Alkalische Phosphatase im Blut – zu niedrig oder erhöht?

Die alkalische Phosphatase als Enzym in Leber und Knochen

Die alkalische Phosphatase ist ein Enzym. Mediziner bezeichnen es auch als AP, ALP oder knochenspezifische Ostase. Das Enzym ist an verschiedenen Stoffwechsel-Aktivitäten des Organismus beteiligt und unterteilt in diverse Gruppen. Diese befinden sich vorwiegend in den Knochenzellen, in den Gallenwegen und im Lebergewebe. Die AP zeigt verschiedene Krankheiten, die den normalen Stoffwechsel der Leber oder des Knochens verändern, an.

alkalische phosphatase

Gewebestruktur © adimas – Fotolia.com

 

Alkalische Phosphatasen weisen auf Erkrankungen der Leber, Galle und der Knochen hin

Die ALP gehören zur Gruppe der Enzyme. Sie spalten Phosphorsäure-Monoester. Das Enzym kommt in verschiedenen Organen und Strukturen des Körpers vor, vorwiegend in der Leber, in den Gallenwegen und in den Knochen. Der AP-Wert dient als Anzeichen für Erkrankungen der Leber, der Gallenwege, sowie für Verschiebungen innerhalb des Knochen-Stoffwechsels.

Bei Frauen und Männern ab siebzehn Jahren liegen die Normwerte zwischen 30 bis 120 U/l. Die Referenzwerte sind bei Schwangeren und Kindern weitaus höher. Ein erniedrigter Wert deutet auf einen angeborenen Mangel an alkalischer Phosphatase (Hypophosphatasie) hin. Zu hohe Werte stehen im Zusammenhang mit Gallen-Abfluss-Störungen, Vitamin D-Mangel, Tumoren in Knochen, Morbus Paget (Paget-Karzinom der Mamille, Osteodystrophia deformans), Akromegalie oder Nierenschwäche.

 

Was ist eine alkalische Phosphatase?

Die ALP ist ein Stoffwechsel-Enzym, das die Fähigkeit zur Spaltung von Phosphorsäure-Monoestern besitzt. Sie benötigt Magnesium und Zink als Cofaktoren. Ihr pH-Optimum liegt im alkalischen Bereich. Das Enzym kommt in verschiedenen Organen und Strukturen des Körpers vor, wie in Leber, Dünndarm, Gallenwegen, Plazenta und in den Knochen. Nach einem Knochenbruch oder während des Knochenwachstums ist das AP vermehrt im Blut nachweisbar.

Die alkalische Phosphatase ist unterteilt in diverse Unterformen. Es gibt 15 verschiedene ALP, die in ihrem chemischen Aufbau differieren. Benannt sind sie, je nach dem Gewebe, in dem sie vorkommen. AP treten vermehrt im Lebergewebe, im Knochenskelett und in den Zellen der Gallengänge auf. Eine erhöhte Konzentration desselben im Blut weist auf Prozesse und Erkrankungen in diesen Strukturen hin.

Wann bestimmt der Mediziner die ALP?

Der Arzt ermittelt die Konzentration der alkalischen Phosphatase aller Untergruppen, wenn der Verdacht auf Knochentumore, Knochenmetastasen oder eine Leber-Erkrankung besteht.

 

Normwerte für die AP

Mediziner beziffern den Anteil der alkalischen Phosphatase im Blut in Enzymaktivitäts-Einheiten (Units, U) pro Liter Substrat. Für weibliche Jugendliche im Alter zwischen 13 und 17 Jahren liegt der Normwert unter 187 U/l. Bei männlichen Minderjährigen dieser Altersgruppe unter 390 U/l. Bei den über 18-jährigen Frauen liegen Werte unter 35 bis 104 U/l im Normalbereich. Für Männer im Erwachsenenalter gelten Messergebnisse zwischen 40 und 129 U/l als normal.

Neugeborene bis fünf Tage weisen einen Normalwert von unter 231 U/l und Babys bis sechs Monate von unter 449 U/l auf. Bis zum zwölften Lebensmonat liegt der Wert bei unter 462 U/l. Bei Kindern unterscheiden sich die Grenzwerte je nach Alter. Bis zum dritten Lebensjahr sind unter 281 U/l normal, bis sechs Jahre 269 U/l und bis zum zwölften Lebensjahr unter 300 U/l.

