Fachärzte Palliativ: Aufgaben der Palliativstation

Mit dem Begriff Palliativmedizin sehen sich die meisten Menschen zum ersten Mal konfrontiert, wenn ein Angehöriger an einer unheilbaren Erkrankung leidet und in absehbarer Zeit sterben wird. Der bisweilen gebrauchte Begriff „Sterbemedizin“ wird der Palliativmedizin jedoch bei weitem nicht gerecht:

Hauptziel eines Palliativarztes ist es, den Patienten in den letzten Tagen ein möglichst beschwerdearmes, schmerzfreies und vor allem bis zum Schluss selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Sterbehilfe ist in der Palliativtherapie grundsätzlich nicht vorgesehen, ebenso wenig wie sinnlose Therapieversuche, die den Betroffenen ohne Aussicht auf Erfolg unnötig belasten würden.Aufgaben der Palliativmedizin

Palliativmedizin – Palliativarzt – Palliativstation im Überblick

  1. Mit Palliativmedizin bezeichnet man den medizinischen Fachbereich, der sich mit Behandlung und Begleitung schwerkranker Patienten in ihrem letzten Lebensabschnitt befasst.
  2. Palliativ werden nicht nur Krebspatienten betreut, sondern alle Patienten mit fortschreitenden schweren Erkrankungen, bei denen nach medizinischen Kenntnisstand keine Heilung möglich ist.
  3. Ziel der Palliativmedizin ist eine Verbesserung der Lebensqualität eines Patienten durch eine geeignete Schmerztherapie und die Behandlung sonstiger körperlicher und geistiger Beschwerden.
  4. Eine palliativmedizinische Versorgung erfordert die enge Zusammenarbeit unterschiedlicher medizinischer Fachrichtung, der Pflege sowie von Psychologen, Sozialarbeitern, Ergotherapeuten/Physiotherapeuten und Seelsorgern.
  5. Ebenso umfasst die Palliativmedizin die Betreuung der betroffenen Angehörigen.

 

Was ist Palliativmedizin?

Palliativ leitet sich ab vom lateinischen pallium, Mantel; palliare bedeutet sinngemäß etwas mit einem Mantel bedecken oder schützen. Palliativstation, Palliativarzt und Palliativmedizin unterscheiden sich von den sonstigen Stationen, Ärzten und Fachbereichen der Medizin dadurch, dass hier nicht die Wiederherstellung der normalen Körperfunktion im Sinne einer Gesundung das Ziel ist, sondern die unter den gesundheitlichen Verhältnissen eines Patienten bestmögliche Anpassung an die physiologischen und psychologischen Gegebenheiten.

Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DPG) definiert diese als „Behandlung und Begleitung von Patienten mit einer nicht heilbaren, progredienten und weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung sowie (…) Begleitung ihrer Angehörigen“.

Ähnlich äußert sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrer Definition von 2002:

Palliative Care ist ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Familien, die mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung konfrontiert sind. Dies geschieht durch Vorbeugung und Linderung des Leidens mittels frühzeitiger Erkennung und korrekter Beurteilung der Behandlung von Schmerzen und anderen Beschwerden körperlicher, psychologischer und spiritueller Art.

Krankenhaus
Krankenhaus, Copyright: sudok1 bigstockphoto

Was ist ein Palliativarzt?

Palliativmedizin ist eine Zusatzweiterbildung für Fachärzte, die einen Basiskurs und eine einjährige Ausbildung in einer palliativmedizinischen Einrichtung vorsieht.

Wichtige Elemente dieser Weiterbildung sind die Erlangung besonderer Kenntnisse in Symptomkontrolle und Schmerztherapie, Gesprächsführung mit Patienten und Angehörigen und die Koordination der Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen, dem Pflegepersonal, Seelsorgern, Psychologen, Physiotherapeuten und Sozialarbeitern.

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Auch die spezielle Auseinandersetzung mit Sterben, Tod und Trauer gehört normalerweise nur bedingt zur medizinischen Grundausbildung, ist hier aber dringend vonnöten.

Was viele Mediziner erst lernen müssen: Irgendwann ist die Grenze des therapeutisch sinnvoll Möglichen erreicht. Jede Entscheidung darüber, ob eine Therapie mit Medikamenten oder Operationen noch etwas bringt oder nur noch unnötig die Lebensqualität eines Patienten beeinträchtigt ist äußerst diffizil und weder leicht noch leichtfertig zu treffen.

Was ist eine Palliativstation?

Eine Palliativstation ist eine spezielle Station eines Krankenhauses, die auf die speziellen Bedürfnisse einer palliativmedizinischen Versorgung konzipiert ist. Meistens ist eine Palliativstation wohnlicher gestaltet als eine normale Station. Zudem ist der Personalschüssel wesentlich höher, sodass eine bessere persönliche Betreuung der Patienten möglich ist. Das Personal ist für Schmerztherapie und psychosoziale Betreuung von Patienten speziell geschult.

