Schwangerschaftvorsorge: Lues-Such-Reaktion – Syphilis Test

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Der Syphilis Test in der Schwangerschaft

Schwangerschaft Vorsorge: Lues-Such-Reaktion Lues (Syphilis) ist eine sexuell übertragene Krankheit, die das Bakterium Treponema pallidum hervorruft. In Deutschland ist ein Screening für die Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung gesetzlich vorgeschrieben (Lues-Such-Reaktion, LSR). Dadurch lassen sich Schwangere mit einer Syphilis ohne Symptome erkennen und rechtzeitig behandeln, bevor eine Übertragung auf das ungeborene Baby stattfindet. Denn die Bakterien verursachen bei Kindern zahlreiche Spätschäden oder es kommt zu Tot- und Fehlgeburten.

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Labor Untersuchung
Blut Labor Untersuchung Urheber: dolgachov / 123RF.com

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Lues-Such-Reaktion in der Schwangerschaft: Wonach wird gesucht?

Bei der Lues-Such-Reaktion wird in der Schwangerschaft nach Treponema pallidum gesucht, dem Erreger der Syphilis. Dabei handelt es sich um ein korkenzieherartig gewundenes Gram-negatives Bakterium, das ausschließlich im Menschen vorkommt und sich durch direkten Schleimhautkontakt überträgt. Das ist fast ausschließlich im Rahmen sexueller Handlungen der Fall, kann jedoch auch in der Schwangerschaft oder bei der Geburt geschehen.

Dann spricht man von einer angeborenen Syphilis (Syphilis connata). Die Syphilis (Lues, harter Schanker) zählt zu den sexuell übertragbaren Krankheiten oder Infektionen (sexually transmitted diseases STD; sexually transmitted infections STI). Die Erkrankung verläuft ohne Behandlung chronisch und in mehreren Stadien (Primär- bis Quartärstadium). Sie beginnt mit einem Hautgeschwür an der Eintrittsstelle und grippeähnlichen Symptomen.

Im Laufe der Jahre schädigt die Infektion immer mehr innere Organe, Muskeln, Knochen und Nerven. Letztlich endet sie mit einer schrittweisen Zerstörung des Zentralen Nervensystems (ZNS) mit Lähmungen, Erblindung und Tod (Neurolues). Bei einer Infektion bildet das Immunsystem Antikörper gegen das Bakterium. Nach diesen Antikörper sucht man bei der Lues-Such-Reaktion in der Schwangerschaft. Sollte der Test positiv verlaufen, muss schnellstmöglich eine Behandlung stattfinden, um eine Übertragung auf das ungeborene Kind zu verhindern.

Labor Untersuchung
Blut Labor Untersuchung Urheber: dolgachov / 123RF.com

 

Lues-Such-Reaktion in der Schwangerschaft: Warum ist Lues in der Schwangerschaft so gefährlich?

Außer durch sexuelle Handlungen wird Lues am häufigsten während der Schwangerschaft übertragen. Treponema pallidum gelangt dabei über das mütterliche Blut in die Plazenta und von dort aus in den ungeborenen Fetus. Diesen Infektionsweg bezeichnet man als diaplazentare Übertragung. Möglich ist diese ab der 12. Schwangerschaftwoche bis zur Geburt. Das Infektionsrisiko hängt von der Menge der Treponemen im mütterlichen Blut ab. Daher liegt es im ersten Jahr einer unbehandelten Infektion bei knapp 100 % und sinkt danach auf unter 5 % nach vier Jahren. Die Syphilis verursacht durch die Schädigung des Embryos Tot-, Fehl- oder Frühgeburten. Wenn das Kind mit einer angeborenen Syphilis (Syphilis connata) auf die Welt kommt, können mehrere Monate vergehen, bis die Bakterien die ersten Symptome hervorrufen.

