausnahme dar, bei der auf Kaffee weitestgehend erzichtet werden sollte.
Bei dieser Patientengruppe wurde in Studien belegt, dass der regelmäßige Konsum von Kaffee den Hypertonus weiter verschlimmern kann. Auch tritt in dieser Gruppe keine Gewöhnung ein, die später die positiven Eigenschaften des Kaffees nutzbar macht.

Daher sollten Patienten unter 50 Jahren mit bestehender Blutdruckproblematik weitestgehend auf den Kosum verzichten. Erst Recht, wenn der Faktor Nikotin noch hinzukommt.

 

Alternativen zum Kaffee

Wird festgestellt, dass Kaffee sich negativ auf den Blutdruck auswirkt, bieten sich drei Varianten an, um den Effekt auszuschließen und weiterhin nicht auf den Genuss eines Heißgetränks verzichten zu müssen.

1) Malzkaffee
2) entkoffeinierte Kaffeevarianten
3) Chai Latte

Alle drei Varianten kommen ohne Koffein aus und wirken sich somit nicht auf den Blutdruck aus. Dabei sind Malz- und entkoffeinierter schon lange bekannt. Der Chai Latte hingegen eroberte erst in den letzten Jahren den Markt und macht damit Gewürztee mit Milch populär. Durch das Aufbrühen von grünem Tee kann dabei die aufmunternde Wirkung ähnlich von Kaffee auftreten, ohne die Hypertonie zu verschlimmern.

 

Hinweis für unsere Leser

Dieser Artikel ist nach hohen medizinischen Standards verfasst und wurde von einem Medizinredakteur oder Mediziner unserer Reaktion vor Veröffentlichung geprüft.
Unsere Inhalte sind zur Information gedacht. Sie sind kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bitte konsultieren Sie dafür immer einen Arzt.

Verantwortliche Autorin: Anna Nilsson, Journalistin und Medizinautorin seit 2001 mitwirkende Autorin, entsprechen ihre Inhalte dem aktuellen medizinischen Wissensstand und begründen sich auf ärztliche Fachliteratur.