Auf einer Palliativstation kommen nur noch diagnostische, therapeutische und pflegerische Maßnahmen zum Einsatz, die die Symptomatik des Patienten bessern, die Lebensqualität erhöhten und nicht zu einer zusätzlichen Belastung führen. Vor allem werden sie nur durchgeführt, sofern sie dem Willen des Patienten entsprechen.

Palliativstationen sind noch gar nicht so alt: In Deutschland wurde die erste entsprechende Einrichtung zum Palliative Care 1983 an der Universitätsklinik Köln in Betrieb genommen.

An wen wendet sich die Palliativmedizin?

Vielfach bringt man die Palliativmedizin nur mit Krebserkrankungen im Endstadium in Zusammenhang. Das stimmt nur bedingt. Ebenso führen zahlreiche schwere, fortschreitende (progrediente) Erkrankungen zu schweren Einschränkungen in Alltagskompetenz und Lebensqualität, ohne dass mit medizinischen Behandlungen eine Heilung möglich wäre. Dann wird es notwendig, Symptome wie Schmerzen, Luftnot, Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle oder Müdigkeit und körperliche Schwäche wie auch nicht heilende Wunden so gut wie möglich unter Kontrolle zu halten.

Beispiele für palliativmedizinische Behandlungen finden sich bei

  • fortgeschrittenen Krebserkrankungen
  • schweren Lungenerkrankungen wie COPD und Tuberkulose
  • schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinsuffizienz
  • schweren neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfällen, Morbus Parkinson, Morbus Alzheimer, amyotrophe Lateralsklerose (ALS)

Palliativmedizin in der Zusammenarbeit mit anderen Fachrichtungen

Die Palliativmedizin erfordert eine enge Zusammenarbeit von Medizinern und Pflegepersonal. Hinzu kommen mehr und mehr ehrenamtliche Mitarbeiter, die das Personal in ihrer Arbeit unterstützen. Daraus hat sich in den letzten Jahrzehnten in Deutschland ein dichtes Netz aus verschiedenen Einrichtung entwickelt, die sich der Palliativversorgung und Hospizarbeit widmen.

Da die Ursachen für die Palliativversorgung aus allen medizinischen Fachbereichen stammen können, sind auf den jeweiligen Patienten zugeschnittene Kooperationen und Dialoge mit Fachärzten, Psychologen und sonstigen Spezialisten notwendig.

Allgemeine Palliativversorgung (AAPV)

Bei der Versorgung von sterbenden und schwerstkranken Patienten unterscheidet man eine allgemeine und eine spezialisierte Palliativversorgung.

Die meisten Patienten werden in der allgemeinen Palliativversorgung betreut. Sie umfasst die kontinuierliche und enge Versorgung in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen durch Haus- und Fachärzte, Pflegedienste und assoziierte Berufsgruppen wie Seelsorger, Psychologen, Sozialarbeiter und anderen Therapeuten.

Spezialisierte Palliativversorgung (SAPV)

Die spezialisierte Palliativversorgung betreut Patienten, die einer besonderen Versorgung bedürfen. Dazu dienen Palliativstationen, Hospize und ambulante Palliativversorgung. Diese Regelung hat der Gesetzgeber erst 2007 eingeführt, um eine Versorgung auch solcher Patienten zu Hause ermöglicht, die besonders hohen Betreuungsbedarf haben.

Kinder- und Jugendhospizarbeit

Nicht nur alte Menschen fortgeschrittenen Lebensalters fallen in den Aufgabenbereich der Palliativmedizin, sondern auch Kinder und Jugendliche mit lebensverkürzenden Erbkrankheiten oder Krebs. Eine solche Diagnose ist oft ein sicheres Anzeichen dafür, dass das Kind das Erwachsenenalter nicht erreichen wird.

Aufgrund der besonderen Umstände ist nicht nur die palliative Versorgung des Patienten wichtig, sondern auch die entsprechende Betreuung der Familie, die sich durch den drohenden Verlust einer besonderen psychischen Belastungssituation gegenüber sieht.

Daher ist es erklärtes Ziel der Kinder- und Jugendhospizarbeit, auch die Familienmitglieder auf dem oft langen Weg in der letzten Lebensphase ambulant zu begleiten. Für Eltern und Geschwister bedeutet das eine enorme Entlastung.

In besonderen Krisensituationen oder in der Endphase des Lebens wird die Familie in entsprechenden Kinderhospizeinrichtungen aufgenommen.

Quellen, Links und weiterführende Literatur