  • Vorzeitige angeborene Syphilis (Syphilis connata praecox) bezeichnet eine vor dem zweiten Lebensjahr symptomatisch verlaufende Erkrankung. Sie äußert sich in erster Linie durch Symptome wie
    • Wasserkopf (Hydrops fetalis) und Ödembildungen
    • Atemnotsyndrom mit blutigen Schnupfen
    • Anschwellen von Leber und Milz (Hepatosplenomegalie)
    • Hautausschlag (Exanthem)
    • Gelbsucht
    • Blässe.
  • Späte angeborene Syphilis (Syphilis connata tarda) ist eine mit Symptomen ausbrechende Krankheit ab dem zweiten Lebensjahr. Diese ist vor allem durch das Auftreten der Hutchinson-Trias gekennzeichnet:
    • Schwerhörigkeit des Innenohrs bis hin zu Taubheit
    • Hornhautentzündung (Keratitis parenchymatosa) und Irisentzündung (Uveitis) des Auges
    • Krampanfälle
    • tonnenförmige Deformationen der Schneidezähne und Backenzähne
    • Einrisse (Rhagaden) an Häuten und Schleimhäuten
    • Sattelnase
    • Schwellungen der Kniegelenke.

 

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Lues-Such-Reaktion in der Schwangerschaft und Schwangerschaftsvorsorge

Die Richtlinien über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) empfehlen die Lues-Such-Reaktion in der Schwangerschaft zu einem möglichst frühen Zeitpunkt.

Wenn die LSR positiv ausfallen sollte, soll das Labor anhand der gleichen Blutprobe die übliche serologische Syphilisdiagnostik anschließen. Im Mutterpass, den der Gynäkologe im Rahmen der Mutterschaftsvorsorgeuntersuchungen ausstellt, wird lediglich die Durchführung der LSR dokumentiert. Die Durchführung ist denkbar einfach – es genügt eine kleine Blutprobe, die Ihnen Ihr Gynäkologe im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen ohnehin abnimmt.

Diese wird in einem Labor serologisch auf darin vorhandene Antikörper gegen Treponema pallidum untersucht. Des Weiteren führt Ihr Gynäkologe außer der Lues-Such-Reaktion in der Schwangerschaft weitere Untersuchungen durch, bei denen er Hinweise auf eine fetale Syphilis finden könnte. Das ist mit den üblichen Ultraschalluntersuchungen möglich, bei denen eine vergrößerte Plazenta (Placentomegalie), Vergrößerung von Leber und Milz (Hepatosplenomegalie), Bauchwassersucht (Aszites) oder ein Wasserkopf (Hydrops fetalis) auffallen würden.

 

Lues-Such-Reaktion in der Schwangerschaft: Wie kann man eine Infektion behandeln?

Wenn die Lues-Such-Reaktion positiv ausfallen sollte, besteht wenig Anlass zur Sorge. Treponema pallidum reagiert in der Regel ausgezeichnet auf gängige Antibiotika wie Penicilline. Eine Behandlung mit Benzylpenicillin ist auch in der Schwangerschaft möglich (mindestens zehn Tage). Reagiert die Mutter darauf allergisch, ist eine Behandlung mit Doxyccyclin oder Erythromycin möglich (mindestens 14 Tage). Tetrazykline, die sonst bei einer Unverträglichkeit eingesetzt werden können, darf man in der Schwangerschaft keinesfalls verwenden, da sich diese in Knochen und Zähne einlagern und zu Brüchigkeit und gelblichen Verfärbungen führen.

 

Lues-Such-Reaktion in der Schwangerschaft: Werden meine Daten weitergegeben?

Sollte eine solche Lues-Such-Reaktion in der Schwangerschaft bei Ihnen positiv ausfallen, muss Ihr Gynäkologe das dem Bundesgesundheitsamt melden. Aber keine Sorge, die Meldung erfolgt anonymisiert, sodass keine Behörde von Ihrer Infektion erfährt. In Ihrem Mutterpass vermerkt er zudem lediglich, dass man die LSR bei Ihnen durchgeführt hat, nicht aber, was dabei herausgekommen ist.

