Amphetamin-Entzug: Entzugserscheinungen, Symptome und Informationen zum Entzug

Amphetamin bezeichnet man auch als „Weckamin“, ein Amin, das munter macht. Es hat eine stark stimulierende und aufputschende Wirkung. Als Speed (Amphe, Pep) in hoher Dosis angewendet führt Amphetamin zu rauschartigen euphorischen Zuständen, macht aber auch geistig abhängig und verursacht psychische Erkrankungen, Gewichtsverlust und Organschäden.

Wollen Sie sich über einen Amphetamin-Entzug informieren, möchten Sie sicherlich wissen, welche Symptome als Entzugserscheinungen auftreten.

Wir informieren Sie darüber und wie lange ein Amphetamin-Entzug dauert, ob man ihn selbst zu Hause durchführen sollte und wer einen Entzug bezahlt.

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Was bei kontrollierter Einnahme bis heute als Arzneimittel gegen das bei Kindern zusehends verbreitete Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom ADHS und die Schlafkrankheit Narkolepsie eingesetzt wird, hat durch ihren Missbrauch in der Drogenszene traurige Berühmtheit erlangt.

 

Was ist Amphetamin?

Amphetamin ist ein Phenylethylamin und ist vom Namen her eine Abkürzung von alpha-Methylphenylethylamin. Erstmals hergestellt wurde es 1887 von dem rumänisch-jüdischen Chemiker Lazăr Edeleanu an der Berliner Humboldt-Universität im Rahmen seiner Doktorarbeit.

Viel Beachtung fand diese Synthese damals nicht, denn die psychotropen Eigenschaften des Amphetamins entdeckte man erst in den 1920er Jahren. Damals erkannte man die Ähnlichkeit der Struktur mit jener der Stresshormone und Botenstoffe Adrenalin und Noradrenalin.

Amphetamin-Entzug Symptome: Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Amphetamin wurde ursprünglich als Medikament entwickelt und ist bis heute für die Behandlung von ADHS und Narkolepsie in Gebrauch.
  2. Die Substanz ist nach dem Betäubungsmittelgesetz verkehrsfähig und verschreibungsfähig. Nur Herstellung, Verteilung und Handel ohne Erlaubnis sind strafbar.
  3. Amphetamin ist ein Aufputschmittel, das ähnlich wie Stress zu gesteigerter Wachheit führt. Hunger und Durst sind während der Wirkung zweitrangig.
  4. Beim Amphetamin-Entzug treten vor allem Entzugserscheinungen auf, die der Wirkung entgegengesetzt sind, wie Müdigkeit, Hunger, Depressionen und Reizbarkeit.
  5. Da Amphetamin vor allem zu einer psychischen Abhängigkeit führt und die Entzugserscheinungen milder als bei vielen anderen Rauschmitteln ist es durchaus möglich, einen Amphetamin-Entzug selber zu machen.

 

Amphetamin vom Arzneimittel zur Droge

Die Pharmafirma Smith, Kline & French nutzte Amphetamin als billigen Ersatz für das Ephedrin aus dem Gemeinen Meerträubel (Ephedrum dystachia), dessen chemische Synthese wesentlich aufwendiger war. Genutzt wurde es als Asthmamittel (Bronchospasmolytikum), später auch als Mittel gegen die Schlafkrankheit Narkolepsie.

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Schon 1937 konnte der US-amerikanische Psychiater Charles Bradley nachweisen, dass das Amphetamin bei verhaltensauffälligen Kindern – heute würde man AHDS diagnostizieren – eine erhebliche Linderung der Symptome brachte. In Form von Methylphenidat (Ritalin) ist es dafür bis heute in Gebrauch.

Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde Amphetamin als Bestandteil zahlreicher Medikamente eingesetzt, vom Appetitzügler über Mittel gegen Erkältungen, Kater und Depressionen bis zu Gestosen (Hyperemesis gravidarum mit Schwangerschaftübelkeit und Erbrechen).

Die weite Verbreitung sorgte auch für eine Ausweitung der Fälle von Missbrauch, was 1941 den Reichstag zur Aufnahme von Amphetamin in das Gesetz über den Verkehr mit Betäubungsmitteln (Reichsopiumgesetz) veranlasste. Dieses ist bis heute als Betäubungsmittelgesetz (BtMG) gültig. Dort ist es in der Anlage III der verkehrsfähigen und verschreibungsfähigen Betäubungsmittel aufgeführt. Das bedeutet, Amphetamin darf zu medizinischen Zwecken vom Arzt verschrieben und in Apotheken verkauft werden. Dagegen stehen Handel, Besitz und Herstellung ohne Genehmigung unter Strafe.

Besondere traurige Berühmtheit erlangt hat das Amphetamin-Derivat Methamphetamin, besser bekannt als Crystal Meth. Das Aufputschmittel Pervitin wurde von der Reichswehr bis zu NVA und Bundeswehr bis in die 1970er Jahre fest verplant, bis die zu rapidem körperlichem und geistigem Zerfall führende Droge erst 1988 endgültig verboten wurde.

Amphetamin – Wie wird die Droge konsumiert?

