Lipasen sind Enzyme, die fettartige Substanzen spalten. Die von verschiedenen Organen gebildeten Eiweiße sind unter anderem wichtig für die Fettverdauung und für die Aktivierung von Fettreserven. Der Lipase-Blutwert geht vor allem auf das Verdauungsenzym der Bauchspeicheldrüse zurück. Daher weist dieser Blutwert in der Labordiagnostik vor allem auf Erkrankungen des Pankreas hin

Lipase-Blutwert
Was ist der Lipase-Blutwert? Copyright: Romario Ien bigstockphoto

Was ist der Lipasewert im Blut?

Der Lipase-Blutwert spiegelt die Menge der Pankreas-Lipase im Blut wieder, eines Verdauungsenzymes, das die Bauchspeicheldrüse zur Fettverdauung in den Dünndarm abgibt und das bei Erkrankungen des Organs in veränderten Mengen in die Blutbahn gelangt.

Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Lipasen sind fettspaltende Enzyme. Das Enzym, das man als Blutwert im Labor bestimmt, stammt fast ausschließlich aus der Bauchspeicheldrüse und wird als Pankreas-Lipase bezeichnet.
  2. Der Referenzbereich des Lipase-Blutwertes liegt zwischen 20 und 160 U/ml.
  3. Für alle diagnostischen Fragestellungen ist die Bestimmung weiterer Blutwerte angebracht.
  4. Erhöhungen des Lipasewertes sind meist Folge einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse oder anderer Organe des Verdauungstraktes.
  5. Niedrige Lipase-Blutwerte spielen in der Klinik selten eine Rolle und sind meist Folge einer Pankreas-Insuffizienz infolge Mukoviszidose.

Was sind Lipasen?

Lipasen sind Enzyme, die zu den Esterasen gehören. Das bedeutet, sie spalten bestimmte Ester, Verbindungen, die aus Alkoholen und einer organischen Säure gebildet werden.

Dazu gehören auch viele fettartige Substanzen, allen voran die Triglyceride, die durch Veresterung von verschiedenen Carbonsäuren mit dem dreiwertigen Alkohol Glycerin entstehen.

Sie bilden den größten Anteil der Nahrungsfette und sind wichtige Energiespeicher in Form von Fettreserven. Dorthin gelangen sie über die Blutbahn, nachdem sie an spezielle Lipoproteine gebunden im Blutplasma löslich gemacht wurden. Daher lassen sich Triglyceride als Blutwert messen.

Lipasen spalten solche Nahrungsfette und Speicherfette in Glycerin und Carbonsäuren und machen diese so für den Abbau im Energiestoffwechsel zugänglich.

Dementsprechend findet man Lipasen in zahlreichen Organen nicht nur des Verdauungstraktes.

Was ist die Pankreas-Lipase?

Die Lipase, die man als Blutwert in einer Blutprobe bestimmt, stammt zum größten Teil aus der Bauchspeicheldrüse. Das meist keine hundert Gramm schwere Pankreas produziert täglich bis zu zwei Litern Verdauungssaft, in dem Lipase neben Kohlenhydrate und Proteine abbauenden Enzymen zu finden ist.

Dieses Sekret gibt die Bauchspeicheldrüse in den Dünndarm ab, wo es für die Verdauung des Nahrungsbreis verantwortlich ist. Die Pankreas-Lipase übernimmt hier die Spaltung der Nahrungsfette. Kleine Mengen davon gelangen auch in die Blutbahn und lassen sich dort als Lipase-Blutwert bestimmen. Der Lipase-Blutwert gehört nicht zum normalen kleinen oder großen Blutbild, sondern wird vom Arzt bei Verdacht auf Erkrankungen vor allem der Bauchspeicheldrüse eigens vom Labor angefordert.

Normwerte und Referenzbereich

Geringe Mengen Lipase sind immer im Blut enthalten, aber allzu hohe Werte sollte man bei einem gesunden Menschen im Blutserum nicht finden. Der Normwert der Lipase wird meist mit unter 160 U/l angegeben.

Referenzbereich Lipase-Blutwert: 20 – 160 U/l (20 – 160 mU/ml).

Wann ist der Blutwert zu hoch?

Einen zu hohen Lipase-Blutwert misst man vor allem bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, vor allem bei einer akuten oder chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis).

Wichtig: Bei Pankreatitis ist die Höhe des Lipase-Blutwertes unabhängig von der Stärke der Entzündung.

Treten Schmerzen im Oberbauch auf, die auf eine Pankreatitis zurückzuführen sind, steigt die Lipase innerhalb weniger Stunden an und bleibt für mehrere Tage erhöht.

Bisweilen wird der Lipase-Blutwert bei Verdacht auf Krebs der Bauchspeicheldrüse durchgeführt. Das ist in vielen Fällen unsinnig, da die meisten Pankreaskarzinome nicht von den lipaseproduzierenden Zellen ausgehen, sondern von denen der Ausführgänge.

In jedem Falle ist es sinnvoll, bei Verdacht auf Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse nicht nur den Lipase-Blutwert, sondern auch den Amylase-Blutwert zu bestimmen, eines weiteren Verdauungsenzyms, das für die Verdauung von Kohlenhydraten zuständig ist. Desweiteren geben die Entzündungswerte (Leukozyten, CRP, BSG) wichtige Hinweise.

Seltener findet man erhöhte Lipase-Blutwerte bei anderen Entzündungen des Verdauungstraktes, so bei Magengeschwüren, Gallensteinen oder Hepatitis. Sporadisch erhöhte Lipase-Blutwerte findet man zudem bei einigen Darmerkrankungen, allen voran der Zöliakie (Gluten-Unverträglichkeit) und den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

Wann ist der Blutwert zu niedrig?

In der Klinik spielen zu niedrige Lipase-Blutwerte selten eine Rolle. Sie treten auf, wenn die Bauchspeicheldrüse aufgrund einer Erkrankung nicht mehr genug Verdauungsenzyme bildet. In einem solchen Fall spricht man von einer Pankreas-Insuffizienz. Diese ist meist Folge einer chronischen oder akuten Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis).

Eine solche Pankreatitis ist häufig die Folge einer Mukoviszidose, einer Stoffwechselerkrankung, bei der die Schleimdrüsen ein Übermaß an zähflüssigem Schleim produzieren. Dieser verstopft die Ausführgänge von Drüsen und schädigt diese auf Dauer, so auch die Bauchspeicheldrüse.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  1. Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2018: G. Herold Verlag. ISBN-10: 3981466063
  2. Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
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