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Was bringt das?

Eine ganze Menge. Bedenken Sie, dass die vorgeschriebene Untersuchung für eine rechtzeitige Erkennung der anfangs oft relativ symptomarm verlaufenden Erkrankung sorgt. So können Sie sich rechtzeitig einer Behandlung unterziehen und schwere, letztlich tödliche Folgeerscheinungen verhindern. Gleiches gilt für Ihr Kind. Abgesehen davon, dass sich mit einer rechtzeitigen Therapie Totgeburten und Fehlgeburten verhindern lassen treten keine späteren Folgeschäden auf, die Ihr Kind schwer beeinträchtigen würden. Immerhin hat sich nach Angaben der Robert-Koch-Institutes (RKI) durch die vorgeschriebenen Untersuchungen die Zahl der Fälle einer Syphilis connata in den Jahren 2005 bis 2012 auf einen bis fünf Fälle pro Jahr reduziert.

 

 

Gefährliche Syphilis für das ungeborene Kind: Schwangere auf Syphilis testen

Zur Routine gehören Blutuntersuchungen bei Schwangerschaft. Syphilis ist eine gefährliche Krankheit, die beim Fötus schwerwiegende Konsequenzen hervorruft. Eine verzögerte Organentwicklung, absterbendes Gewebe und diverse Entzündungsherde führen zu irreparablen Schädigungen oder dem pränatalen Tod. Das Risiko einer Totgeburt bei einer Infektion liegt je nach Erkrankungsstadium bei drei bis zwanzig Prozent. Die Erreger erreichen das Ungeborene ab dem fünften Schwangerschaftsmonat über die Plazenta und bewirken eine Syphilis connata. Ohne Behandlung hat sie lebenslange gesundheitliche Auswirkungen.

Dank Blutuntersuchungen in der Schwangerschaft auf Syphilis und einer Therapie ist es möglich, das Ungeborene vor irreparablen Schädigungen zu bewahren. Verschiedene Tests zeigen, ob im Blut des Kindes Antikörper oder Erreger vorhanden sind. Durch eine Serie von Untersuchungen erkennt der Arzt mit großer Wahrscheinlichkeit eine Erkrankung des Fötus und reagiert entsprechend darauf.

 

Folgen einer Syphilis-Infektion während der Schwangerschaft

Vorgehen bei der Schwangerschaftsvorsorge

Ein wichtiger Teil der Schwangerschaftsvorsorge sind die Blutuntersuchungen. Sie zeigen auf, ob die werdende Mutter an Infektionen leidet und welche Antikörper von früheren Leiden existieren. Das Labor prüft auf Röteln, Hepatitis B und Syphilis, die für die Föten irreversible Konsequenzen haben. Eine infizierte Mutter überträgt den Erreger in den meisten Fällen auf ihr Kind. Er verzögert seine Organentwicklung und sorgt für diverse Entzündungsherde in seinem Körper. In verschiedenen Organen stirbt Gewebe ab.

 

Syphilis-Nachweis mittels verschiedener Tests

Die Diagnostik einer vorhandenen Syphilis ist wichtig für die Entwicklung des Fötus. Sie basiert auf einer gleichzeitigen serologischen Untersuchung bei Frau und Kind. Der Vergleich von Immunoblots und quantitativen Tests zeigt eine Infektion an. Kindliche Proben mittels PCR und Plazenta reichen für eine Diagnose nicht aus. Treponemenspezifische IgG-Antikörper im fötalen Blut stammen von der Mutter durch diaplazentare Übertragung oder der Fötus bildet sie als Antwort auf eine Infektion.

