Gallenblase: Aufbau, Funktion und Erkrankungen

Die Gallenblase ist für die Sammlung, Speicherung und dosierte Abgabe der Gallenflüssigkeit verantwortlich. Erkrankungen und Funktionsstörungen des Organs machen oftmals mit erheblichen Gallenblase Schmerzen auf sich aufmerksam.

Zudem führen sie zu charakteristischen Veränderungen des Blutbildes, von denen die Gelbsucht die bekannteste ist.

Wir erklären Ihnen, wann Untersuchungen der Gallenblase notwendig sind und wie der Arzt diese durchführt.

Untersuchung der Gallenblase
Ultraschall-Untersuchung der Gallenblase Copyright: Yastremska bigstockphoto

Untersuchungen der Gallenblase: Wie funktioniert das „System Galle“ normalerweise?

Um zu verstehen, wann Untersuchungen notwendig werden, muss man die normale Funktionsweise der Gallenblase kennen.

Wo ist die Gallenblase?

Die Gallenblase (Vesica biliaris) sitzt gut geschützt in einer Grube unterhalb der Leber.

Von dieser erhält sie über Lebergang (Ductus hepaticus communis) und Gallengang (Ductus cysticus) die Gallenflüssigkeit, die sie speichert, ankonzentriert und bei Bedarf in den Dünndarm abgibt.

Wesentlicher Bestandteil der Gallenflüssigkeit ist das Bilirubin, das so als Endprodukt des Abbaus des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin ausgeschieden wird. Der Gallensaft dient der Emulgierung der Nahrungsfette, die so in Form kleinster Tröpfchen mit ihrer wesentlich größeren Oberfläche leichter verdaut werden können.

Ihrer Funktion entsprechend ähnelt die Gallenblase ein wenig einem Luftballon, der sich je nach Füllungszustand dehnen oder zusammenziehen kann. Ihre Wand ist dünn und besteht im Inneren aus einer Schleimhaut, die das Organ vor der Gallenflüssigkeit schützt.

Innere Organe des Menschen

Glatte Muskelzellen ermöglichen eine Kontraktion der Gallenblase, um den Inhalt auszuleiten. Das geschieht über Gallengang und Hauptgallengang (Ductus choledochus). Dieser mündet in den Zwölffingerdarm, in unmittelbarer Nähe wo auch die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ihren Verdauungssaft einleitet.

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Die Abgabe des Gallensaftes steuert das vegetative Nervensystem und das Hormon Cholecystokinin (sinngemäß das die Gallenblase bewegende Hormon). Weitere Nerven versorgen die in der Wand der Gallenblase sitzenden Schmerzrezeptoren.

Im Gegensatz zur schmerzunempfindlichen Leber machen sich viele Erkrankungen und funktionelle Störungen des Organs mit heftigen Schmerzen bemerkbar. Solche Gallenkoliken lassen einen Patienten schnell freiwillig zum Arzt gehen.

Untersuchungen der Gallenblase – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Eine Untersuchung der Gallenblase werden notwendig, wenn im „System Galle“ aus Leber, Gallenkanälen und Gallenblase Störungen auftreten.
  2. Als erstes nimmt man eine körperliche Untersuchung des Patienten vor.
  3. Wichtige Hinweise auf Erkrankungen liefern die Laborwerte, vor allem Entzündungszeichen, Leberwerte und Bilirubin.
  4. Als bildgebende Verfahren verwendet man Ultraschalluntersuchung, Computertomographie und/oder Magnetresonanztomographie.
  5. Spezielle Verfahren für die Untersuchung von Gallenblase und Leber sind ERCP, MRCP und PTC.

 

Wann werden Untersuchungen der Gallenblase notwendig?

Untersuchungen der Gallenblase muss der Arzt durchführen, wenn das „System Galle“ gestört ist. Das betrifft Leber, Gallengänge und Gallenblase selbst.

Viele dieser Störungen gehen mit erheblichen krampfartigen Schmerzen einher, den Gallekoliken. Die häufigsten Erkrankungen, die diese hervorrufen, sind:

  • Cholelithiasis – Gallensteine, die sich in den ableitenden Gallengängen oder vor dem Ausgang der Gallenblase festsetzen; in letzterem Falle kommt es oftmals zu einer
  • Cholezystitis, einer Gallenblasenentzündung, da die Wand gedehnt wird und die Galle das Gewebe angreift;
  • Dyskinesien, schmerzhafte Bewegungsstörungen bei Kontraktionen der Gallenblase und Gallenwege;
  • Tumoren von Gallenblase (Gallenblasenkarzinom) und Gallengängen (Gallengangkarzinom).

