Behandlungen nach dem Herzinfarkt

Ein Herzinfarkt ist für die betroffene Person wie auch für die Familie ein einschneidendes Ereignis. Wenn Sie selbst oder ein naher Angehöriger damit konfrontiert wurden, fragen Sie sich sicherlich, wie lange ein Patient mit einem Herzinfarkt im Krankenhaus verbringen muss und was für Behandlungen nach dem Herzinfarkt anstehen.

Oder Sie möchten wissen, wie das mit der Reha aussieht, die der behandelnde Arzt bereits in Aussicht gestellt hat und mit welchen Folgeerkrankungen man gegebenenfalls nach einem solchen kardiologischen Ereignis rechnen muss. Wir möchten Ihnen nachfolgend das Wichtigstes dazu erläutern.

Nach dem Herzinfarkt wie lange im Krankenhaus

Nach dem Herzinfarkt wie lange ist man im Krankenhaus und Reha – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Nach einem Herzinfarkt ist eine umfangreiche gesundheitliche Stabilisierung des Patienten unerlässlich, um ein sicheres Überleben mit möglichst wenig Folgeerscheinungen zu gewährleisten.
  2. Diese Stabilisierung erfolgt nach der notärztlichen Erstversorgung für bis zu drei Tagen auf einer Intensivstation. Gegebenenfalls werden in dieser Zeit notwendige Operationen wie das Legen eines Stent oder eine Bypassoperation durchgeführt.
  3. Danach muss der Herzinfarktpatient je nach Schweregrad eine bis drei Wochen auf einer normalen Station verbringen, wo man ihn überwacht und medikamentös einstellt.
  4. Die daran anschließende Reha dauert ebenfalls im Schnitt drei Wochen und kann auf Antrag verlängert werden.
  5. Ziel der Reha ist die Wiedereingliederung des Patienten in seinen Alltag. Zudem muß er lernen, wie er weitere Herzinfarkte vermeiden helfen kann.

Herzinfarkt: Wie lange ist man im Krankenhaus und Reha – Und noch etwas Wichtiges!

Beachten Sie unbedingt auch unsere relevanten Notfallthemen! Denken Sie daran, dass Wissen darüber, woran man einen Herzinfarkt erkennt, wie man einen richtigen Notruf absetzt und wie man sich bei Herzproblemen generell verhalten soll Leben retten kann!

Herzinfarkt – Wie lange ist man im Krankenhaus?

Versorgung auf der Intensivstation nach dem Herzinfarkt

Treffen Notarzt und Rettungswagen beim Patienten ein, sind rechtzeitig eingeleitete Sofortmaßnahmen wichtig, um den Patienten gegebenenfalls ins Leben zurückzuholen und so weit zu stabilisieren, dass er einen Transport ins nächstgelegene Krankenhaus übersteht. Dort finden weitere medizinische Maßnahmen zur Intensivbehandlung statt, die den Patienten weiter stabilisieren und die Ausweitung des Infarkts verhindern.

Auf der Intensivstation kontrolliert man Blutdruck, Atmung und Herzschlag kontinuierlich mit speziellen Geräten, die sofort Alarm schlagen, wenn etwas nicht stimmt. Zudem erhält der Patient zur Sicherstellung der Sauerstoffversorgung eine Atemmaske oder Nasensonde, die über einen Befeuchter an das Sauerstoffversorgungssystem angeschlossen ist. Ebenso wird die Herztätigkeit mit einem Elektrokardiografen (EKG) überwacht.

Zur direkten Messung des zentralvenösen Blutdruckes und für die Verabreichung von Medikamenten direkt in die Blutbahn erhält der Patient einen sogenannten zentralen Venenkatheter (ZVK). Diesen führt der Arzt über die nahe an der Oberfläche liegende Schlüsselbeinvene (Vena subclavia) oder innere Drosselvene seitlich vorne am Hals (Vena jugularis interna) ein. Als Medikamente kommen Blutverdünner (Heparin, Clopidogrel) zum Einsatz.

Meistens verbringt ein Patient zwei bis drei Tage auf der Intensivstation. Diese Zeit ist besonders kritisch, sodass eine ständige Überwachung und die Möglichkeit einer schnellen Intervention angebracht ist. Gegebenenfalls stellt sich hier die Notwendigkeit operativer Maßnahmen heraus.

Herzinfarkt Operative Versorgung im Krankenhaus

In einigen Fällen kann man einen Herzkatheter bis zum Herzen vorschieben und das verengte Gefäß mit einem kleinen Ballon ausweiten (Ballondilatation, perkutane transluminale koronare Angioplastie PTCA). Gegebenenfalls wird bei dieser Gelegenheit ein Stent eingesetzt, ein spezielles Röhrchen, das sich auf Zug entfaltet und das verengte Gefäß offen hält (perkutane Koronarintervention, PCI). Dadurch stellt man die Wiederdurchblutung der Engstelle (Reperfusion) sicher. Solche Manipulationen erfolgen unter Röntgenbeobachtung mit Kontrastmittel und benötigen nur eine örtliche Betäubung.