Ein Test im Rahmen von Blutuntersuchungen in der Schwangerschaft bei Syphilis auf treponemenspezifische IgM-Antikkörper beweist einen der beiden Infektionswege. Sie sind nicht diaplazentar übertragbar, sondern entstehen im Blut des Fötus. Mit den Testarten 19S FTA-ABS-IgM und Immunoblot-IgM untersuchen die Fachleute die Existenz von IgM-Antikörpern. Sind die Tests positiv, ist eine konnatale Syphilis vorhanden. Eine weitere Untersuchung ist der parallele Nachweis von Cardiolipin-Antikörper-Titer. Ist der Wert beim Kind um das Vierfache höher als bei der Mutter, spricht dies für das Vorhandensein der Krankheit.

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Negative Erreger- und Antikörpernachweise schließen eine konnatale Syphilis nicht zu 100 Prozent aus. Die Mutter leiht dem Kind IgG-Antikörper sowie Lipoid-Antikörper. Sie passieren die Plazenta und bewirken im Blut des Fötus einen vergleichbaren Titer wie bei der Mutter. Mit einer Halbwertszeit von 21 Tagen eliminiert sie das Blut automatisch. Cardiolipin-Antikörper sinken nach der Geburt innerhalb sechs Monaten unter die Nachweisgrenze. Bei treponemenspezifischen IgG-Antikörpern geschieht dies innerhalb von einem Jahr.

 

Bei Blutuntersuchungen in der Schwangerschaft auf Syphilis testen

Unter Therapie erreichen die Werte bei einigen Kindern negative Zahlen, bei anderen persistieren sie lebenslänglich im Blut. Die vierteljährliche Nachuntersuchung bei infizierten Säuglingen ist notwendig, bis der Nachweis mütterlicher Antikörper keine Resultate mehr ergibt.

Folgende Indikatoren weisen auf eine konnatale Syphilis hin:

  • positiver Lipoid-IgM-Antikörperbefund,
  • 4-fach höherer Lipoidantikörpertiter beim Kind im Vergleich zur Mutter,
  • positiver IgM-Antikörperbefund,
  • differente Bandenmuster,
  • Antikörperpersistenz bei Nachkontrollen während des ersten Lebensjahres.

Eine rechtzeitige Erkennung der Syphilis bei der Schwangeren und eine adäquate Therapie bilden die beste Prophylaxe.

 

 

Zu den wichtigen Blutuntersuchungen in der Schwangerschaft für werdende Mütter gehören:

Schwangerschaft Vorsorge Blutgruppenuntersuchung
Schwangerschaft Vorsorge Antikörpersuchtest
Schwangerschaft Vorsorge Röteln-HAH-Test
Schwangerschaft Vorsorge Kontrolle auf das HBs-Antigen
Schwangerschaft Vorsorge Freiwilliger HIV-Test Blutuntersuchung
Schwangerschaft Vorsorge Toxoplasmose
Schwangerschaft Vorsorge Lues-Such-Reaktion
   

 

Literatur & Quellen

  1. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) der Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigung, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen: Mutterschaftsrichtlinien – Richtlinien über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung – PDF.
  2. AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.): S2K-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Syphilis. Stand: 07/2014 – PDF.
  3. Herbert Hof, Rüdiger Dörries: Medizinische Mikrobiologie. 6. Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag (2017). ISBN-10: 3132410381.
  4. Ernst Wiesmann (Hrsg.), Fritz H. Kayser, Kurz A. Bienz, Johannes Eckert: Medizinische Mikrobiologie. 9. Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag (1997). ISBN-10: 3134448084.
  5. Christian Jassoy, Andreas Schwarzkopf: Hygiene, Infektiologie, Mikrobiologie. 2. Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag (2013). ISBN-10: 3131361328.
  6. Dietrich Reinhardt, Thomas Nicolai, Klaus-Peter Zimmer (Hrsg.): Therapie der Krankheiten im Kindes- und Jugendalter. 9. Auflage. Heidelberg: Springer Verlag (2014). ISBN-10: 3642418139.

 

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Anna Nilsson, Journalistin und Medizinautorin seit 2001 mitwirkende Autorin im Gesundheitsmagazin "Großes Blutbild"