Amphetamin ist auf dem Schwarzmarkt meistens in Form eines gelblichen oder weißen Pulvers, seltener als Paste, Tabletten, Kapseln oder Dragees erhältlich. Als Pulver wird es mit einem Papierröhrchen in die Nase geschnupft oder in Zigarettenpapier gewickelt geschluckt („Bombe“), ansonsten heruntergeschluckt oder in Flüssigkeit gelöst eingenommen.

Amphetamin-Entzug: Was macht die Droge so interessant?

Amphetamin wirkt sympathomimetisch, das heißt direkt auf das sympathische Nervensystem. Es führt vor allem zur Ausschüttung der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin, bei hohen Dosen auch von Serotonin. In hoher Dosierung verursacht Amphetamin streng genommen einen StresszustandBlutdruck, Herzfrequenz und Körpertemperatur steigen, die Bronchien sind zur Verbesserung der Sauerstoffaufnahme weit offen. Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer sind erhöht. Man ist hellwach, euphorisch und selbstbewusst, wohingegen Schlafbedürftnis sowie Hunger und Durst vollständig unterdrückt werden. Daher ist das Amphetamin vor allem in der Techno- und Raver-Szene so beliebt: Mit Speed im Blut kann man nächtelang durchtanzen, ohne müde zu werden.

Ein solcher Kick ist noch nicht einmal teuer. In der Szene ist ein Gramm Amphetamin meist für unter zwanzig Euro zu haben, teilweise sogar unter zehn. Für drei Tage und Nächte Action scheint das vielen billig.

Interessant ist die aufputschende Wirkung auch für Hochleistungssportler. Doping mit Amphetamin ist weit verbreitet, da es auf das vegetative Nervensystem wirkt und die Ausdauer und Leistungsfähigkeit verbessert. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA erlaubt sogar den Einsatz im Training, wohingegen der Gebrauch von Amphetamin im Wettkampf strikt verboten ist.

Amphetamin-Symptome beim Gebrauch

Bei Amphetaminmissbrauch sinkt die Aggressionsschwelle und steigt das sexuelle Verlangen wie auch das Mitteilungsbedürfnis. Leute unter dem Einfluss von Amphetamin stehen unter Strom, quasseln ohne Ende, sind leicht gereizt und werden schnell handgreiflich. Zudem schätzen sie Situationen, vor allem Gefahren völlig falsch ein und neigen zur Selbstüberschätzung.

Hohe Dosen führen zudem zu Krämpfen, Panikzuständen und Psychosen. Die Erhöhung der Körpertemperatur verursacht einen Hitzestau, vor allem bei zusätzlicher körperlicher Verausgabung, der allerdings nicht wahrgenommen wird. Hinzu kommt eine Austrocknung durch die vernachlässigte Flüssigkeitszufuhr. Der nachfolgende Kreislaufkollaps kann tödlich verlaufen.

Amphetamin-Symptome bei nachlassender Wirkung

Noch dramatischer wird es, wenn die Wirkung nachzulassen beginnt. Der Körper signalisiert Hallo, ich bin todmüde und müsste mal dringend schlafen, aber durch das Amphetamin ist er noch immer nervös und unruhig. Oftmals versuchen Konsumenten durch die Einnahme von Beruhigungsmitteln wie Valium oder durch das Rauchen von Cannabis herunterzukommen, um ein wenig Ruhe zu finden und endlich schlafen zu können. Daraus wird schnell ein Teufelskreis aus stimulierenden Drogen, Uppers, und beruhigenden Drogen, Downers.

Amphetamin-Symptome fortwährenden Konsums

Ein chronischer Konsum von Amphetamin führt zur Sucht und macht vor allem psychisch abhängig. Durch das Fehlen von Hunger und Durst nehmen die Patienten dramatisch ab und sind oftmals dehydriert, was sich auch in psychischen Symptomen wie Verwirrtheit, Desorientierung und Psychosen äußert. Häufig fehlen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, da mehr davon ausgeschieden als aufgenommen wird.

Die Stoffwechselendprodukte des Amphetamins schädigen die Niere, Leber und Lunge bis hin zum Organversagen. Auch das Blutgefäßsystem wird in Mitleidenschaft gezogen, sodass es Herzinfarkten, Schlaganfällen und sonstigen Hirnschäden kommt.

Zudem schädigt Schniefen die Nasenschleimhäute und oberen Atemwege nachhaltig.

Das bei Einnahme gesteigerte sexuelle Verlangen steht in krassem Missverhältnis zur sexuellen Leistungsfähigkeit, denn Amphetamin führt zu Potenzstörungen mit Verlust der Erektionsfähigkeit und Libido.

Amphetamin-Symptome von Streckung und Mischkonsum

Problematisch ist oftmals auch das Strecken des Amphetamins. Der Reinheitsgehalt schwankt erheblich, je nachdem in welcher Giftküche die Synthese erfolgt ist. Gängig sind ein bis über neunzig Prozent Amphetamingehalt. Zum Verschnitt werden oft Zucker (Traubenzucker, Milchzucker), Aspirin, Paracetamol und andere psychoaktive Substanzen wie Koffein, Ephedrin oder Methamphetamin zugesetzt.