Ein weiterer Grund für Untersuchungen der Gallenblase ist eine Gelbsucht (Ikterus), die nicht zwangweise mit Schmerzen verbunden ist. Sie kommt dadurch zustande, dass eine Behinderung des Abflusses der Gallenflüssigkeit (Cholestase) zu einem Ansteigen des Blutwertes für Bilirubin führt. Steigt dieser über zwei Milligramm pro Deziliter, verfärbt sich das Weiße in den Augen gelb, bei Blutwerten über fünf Milligramm auch Haut und Schleimhäute.

Untersuchungen der Gallenblase: Körperliche Untersuchung

Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen ist eine körperliche Untersuchung, bei der der Arzt sich den Patienten näher anschaut und auf körperliche Symptome wie Gelbsucht achtet.

Als nächstes folgt die Tastuntersuchung (Palpation) des Oberbauches. Bei vielen Erkrankungen der Gallenblase zeigen sich hier bereits typische Druckschmerzen im rechten Oberbauch (Murphy-Zeichen). Dazu drückt der Arzt beim sitzenden Patienten unter dem rechten Rippenbogen mit mehren Fingern in den rechten Oberbauch und fordert den Patienten zum Einatmen auf. Eine entzündete Gallenblase ist so tastbar und zeigt sich zudem in der schmerzhaft verzogenen Mimik des Patienten.

Beim Abklopfen (Perkussion) mit den Fingern zeigt sich, ob in der Region eine Schmerzempfindung besteht.

Bei der Auskultation mit dem Stethoskop hört der Arzt auf ungewöhnliche Darmgeräusche, wie sie bei Galle- und Lebererkrankungen häufig auftreten.

Untersuchungen der Gallenblase: Laboruntersuchungen

Die Blutwerte liefern Informationen über die Funktionsfähigkeit des „Systems Galle“.

Staut sich die Gallenflüssigkeit in Gallenblase und/oder Gallewegen, führt das zu einer Entzündung (Cholezystitis). Wie bei allen Entzündungen ist diese durch erhöhte Blutwerte der Entzündungszeichen gekennzeichnet.

  • Leukozytenanzahl (LEUK, WBC) –
    • Referenzbereich: 3,8 – 10,5 Tausend pro Mikroliter
  • C-reaktives Protein (CRP)
    • Referenzbereich: unter 0,5 Milligramm pro Deziliter
  • Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG)
    • Referenzbereich: unter 20 Millimeter.

Ist zudem die Leber beeinträchtigt, steigen auch die Leberwerte:

  • Glutamal-Oxalacetat-Transaminase (GOT, ASAT)
    • Referenzbereich: Männer unter 17, Frauen unter 15 Units pro Liter
  • Glutamat-Pyruvat-Transaminase (GPT, ALAT)
    • Referenzbereich: Männer unter 23, Frauen unter 19 Units pro Liter
  • Gamma-Glutamyltranspeptidase (GGT, ?-GT)
    • Referenzbereich: Männer unter 66, Frauen unter 39 Units pro Liter
  • Alkalische Phosphatase (AP)
    • Referenzbereich: Männer 70 – 175, Frauen 55 – 147 Units pro Liter

Bei einer Gelbsucht kommt es zudem zu einem Anstieg des Blutwertes für Bilirubin:

  • Bilirubin
    • Referenzbereich indirektes (an Albumin gebundenes) Bilirubin: unter 0,7 Milligramm pro Deziliter
    • Referenzbereich direktes (an Glucuronsäure gebundenes) Bilirubin: unter 0,3 Milligramm pro Deziliter

Untersuchungen der Gallenblase: Ultraschalluntersuchung (Sonographie)

Eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes (Abdomen-Sonographie) bietet eine einfache, schnelle und ungefährliche Methode für die Untersuchung der Gallenblase. Ultraschall kommt ohne schädliche Strahlung aus und erlaubt die Inspektion und Beurteilung von Leber, Gallenblase und Gallenwegen in Echtzeitbildern. Gallensteine oder Gallengries und Verdickungen der Wände von Gallenblase und Gallenwegen, wie sie für Entzündungen typisch sind, lassen sich so schnell erkennen.