Ist ein wichtiges Gefäß betroffen oder die Engstelle relativ lang reichen solche Maßnahmen nicht aus. Dann muss man die blockierte Stelle mit einem Bypass umgehen (aortokoronare Bypass-Operation). Hierfür wird der Patient an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, die während der Operation die Funktion von Herz und Lunge übernimmt. Denn für diesen chirurgischen Eingriff muss der Chirurg den Brustkorb unter Vollnarkose eröffnen (Thorakotomie) und das Herz vorübergehend stilllegen.

Eine kleine Arterie von der Innenseite der Brustwand (Arteria mammaria interna) oder ein Stück einer oberflächlichen Vene von der Innenseite des Unterschenkels (Vena saphena magna) wird operativ entnommen und so am Herzen angebracht, dass der Blutfluss die Engstelle umgehen kann. Je nach Ausdehnung des Herzinfarktes sind hierfür mehrere Bypässe notwendig.

Nach dem Herzinfarkt im Krankenhaus – Versorgung auf Station

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Hat der Patient das Schlimmste überstanden, wird er auf eine normale Station verlegt. Dort wird er weiter mit Gerinnungshemmern und weiteren Medikamenten behandelt. Zudem werden in dieser Zeit weitere Untersuchungen vorgenommen wie eine Bildgebung des Brustraumes zur Feststellung von Lungenödemen infolge verminderter Herzfunktion. Elektrokardiogramme (EKG) geben Auskunft über die Entwicklung der Infarktzeichen. Gegebenenfalls geschieht dies unter Belastung auf einem Fahrradergometer (Belastungs-EKG), um die Herzfunktion unter körperlicher Anstrengung zu überprüfen.

Wichtig ist in dieser Zeit auch die Mobilisation des Patienten. Das heißt, mit pflegerischer Unterstützung soll er aufstehen und umherlaufen, so gut das Herz das zulässt.

Zudem wird anhand der von der Schwere des Herzinfarktes bestimmten Symptomatik die weitere Medikation bestimmt. Diese ist beispielsweise bei den häufig nach einem Herzinfarkt auftretenden Herzrhythmusstörungen oder bei einer infarktbedingten Herzschwäche (Herzinsuffizienz) notwendig.

Die meisten Patienten bleiben dort für mindestens eine Woche, wenn keine Komplikationen auftreten. Gegebenenfalls kann sich der Aufenthalt bis zu drei Wochen hinziehen, vor allem bei Stentlegung und Bypassoperationen. Danach wird eine Überleitung in die Rehabilitation vorgenommen.

Wie lange dauert die Reha nach einem Herzinfarkt – Was erwartet mich?

Nach dem Aufenthalt im Krankenhaus schließt sich eine Anschlussheilbehandlung in Form einer kardiologischen Reha in einer speziell dafür ausgestatteten Klinik an. Sie dauert in der Regel drei Wochen und kann bei medizinisch begründeten Fällen verlängert werden. Vor allem nach Bypassoperationen und schweren Herzinfarkten ist diese Reha unbedingt notwendig. Auf jeden Fall muss sichergestellt sein, dass der Patient so weit stabil ist, dass man in eine Rehabilitationsmaßnahme entlassen kann.

In der Reha stehen die physische und psychische Stabilisierung des Infarktpatienten im Vordergrund. Die dafür notwendigen Vorbereitungen trifft der behandelnde Arzt. Eine solche Reha-Maßnahme zahlt bei Berufstätigen der Rentenversicherungsträger, bei Rentnern die zuständige Krankenkasse.

Ziel der Reha ist es, dem Patienten die Rückkehr in seinen Alltag zu erleichtern und ihm wichtige Tipps für die Zukunft mitzugeben.

Eine solche Reha wird zunehmend ambulant durchgeführt, das heißt der Patient darf nach seinen Anwendungen abends nach Hause. Auch wenn viele Krankenkassen das mittlerweile aus Kostengründen bevorzugen, ist ein stationärer Aufenthalt auch bei leichten Fällen medizinisch sicherlich sinnvoller. Meist wäre es wünschenswert, dass der Erfolg der neu angesetzten medikamentösen Therapie nicht nur tagsüber von Fachkräften beobachtet wird und mögliche langfristige Folgen des Herzinfarktes wie Ödembildungen Beachtung finden.

Zu den Therapiemaßnahmen gehören

  • Verbesserung von Fitness und Kondition durch Krankengymnastik (Ergometertraining)
  • Geh- und Bewegungstraining, gegebenenfalls mit Schwimmtraining
  • Diät- und Ernährungstraining
  • Medizinische Bäder, Massagen und Kneipp-Anwendungen
  • Entspannungsübungen zur Stressbewältigung
  • gegebenenfalls psychologische Betreuung bei Depressionen und Angstzuständen nach Herzinfarkt
  • gegebenenfalls sozialmedizinische Betreuung, etwa bei Patienten ohne Angehörige und Problemen bei der Wiederaufnahme der alten Arbeitsstelle.