Besonders problematisch ist ein Mischkonsum mit anderen Drogen, wie er oft mit Uppers und Downers beginnt. Das beginnt bei gleichzeitigem Konsum von Alkohol und endet bei harten Drogen wie LSD.

 

Der Amphetamin-Entzug und seine Symptome

Die bedeutsamsten Entzugserscheinungen bei einem Amphetamin-Entzug ist der nach wie vor bestehende Suchtdruck und depressive Verstimmungen. Konsumenten verspüren schon nach kurzer Zeit das dringende Verlangen, sich einen neuen Kick zu holen.

Die gute Nachricht für den Amphetamin-Entzug: Im Gegensatz zu seinem Derivat Methamphetamin oder Crystal Meth macht Amphetamin körperlich nicht abhängig. Das heißt, trotz einer Toleranzentwicklung und dem ständigen Druck nach höheren Dosen äußert sich der Amphetamin-Entzug nicht mit Symptomen, die für ein Entzugssyndrom typisch wären.

Dennoch zeigen sich bei einem Amphetamin-Entzug Symptome, die der eigentlichen, aufputschenden Wirkung diametral gegenüberstehen. Konsumenten sind im Amphetamin-Entzug hundemüde, haben ausgeprägten Hunger und Durst und sind dabei depressiv und reizbar.

Amphetamin-Entzug selber machen: Macht der Amphetamin-Entzug denn Sinn?

Auf jeden Fall – siehe Symptomatik bei dauerhaftem Gebrauch und Mischkonsum. Allein schon fehlendes Hunger- und Durstgefühl können lebensbedrohende Ausmaße annehmen, von der Wirkung auf die inneren Organe und das Gefäßsystem ganz zu schweigen. Darüber hinaus führt der fortgesetzte Konsum zum Verlust partnerschaftlicher, familiärer und sonstiger sozialer Kontakte. Beruf und schulische Leistungen leiden ebenfalls darunter.

Schaffe ich den Amphetamin-Entzug?

Daher ist bei einem Amphetamin-Entzug für den Konsumenten das größte Problem die damit verbundene psychische Herausforderung. Gerade nach einer längeren Toleranzentwicklung und dem Drang nach noch höheren Dosen ist es schwer, den weiteren Konsum einzuschränken und konsequent nein zu sagen. Oft ist ein erster Schritt, sich fest vorzunehmen, nur noch einmal die Woche Speed zu nehmen und die Menge immer weiter herabzusetzen.

Bei Amphetamin ist ein Entzug mit wesentlich weniger akuten Entzugserscheinungen verbunden als beispielsweise Heroin oder Crysal Meth.

Von besonderer Wichtigkeit ist zudem, ob ein Konsument neben Amphetamin auch andere Drogen konsumiert hat, wie bereits beim Mischkonsum beschrieben. Dann treten beim Amphetamin-Entzug oft auch körperliche Entzugssymptome auf, eben durch das Fehlen der anderen Rauschmittel. Gerade dann empfiehlt sich eher ein stationärer Entzug in einer darauf spezialisierten Suchtklinik, der unter medizinischer und pflegerischer Aufsicht erfolgt.

Amphetamin-Entzug – Was muss ich beachten?

Beim Amphetamin-Entzug sollte man die Möglichkeit haben, dem übermächtigen Schlaf- und Ruhebedürfnis nachzugeben. Denn die Signale des Körpers sind begründet, wenn er nach Schlaf verlangt. Man muss darauf achten, während des Amphetamin-Entzuges ausreichend Flüssigkeit sowie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente zu sich zu nehmen. Damit kann man eine bereits bestehende Minderversorgung ausgleichen und Folgeschäden verhindern.

Unter Umständen ist eine medikamentöse Unterstützung des Amphetamin-Entzuges möglich, etwa mit Naltrexon oder Bupropion. Über solche Möglichkeiten informiert der Hausarzt oder Psychologe. Der Besuch des Letzteren empfiehlt sich ohnehin meistens, um mit den Folgen fertig zu werden, wenn man einen Amphetamin-Entzug selber machen möchte.

Amphetamin-Entzug Wer bezahlt die Reha?

Wer suchtmittelabhängig ist, hat Anspruch auf eine akutmedizinische und entwöhnungsorientierte Behandlung. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für Verhaltenstherapie und Psychoanalyse bei Drogenkonsum. Dagegen übernimmt die Rentenversicherung die weitergehende Therapie einer Drogenabhängigkeit. Welche Maßnahmen dazugehören und wie das mit der Kostenübernahme geregelt ist, muss man im Einzelfall dort erfragen.

Literatur, Quellen und weiterführende Links

  1. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA):
    • Verzeichnis der Suchtberatungsstellen. Link>>.
    • BZgA-Infotelefon zur Suchtvorbeugung: Telefon 0221 / 89 20 31
  2. Deutsche Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD): Kurzbericht Situation illegaler Drogen in Deutschland. PDF>>.
  3. Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA): Germany, Country Drug Report 2017. PDF>>.
  4. wikiHow: Eine Amphetaminsucht überwinden. Link>>
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