Eine zu niedrige Konzentration der alkalischen Phosphatase

In seltenen Fällen ist die AP zu niedrig. In der überwiegenden Anzahl der Fälle ist die Veränderung angeboren. Sie beruht auf einer Unterfunktion der Schilddrüse oder auf eine schwere Anämie. Weitere Ursachen sind Zinkmangel, Unterernährung oder die Strahlenkrankheit. Ebenso treten zu niedrige Werte bei der seltenen Erbkrankheit Morbus Wilson auf, welche mit einem gestörten Kupferstoffwechsel zusammenhängt.

Die Achondroplasie und die Hypophosphatasie sind weitere Erbkrankheiten, die mit einem erniedrigten AP-Wert einhergehen. Letztgenannte als Rathbun-Syndrom bezeichnete Erkrankung verläuft in schweren Fällen bei Säuglingen tödlich. Bei Erwachsenen führt sie zu Knochenschwäche und Gelenk-Entzündungen. In der Studie „Enzyme-replacement therapy in life-threatening hypophosphatasia“ von Whyte MP fanden Wissenschaftler eine Enzym-Ersatz-Therapie. Angewendet bei Probanden im Säuglingsalter, verringerte sie die Sterblichkeitsrate der erkrankten Kinder.

Eine erhöhte Konzentration der alkalischen Phosphatase

Ein zu hoher AP-Wert tritt bei Knochen-, Leber oder Nieren-Erkrankungen auf. Zur genauen Bestimmung ermittelt der Arzt weitere Blutwerte. Bei folgenden Krankheiten ist die Konzentration der alkalischen Phosphatase erhöht:

  • bei Knochen-Erkrankungen wie Knochentumoren, Morbus Paget und Rachitis infolge eines Vitamin-D-Mangels,
  • bei einer Nebenschilddrüsen-Überfunktion,
  • bei Nierenschwäche wie Nieren-Insuffizienz,
  • bei Leber-Erkrankungen wie Hepatitis, Tumoren, Gallengangs-Stau, Gallengangs-Entzündungen (Cholangitiden),
  • Hyperparathyreoidismus,
  • beim Cushing-Syndrom (übermäßige Kortisol-Konzentration im Blut),
  • bei Akromegalie (Überschuss des Wachstumshormons),

 

Neben Erkrankungen ist der AP-Wert ebenso während einer Schwangerschaft und im Zuge des kindlichen Wachstums vermehrt im Blut nachweisbar. Dabei handelt es sich nicht um eine krankhaft erhöhte Konzentration, so Dr. med. Reiter. Ebenso verursacht die Einnahme verschiedener Medikamente wie Allopurinol, Antiepileptika, Antikonvulsiva, Antidepressiva, orale Antidiabetika und Benzodiazepine eine Steigerung des Wertes. Orale Kontrazeptiva (Anti-Baby-Pille) erniedrigen den Wert hingegen.

 

Ist der ALP-Wert verändert, bringen weitere Untersuchungen Gewissheit

Eine erhöhte alkalische Phosphatase im Blut diagnostiziert noch keine Erkrankung. Der Mediziner schließt zur Ursachen-Findung weitere Untersuchungen an und beobachtet im Verlauf der Behandlung die Werte.

 

Wie bestimmt der Mediziner den Wert?

Die Messung ist Teil der Routine-Bestimmung der Leberwerte. Indiziert ist diese, sobald bei einem Patienten Symptome einer Leber- oder Knochen-Schädigung auftreten. Zuvor erfolgt eine Blutentnahme aus der Armvene in ein Heparin-Röhrchen. Die Verwendung von EDTA- oder Oxalat-Plasma entfällt, da EDTA Magnesium und Oxalat Zink komplexiert, wobei diese die ALP inaktiviert. Ist der Wert erhöht und der Arzt nicht sicher, warum sein Patient hohe AP-Werte aufweist, fordert er eine zusätzliche Bestimmung der Isoenzyme an, um die Ursache herauszufinden.


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