Wichtig ist, dass der Patient in der Kur sein Herzinfarktrisiko zu senken lernt. Den Arbeitsalltag mit dem gewohnten Stress weiterzuverfolgen und den Abend rauchend mit einer Tüte Chips vor dem Fernseher zu verbringen ist eine fast hundertprozentige Garantie auf den nächsten Herzinfarkt, der nicht mehr ganz so glimpflich verlaufen wird wie der vorangegangene. Denn einmal eingetretene Schäden sind irreparabel, und jeder weitere Infarkt beeinträchtigt die Herzfunktion noch mehr.

Der Patient muss lernen, wie es zu dem Herzinfarkt gekommen ist und was er dafür tun kann, dass keine weiteren hinzukommen und gegebenenfalls tödlich verlaufen. Zu den sinnvollen Maßnahmen gehören vor allem

  • Reduktion des Körpergewichtes auf Normalgewicht
  • leichte regelmäßige sportliche Betätigung
  • Verzicht auf Nikotin und zu viel Alkohol
  • Reduktion von Stressfaktoren
  • Reduktion von Fett und Kochsalz in der Nahrung
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Regelmäßige Kontrolle der Blutwerte beim Arzt: Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin, Triglyzeride.

Nach dem Herzinfarkt – Wie lange ist man krankgeschrieben?

Für die Dauer des Klinikaufenthaltes und der anschließenden Reha ist ein Herzinfarktpatient auf jeden Fall arbeitsunfähig. Die Gesamtdauer der Krankschreibung nach einem Herzinfarkt hängt von der Schwere des Infarkts und den sich daraus ergebenden Komplikationen ab. Gerade nach Legung eines Stents oder nach einer Bypassoperation ist mit längeren Rekonvaleszenzzeiten zu rechnen.

Bei schweren Herzinfarkten ist es möglich, dass der Patient als begrenzt oder dauerhaft arbeitsunfähig einzustufen ist. Gegebenenfalls muss die berufliche Eingliederung stufenweise erfolgen, etwa mit einer reduzierten Arbeitszeit, die man langsam auf den üblichen Wert zurückzubringen versucht. Solche Maßnahmen setzen neben einer entsprechenden ärztlichen Empfehlung das Einverständnis von Krankenkasse und Arbeitgeber voraus.

Herzinfarkt im Krankenhaus? Welche Folgeerkrankungen sind möglich?

Wenn ein Herzinfarkt auftritt, liegt dem meistens bereits eine chronische Herz-Kreislauf-Erkrankung zugrunde. Vor allem die Arterienverkalkung (Arteriosklerose) stellt nicht nur für das Herz ein weiterhin bestehendes Risikopotential dar, sondern auch für andere Erkrankungen wie transitorische ischämische Attacken (TIA) mit Ohnmachtsanfällen, Schlaganfall (Apoplex) oder vaskuläre Demenz.

Eine weitere chronische Schädigung des Herzens führt letztlich zu Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und Herzrhythmusstörungen. Diese erhöhen das Risiko eines plötzlichen Herztodes innerhalb von Sekunden. Daher ist die Befolgung der in der Reha vermittelten Maßnahmen zur Verbesserung des Herz-Kreislauf-Risikos im eigenen Interesse.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  1. Literatur über Erste Hilfe
    • Malteser Hilfsdienst (Hrsg.): Erste-Hilfe-Handbuch: Wissen – Ratschläge – Selbsthilfe. München 2016: Dorling Kindersley Verlag. ISBN-10: 3831029962,
    • Gabriele Sprengseis (Hrsg.), Romana Kandioler, Heinz Kuderna: Erste Hilfe. Ein Lehrbuch für Pflege- und Gesundheitsberufe. 2. Auflage. Wien 2014: Facultas.wuv Verlag. ISBN-10: 3708911474
  2. Allgemeines zum Thema Herzinfarkt, Krankenhaus, Reha
    • Erland Erdmann (Hrsg.): Klinische Kardiologie: Krankheiten des Herzens, des Kreislaufs und der herznahen Gefäße. Stuttgart 2011: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642164803.
    • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold-Verlag. ISBN-10: 3981466063.
    • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
    • Lewalther, Th. (Hrsg): Herzrhythmusstörungen: Diagnostik und Therapie. 6. Auflage. Berlin 2010: Springer-Verlag. ISBN-10: 3540767541.
    • Ulrich Stierle (Hrsg.): Klinikleitfaden Kardiologie. 6. Auflage. München 2017: Urban & Fischer Verlag/Elsevier. ISBN-10: 3437222848
    • Ounpuu S, Negassa A, Yusuf S: INTER-HEART: A global study of risk factors for acute myocardial infarction. Am Heart J. 2001 May;141(5):711-21.
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