Untersuchungen der Gallenblase: Computertomographie und Kernspintomographie

Weitere bildgebende Verfahren sind die Computertomographie (CT) und die Kernspintomographie oder Magnetresonanztomographie (MRT). Während die Computertomographie nichts anderes ist als eine Röntgenuntersuchung mit vielen einzelnen Schichtaufnahmen kommt die Kernspintomographie ohne Strahlung aus und verarbeitet lediglich das Verhalten von Elektronen in einem starken Magnetfeld.

Beide Methoden liefern sehr detaillierte Aufnahmen, anhand derer sich Veränderungen und Erkrankungen der Gallenblase und Gallenwege feststellen lassen.

Untersuchungen der Gallenblase: ERCP

ERCP bezeichnet eine endoskopische retrograde Cholangio-Pankreatikographie. Das Wortungetüm beschreibt ein endoskopisches Verfahren. Dazu schiebt ein Facharzt für Magen-Darm-Erkrankungen (Gastroenterologe) wie bei einer Magenspiegelung (Gastroskopie) ein Endoskop über Mund, Speiseröhre und Magen bis in den Zwölffingerdarm vor. In der Einmündung von Gallenwegen und Bauchspeicheldrüse injiziert er ein Kontrastmittel, mit dessen Hilfe sich in einer Röntgenuntersuchung die Hohlräume von Gallenblase und Pankreas abbilden lassen.

Auf diese Weise lassen sich Verengungen der Hohlräume erkennbar machen, die mit Abdomen-Sonographie, CT und MRT nicht dargestellt werden können. Damit dient die ERCP der Erkennung von Gallensteinen, Entzündungen oder Tumoren. Zudem erlaubt die ERCP eine Entnahme von Biopsiematerial wie auch kleinere therapeutische Eingriffe, mit denen sich unter Röntgenbeobachtung Steine entfernen lassen.

Untersuchungen der Gallenblase: MRCP

Diese Abkürzung steht für ein weiteres Wortungeheuer, die Magnetresonanz-Cholangio-Pankreatikographie. Auch hier verwendet der Gastroenterologe ein Endoskop für die Einbringung von Kontrastmittel in die Hohlräume von Gallenblase und Bauchspeicheldrüse. Allerdings erfolgt hier die Untersuchung in einem Kernspintomographien.

So lassen sich ohne Röntgenstrahlen Gallensteine, Engstellen (Stenosen) in den Ableitungsgängen von Galle und Pankreas und weitere Erkrankungen, die die Hohlräume verändern, erkennen. Allerdings ist in der „Röhre“ eine Behandlung mit kleineren Eingriffen technisch nicht möglich, allein schon deswegen, weil sich Metallgegenstände im Magnetfeld aufheizen.

Untersuchungen der Gallenblase: PTC

PTC steht für perkutane transhepatische Cholangiographie. Hierfür injiziert der Arzt unter Beobachtung mit Ultraschall mithilfe einer Nadel ein Kontrastmittel in die Leber, bis dieses die Gallenkanälchen und die Gallengänge darstellt. Damit lassen sich Engstellen und Abflußstörungen erkennen. Bei dieser Gelegenheit lässt sich eine Stauung durch eine Verengung mithilfe eines Stents beheben.

Untersuchungen der Gallenblase: Hepatobiliäre Szintigraphie

Bei einer Szintigraphie von Leber und Gallenblase injiziert der Arzt dem zu untersuchenden Patienten Verbindungen, die mit radioaktivem Technetium Tc 99m markiert sind (HIDA, PIPIDA, DISIDA, BrIDA).

Über Leber und Galle gelangen diese in die Gallenblase und lassen sich dort anhand der radioaktiven Strahlung nachweisen. Eine Stauung lässt sich dadurch erkennen, dass das Radionuklid nur bis zu einer bestimmten Stelle im Gallensystem gelangt. Wegen der radioaktiven Belastung verwendet man das Verfahren nur noch selten, zumal CT und MRT vergleichbare Ergebnisse liefern.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  1. Klaus Dörner: Taschenlehrbuch Klinische Chemie und Hämatologie. 8. Auflage. Stuttgart 2013: Georg Thieme-Verlag. ISBN-10: 3131297182.
  2. Gerd Herold: Innere Medizin. Köln: G. Herold Verlag (2016). ISBN-10: 3981466063
  3. Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart: Springer-Verlag (2012). ISBN-10: 3642331076.
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